Künstliche Intelligenz
Apple kauft deutsches Color-Grading-Tool Color.io
Firmenübernahmen durch Apple heizen jeweils Spekulationen an, was der iPhone-Hersteller als Nächstes plant. Infolge des Digital Markets Act muss sich das US-Unternehmen bei Zukäufen in die Karten gucken lassen, welche Firmen es aufkauft. Auf diese Weise wurde jetzt bekannt, dass Apple im Januar das deutsche Unternehmen Patchflyer übernommen hat, das hinter dem webbasierten Farbkorrektur-Tool Color.io steht. Außerdem sicherte sich der Konzern Mitarbeiter und Technologie des KI-Start-ups PromptAI. Beide Übernahmen wurden über Apples Pflichtmeldungen im Rahmen des Digital Markets Act der EU bekannt.
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Color.io war ein bei Fotografen und Filmemachern beliebtes Werkzeug für Farbkorrektur, Raw-Bearbeitung, Color Grading und die Erstellung von 3D-LUTs (Look-up-Tables). Die Webanwendung bot unter anderem filmische Effekte wie Halation und Grain und hatte über 200.000 Nutzer. Zum Jahresende 2025 ging die Website offline – Pro-Nutzer erhielten zuvor noch eine Desktop-Version der Anwendung.
Hinter Patchflyer steht laut Website Jonathan Ochmann, der die Firma als alleiniger Entwickler über zehn Jahre betrieb. Ochmann bringt Expertise in Color Science, Farbmanagement und Digital Imaging mit – vor Color.io entwickelte er bereits VisionColor LUTs. Im November 2025 kündigte er seinen Wechsel zu einem größeren Unternehmen an: „Nach über zehn Jahren, in denen ich alles allein gemacht habe, bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich auf eine Weise wachsen muss, die als Solo-Entwickler nicht möglich ist.“
Die Übernahme passt in Apples jüngste Strategie, die eigenen Kreativwerkzeuge gezielt auszubauen. Color.ios eigene Color Engine und Farbmodelle könnten Apples Profi-Anwendungen wie dem Videoschnittprogramm Final Cut Pro zugutekommen. Auch eine Integration in Pixelmator Pro, das Apple Anfang 2025 übernommen hatte und das zum Creator-Studio-Abo gehört, liegt nahe. Ob die Offline-Version von Color.io bei Apple weiterentwickelt wird, ist allerdings offen. Denkbar ist auch, dass sie Teil des Creator-Bundles wird.
PromptAI soll HomeKit smarter machen
Parallel übernahm Apple Mitarbeiter und Technologie des Computer-Vision-Start-ups PromptAI aus San Francisco. Wie CNBC im Oktober 2025 berichtete, hatte das 2023 gegründete Unternehmen die App Seemour entwickelt, die mithilfe von KI Sicherheitskamera-Aufnahmen analysierte – etwa zur Erkennung von Personen, Haustieren und Objekten. PromptAI wurde von Tete Xiao (PhD in Informatik, UC Berkeley) und Trevor Darrell, Mitgründer des Berkeley AI Research Lab, geleitet.
Die Computer-Vision-Technologie dürfte Apples Smart-Home-Sparte zugutekommen. Denkbar sind etwa intelligentere Benachrichtigungen in HomeKit, die zwischen Familienmitgliedern und einem Paketboten unterscheiden können – verarbeitet auf dem Gerät, ganz im Sinne von Apples Datenschutz-Philosophie. Schon seit einiger Zeit gibt es Spekulationen darüber, dass Apple eine große Smart-Home-Offensive vorbereitet. Hierzu würde die Übernahme von PromptAI sehr gut passen. Die Seemour-App wurde eingestellt, Nutzerdaten werden gelöscht.
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Apples Serie kleiner Übernahmen
Die beiden Akquisitionen reihen sich in eine ganze Serie gezielter Übernahmen ein. Erst kürzlich sicherte sich Apple den Video-Effekte-Spezialisten MotionVFX mit rund 70 Mitarbeitern sowie das Photonik-Start-up invrs.io. Mit der Milliarden-Übernahme von Q.AI stieg der Konzern zudem tief in KI-basierte Sprachtechnologie ein.
Apple verfolgt damit offenkundig das Ziel, sowohl die eigenen Kreativ-Tools als auch die KI-Fähigkeiten seiner Produkte zu stärken. Der künftige CEO John Ternus sieht in KI „nahezu unbegrenztes Potenzial“, während das Unternehmen Siri-Entwickler ins KI-Bootcamp schickt.
(mki)