Der unvollkommene Entstehungsprozess von Gestaltung sollte wieder mehr gewürdigt werden – ohne KI –, findet Filmemacher und 3D-Animator Ori Peer. Sein digitales, sehr lebendiges Mitmach-Projekt greift genau das auf.
Wer der eigenen Kreativität freien Lauf lassen möchte, ist hier richtig. Künstliche Intelligenz unerwünscht. Ori Peer, Filmemacher und 3D-Animator aus Montreal, hat ein Projekt ins Leben gerufen, das so gar nichts mit AI zu tun haben will. Es zelebriert in wunderbar simpler Umsetzung die menschliche Kreativität.
Die Website zum Projekt wurde Mitte März veröffentlicht. Wer sie aufruft, wird von zwei gescribbelten kleinen Engeln mit grüner Hautfarbe und gelbem Heiligenschein begrüßt. In der Mitte befindet sich eine ebenso grob gezeichnete Sprechblase mit den Worten »This Film Was Made Without AI«. Drumherum hüpfen weitere kleine Engel fröhlich umher. Die gesamte Komposition wirkt sehr sympathisch und niedlich.
Ohne KI: Offenes Digitalprojekt für alle
Mit Klick auf den Enter-Button landet man in einem gemeinschaftlichen Digitalprojekt, das für alle Kreativen offensteht. Es funktioniert wie eine »public domain community«, wo 3D-Artists, Filmemacher:innen, Animationsdesigner:innen und Co. ihre Kreationen hochladen können. Die einzige Voraussetzung: Sie sollen AI free sein und weitestgehend auf den beiden grünen Engeln und der Sprechblase basieren, freie Interpretationen erwünscht.
Die Einreichungen beziehungsweise bisherigen Uploads zeigen verschiedenstes – von Filmen über Animationen bis hin zu künstlerischen Werken. Bisher haben sich hunderte Gestalter:innen und Künstler:innen am Projekt beteiligt. Hier wurden offenbar immens viele Arbeitsstunden für ein freies Kreativprojekt investiert, das vor allem eins möchte: Die menschliche freie Kreativität und den Spaß an der Produktion feiern! Und alles ist Open Source.
PAGE hat es interessiert, was ihn dazu bewegt hat und wie er auf die Idee gekommen ist. Auf Nachfrage antwortete Ori Peer, dass er dem ganzen KI-Hype etwas entgegensetzen wollte. Er kommentiert:
»Generative KI kommerzialisiert Kunst als ‘Fertigprodukt’ und verkauft die Vorstellung, dass Werke auf eine bestimmte Art und Weise aussehen müssen, um Mainstream zu sein, anstatt den unvollkommenen, menschlichen Schaffensprozess zu würdigen.«
Vor allem jungen Kreativen wollte er die Möglichkeit geben, auch mal etwas ohne KI zu schaffen, etwas Greifbares. Etwas, das zeigt, »dass menschliches Schaffen immer noch zählt«.
Kreation fälschlich als KI-generiert bezeichnet
Für Ori Peer gab es einen Tipping-Point-Moment auf einem Filmfestival in Vancouver. Seine Präsentation wurde abgelehnt mit der Begründung, dass sein 3D-Werk AI-generiert sei. Dem konnte er glücklicherweise seine Dokumentation des gesamten Entstehungsprozesses entgegensetzen und so das Gegenteil beweisen.
In diesem Moment wurde ihm aber deutlich, dass das die »neue Realität« ist, mit der alle Kreativen konfrontiert sind. Daraufhin startete Ori Peer einen offenen Aufruf zum Projekt und ermutigte dazu, anhand der Engelskizze eigene Entwürfe zu gestalten. Unter dem Motto »Dieser Film wurde ohne AI gemacht«; und mit Absicht simpel gehalten.
Und während man durch die hochgeladenen Werke stöbert, hüpfen die kleinen Engel weiterhin über den Screen. Ein schöner Moment, der Spaß macht – und die menschliche Kreativität feiert.