Künstliche Intelligenz
Amazons Leo kommt noch vor Starlink nach Südafrika
Amazon.com bringt seinen Satelliten-Internetdienst Leo kommendes Jahr nach Südafrika, dem Heimatland Elon Musks. Starlink, der von Elon Musk gegründete Marktführer, ist in Südafrika nach wie vor nicht willkommen. Denn der reichste Mann der Welt ist nicht dazu bereit, die rechtlichen Vorgaben seiner Heimat einzuhalten. Amazon hat damit kein Problem.
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Der jahrzehntelange staatliche Rassismus Südafrikas wirkt bis heute nach, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Daher verlangt das Land von ausländischen Unternehmen im IKT-Bereich, dass historisch benachteiligte Gruppen mindestens 30 Prozent der Anteile und Stimmrechte halten. Zu diesen Gruppen zählen in Südafrika Schwarze sowie Personen indischer, chinesischer oder „gemischter” Abstammung. Voraussetzung ist jeweils die südafrikanische Staatsbürgerschaft. Zudem muss ein kleiner Prozentsatz des Nettogewinns in dienliche Projekte fließen, zur Hälfte zur Unterstützung einschlägiger Unternehmen aus der eigenen Lieferkette.
Diese Voraussetzungen will Musk nicht erfüllen, weshalb er Starlink aus Südafrika fernhält. Öffentlich beschwerte er sich über „Rassismus”. 2025 legte ihm die Regierung eine Rutsche: Seither gibt es für multinationale Organisationen wie SpaceX eine Alternative. Finanziert der ausländische Konzern anerkannte Maßnahmen gegen Analphabetismus oder für Berufsbildung, Kritische Infrastruktur, Forschung und Entwicklung in Südafrika oder die Unterstützung lokaler Tech-Startups, wird das auf den Aktienanteil angerechnet. Musk müsste also gar keine Aktien nach Südafrika verkaufen. Dennoch ist kein Markteintritt Starlinks in Sicht.
Chance für Leo
In diese Lücke springt Amazon.com, indem es eine Partnerschaft mit einem südafrikanischen Internet Service Provider (ISP) eingeht. Er heißt Herotel und ist mit 350.000 Kunden den Angaben zufolge der größte Anbieter ortsgebundener Internetzugänge des 63 Millionen Einwohner zählenden Landes. Die meisten Südafrikaner nutzen Mobilfunk für Internetzugang, nur gut ein Sechstel hat einen klassischen Internetanschluss.
Außerhalb der Städte ist das Angebot besonders dünn gesät. Dort sind erdnahe Satelliten besonders attraktiv. Daher wird Herotel ab 2027 in Südafrika Leo-Anschlüsse für Privathaushalte vermarkten.
Amazon steht kurz davor, seinen Satelliteninternetdienst Leo zu aktivieren, zunächst in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA. Aktuell hat Leo 390 Satelliten in einem erdnahen Orbit (LEO), laufend kommen neue hinzu. Ein Testbetrieb mit ausgewählten Firmenkunden läuft seit Herbst.
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Zweiter Partner für Mobilfunk
Neben Herotel hat Amazon einen zweiten Partner für Südafrika gefunden: Es handelt sich um das US-Unternehmen Vanu, gegründet von Vanu Bose, Sohn Amar Boses, seines Zeichens Gründer der Beschallungsgerätefirma Bose. Vanu installiert und betreibt kleine, solargetriebene Mobilfunkstationen in ländlichen Gebieten, wo es weder Datenleitungen noch Stromnetz gibt. Mobilfunknetzbetreiber mieten sich ein, um ihre Netzabdeckung auszudehnen.
Zur Anbindung der Mobilfunkstationen („backhaul”) war Vanu bislang auf Richtfunk angewiesen, der allerdings direkte Sichtverbindung erfordert. Kostengünstige Satellitenanbindung eröffnet neue Möglichkeiten, weshalb Vanu für die Anbindung der Mobilfunksender auch Leo einsetzen wird. Zunächst in ländlichen Regionen Südafrikas, später auch in anderen Teilen Afrikas und darüber hinaus. „Unser Traum ist, dass wir mit einem Lastwagen vorfahren und in zwei Tagen Leute versorgen, die nie Anbindung hatten”, sagte Vanus Entwicklungschef Victor Lum im Februar, „Mit (Leo) wird das möglich.” Vanu Bose ist 2017 im Alter von nur 52 Jahren plötzlich verstorben.
(ds)