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Deutsche Bahn richtet Marke neu aus – Design Tagebuch
Die Deutsche Bahn führt mit dem heutigen Tag ein überarbeitetes Markendesign ein. Das Redesign soll den laufenden Transformationsprozess des Konzerns visuell sichtbar machen – bei unverändertem Logo und der Leitfarbe Rot. Das neue Erscheinungsbild wird schrittweise an ausgewählten Kundenkontaktpunkten eingeführt, beginnend mit Kampagnen für die BahnCard und die S-Bahn Berlin. Im dt werden die Veränderungen vorgestellt und das Redesign eingeordnet.
Im Zentrum der Neuausrichtung steht eine neue Markenpersönlichkeit: „Die Macher:innen“. Dem Unternehmen zufolge beschreibt die neue Markenpersönlichkeit das veränderte Selbstverständnis der Deutschen Bahn – diese rücke die Menschen, die Verantwortung übernehmen und Veränderungen möglich machen, in den Mittelpunkt.
Das neue Markendesign der Deutschen Bahn versteht sich als gestalterischer Ausdruck eines umfassenden Unternehmenswandels. Der Konzern beschreibt den neuen Auftritt als „klar, entschlossen, kraftvoll und dynamisch”. Ziel ist ein durchgängiges Markenerlebnis über sämtliche Kundenkontaktpunkte hinweg – von Werbemitteln über Messeauftritte bis hin zur Speisekarte im Zug.
Jens-Oliver Voß, Leiter Kommunikation und Marketing, betont die Notwendigkeit eines einheitlichen Auftritts. In der Vergangenheit hätten sich zahlreiche Markenanwender im Konzern vom zentralen Design entfernt, was zu erhöhtem Aufwand und Kosten geführt habe. Künftig sollen keine gestalterischen Sonderlösungen mehr zulässig sein.
Auszug der Pressemeldung
„Der Konzern befindet sich in einer Transformation, die wir alle deutlich spüren. Alle wissen: Wir müssen deutlich besser werden. Ein „Weiter so“ ist keine Option mehr. Mit diesem Anspruch verändert sich auch unser Selbstverständnis. Jetzt sorgen wir dafür, dass man diesen Anspruch merken, fühlen und eben auch sehen kann – mit einem neuen, frischen Markenauftritt, der diesem Wandel ein Gesicht gibt. Das neue Markendesign ist klar, entschlossen, kraftvoll und dynamisch. Es verbindet Menschen, Produkte, Formate und Kundenkontaktpunkte zu einem durchgängigen Markenerlebnis. So schafft es Orientierung und stärkt das Vertrauen in die Marke.“ – Jens-Oliver Voß, Leiter Kommunikation und Marketing Deutschen Bahn
Das DB-Logo – intern als „DB-Keks” bezeichnet – bleibt unangetastet, ebenso die zentrale Rolle der Farbe Rot. Zuletzt wurde am DB-Logo 2008 Hand angelegt (dt berichtete). Die nun vorgenommenen Veränderungen betreffen das visuelle Gesamtsystem rund um das bestehende Markenzeichen.
Im Typografischen tritt die Deutsche Bahn künftig kräftiger, kühner (bold) auf. Headlines werden nunmehr in einem extrafetten Schriftschnitt gesetzt. Statt in der DB Neo Screen Head Black (#282d37) sind diese nun in DB Neo Head ExtraBlack VF (#090f1b) angelegt, siehe Screenshot.
Die neue Markenpersönlichkeit und die Übersetzung in Design-Routen wurden von der Strategie-Agentur of Unicorns&Lions und der Branding-Agentur Strichpunkt Identity entwickelt. Die Ausarbeitung und Implementierung verantwortet Strichpunkt. Strichpunkt hatte im Sommer 2023 den Zuschlag für den Etat des Corporate Designs der Deutschen Bahn erhalten. In der Vergangenheit hat die Deutsche Bahn bei Markenprojekten unter anderem mit den Agenturen MetaDesign und Peter Schmidt Group zusammengearbeitet.
Das von der Peter Schmidt Group entwickelte Brand Asset „Puls“, eine wiederkehrende rote Linie, die als dekoratives, funktionales oder interaktives Element dient, spielt im neuen Markendesign der Bahn offenkundig keine Rolle mehr. Stattdessen wird im Corporate Designer der Deutschen Bahn ein als „Schwelle“ bezeichnetes grafisches Element eingeführt, die zuvor genannten unterschiedlichen Funktionsebenen übernehmend.

Martell Beck, Chief Marketing Officer der Deutschen Bahn über dieses Element: „Das Design orientiert sich optisch an den Schwellen unseres Schienennetzes und damit an der DNA der Eisenbahn. Die Schwellen entwickeln Dynamik und beschreiben den Weg der Deutschen Bahn nach vorn. Sie übersetzen unseren Anspruch, jeden Tag besser zu werden.“
Je nach Kontext kann das Design der „Schwelle“ unterschiedlich sein. Das neue Markenerlebnis soll sukzessive an den verschiedenen Touchpoints der Deutschen Bahn sichtbar und erlebbar sein. Erste Anwendungen im digitalen Umfeld wurden bereits auf das neue Design umgestellt (siehe Screenshot deutschebahn.com).
Zum Start der neuen Markenausrichtung erscheinen zwei Kampagnen im neuen Design (BahnCard und S-Bahn Berlin). Die Fachmesse InnoTrans Ende September wird die erste sein, bei der sich die Bahn mit neuem Erscheinungsbild öffentlich präsentiert. Parallel werden digitale Plattformen wie die Konzernwebseite und das Intranet DB Planet umgestellt.
Zum Hintergrund: Martell Beck ist seit Juni 2024 Chief Marketing Officer (CMO) beziehungsweise Leiter des Konzernmarketings der Deutschen Bahn. Er folgte in dieser Funktion auf Jürgen Kornmann. Zuvor war Martell Beck vor allem in leitenden Marketingfunktionen im öffentlichen Verkehr tätig (DB Cargo, BVG, SSB).
Jens-Oliver Voß ist seit September 2023 Leiter Kommunikation und Marketing der Deutschen Bahn. Die Neubesetzung gilt als Teil eines Modernisierungs- und Reformkurses, den Evelyn Palla als Bahn-Chefin vorantreibt. Voß ist seit 2005 in verschiedenen Positionen bei der DB tätig, zuletzt leitete er den Bereich „Eisenbahn in Deutschland“ innerhalb der Konzernkommunikation. Zuvor war Voß bei DHL Group unter anderem als Global Head of Brand & Marketing Services sowie in leitenden Kommunikationsfunktionen tätig.
Kommentar
Das neue Markendesign artikuliert Handlungswillen – es lässt die Bereitschaft erkennen, dringend notwendige Modernisierungen anzupacken. Das Design unterstreicht den Gestaltungs- und Veränderungsanspruch: Wir gehen die Dinge an. „Machen statt schönreden“, wie es in der im März lancierten DB-Kampagne heißt. Nahbarkeit kommuniziert das neue Design mit in Versalien in extrafettem Schnitt gesetzten Überschriften, gepaart mit maximal hohen Farbkontrasten und sichtbar stärkerem Schwarzanteil, jedoch nicht.
Ist Nähe nicht eine wesentliche Voraussetzung dafür, Vertrauen aufzubauen und Verständnis zu erreichen? Insbesondere für eine Marke wie die Bahn? In dieser Hinsicht war/ist die bisher verwendete „Puls“-Grafik ein starkes, passendes Gestaltungselement, weil es, wie es im Bahn-eigenen Markenportal treffend heißt, eine Verbindung zwischen Menschen und Marke schafft. Die neue „Schwelle“-Grafik übersetzt die Vorwärtsbewegung eines Zuges in ein visuelles Zeichen mit klarem Technikbezug. Eckig, scharfkantig, rasant. Es macht sich gut in einem Interface als Funktionselement, doch es erzeugt, anders als der Puls, keine Vertrautheit, Freundlichkeit, Wärme. Ausschließlich in Großbuchstaben gesetzte Texte sind zudem weniger zugänglich als Texte in Gemischtschreibweise (leserlich.info).
Ich assoziiere das Progressivität vermittelnde, eher technische Design mit Werkzeug- und Baumaschinenherstellern wie Hilti, Makita oder Hitachi, und nicht mit einer Marke wie der Deutschen Bahn, bei der Kundendialog das fundamentale Bindeglied zwischen operativem Betriebsgeschehen und der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit bildet.
Angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Deutsche Bahn als Marke und als Unternehmen steht, ist ein gewisser Erwartungsdruck dahingehend im Unternehmen zu spüren, stattfindende Veränderungen (im Betrieb) sichtbar zu machen, befördert auch durch personelle Wechsel. Die Erwartung aufseiten von Kunden ist allerdings nicht, dass sich das visuelle Erscheinungsbild der Bahn verändert. Sie hoffen und erwarten Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, ein leistungsfähigeres Schienennetz, modernisierte Bahnhöfe und Züge, bessere Fahrgastinformationen sowie einen stabileren digitalen Service. Erwartet wird, dass sich der angekündigte Wandel insbesondere im Reisealltag bemerkbar macht.
Aktive Markenkommunikation ist unerlässlich. Dass die Deutsche Bahn nicht aktiv wäre, kann man angesichts von in kurzer Taktung aufeinander folgenden Kampagnen nicht behaupten. Auf „Boah, Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug“ mit Anke Engelke folgte ein halbes Jahr später eine Kampagne mit KI-generierten Inhalten mit stark unterschiedlicher konzeptioneller und inhaltlicher Ausrichtung.
Ob die vorgenommenen Anpassungen am Markendesign dazu beitragen, das (angeschlagene) Image der Bahn zu verbessern, ist völlig offen. Wichtig für die Einordnung ist: Das Design spiegelt (wie oftmals) nicht bzw. weniger die Ist-Situation wider, sondern das Vorstellungsbild, wie es im Unternehmen momentan vorherrscht. Die Deutsche Bahn möchte als dynamisch, voranschreitend und als Unternehmen angesehen werden, das die Dinge anpackt. Als wahr und authentisch kann dieser Anspruch erst dann aus Kundensicht gelten, sofern sich die im Markendesign adressierten Absichten auch in faktischen Erfahrungen konkretisieren, an Bahnhöfen und beim Reisen in Zügen. Das muss das Ziel sein. Diese Schwelle gilt es zu meistern.
Noch die Anmerkung: Die Anpassung des DB-Markenportals (marketingportal.extranet.deutschebahn.com/marketingportal) steht derzeit noch aus.
Mediengalerie
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual „Willkommen in Berlin“ Billboard, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual S-Bahn Berlin, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn – Typo (2026) – DB Neo Head ExtraBlack, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual BahnCard, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual „Willkommen in Berlin“ Billboard, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Corporate Design – Designprinzip, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Corporate Design – Designprinzip, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Corporate Design – Motion Design, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Markendesign – Visual, Quelle: Deutsche Bahn
- Deutsche Bahn Corporate Design – Brand Asset „Schwelle“, Quelle: Deutsche Bahn
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