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Anthem: Abgeschaltetes MMO läuft dank Tüftler offline

Seit dem 12. Januar ist BioWares MMO-Flop Anthem nach langem Siechtum Geschichte. Das vor einem halben Jahr angekündigte Abschalten der Server hat ein Tüftler als Ansporn verstanden und das Spiel lokal zum Laufen gebracht. Vom Erfolg der Bemühungen zeugt ein Video. Der Debatte um die Bewahrung von Videospielen gibt das Auftrieb.
Auf YouTube zeigt der Kanal „And799“, dass Anthem theoretisch weiter betrieben werden kann. Auf einem Rechner laufen zwei Instanzen des Spiels, die offenkundig im selben Bereich des Spiels stehen. Gameplay ist allerdings nicht zu sehen, ebenso fehlen Gegner, gezeigt werden dürfte ein Matchmaking-Gebiet.
And799 betont in der Videobeschreibung, es handle sich um eine „Machbarkeitsstudie“ ausgehend von eigenen Erkundungen. Ein Ergebnis: Die meisten Daten werden von BioWare-Servern verarbeitet und werden benötigt, um das Spiel offline zum Laufen zu bekommen. Die gezeigten Szenen repräsentieren aber ausdrücklich nicht den Fortschritt des Private-Server-Projekts. Gemeint ist Cenotaph, das einen Weg sucht, um Anthem legal weiter zu betreiben. Der Hinweis auf die Natur der Versuche als „Experiment“ sind in dieser Richtung zu verstehen. Publisher reagieren in der Regel schnell auf Fan-Projekte, die eigene Urheberrechte gefährden können. Der Versuch, Sonys Hero-Shooter Concord am Leben zu halten scheiterte daher mindestens so schnell wie das Spiel selbst.
Die grundsätzliche Möglichkeit Anthem auf lokalen Servern laufen zu lassen, hatte BioWare bereits selbst erkundet. Mark Darrah, der Executive Producer des Spiels, erwähnte in einem dreieinhalbstündigen Video auf YouTube über die Entwicklungsgeschichte des Rollenspiels, die Existenz lokaler Server. Der Code sei vorhanden gewesen und bis wenige Monate vor der Veröffentlichung in einer Entwicklerumgebung genutzt worden. Ob er noch funktioniere sei unklar, sagte Darrah.
Der Entwickler skizzierte zudem einen Plan für die Wiederbelebung Anthems: Mit einer Investition von 10 Millionen US-Dollar könne das Spiel auf aktuelle Konsolen portiert, auf lokale Server umgestellt und stärker auf Storytelling fokussiert werden, indem beispielsweise KI-Begleiter eingefügt werden. Auf diese Weise würde ein Spiel mit deutlich größerem BioWare-Feeling entstehen, während für den Betreiber gleichzeitig keine permanenten Kosten für Server anfallen.
Neues Futter für die Debatte
Wenn es so einfach ist, Spiele offline zu betreiben, dann gibt das den Bemühungen der Initiative
Stop Destroying Videogames Auftrieb. Denn genau diese Option fordert die Initiative um das Recht am erworbenen Gut zu stärken.