Digital Business & Startups
Der Bildungsmarkt verändert sich gerade massiv
#Interview
„Bildungsanbieter sitzen auf großen Mengen statischer Inhalte, die sie modernisieren müssen. Genau dort setzen wir an, indem wir die Transformation von Content zu interaktiven Lernangeboten automatisieren“, sagt Antong Yin, Gründer der KI-Lernplattform acemate.

Hinter acemate aus Berlin verbirgt sich eine „KI-Lernplattform für Studenten und Pädagogen“. Die basierte Software des Startups, 2024 von Antong Yin, Jan Tiegges und Paul Herman (CPO) gegründet, analysiert Vorlesungsunterlagen und erstellt daraus maßgeschneiderte Lernmaterialien wie Zusammenfassungen und Klausuren – samt Lösungen.
Im Interview mit deutsche-startups.de blickt acemate-Macher Antong Yin einmal ausführlich auf das vergangene Jahr zurück.
2025 ist gerade rum. Was war das Highlight in den vergangenen Monaten bei Euch?
Ganz klar der Sprung aus dem reinen Hochschulkontext in die Breite der beruflichen Bildung. Wir haben 2025 bewiesen, dass unsere Lösung nicht nur als Lernplattform für Studierende funktioniert, sondern als skalierbare Infrastruktur für große Bildungsanbieter. Ein besonders wichtiger Meilenstein war der Einsatz unserer Technologie im IHK-Netzwerk. Für uns ist das nicht nur ein großer operativer Schritt, sondern auch ein deutliches Signal aus dem Markt: Etablierte Bildungsträger suchen aktiv nach Wegen, ihre umfangreichen, oft statischen Materialien ins KI-Zeitalter zu überführen. Und genau hier liefert acemate die passende Infrastruktur. Wir haben 2025 auch unseren Finanzierungsbedarf durch Angel-Investoren und Förderprogramme gesichert. Ein entscheidender Partner ist dabei AI NATION: Wir sind aktuell Teil ihres Accelerator-Programms und werden bereits seit der Gründung von ihnen unterstützt.
Was lief 2025 bei Euch nicht rund?
Wir mussten lernen, dass der Hochschulmarkt nicht das ideale Umfeld für schnelle Entscheidungen ist. Die administrativen Prozesse sind oft lang, unberechenbar und schwer planbar. Anfangs konnten wir in kürzester Zeit Deals auf Lehrstuhlebene mit renommierten Hochschulen abschließen, was uns sehr optimistisch stimmte. Doch die Entscheidungswege auf den höheren Ebenen erwiesen sich als deutlich zäher und bürokratischer, weshalb wir unsere Wachstumsstrategie angepasst haben: Heute setzen wir stärker auf Product-Led Growth in der Hochschulbildung durch unsere Free-Version und konzentrieren unsere Vertriebsressourcen auf Kundensegmente, die schneller entscheiden und implementieren – wie Unternehmen und Weiterbildungsanbieter.
Welches Projekt steht 2026 bei Euch ganz oben auf der Agenda?
Im Frühjahr 2026 konzentrieren wir uns vor allem auf den bundesweiten Rollout mit den IHKs. Unsere Plattform soll ein fester Bestandteil des IHK-Weiterbildungsangebots werden – in der höheren Berufsbildung und in der Anpassungsbildung. Wir befinden uns mitten in der Integration und sind in den ersten Kursen bereits im Einsatz. Diese Zusammenarbeit ist für uns der größte Hebel, um die berufliche Weiterbildung in Deutschland spürbar zu modernisieren und stärker an den Bedürfnissen der Lernenden auszurichten. Im Zuge dessen erweitern wir unseren Fokus von der reinen Lernanwendung zur vollständigen KI-Infrastruktur. Künftig werden wir die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: von der Erstellung und Kuratierung neuer Inhalte über die zentrale Kursverwaltung bis hin zum digitalen Vertrieb.
Mit welchen Erwartungen blickst Du wirtschaftlich auf 2026?
Der Bildungsmarkt verändert sich gerade massiv. Seit der Pandemie hat sich der Trend hin zu hybriden und digitalen Formaten in allen Bildungsbereichen verstärkt. Gleichzeitig entsteht durch KI erstmals die Chance, personalisiertes Lernen breit zugänglich zu machen. Bildungsanbieter sitzen auf großen Mengen statischer Inhalte, die sie modernisieren müssen. Genau dort setzen wir an, indem wir die Transformation von Content zu interaktiven Lernangeboten automatisieren. Mit acemate wollen wir die beste Lösung im Markt anbieten und das Momentum nutzen. Kurz gesagt: Wir gehen selbstbewusst ins Jahr 2026, mit einem klaren Fokus auf nachhaltigem, produktgetriebenem Wachstum.
Was hast Du Dir persönlich für 2026 vorgenommen?
2025 war für mich persönlich ein sehr intensives Jahr. Wir haben gute Fortschritte erzielt, jedoch blieb wenig Raum für Erholung und persönliche Interessen. Für 2026 habe ich mir daher vorgenommen, mir wieder mehr Zeit für die Dinge zu nehmen, die zuletzt zu kurz gekommen sind: Lesen, Sport, Musik sowie Freunde und Familie. Die Energie, die ich dadurch bekomme, kann ich im Gründeralltag gut gebrauchen.
Tipp: Mehr Rück- und Ausblicke findet ihr in unserem Jahresrückblick.
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Foto (oben): acemate
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Keiner will diesen Knochenjob machen – jetzt übernimmt ihn ein KI-Roboter
Wer selbst nicht vom Bau ist, hat auf Baustellen selten einen guten Stand. Investoren, Ingenieure, Frauen gar – alle nicht so gern gesehen. Dem Sitegeist allerdings geht es anders. Den mögen sie auf dem Bau. Alle. Denn: Der nimmt ihnen die schlimmste Drecksarbeit ab.
Dabei klagt er nicht und murrt nicht und – für den Chef das Beste: Er braucht auch keine Pause. Denn der Sitegeist ist ein Roboter, der Betonabbrucharbeiten ausführen kann. Dabei entfernt er maroden Beton mit einem Hochdruckwasserstrahl, etwa bei zu sanierenden Brücken, in Parkhäusern oder Tunneln.
Weil es dazu enorm viel Druck braucht, 3000 bar, ist diese Arbeit äußerst anstrengend. Zugleich muss man sehr präzise arbeiten, darf nicht zu viel Beton und nicht an den falschen Stellen abtragen. Für diese Arbeit braucht es viel Erfahrung und es gibt komplexe Sicherheitsvorschriften. Kurz: Auf dem Bau ist Betonabtrag nicht nur äußerst unbeliebt, oft fehlen dafür auch schlicht die Fachkräfte.
Impuls aus der Praxis
Betonsanierung ist einer der größten Pain Points im Baugewerbe, erklärt Lena-Marie Pätzmann, Co-Founder und CEO von Sitegeist. Und genau deshalb sei bereits vor einigen Jahren ein Bauunternehmen an den Lehrstuhl für „Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme“ der Technischen Universität München herangetreten. Und zwar mit der Frage: Kann man da nicht mal was machen? Könnte man nicht zum Beispiel einen Roboter bauen, der diesen Schweinejob übernimmt?
Ein Professor des Lehrstuhls, der Ingenieur Matthias Althoff, fand das eine spannende Frage und schrieb sie als Forschungsprojekt für eine Bachelorarbeit aus. Und an die machte sich Julian Hoffmann. Es stellte sich heraus: Solch ein Roboter ist nicht nur technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Denn Mannstunden sind in diesem Fall teurer als Roboterstunden. Und damit war die Sache mit dem Betonabriss-Roboter nicht nur eine gelungene Uni-Arbeit, sondern eine grundsolide Startup-Idee.
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Im Sommer 2025 setzten Julian Hoffmann und seine Kommilitonen Claus Carste und Nicola Kolb die Idee um und gründeten Sitegeist – gemeinsam mit Lena-Marie Pätzmann. Nach ihr hatte das Team gesucht: „Bei einem Hackathon bei Google sind Claus und Julian total direkt auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich ihnen helfen kann, die Anträge für den Exist Forschungstransfer fertigzumachen“, erzählt Pätzmann. „Die beiden haben mich wahnsinnig fasziniert mit ihrer Direktheit.“ Die St. Gallen-Absolventin übernimmt als CEO vor allem den betriebswirtschaftlichen Teil der Gründeraufgaben.
Dazu gehört natürlich und vor allem das Fundraising – und das hat schon mal geklappt. Nur sechs Monate nach Gründung schloss Sitegeist gerade eine vier Millionen Euro Pre-Seed-Finanzierung ab, angeführt von den VCs b2venture und OpenOcean und unter Beteiligung des Funding for Innovators Fonds der UnternehmerTUM sowie renommierter Business Angels wie Verena Pausder (auch eine St. Gallen-Alumna) und Lea-Sophie Cramer.
Roboter made in München
Dass Sitegeist in München zu Hause ist, ist nicht sonderlich überraschend. München ist Deutschlands Robotic Hotspot Nummer Eins. Die Liste der hier beheimateten, bekannten Roboter-Startups ist lang: Da wäre zum Beispiel das Roboter-Unicorn Agile Robotics. Oder Robco, ein Startup, das modularer Robotik-Hard- und Software ( aka “Physical AI“) für autonome Industrieautomatisierung macht und vor ein paar Wochen erst 85 Millionen geraised hat. Oder im Bereich Defense: Arx Robotics – auch die bauen an einer Art Roboter im näheren Münchner Umfeld. Filics macht Roboter für Lagerlogistik, Kewazo Baurobotic.
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Die Liste der – noch – unbekannten und ganz jungen Robotics Startups aus der bayerischen Landeshauptstadt ist noch länger: Im Robotics Venture Lab von UnternehmerTUM werkeln Gründerinnen und Gründer aktuell etwa an Robotern für Menschen in mentalen Notlagen (Navel Robotics) oder welchen für die häusliche Pflege (Devanthro).
MIMRI macht’s
Dass gerade an der Isar so viel in Sachen Robotics passiert, das liegt, sagen die, die hier an ihren Roboter Startups arbeiten, an der TUM, ganz klar. Und am MIRMI, dem Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence, ein integratives Forschungsinstitut und Teil der Technischen Universität München.
Seit Jahrzehnten forschen und arbeiten dort Wissenschaftler, die auf ihren Gebieten führend sind: Prof. Dr.-Ing. Sami Haddadin, zum Beispiel, Executive Director des MIRMI und Inhaber des Lehrstuhls für Robotik und Systemintelligenz. Er gilt als einer der prominentesten Robotik-Forscher weltweit, insbesondere in der Mensch-Roboter-Kollaboration und der Entwicklung roboterfeinmotorischer Fähigkeiten.
Oder eben Matthias Althoff, Professor für Cyber Physical Systems, der nicht nur den indirekten Auftrag der Bauindustrie angenommen hat, mit dem Impuls einen Betonabrissroboter zu entwickeln, sondern der in der Vergangenheit auch das Startup RobCo mit ausgegründet hat – und den das Team von Sitegeist als seinen „Gründungsvater“ bezeichnet.
Ein Beispiel von Physical AI
Nun ist München freilich nicht über Nacht Roboter-Hauptstadt geworden, erklärt Max Pohl, Founders Associate bei Sitegeist. Roboter würden seit über fünfzig Jahren gebaut – nur würden die eben immer „schlauer“. Selbst Roboter mit Sensoren seien nicht neu, aber seit in Betrieben immer mehr Daten zur Verfügung stehen, könnten Roboter mit immer mehr Informationen versorgt werden. Und so werden sie künstlich intelligent.
„Physical AI“ gilt als DER Megtrend 2026. Auch auf den World Economic Forum in Davos war oft die Rede davon: Künstliche Intelligenz wird die Bildschirme verlassen und in Körper und Maschinen einziehen. Sie verbindet dort Wahrnehmung, beispielsweise per Kamera, Lidar, Sensoren oder Mikrofon, mit autonomen Entscheidungen, mittels Machine oder Deep Learning, und darauffolgenden Aktionen.
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Die Sitegeist-Roboter sind ein Beispiel für solche verkörperte KI. Oder genauer: Sie sind auf dem Weg dahin, das Startup ist ja noch am Anfang. Der Baustellenroboter muss eine große Herausforderung meistern: keine Baustelle ist gleich. Er muss sich also – im Gegensatz zu einem am Produktionsband installierten Roboterarm, der in einer klar strukturierten Umgebung und einem sich wiederholenden Prozess befindet – in unterschiedlichen Umgebungen zurechtfinden. Sitegeist muss „sehen“ und aus dem Gesehenen Handlungen ableiten.
Darüber hinaus braucht er die Fähigkeit, unebenes Gelände zu überwinden, er muss dem hohen Wasserdruck standhalten, darf aber zugleich nicht allzu schwer sein (nicht zu vergessen: Er muss über zu sanierenden Beton, also kaputte Brücken und Decken, fahren können.)
In ihrer Garchinger Werkstatt entstanden so mittlerweile fünf Sitegeist-Modelle. Jedes besser als das zuvor, erzählt Pätzmann. Denn: Das Team testet seine Prototypen stets im Einsatz auf echten Baustellen im Auftrag privater Baufirmen.
„Wir gehen jetzt in die Phase, wo wir den Roboter robust machen“, erklärt Pätzmann. Das nächste Etappenziel danach sei dann die CE-Zertifizierung. „Dafür muss er jedoch ein Robustheitsniveau erreichen, bei dem wir sicher sein können, dass er mehrere Wochen am Stück produktiv eingesetzt werden kann.“ Die Herausforderung bestehe nicht nur darin, dass der Roboter der rauen Baustellenumgebung standhält. Entscheidend sei vor allem, dass er auch unter Bedingungen, bei denen selbst ein Mensch kaum noch etwas erkennt, qualitativ hochwertige und reproduzierbare Ergebnisse liefert. „Die Serienproduktion ist erst nach der nächsten oder übernächsten Finanzierungsrunde das Ziel.“
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Ein Startup-Selbstbewusstsein, das man in Deutschland selten sieht. Wer in den vergangenen Monaten durch Berlin-Mitte oder Prenzlauer Berg spaziert ist, kam an ihnen kaum vorbei. Schwarz-weiß, minimalistisch, auf Flyern, Litfaßsäulen, meterhohen Plakaten, auf leuchtenden Trucks und sogar auf dem Boden: die Kampagne des Berliner KI-Startups Peec AI.
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