Datenschutz & Sicherheit
Ein anderes Internet ist möglich

Die Wikipedia wird heute 25 Jahre alt. Irgendwie fühlt es sich ja fast an, als sei es gestern gewesen, dass ich das erste Mal auf der Wikipedia war und etwas nachschlug. Es war eine Revolution des Wissens. In der Folge geriet die dem Aldi-PC auf CD-Rom beigelegte Microsoft Encarta Enzyklopädie in Vergessenheit und der Brockhaus, den ich nicht hatte, verstaubte in der Bibliothek.
In den Urzeiten der Online-Enzyklopädie, da warnte man überall noch intensiv, dass die Wikipedia nicht zuverlässig sei. Die Idee, dass da einfach Freiwillige ohne Geldinteresse an einem Lexikon arbeiten und zusammen herausfinden, was eine belegbare Version der Wahrheit sein könnte, das ging nicht rein in die Köpfe. Warum ein Brockhaus mit vom Verlag ausgewählten Autor:innen allerdings objektiver sein sollte, konnte mir damals auch niemand sagen.
Heute kann man feststellen: Trotz aller Schwierigkeiten und Manipulationsversuche, trotz großer Unterschiede zwischen den Wikipedia-Länderversionen, trotz neuer Herausforderungen durch KI-Müll-Texte oder einer viel zu männlichen Community, hat sich die Wikipedia als ziemlich resilient und zuverlässig herausgestellt. Sie ist ein Ankerplatz in der Informationen-Brandung. Und das macht sie so wichtig.
Den Autoritären ein Dorn im Auge
Diese Zuverlässigkeit ist heute all denen ein Dorn im Auge, die für ihren Autoritarismus und Faschismus das Netz mit Desinformation und Scheisse fluten. Nicht umsonst bläst der rechtsradikale Milliardär Elon Musk zum Angriff auf die Wikipedia; nicht zufällig steht die Wikipedia auch im Visier von Donald Trumps inoffiziellem Regierungsprogramm Project 2025.
Diese Kräfte können weder ein Projekt ertragen, das so erfolgreich, aber nicht kommerziell ist, noch die belegbaren Fakten, die es zuverlässig und gemeinwohlorientiert der ganzen Welt bietet. Alleine dafür sollten wir die Wikipedia hegen, pflegen und vor Angriffen schützen.
Denn die Wikipedia ist ein Leuchtturm für die Idee einer Wissensallmende, einem Ort, an dem wir alle Wissen frei zugänglich zusammentragen können und alle davon profitieren. Die Wikipedia verkörpert die Idee eines Internets, in dem wir kooperativ, gemeinnützig und international zusammenarbeiten.
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Diese Idee eines Internets, das uns zusammenbringt, geht zwischen den proprietären Plattformen der Tech-Bros, dem Doomscrolling, KI-Fakes, Desinformation und den vergifteten Algorithmen viel zu oft unter. Die Wikipedia erinnert uns daran, dass ein anderes Internet möglich ist. Ja, vielleicht auch eine andere Welt.
Durch die Wikipedia tauchen
Die Wikipedia zeigt uns auch, dass Wissen Spaß macht. Ich bin ein Wikipedia-Taucher, wenn man das so nennen kann. Manchmal läuft mir irgendein Thema über den Weg und dann springe ich kopfüber in die Wikipedia um nachzusehen, was zum Beispiel dieser bestimmte Fisch für ein Tier ist. Und dann beginnt ein Tauchgang, der manchmal stundenlang dauern kann.
Vom Tier gelange ich auf das Verbreitungsgebiet, dann in Länder, deren Hauptstädte, über wichtige Gebäude und Architekten hin zu Baustoffen und den Materialien, aus denen die Bauwerke bestehen. Dann tauche ich zu den Minen, in denen die Rohstoffe gewonnen werden und über die Produktion der Materialien hin zu den Arbeitskämpfen in der Firma hinüber zu politischen Parteien eines fernen Landes, um dann im Länderartikel einen Nationalpark zu entdecken, der meine Aufmerksamkeit wieder zu einer sehr abgefahrenen, endemischen Tierart lenkt.
Und so kann das ewig weitergehen in einem Tauchgang, der mich aufgrund der unglaublichen Vielfalt an Links und Verknüpfungen überall und zu jedem Thema bringen kann. Manchmal tauche ich auch mit anderen Taucher:innen zusammen, die mir Inhalte teilen und darauf hinweisen. Wir spielen Ping Pong mit Wissen und Fakten, die man bald wieder vergisst oder für immer unnütz im Kopf behält. Das weiß man ja nie so genau, denn manchmal ploppt das Wissen plötzlich auf und man fragt sich: Woher weiß ich denn sowas?
Wissen kann so schön sein, wenn man Wikipedia-Taucher:in ist. Alleine wegen des Tauchens bin ich all den Menschen so unglaublich dankbar, die dieses wundervolle wie wichtige Projekt möglich machen. Und wegen allem anderen auch.