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Elon Musk vs. OpenAI: Musk kämpft in den ersten Prozesstagen mit seiner Version der Geschichte
Elon Musk hat im Prozess gegen OpenAI ausgesagt. Seine Version der Geschichte ist weiterhin, dass Sam Altman und Greg Brockman eine gemeinnützige Organisation gestohlen hätten. Bei der Befragung musste er allerdings einräumen, während seiner Zeit bei OpenAI selbst Pläne für ein gewinnorientiertes Unternehmen gehabt zu haben.
Teile der Klagepunkte hatte die Richterin Yvonne Gonzalez Rogers bereits vor dem Start des Prozesses zurückgewiesen. So sind etwa die Betrugsvorwürfe gegen OpenAI vom Tisch, ursprünglich wollte Musk bis zu 150 Milliarden US-Dollar Schadensersatz. In dem Verfahren geht es nun um die Verletzung von gemeinnützigen Treuhandpflichten sowie einer ungerechtfertigten Bereicherung.
Von Betrug und Eitelkeiten
Musk beschuldigt OpenAI und Microsoft, eine gemeinwohlorientierte Organisation in ein Profit-Unternehmen verwandelt zu haben. Den Vorwurf wiederholte er auch im Gericht, dort schilderte er am Dienstag und Mittwoch seine Sichtweise. „Die Klage ist sehr einfach: Es ist nicht in Ordnung, eine Wohltätigkeitsorganisation zu stehlen“, sagte er im Gerichtssaal. Er wollte ein Gegengewicht und einen Gegenentwurf zu Google aufbauen. Die Tochter DeepMind hatte rund um das Jahr 2015 eine Vormachtstellung im KI-Sektor.
Laut seiner Aussage habe Musk bei der Gründung von OpenAI im Jahr 2015 den Namen beigetragen, zentrale Personen angeworben und die erste Finanzierung gestellt. 2018 verließ er das Unternehmen dann.
Das KI-Startup wandelte sich in der Folge zu einer Capped-Profit-Struktur, die den Einstieg von Investoren ermöglichte. Microsoft war ab 2019 der Premiumpartner, der Konzern hatte anfangs 1 Milliarde US-Dollar investiert. Diesen Schritt wertet Musk heute als Verrat an den ursprünglichen Idealen.
OpenAI macht hingegen Musks Anspruch auf volle Kontrolle für den Bruch im Jahr 2018 verantwortlich. Er wollte demnach ebenfalls den Wandel zu einem gewinnorientierten Unternehmen und verlangte den CEO-Posten. Vor Gericht erklärte OpenAIs federführender Anwalt William Savitt, Musk habe nach 2018 kein Interesse mehr an dem Unternehmen gezeigt. Das änderte sich erst mit der Veröffentlichung von ChatGPT und dem Start des KI-Hypes im November 2022. Nun gehe es ihm darum, einen Konkurrenten für sein 2023 gegründetes KI-Unternehmen xAI zu schädigen. „Wir sind hier, weil Musk bei OpenAI nicht seinen Willen durchsetzen konnte“, sagte Savitt laut dem Bericht der New York Times.
Musks Auftritt laut Prozessbeobachtern wenig souverän
Dass Musk OpenAIs Unternehmensform umwandeln wollte, legen interne Mails nah, das musste er ßauch bei der Anhörung einräumen. Seiner Aussage nach wollte er aber nur, dass ein kleinerer Teil der Firma gewinnorientiert arbeitet. Diese wäre in Ordnung gewesen, solange der „Schwanz nicht mit dem Hund wedeln“ würde. Weil die anderen Gründer zu viel Anteile an dieser gewinnorientierten Abteilung verlangt hätten, habe er OpenAI seiner Aussage nach damals verlassen.
Wie The Verge berichtet, machte Musk bei dem Prozess keine gute Figur. Teils verweigerte er Antworten auf Ja- und Nein-Fragen, teils äußerte er sich widersprüchlich. The-Verge-Autorin Elizabeth Lopatto beschreibt eine langwierige und nervenzerrende Befragung. Entsprechend wertet sie auch den Eindruck, den er bei der Jury hinterlassen hat.
Weitere prominente Personen im Zeugenstand erwartet
Das Verfahren wird mehrere Wochen laufen. Als Nächstes werden Musks enger Berater Jared Birchall, OpenAI-Präsident und -Gründer Greg Brockman und der KI-Sicherheitsexperte Stuart Russell im Zeugenstand erwartet.
Speziell die Aussage von Brockman dürfte interessant werden. Von den über 1000 Seiten interner Dokumente, die bei dem Fall ausgewertet werden, könnten am Ende nur einige wenige ausschlaggebend sein, heißt es in einem Bericht von Reuters. Die Nachrichtenagentur zitiert eine Mail von Brockman aus dem Jahr 2017. In diesem Schreiben schildert er die internen Konflikte, mögliche Optionen und spricht von der einzigen Chance, die man habe, um „Elon loszuwerden“. Diese internen Auseinandersetzungen dürften in dem Verfahren also noch detailliert beschrieben werden.