Künstliche Intelligenz

Blaulicht-Digitalfunk: Bundesregierung hält trotz Kritik an Tetra-Kurs fest


Die Kommunikation der deutschen Sicherheitsbehörden bleibt ein politisches Spannungsfeld zwischen technischem Anspruch und der Realität im Einsatz. So verteidigt die Bundesregierung in ihrer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion den aktuellen Status des Digitalfunks für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Rufen nach einer Rückkehr zu analogen Redundanzsystemen erteilt sie eine klare Absage.

Weiterlesen nach der Anzeige

Trotz wiederkehrender Berichte über Funklöcher und einen Netzausfall im Mai 2025 zeichnet das federführende Bundesinnenministerium (BMI) in der Auskunft das Bild eines hochverfügbaren und stabilen Systems, das derzeit fit für die Zukunft gemacht werde. Mit über 5000 Basisstationen gilt der hiesige Blaulichtfunk als das weltweit größte Funknetz, das auf dem internationalen Tetra-Standard basiert.

Forscher haben wiederholt Sicherheitslücken bei Tetra ausgemacht. Selbst eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselungslösung ermöglicht demnach Lauschangriffe. Die Bundesregierung betont trotzdem die Leistungsfähigkeit dieser Infrastruktur, die rechnerisch 99,2 Prozent der Fläche Deutschlands abdeckt. Stolz verweist das BMI auf die zeitliche Verfügbarkeit von durchschnittlich 99,97 Prozent. In der Praxis bedeutet dies eine statistische Ausfallzeit von etwa einer Minute pro Tag. Diese Zahlen stehen im Kontrast zu den Erfahrungen vieler Einsatzkräfte vor Ort. Kritiker bemängeln, die digitale Kommunikation stoße in Tunneln, tiefen Kellergeschossen oder stark abgeschirmten Gebäuden an ihre Grenzen.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Frage nach der Ausfallsicherheit. Die Fragesteller verwiesen explizit auf den großflächigen Blackout des Digitalfunks im Mai, bei dem Polizei und Rettungsdienste über neunzig Minuten lang auf Mobiltelefone oder verbliebene Analogfunkgeräte ausweichen mussten.

Die Exekutive sieht aber trotzdem keinen Bedarf für eine systematische Reintegration analoger Technik, etwa im vormals genutzten 2-Meter-Band. Sie baut stattdessen auf die inhärenten Sicherheitsmechanismen des Tetra-Standards. Dazu gehören der Direktmodus für die Kommunikation von Gerät zu Gerät ohne Basisstation sowie satellitengestützte Anbindungen für mobile Einheiten. Auch externe Lösungen wie Notfunknetze durch Funkamateure spielen in den offiziellen Krisenplänen des Bundes weiterhin keine Rolle, da die vorhandenen Rückfallebenen als ausreichend erachtet werden.

Weiterlesen nach der Anzeige

Um den wachsenden Anforderungen an den Datenaustausch gerecht zu werden, arbeitet die Bundesanstalt für Digitalfunk (BDBOS) dem Bescheid zufolge am „Digitalfunk der nächsten Generation“. Ziel ist die Etablierung einer breitbandigen Lösung, die neben der bewährten Sprachkommunikation auch hochauflösende Videoübertragungen und komplexe Datenanwendungen in Echtzeit ermöglicht. Die Deutsche Telekom hat sich dafür schon in Stellung gebracht.

Ein konkretes Abschaltdatum für das aktuelle Tetra-Netz gibt es nicht. Die bewährte Technik soll so lange parallel weiterbetrieben werden, bis das neue Breitbandnetz die einsatzkritischen Anforderungen vollständig übernehmen kann. Bis dahin soll das Bestandsnetz laut der Antwort kontinuierlich gehärtet und auf eine moderne IP-basierte Architektur umgestellt werden, um die Resilienz gegenüber Cyberangriffen und technischen Störungen weiter zu erhöhen.

Die Regierung betont dabei den steten Austausch mit den Ländern und Fachverbänden, um die Modernisierung praxisnah zu gestalten. Erst vor Kurzem erläuterte die Exekutive, der Digitalfunk werde kontinuierlich modernisiert. Ein Pfeiler dabei sei der physische Schutz der Anlagen. Die Regierung plant für die Jahre 2026 bis 2028 demnach etwa verstärkte Investitionen in physische Barrieren und moderne Überwachungstechnik.

Dabei steht etwa der Ausbau von Technikgebäuden des Bundes an, um die sensiblen Knotenpunkte des Netzes besser vor unbefugtem Zugriff oder Sabotage zu schützen. Zudem sollen die Basisstationen gehärtet werden, was eine Verfügbarkeit von bis zu 72 Stunden ohne externe Stromzufuhr gewährleisten könnte. Die finanziellen Mittel in den aktuellen Haushalten von Bund und Ländern hält das BMI für ausreichend. Die Verfügbarkeit und Sicherheit der Systeme genössen bei allen Planungsschritten oberste Priorität.


(nen)



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen