Entwicklung & Code

Drupal CMS 2.0: KI-Funktionen, visueller Page Builder und Templates


Die Drupal Association hat mit Drupal CMS 2.0 eine umfassende Aktualisierung des Content-Management-Systems veröffentlicht. Nach Angaben der Entwickler handelt es sich um eine der größten Evolutionen in der 25-jährigen Geschichte des Projekts. Das Release soll die Arbeit mit Drupal deutlich vereinfachen und das System auch für Nutzer ohne tiefe Programmierkenntnisse zugänglich machen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Kernstück von Drupal CMS 2.0 ist der neue visuelle Page Builder Drupal Canvas, der als Standard-Editor dient. Mit der Drag-and-Drop-Oberfläche können Anwender Webseiten mit Live-Preview zusammenstellen, ohne Code schreiben zu müssen. Canvas nutzt die Mercury-Komponentenbibliothek, die vorgefertigte Elemente wie Cards, Testimonials, Heroes, Menüs und Accordions bereitstellt. Das React-basierte Frontend integriert sich in die Core-API von Drupal und tritt in direkte Konkurrenz zu Editoren wie Gutenberg oder Elementor.

Die neue Version basiert auf Drupal Core 11.3, das die laut Entwicklern größte Performance-Verbesserung seit einem Jahrzehnt mitbringt. Durch optimiertes Caching und den Einsatz von PHP 8.1 Fibers lassen sich mit identischer Hardware 26 bis 33 Prozent mehr Anfragen verarbeiten. Bei Datenbankabfragen verzeichnet die neue Version eine Reduzierung von 31 Prozent bei kalten Caches und 47 Prozent bei teilweise aufgewärmten Caches. Unabhängige Tests der Firma MD Systems auf komplexen Websites ergaben noch deutlichere Verbesserungen.

Mit CMS 2.0 führt Drupal erstmals Site Templates ein, die vollständige Webseitenstrukturen in unter drei Minuten installieren. Das erste verfügbare Template „Byte“ richtet sich an SaaS-Unternehmen und liefert eine komplette Marketing-Website mit Blog, Newsletter-Anmeldung, Pricing-Seiten, Kontaktformular und dunklem Design. Als Alternative steht das Template „Starter“ bereit, das weniger vorgefertigte Inhalte mitbringt und stattdessen die Canvas-Integration in den Vordergrund stellt.

Ein zentraler Unterschied zwischen Drupal CMS 2.0 und Drupal Core 11.3 liegt im Funktionsumfang: Während Core ein minimalistisches Framework mit Nutzer-Management, Content‑Erstellung und Taxonomie darstellt, liefert CMS eine vorkonfigurierte Distribution mit Canvas, Templates, KI-Funktionen und SEO-Tools. CMS eignet sich für das schnelle Erstellen von Webseiten, Core hingegen für tiefgehende Anpassungen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Drupal CMS 2.0 integriert optional KI-Assistenten, die Nutzer über ein Add-on aktivieren können. Die Funktionen umfassen die Generierung vollständiger Webseiten aus Text-Prompts unter Verwendung von Canvas-Komponenten, einen Admin-Chatbot zur Unterstützung beim Site-Building sowie KI-gestützte Alt-Text-Generierung für Bilder. Alle KI-generierten Inhalte durchlaufen einen Human-in-the-Loop-Prozess: Änderungen werden zur Prüfung in eine Warteschlange gestellt und nicht direkt in Produktion übernommen.

Als KI-Provider unterstützt Drupal zum Start OpenAI, Anthropic und amazee.ai. Letzteres bietet Private-AI-Optionen mit Servern in Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, den USA und Australien. Der Dienst erfüllt nach Angaben des Anbieters die DSGVO-Anforderungen und verfügt über ISO-27001- und SOC-2-Zertifizierungen.

Zusätzlich zu den KI-Funktionen bietet CMS 2.0 Recipe-basierte Integrationen für Dienste wie Mailchimp, Google Analytics und Google Tag Manager. Die Mailchimp-Integration ruft automatisch Zielgruppen (Audiences) ab und erstellt Anmeldeformularblöcke. Für die KI-Features sind keine speziellen Hardware-Anforderungen nötig, da die Funktionen API-basiert arbeiten und sich in bestehende Drupal-Hosting-Umgebungen integrieren lassen.

Bestehende Drupal-Installationen können Canvas und einzelne Recipes nachträglich installieren, benötigen dafür allerdings ein komponentenbasiertes Theme wie Mercury. Automatische Migrationspfade von Layout Builder oder Paragraphs sind noch nicht verfügbar, aber geplant. Die Migration erlaubt eine schrittweise Umstellung.

Für 2026 kündigte die Drupal Association einen Template Marketplace an, der kuratierte Open-Source- und kommerzielle Templates bereitstellen soll. Geplant ist ein MVP, der auch den Export eigener Sites als Templates ermöglicht. Langfristig plant Drupal die Erweiterung der KI-Agenten auf über 30 Funktionen sowie den Ausbau zu einem AI-first-CMS.


(fo)



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen