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Social Media

Feed und Fudder Podcast 70 – Social Skill: Im Schatten stehen können


Gefühlt steht man als Social Media Manager*in immerzu im Rampenlicht. Content planen und erstellen, Strategien entwerfen und vieles mehr. Als Social Media Manager*in ist man direkt im Zentrum der digitalen Kommunikation eines Unternehmens oder einer Marke. Nur wirklich sichtbar ist man selten.

Social Media Management läuft meist im Hintergrund ab und auf den Kanälen bleibt man hinter den Kulissen. Auch mal im Schatten stehen zu können, ist für Social Media Manager*innen ein unverzichtbarer Skill. Selbst wenn es schwerfällt. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast wie man mit dieser “besonderen” Anforderung zurechtkommt und wann sich Social Media Manager*innen auch mal auf ihren Kanälen zeigen sollen.

Außerdem auf dem Social Menü: Warum es bei der KI noch hapert, sobald es emotional wird. Virtuelle Vorfreude auf Weihnachten und warum auch Long Form Content durchaus seine Berechtigung hat. Spannende Bilder und Stories kennen keine Zeitbegrenzung.

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Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 70 – Social Skill: Im Schatten stehen können

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Hier gibt es das Transkript zu Folge 70 – Social Skill: Im Schatten stehen können

Transkript

Nicola

Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed & Fudder mit Alex und mir, der Nici.

Alex

Herzlich Willkommen. Wir kriegen es einfach nie hin mit unserem  Einstieg. Auch Herzlich willkommen von mir. Vielleicht kommt es irgendwann mal zur hundertsten Folge, da müssen wir den Einstieg perfekt haben.

Nicola

Ach, was muss perfekt sein? Letzte Woche oder in der letzten Folge – auch hier nochmal – ich saß in einem Kaffeehaus in Innsbruck. Deswegen auch der Ton, vielleicht hat man es gehört. Es tut mir leid, aber es war echt. Es war wirklich ein Kaffeehaus. Ich hatte übrigens eine Esterhazy-Torte gegessen.

Alex

Du warst halt voll am Food-Content so nah wie möglich dran.

Nicola

Ja, absolut. Und ich liebe Kaffeehäuser. In Deutschland, oder zumindest in meiner Ecke, gibt es das gar nicht. Wenn ich jemals ein Geschäft in der Gastronomie eröffnen müsste, wäre es ein Kaffeehaus.

Alex

Und du hast auch die Skills, um einen Instagram-Account mit coolem Food- und Kaffeehaus-Content zu machen.

Nicola

Absolut. Es gibt ja wenige Orte – vielleicht sind wir mitten im Thema – außer auf Social Media, wo du den ganzen Tag rumhängen kannst. Keiner sagt was, keiner schmeißt dich raus. Du kannst frühstücken, Kaffee trinken, Leute treffen, arbeiten, Zeitung lesen. Du kannst einfach so sein, wie du willst. Solche Orte gibt es nicht oft.

Alex

Und du kannst den ganzen Tag Social Media Management machen in so einem Kaffeehaus. Das ist eine super Überleitung.

Nicola

Genau. Abgesehen davon – was die Hörer*innen nicht wissen: Du hast mir Bilder von Schnee geschickt. Bei euch hat es geschneit und ich bin neidisch. Wir leben ja in Baden-Württemberg. Ich habe Sonnenschein, aber keinen Schnee. Bei dir liegt Schnee – und das ist schön. Es geht Richtung Weihnachten, es wird besinnlicher. Einer der erfolgreichsten Artikel auf unserem Blog ist der Adventskalender-Artikel. Also auch euch interessiert das Thema Weihnachten und Advent.

Alex

Ja, wenn diese Folge erscheint, ist der erste Advent nicht mehr weit. Wir haben einen Artikel auf dem Blog über einen Social-Media-Adventskalender. Das Thema kommt richtig gut bei euch an.

Nicola

Zur Einordnung: Wir reden heute nicht über Adventskalender, sondern über das eigentliche Thema – strategische Kommentare wie dieser Adventskalender-Artikel. Du hast nicht darüber geschrieben, wie man einen Adventskalender macht, sondern gefragt: Macht er wirklich Sinn? Wann braucht man ihn? Wann sollte man besser verzichten?

Alex

Genau. Der Social-Media-Adventskalender ist ein Evergreen im Redaktionsplan. Mir ist noch nie ein Unternehmen begegnet, wo es nicht mindestens einmal im Jahr darum ging: Machen wir einen Adventskalender? Es ist fast Pflicht. Ich wollte anregen, darüber nachzudenken.

Nicola

Das fand ich interessant. Wir haben spekuliert, ob es Sinn macht, einen Artikel darüber zu schreiben – ohne Anleitung. Aber anscheinend interessiert es viele. Das zeigt, dass sich Social-Media-Manager damit beschäftigen. Und da sind wir mitten im Thema: Mit was beschäftigen sich Social-Media-Manager? Wir haben einen Soft Skill herausgefunden – zum Thema Türchen öffnen – was man können sollte. Und ich finde das gar nicht unwichtig: das Thema „im Schatten stehen“. Muss ich als Social-Media-Mensch im Schatten stehen können? Muss das in meinem Lebenslauf einen Platz haben?

Alex

Noch eine Vorbemerkung: Warum wir über Soft Skills sprechen. Gerade jetzt – bevor uns hoffentlich nicht die Karriere setzt. Soft Skills machen im Social Management den Qualitätsunterschied. Sie sind wichtig. Wir hatten schon ein paar Soft Skill-Folgen, und sie gehören einfach dazu. Ich würde sogar sagen: In unserer Branche sind Softskills besonders wichtig, weil man den ganzen Tag mit Communities redet. Wie ist es bei dir? Stehst du eher im Schatten? Im Podcast sind wir vor dem Mikro, aber lange warst du nicht so sichtbar, oder?

Alex

Absolut. Das ist das, was mir am Job am wenigsten gefällt. Ich bin keine Rampensau, aber wenn man Community-Content macht, will ich präsent sein, wie hier im Podcast. Als Host sind wir sichtbar. Aber es fiel mir schwer, wenn ich Kanäle betreut habe. Zum Beispiel für eine Fitnessstudio-Kette: Die Kanäle wuchsen, der Content konvertierte, die Leute wurden aufmerksam. Wir hatten coole Bilder, Testimonials von Trainern und Mitgliedern. Aber wir vom Social-Team haben uns nie gezeigt. Das war nicht erwünscht von Kundenseite. Und dann sieht man: Da wächst etwas, die Leute sprechen drüber – aber man selbst findet nicht statt, obwohl man alles verantwortet.

Nicola

Das ist öfter der Fall, wenn man eine Dienstleistung erbringt und nicht sichtbar ist. Lange war es auch verpönt, rauszugehen und zu sagen: Ich betreue diesen Account.

Alex

Ja.

Nicola

Ich kenne das auch. Ich bin seit Ewigkeiten auf Social unterwegs und habe Accounts betreut – auch von Profifußballern. Da tritt man gar nicht auf. Ich hätte nie gesagt: Ich betreue Accounts von Profifußballern mit Millionen Followern. Das war ein ungeschriebenes Gesetz. Aber ich habe das Gefühl, das hat sich geändert. Heute muss man auf LinkedIn zeigen, was man kann. Es ist viel häufiger, dass man weiß, wer hinter einem Account steht.

Alex

Also ich finde, wie du sagst, das wird besser. Bei einem Account wie einem Profifußballer soll es natürlich authentisch wirken. Da gibt es wahrscheinlich vertragliche Regelungen, dass das niemals öffentlich werden darf. Da bist du wie ein Ghostwriter. Das verstehe ich auch – man will die Marke, die Person pushen. Aber gerade bei mittelständischen Unternehmen, B2B, sieht man eine Lockerung. Da finde ich es sympathisch, wenn sich das Social Team zeigt. Grüße raus – wir hatten mal eine Folge über das Stadtmarketing Marburg, die machen das toll. Auch unsere Freunde von Social Hub sind aktiv, das Social Team zeigt sich auf LinkedIn. Sowas finde ich mega sympathisch, es zeigt: Dieses Unternehmen ist cool, und da arbeiten Menschen dahinter.

Nicola

Heute ist es gang und gäbe, dass man das tun kann – natürlich in Absprache mit den Kunden. Manche wollen das nicht, das kann ich verstehen. Manchmal will man auch als Freelancer oder Angestellter nicht sichtbar sein, um sich zu schützen. Auch das kann ich verstehen. Es ist nicht nötig, dass man immer sein eigenes Gesicht zeigt. Aber es ist essentiell, sich zurücknehmen zu können. Der Erfolg eines Accounts gehört manchmal jemand anderem. Das muss man können. Zu akzeptieren: Das Fitnessstudio hat Erfolg, ich bin beteiligt, aber die Lorbeeren greife ich nicht ab.

Alex

Das ist einfach so, und damit muss man umgehen können. Darüber wird kaum gesprochen. In Stellenbeschreibungen steht das nicht. Du kannst lernen, wie man Content erstellt, ein KI-Seminar besuchen – aber diese Art von Jobrealität, dass du nie den Lohn für deine Arbeit bekommst außer Gehalt, das muss man aushalten. Wir wollen im Podcast auch über diese Aspekte sprechen, die nicht thematisiert werden.

Nicola

In dem Fall passt das Wortspiel „Schattenseiten“. Es ist wichtig, dass wir das ansprechen. Interessant wäre auch eure Erfahrung: Findet ihr es frustrierend, dass ihr im Schatten steht, oder sagt ihr, ihr wollt gar nicht ins Rampenlicht? Schreibt uns gerne oder kommentiert auf LinkedIn.

Wenn man es positiv sieht, ist es ein Skill: akzeptieren zu können, dass andere den Erfolg abgreifen, auch wenn es die eigene Arbeit ist. Das gibt es nicht nur im Social, sondern auch in anderen Bereichen. Zweitens: Man ist ein Schutzschild nach außen. Man moderiert, macht Krisenkommunikation, meistert Drucksituationen hinter den Kulissen – unsichtbar. Das sieht keiner.

Alex

Als Social Media Manager*in bist du oft an der vordersten Linie. Social Media Kanäle sind der erste Berührungspunkt mit Marken – oft negativ, wenn Leute sich beschweren. Früher gab es Kundensupport, heute schreibt man eine wütende Nachricht auf Instagram. Da ist es gut, unsichtbar zu sein, sonst würden Leute dich persönlich angreifen. In dem Fall bist du selbst das Schutzschild.

Mir kam noch ein Gedanke: Wir haben aus der Perspektive der Betreuenden gesprochen. Aber manchmal würde ich gerne wissen, wer die verantwortliche Person ist. Wenn ein cooles Posting viral geht – Grüße an unseren Hebebühnenhersteller – da würde ich gerne wissen: Wer hatte die Idee, wer hat das gemacht?

Nicola

Ja, absolut. Wenn eine coole Kampagne läuft oder eine Krise kommunikativ gut gemeistert wurde, ist es spannend. Es ist nicht nur Schattenseiten. Ein wichtiger Skill ist, sich zurücknehmen zu können. Ich weiß nicht, ob ich andersrum – ich habe Teams geführt, Bewerbungsgespräche gemacht – da war es essentiell zu wissen: Die Person macht es nicht für den eigenen Fame. Bei großen Accounts ist das noch wichtiger. Manche jüngere Leute wollen ihre eigenen Accounts pushen. Das wäre für mich ein Alarmsignal. Es ist wichtig zu wissen: Du machst den Job nicht, um selbst bekannter zu werden. Sonst bist du an der Stelle falsch.

Noch ein Aspekt: Wir machen eher strategische Arbeit – Analysen, Planen, Zielgruppen, Budgets, Reporting. Das sieht man überhaupt nicht. Aber wenn jemand darüber redet und sagt: Wir hatten eine Kampagne, ein Problem, wie löst ihr das? – da finde ich, kann man aus dem Schatten treten und sagen: Das war unser strategischer Ansatz. Das ist fachlicher Austausch, das ist, was wir auch machen.

Alex

Wenn ich die Strategie für Kunden mache, habe ich dieses Gefühl überhaupt nicht. Da sehe ich mich komplett auf der strategischen Ebene. Wir haben meistens Partneragenturen, die die Content-Erstellung übernehmen. Ich kümmere mich um die Zusammenarbeit, dass alles reibungslos läuft. Wenn es funktioniert, freue ich mich für die anderen. Dieses Gefühl habe ich nur, wenn ich selbst Content erstelle, wie damals beim Fitnessstudio.

Nicola

Das ist interessant. Eine spannende Beobachtung: Bei allem Strategischen fällt es dir leichter, im Schatten stehen zu können, als direkt am Feed, am Account.

Alex

Da sehe ich es nicht mal als Schatten, sondern als andere Aufgabe. Wie bei Websites – es gibt Backend und Frontend. Ich sehe mich im Social-Media-Backend. Ich mache meinen Job, hoffentlich gut, und die im Frontend machen ihre Sachen. Aber wenn man Content erstellt, ist es schwieriger – gerade bei kleinen Accounts. Da kann man schnell große Erfolge feiern und hat den Impuls zu sagen: „Hey, ich war’s.“

Nicola

Natürlich, der Effekt ist da größer. Aber ich finde es positiv, dass man heute den Expertenstatus sichtbar machen kann. Früher war es verpönt zu sagen, dass man Accounts betreut. Heute ist es wertvoll, wenn jemand erzählt: Wir haben die Kampagne gemacht, das haben wir uns dabei gedacht. Ob sie gut oder schlecht war – wichtig ist, zu sehen, wer dahinter steckt. Man kann in fachlichen Austausch gehen. Wenn jemand einen guten Ansatz hat, gehe ich in die Diskussion oder frage nach Erfahrungswerten. Das passiert nur, wenn man weiß, wer hinter dem Account steht.

Alex

Gut ist auch, dass immer mehr Unternehmen es gestatten und fördern. Bei der All-Social-Marketing-Konferenz gibt es Vorträge von den Leuten, die Accounts verantworten. In Berlin fand ich toll: DTV, der Taschenbuchverlag, wie sie BookTok machen – Buchmarketing auf TikTok. Oder Stiftung Warentest, wie sie ihre Accounts gestartet und betreut haben. Das sind wertvolle Einblicke. Man lernt über Kampagnenführung und Stolperfallen, die es nur im Social Media gibt. Darüber zu sprechen aus Expertenstatus heraus ist klasse.

Nicola

Mein Appell: Auch mit kleinen Accounts oder speziellen Themen – scheut euch nicht, euch zu bewerben oder LinkedIn-Beiträge zu schreiben. Manchmal sind gerade kleine Themen super spannend. Also nicht denken: Nur weil ein Account klein oder nischig ist, ist er uninteressant. Ich finde das voll interessant.

Noch ein Punkt: interne Sichtbarkeit. Wir reden oft über das Schattenstehen nach außen. Aber mein Appell an euch Social-Media-Menschen: Stellt euch intern nicht in den Schatten. Ihr macht einen guten Job, seid wichtig, oft in der ersten Reihe.

Intern passiert es leicht, dass man im Schatten steht. Ich kenne es selbst. Social sitzt oft am Katzentisch. Dabei sind Social-Auftritte wichtig – direkte Kundenkommunikation, Umsätze, Markenthemen. Intern wird es oft belächelt: „Ist ja nur Social Media.“ Mein Appell: Extern im Schatten stehen ist okay, das muss man können. Aber intern sollte man regelmäßig Erfolge zeigen. Sonst werden sie nicht gesehen, und die Position von Social-Media-Managern im Unternehmen wird geschwächt. Zeigt eure KPIs, Erfolge, Learnings. Zeigt, dass Social ein Treiber für Business sein kann.

Alex

Absolut, das hast du richtig gut angesprochen. Niemals intern im Schatten stehen. Modernes Social-Media-Marketing ist nicht nur Content. Social Media muss ganz oben auf der Unternehmensebene angesiedelt sein. Sonst sitzt man am Katzentisch, und Social ist nur beiläufig.

Viele Unternehmen haben lustlose Accounts mit vier Postings aus dem Jahr 2000. Da fehlt das Verständnis, dass Social ein Business-Treiber ist. Social ist oft der erste Berührungspunkt mit einer Marke. Intern nicht klein machen – seid stolz auf euren Beruf und zeigt den echten Mehrwert. Social Media ist ein essenzielles Werkzeug für Markenwahrnehmung.

Nicola

Absolut. Schatten stehen können – intern stehen viele im Schatten und lösen das nicht auf. Es ist manchmal unangenehm, aber zeigt, was passiert. Thema Kundenfeedback, Community: Wenn Menschen über eure Marke reden, seid ihr diejenigen, die es mitbekommen. Wenn ihr es nicht ins Unternehmen tragt, findet es nicht statt.

Appell: Auch wenn Social intern belächelt wird – seit 2007 sind wir auf Facebook, wir machen das Thema seit über 15 Jahren. Es ist kein Baby mehr, nur für junge Menschen. Im Schatten stehen könnt ihr, aber müsst ihr nicht.

Alex

Weil du gesagt hast, es ist nicht mehr ein Baby nur für junge Menschen, habe ich noch eine Hörempfehlung. Wir haben nämlich auch eine Folge gemacht über die Generation 50 plus auf Social Media und warum man die auf keinen Fall vernachlässigen sollte.

Nicola

Absolut. Und unterm Strich können wir sagen: Im Schatten stehen zu können ist ein wichtiger Skill. Aber an den richtigen Stellen sollte man auch aus dem Schatten treten – als Experte, im strategischen Prozess und vor allem intern. Eure Meinung wäre mir da wichtig: Habt ihr das schon reflektiert? Steht ihr mehr im Schatten oder seid ihr Front Row und zeigt, dass ihr den Account macht? Würde mich interessieren.

Alex

Und ich hätte noch einen Tipp: Wenn ihr als Social-Media-Manager arbeitet, gibt es Nebeneffekte, die aufs Gemüt schlagen können. Blöde Kommentare machen manchmal etwas mit einem. Wichtig ist, über diese Begleiterscheinungen mit Gleichgesinnten zu sprechen. Es gibt in jeder größeren Stadt Social-Media-Treffs. Geht auf Konferenzen, tauscht euch aus. Gerade die Mittagspausen sind super Gelegenheiten. Auch örtliche Kammern machen Marketing-Treffs. Nutzt solche Events, vernetzt euch – auch auf LinkedIn. Es ist wichtig, offen mit Gleichgesinnten zu sprechen.

Nicola

Absolut, kann ich nur bestätigen. Tut auch gut. Aber ich habe dir noch zwei kleine Schmankerl mitgebracht.

Alex

Ja, aber da habe ich noch eine Bitte. Bevor du die Schmankerl vorstellst: Du hast am Anfang die Esterhazy-Torte erwähnt. Jetzt will ich wissen – was ist das?

Nicola

Ich bin schlecht vorbereitet, aber laut meinen Erinnerungen ist es ein ungarisch-österreichisches Gebäckstück, eine Torte. Sie entstand wohl im Rahmen der österreichisch-ungarischen Kaiserherrschaft. Erinnert mich an Sissi – eine Sissi-Torte. Sie ist geschichtet, eine Schichttorte, unfassbar süß. Wahrscheinlich sollte man sie in Österreich oder Ungarn probieren. Danach hat man einen Zuckerschock, aber sie ist sehr lecker.

Und so süß, fast so gezuckert, habe ich ein Schmankerl mitgebracht. Thema die Wucht von Bildern: Vor 13 Tagen hat Red Bull ein Video veröffentlicht, 31 Minuten und 15 Sekunden lang, auf YouTube. Es zeigt den Alpinisten André Bagel, der den Everest ohne Sauerstoff besteigt und mit Skiern runterfährt. Unfassbar. Red Bull hatte schon im September Shortform-Content dazu auf Instagram, TikTok und Facebook gepostet – ein viraler Hit. Jetzt kam die Long Version auf YouTube, mit 15 Millionen Aufrufen.

Spannend ist: Die Shortform-Pieces waren schon erfolgreich, und die Long-Version sammelt nochmals Reichweite und wird ein Evergreen. Die Bilder sind eine Wucht, die Story ebenso. Vielleicht eines der stärksten Content Pieces dieses Jahres im Sportbereich. 30 Minuten lang, sehr ruhig, langsame Szenen, keine dramatische Musik, keine schnellen Schnitte – alles, was wir sonst nicht empfehlen für Social. Und es funktioniert.

Man hört Originalton vom schweren Atmen, sieht, wie langsam sie den Berg hochlaufen. Die letzten 100 Meter am Everest ohne Sauerstoff – unfassbar langsam. Und es fasziniert die Menschen.

Alex

Ein Hoch auf Longform-Content – und es sind echte Bilder, nicht KI-generiert. Da habe ich einen Fail, den wollte ich unbedingt im Podcast bringen. Diese KI-Diskussion – ist Content KI-generiert? Ich glaube, irgendwann legt sich das. Bei Filmen wurde auch diskutiert, als Computereffekte kamen. Heute sind sie selbstverständlich. Ich denke, irgendwann ist KI auch ein selbstverständliches Werkzeug, wie Canva.

Aber KI zu nutzen ist keine Ausrede, schlampig zu sein. Für mich ist das der Coca-Cola-Werbespot. Sie haben schon letztes Jahr ihren Weihnachtsspot KI-generiert gemacht. Ich bin Nostalgiker, ich liebe die Vorweihnachtszeit. Für mich war immer ein Symbol: Wenn die Cola-Trucks im Fernsehen kommen, dann ist Weihnachten. Und einmal kam vor 30 Jahren der Original-Coca-Cola-Truck in mein Heimat-Kaff.

Nicola

Nein, echt? Wow. Das ist ja schon Zauber.

Alex

Ja, und es war ein echter Truck. Früher wurden echte Trucks gefilmt. Und ich finde es seelenlos, wenn man diese KI-Trucks hat. Was mich am meisten gestört hat: Die Trucks wechseln im Video alle drei Sekunden die Anzahl ihrer Achsen. Wenigstens darauf hätte man achten können. KI hin oder her. Ich bin da Perfektionist.

Nicola

Ja, war das fair? Bei manchen Dingen ist es gut, genau zu sein. Sie haben sicher Gelder investiert, und solche Kleinigkeiten machen es qualitativ schlechter. Ich bin derselben Meinung. Der Cola-Werbespot ist ein Klassiker.

Alex

Es ist aber auch ein Win, weil jeder über diesen Spot redet. Vielleicht war es Absicht: Lass ihn schlecht machen, dann reden alle drüber.

Nicola

Vielleicht. Entspricht eigentlich nicht der Brand, aber gut. Abschließend noch ein Tipp: Ihr kennt wahrscheinlich Helge Ruf, CEO von One2Social. Ich folge seinem Account gerne, weil er Cases zerlegt. Er hat gestern einen Case auf LinkedIn geteilt – schaut euch den an. Es geht um die Baufirma Gebra. Die kannte ich vorher nicht. Sie haben eine Social-Strategie, die einen Mix findet zwischen Entertainment und seriösem Doku-Content.

Es scheint sich zu bedingen: Wenn man virale Kracher hat, bekommen auch die seriösen Content-Pieces mehr Reichweite. Das finde ich interessant. Vielleicht machen wir dazu eine eigene Folge – über Entertainment und Seriosität im Mix. Gebra macht das sehr gut. Die Videos sind actiongeladen, lustig, mit KI-Features, übertrieben, humorvoll – und gehen viral. Gleichzeitig gibt es seriöse Projekteinblicke. Helge hat das gut aufbereitet. Schaut euch den LinkedIn-Post an. Absolut, da ist viel Gold drin. Bau hat Potenzial – Humor, Projekte, Ansätze.

Alex

Dann sind wir bei unserer Folge heute. Liebe Account-Verantwortliche dieser Bau-Accounts, meldet euch bei uns. Es interessiert mich, wer für diesen Content verantwortlich ist.

Nicola

Absolut. Unterm Strich: Wir stehen oft im Schatten – jetzt im Podcast nicht – aber der Mix ist entscheidend. An euch da draußen: Im Schatten stehen ist Teil des Jobs, manchmal auch okay. Es reicht, zu sehen, dass die Accounts wachsen und funktionieren. Man muss nicht immer die Lorbeeren abgreifen.

Alex

Schreibt uns auf Social Media, per Mail oder über den Blog – die Infos sind in der Folgenbeschreibung. Wenn ihr einen Soft-Skill habt, über den wir reden sollen, schreibt uns.

Nicola

Erst sollen und dann wollen.

Alex

Macht’s gut.

Nicola

Ich wünsche dir eine super Woche und du stehst nicht mehr im Schatten, Alex. Ciao.



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Social Media

Metas Traum vom Metaverse ist geplatzt


Während uns die geopolitischen Nachrichten derzeit stark beschäftigen, ist eine andere Entwicklung beinahe untergegangen. Dabei markiert sie einen tiefen Einschnitt für die Tech-Branche: Meta beendet das Metaverse in seiner bisherigen Form durch eine Reihe gezielter Entscheidungen innerhalb weniger Tage.

Ein kurzer Schritt zurück: Mit der Umbenennung von Facebook zu Meta machte Mark Zuckerberg im Jahr 2021 unmissverständlich klar, wohin die Reise gehen sollte. Das Metaverse wurde als Nachfolger des Internets positioniert. Webseiten sollten durch immersive 3D-Welten ersetzt werden, Menschen ihre Freizeit ebenso wie ihre Arbeit dort verbringen. Mit Meta Horizon für soziale Erlebnisse und Workrooms für den Arbeitsalltag wollte Meta gleich mehrere Lebensbereiche in diese neue Plattform überführen. Selbst Unternehmen wie Microsoft stellten damals passende Anwendungen in Aussicht.

Strategisch war das Metaverse für Meta eine Wette auf das nächste große Plattform-Paradigma, jenseits der in vielerlei Hinsicht gesättigten Social Networks.

Zentrales Element dieser Vision war ein VR-Headset: Bildschirme direkt vor den Augen, räumlicher Sound, gesteuert über Handgesten. Ein neues „Betriebssystem des Internets“.

Fehlender Product-Market-Fit

Ja, es gibt Nischen, in denen VR funktioniert. Im Gaming- und Sportbereich etwa, wo immersive Erlebnisse tatsächlich einen Mehrwert schaffen, den klassische Bildschirme nicht leisten können. Auch in spezialisierten industriellen oder kollaborativen Szenarien kann VR sinnvoll sein.

Für den Büro-Alltag jedoch nicht. Dort existieren mit geteilten Dokumenten, Messengern wie Slack und etablierten Videokonferenz-Tools längst Lösungen, die einfacher, günstiger und funktional ausreichend sind. Das Metaverse bot hier vor allem eines: zusätzliche Komplexität ohne klaren Nutzen.

Jetzt also der strategische Shift

Seit dem Jahreswechsel zieht Meta nun selbst die Konsequenzen. Nach Berichten von The Verge wurden innerhalb weniger Tage zwischen 1.000 und 1.500 Mitarbeitende im Bereich Reality Labs entlassen – jener Einheit, die für VR- und AR-Entwicklung zuständig war.

Gleichzeitig stellt Meta Horizon Workrooms Mitte Februar ein. Alle Nutzerdaten werden gelöscht. Kurz darauf endet auch der Verkauf von Meta-Quest-Headsets an Unternehmen. Damit verabschiedet sich Meta faktisch aus dem Metaverse-Arbeitskontext, einem der zentralen Anwendungsfälle der ursprünglichen Vision.

Auch mehrere VR-Spiele-Studios, die Meta in den letzten Jahren gekauft hat, wurden in den letzten Tagen geschlossen. Eine Weiterentwicklung in diesen Bereichen ist damit auch nicht mehr wahrscheinlich.

Diese Entscheidungen senden ein klares Signal: Meta glaubt nicht mehr an das Metaverse als eigenständige Plattform.

Wie es weitergeht

Für Meta scheint der Weg im Moment erst einmal klar. Statt auf VR will man sich in Kalifornien lieber auf AR- (Augmented Reality) und AI-Lösungen fokussieren. Auch in diesem Segment ist Meta mit eigenen Produkten seit wenigen Jahren aktiv.

Statt den Nutzer in eine VKunstwelt einzuschließen, möchte man ihm nun lieber dabei helfen, mit KI-Assistenten im Blickfeld einer AR-Brille, seine täglichen Aufgaben zu bewältigen.

Ob sich daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell ergibt, ist offen. Denn auch AR-Brillen bieten Stand heute für viele Anwendungsfälle keinen klaren Mehrwert gegenüber dem Smartphone. Der Unterschied: Die Eintrittshürden sind niedriger, die Nutzung scheinbar näher an bestehenden Gewohnheiten. Und genau das scheint Meta aus den letzten Jahren gelernt zu haben.



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Instagram Feature-Update 2026


Was gibt’s 2026 Neues? In diesem Instagram Feature-Updates erfährst du alles über die neuesten Instagram Funktionen: Egal ob es um Reels, die Videoschnitt-App Edits oder Bildergrößen geht, hier wirdst du fündig.


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15.01.2026

Edits App mit Statistik-Funktionen und Links in Reels

Den „Neue Funktionen“-Auftakt im Instagram-Kosmos macht dieses Jahr die Edits-App, Metas eigenes Video-Schnitt-Programm und Konkurrenz zu CapCut.

Um sich von Letzterem abzugrenzen, integriert Meta bei Edits jetzt immer mehr Funktionen, die stark im Instagram-Kosmos verwurzelt sind. Inklusiver einer echten Neuheit:

Zum einen gibt es ab sofort die Möglichkeit, auf die Analytics-Kernfunktion auch in Edits zuzugreifen. Das bedeutet, ihr könnt in Edits sehen, welche eurer Reels gut performt haben. Wie die Interaktionsraten waren und auch wie sich euer Account entwickelt. Das soll zwei Nutzungsmotive abdecken: So könnt ihr einerseits anhand der Zahlen entscheiden, zu welchem Thema oder mit welchem Hook ihr besonders erfolgreich seid, um dann mehr in diese Richtung zu machen. Darüber hinaus könnt ihr diese Insights aber auch genau von dort aus (zum Beispiel als PDF) exportieren, um sie dann mit Werbepartnern zu teilen.

Zum anderen könnt ihr jetzt über Edits in Reels Links hinzufügen! Aber bevor ihr euch zu sehr freut: Die Links können nur entweder zu einem anderen (eigenen oder fremden) Reel verlinken oder aber zu einem Instagram-Account. Ein Link raus ins Web ist nicht möglich.

Trotzdem bieten die Links gerade eine Möglichkeit, einzelne Episoden oder Geschichten miteinander zu verbinden. Auch ein Reaction-Reel wird damit deutlich einfacher. Oder ihr könnt einfach einen Link zum eigenen Account oder Fremdaccount setzen. Bei Reels ist es so, dass das verlinkte Video in einer kleinen Vorschau innerhalb des Haupt-Reels angezeigt wird.

Screenshot – Profil-Link
Screenshot – Reel-Link

Beide Funktionen (Insights und Links) sind nach unseren Tests auch schon in Deutschland nutzbar.

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Instagram Feature-Update: Es gibt Neues über Instagram. Die Meta-Plattform launcht regelmäßig neue Funktionen und Verbesserungen. Damit du immer aktuell bist, sammeln wir in diesem Artikel eine Auswahl an interessanten Neuerungen. Schreib uns gerne direkt oder hier in die Kommentare, wenn du zu einzelnen Themen mehr erfahren willst!



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Feed und Fudder Podcast 74 – Empathie als Superskill


Stellenanzeigen für Social Media Jobs listen oft eine endlose Reihe an Anforderungen auf. Doch ein entscheidender Skill taucht erstaunlich selten auf. Nicht irgendeiner, sondern aus unserer Sicht einer der wichtigsten im gesamten Social Media Management: Empathie.

Ohne Empathie kein echtes Community Management. Das “Social” in Social Media verlangt Aufmerksamkeit, Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln. Empathie ist der Superskill, der Social‑Media‑Manager*innen befähigt, Beziehungen aufzubauen, Stimmungen zu lesen und Gespräche konstruktiv zu lenken.

Mit Empathie gelingt viel leichter auf Social Media, wie auch unsere Wins der Woche zeigen: Lecker Food Content garniert mit einem Schuss Empathie, und fertig ist der perfekte Social Media Account.

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Wie können Corporate Ambassadors im Zeitalter von KI authentisch bleiben?


Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 74 – Empathie als Superskill

Du bist grad irgendwo, wo es still sein muss, schmöckerst lieber in Texten oder möchtest unsere Folge barrierefrei mit deinem Screenreader lesen? Kein Problem!

Hier gibt es das Transkript zu Folge 74 – Empathie als Superskill

Transkript

Nicola

Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed und Fudder mit Alex und mir, der Nici. Wie empathisch bist du oder würdest du dich einschätzen auf einer Skala von 1 bis 10? Eins ist wenig, zehn ist viel. Wow. Ich weiß nicht, ob ich dich beglückwünschen oder bemitleiden soll, weil Empathie ist auch anstrengend.

Alexander

Ich denke, man muss zu einem gewissen Grad empathisch sein. Sagen wir 5,65 oder so. Deswegen reden wir heute darüber. Es ist ein wichtiger Soft Skill, um als Social-Media-Managerin oder Manager zu arbeiten.

Nicola

Was denkst du, wie viel Empathie braucht man, um gut in diesem Job zu sein?

Alexander

Sieben.

Nicola

Sieben. Bei Einstellungskriterien steht das selten drin. Da heißt es oft: Du musst Videos schneiden können. Aber wenn ich null Empathie habe und mich nicht in Menschen reinversetzen kann, kann ich vielleicht trotzdem gute Videos schneiden, wer weiß. Aber Menschen verstehen ist ein anderes Level.

Alexander

Du sagst etwas Gutes: In Menschen reinversetzen. Wenn man im Social-Media-Bereich arbeiten will, muss man sich im Klaren sein, dass man mit Menschen arbeitet. Nicht nur mit Kolleginnen und Kollegen, sondern mit Menschen im Internet. Da ist die ganze Bandbreite an Emotionen dabei, leider oft negativ. Manche lassen ihren Frust ab. Du hast es mit Menschen zu tun, die dich nicht kennen, aber dich anschreiben, als würden sie dich kennen. Damit musst du umgehen können. Das muss man lernen.

Nicola

Das Social in Social Media. Vielleicht will man im Media-Bereich arbeiten, aber da gibt es diesen Social-Part, der dazugehört. Einerseits Menschen verstehen, andererseits arbeiten wir mit Triggern, Humor, Zwischentönen, Kommunikation. Kommunikation ist immer interessant, je nachdem, ob Empathie dabei ist oder nicht. Wie willst du Trigger setzen, wenn du die Leute nicht verstehst? Wie willst du Emotionen erzeugen, wenn du keinen Zugang dazu hast? Man kann das mechanisch lernen, aber es ist einfacher, wenn man es wirklich versteht.

Alexander

Man braucht eine Grundempathie, die muss man mitbringen. Die kann man nicht lernen. Stell dir vor, wir würden uns nicht verstehen, der Podcast wäre schräg. Wir haben uns an der Uni sofort verstanden. Das kannst du nicht lernen. Aber den Umgang mit Konsequenzen, zum Beispiel mit Hate oder Pöbeln, das kann man lernen.

Nicola

Das gilt fürs Leben, nicht nur für Social. Eine Grundempathie, Interesse an Menschen, Bereitschaft, sich für Menschen zu interessieren. Und dann die Frage: Wie gehe ich mit Emotionen um? Warum reagieren Menschen auf gewisse Trigger? Wärt ihr Social-Media-Menschen überdurchschnittlich empathisch im Vergleich zu eurer Umwelt? Das wäre mal eine spannende Umfrage.

Alexander

Ich glaube, man kann mit vielen Persönlichkeitsmerkmalen im Social Media arbeiten. Wichtig ist eine offene Haltung. Stell dir vor, du bist auf einer Party und willst mit jemandem ins Gespräch kommen, aber die Person sagt nichts. So jemand sollte vielleicht nicht im Social Media arbeiten. Man muss keine Rampensau sein, aber man muss sich selbst sein und wissen, was einen auszeichnet. Gerade in der KI-Ära ist die menschliche Note wichtiger denn je.

Nicola

Thema sich klein machen oder keine Rampensau sein: Viele Social-Media-Menschen können sich gut in andere Rollen reinversetzen. Sie denken für ihre Zielgruppe mit. Viele sind Ghostwriter, arbeiten im Schatten, nicht im Rampenlicht. Viele lesen eher mit, beobachten, erkennen Trends, erkennen Stimmungen. Das ist für Unternehmen enorm wertvoll. Social-Media-Menschen sind die Schnittstelle zwischen Marke und Community, zwischen Redaktion und Audience. Sie haben das Ohr an den Leuten und erkennen früh, wenn die Stimmung kippt oder wenn ein Thema hochkommt. Gerade in der politischen Kommunikation sieht man, wie stark Social Media geworden ist. Politikerinnen und Politiker nehmen die Stimmung dort inzwischen sehr bewusst wahr. Diese Schnittstelle ist wertvoll, auch wenn sie im Schatten liegt.

Alexander

Du sagst etwas sehr Gutes: Man braucht ein Gespür. Es ist wichtig zu erkennen, was gerade gut läuft auf Social Media. Du kennst das sicher, wenn ein Unternehmen ein aktuelles Meme postet und es wirkt total schräg, weil sie nicht verstanden haben, was der emotionale Kontext ist oder warum das Meme gerade im Umlauf ist. Sie machen es nur, weil sie es auch machen wollen. Auch dafür brauchst du Empathie, nicht nur im direkten Umgang mit der Community, sondern auch für Trends.

Nicola

Empathie hilft, die Perspektiven der Zielgruppe oder Community einzunehmen. Dafür musst du die Rolle wechseln können. Wir haben verschiedene Brillen auf, verschiedene Hüte. Und wir wechseln die ständig, oft ganz unauffällig. Das kann man trainieren, es gibt Brainstorming-Methoden dafür. Aber eigentlich gehört das total zu unserem Berufsbild: schnell Rollen wechseln.

Es gibt Themen im Redaktionsplan, aber damit sie funktionieren, braucht es diesen Filter: Wie formuliere ich das? Wie muss die Grafik sein, damit die Community abgeholt wird und nicht nur informiert?

Aus meiner Erfahrung ist es super wichtig, dass man Postings oft selbst schreibt. Gerade als Junior sollte man viele Postings selbst schreiben. Dieses Teasing, dieses Zuspitzen, das kann man lernen. Ein gutes Teasing zeigt, dass ich verstanden habe, wie die Audience funktioniert.

Alexander

Du sagst etwas Wichtiges: Nicht zu viel mit KI schreiben. Schreiben ist mehr als Worte aneinanderreihen. Schreiben ist Selbstreflexion, Gedanken ordnen, Dinge in den Kontext setzen. Das geht verloren, wenn KI alles übernimmt. Deswegen so viel wie möglich selbst schreiben. Dann kannst du auch diesen Rollenwechsel vornehmen.

Und ganz wichtig: Antworten bei Shitstorms oder kritischen Kommentaren immer menschlich verfassen. Wenn da eine KI-Antwort steht, merken die Leute das sofort und fühlen sich nicht ernst genommen.

Was auch hilft, ist eine Kommunikationsrichtlinie. Man legt fest: Der Kommentar war unhöflich, aber die Person hat ein Anliegen, also antworten wir. Bei anderen, die unter der Gürtellinie sind, weisen wir auf die Netiquette hin oder löschen. Das gibt Sicherheit. Man sollte das regelmäßig besprechen und aktualisieren.

Und man muss nicht empathisch sein, wenn dich jemand beleidigt. Da kann man löschen oder verwarnen. Empathie hat Grenzen. Social Media Management kann belastend sein, je nach Community. Da muss man Grenzen setzen, um die eigene mentale Gesundheit zu schützen.

Nicola

Grenzen setzen ist wichtig. Wenn man empathisch ist, ist man auch anfällig. Manchmal denke ich, ich wäre gern weniger empathisch, dann würde es mich nicht so treffen. Wenn ich kühler wäre, würde ich nicht so viel darüber nachdenken. Es ist Fluch und Segen. Einerseits ist Mitgefühl ein super Skill, andererseits macht es angreifbar.

Man muss die Balance finden: Wie viel lasse ich zu, wie viel belastet mich? Ich brauche manchmal Instagram- oder LinkedIn-Pausen. Wenn man kränklich ist oder nicht fit, sollte man sagen: Ich gehe da jetzt nicht rein. Der Content ist derselbe, aber manchmal ist er belastend.

Das ist ein Tipp an alle: Wenn ihr merkt, dass es euch belastet, hört da rein. Ist es nur die berufliche Situation oder braucht ihr ein Wochenende ohne Social? Wir sind ja auch privat dort unterwegs.

Mir ging es im beruflichen Werdegang so, dass ich irgendwann gesagt habe: Ich möchte mehr strategisch arbeiten und weniger direkt an den Accounts, weil es anstrengend ist.

Alexander

Mir geht es so auf LinkedIn. Es gibt Tage, da habe ich keine Lust auf diese banalen Inhalte. Dann mache ich lieber etwas anderes, zum Beispiel eigene Blog-Inhalte. Oder ich mache eine Social-Media-Pause.

Instagram finde ich weniger schlimm, weil ich da erwarte, dass alles fake ist. Da weiß ich, dass jeder in Dubai lebt und am Strand sitzt. Das stört mich nicht. Aber diese Nicht-First-World-Problems auf LinkedIn, aus denen Business-Learnings gemacht werden, da habe ich manchmal keinen Bock.

Und Community-Management kann sehr belastend sein. Der Ratschlag „Nimm es nicht persönlich“ ist einer der blödesten. Durch Empathie nimmt man es doch persönlich. Es ist schwer, es nicht persönlich zu nehmen. Besser ist, offen darüber zu reden.

Ich habe Community-Management immer bei kleinen, inhabergeführten Unternehmen gemacht. Da war der Draht gut. Ich kann nicht sagen, wie es bei großen Agenturen ist. Aber ich habe immer vorher darüber gesprochen: Was kann passieren, wie gehen wir damit um, wie tauschen wir uns aus? Das hat geholfen.

Ich habe mal eine Fitnessstudio-Kette betreut, mitten in Corona. Wir haben viel abbekommen. Es war eine kleine Kette, fünf Studios. Alle, die kommentiert haben, kannten wir persönlich. Sie wussten, wer hinter dem Account steckt. Und trotzdem waren sie beleidigend, obwohl sie uns am Tresen gesehen haben. Da fragt man sich: Wir haben uns doch gut verstanden, warum beleidigst du uns jetzt?

Nicola

Wenn du die Leute persönlich kennst, macht es total Sinn, das auf die echte Offline-Ebene zu heben.

Alexander

Und da versucht man zu differenzieren: Wer ist wirklich unhöflich? Als Corona vorbei war, hat der Chef manche Leute auch direkt angesprochen. „Hey, das geht so nicht.“ Und plötzlich waren sie ganz anders: „Oh, das wollte ich nicht.“ Wir haben immer geschaut: Schreibt jemand aus Frust oder beleidigt jemand wirklich? Manche waren frustriert, weil sie nicht ins Fitnessstudio konnten. Andere brauchten das Training als Reha oder weil es ihnen gesundheitlich gut tat. Mir geht es beim Empathie-Skill darum: Nicht runterschlucken, sondern offen reden.

Nicola

Empathie ist ja nicht nur Community-Management, sondern auch Content und interne Kommunikation.

Alexander

Ich habe mich immer regelmäßig mit meinem Auftraggeber ausgetauscht. Der Ratschlag „Nimm es nicht persönlich“ ist nicht gut. Wichtiger ist, offen zu reden mit den Leuten, mit denen man den Kanal betreut.

Nicola

Social-Media-Manager wirken nach außen und nach innen. Einerseits mit der Community, andererseits intern mit Stakeholdern. Wir übersetzen. Wir müssen alle Welten verstehen. In der Zeit, die du beschrieben hast, gab es viel Frust und Unsicherheit. Die Stimmung war harsch. Aber es gibt Grenzen, die man nicht akzeptieren muss.

Man muss in sich hören: Wie komme ich damit klar? Und ich habe Themen und Kunden, für die ich nicht arbeiten möchte, weil ich das nicht vertreten kann. Egal wie viel Geld. Ich würde damit nicht klarkommen. Manche Dinge kann und möchte ich nicht kommunizieren, weil ich weiß, welche Konsequenzen das hat. Das hat mit Verantwortung und Empathie zu tun. Man muss für sich relativieren, ob etwas geht oder nicht.

Alexander

Was ich auch wichtig finde: interne Empathie. Nicht nur mit Followern, sondern auch mit Kolleginnen und Kollegen. Und im Bereich Corporate Influencer und Personal Brand lohnt es sich, Mitarbeitende zu Wort kommen zu lassen.

Da braucht man Empathie, um die richtigen Leute auszuwählen. Beim Fitnessstudio haben wir entschieden, dass Trainerinnen und Trainer Übungen zeigen. Da war wichtig: Wer hat wirklich Lust? Wer macht es nur, weil der Chef es will? Wer fühlt sich wohl vor der Kamera und wer nicht? Die User spüren das.

Nicola

Genau, die User spüren, wenn die Stimmung nicht passt. Und du hast mir das Stichwort gegeben: Lohnt sich etwas? Ich habe einen Win mitgebracht. Es geht darum, ob es sich lohnt, auf Kommentare zu antworten.

Felix Beilharz hat dazu einen LinkedIn-Post veröffentlicht. Buffer hat zwei Millionen Posts von 220.000 Creators und Brands auf fünf Plattformen untersucht. Wie wirkt es sich aus, wenn die Autoren auf Kommentare eingehen?

Es macht total viel aus. Je nach Plattform unterschiedlich, aber überall positiv:

Threads +42%,
LinkedIn +30%,
Instagram +21%,
Facebook +9%,
X im Plus.

Bei Threads und LinkedIn besonders stark. Also: Empathie lohnt sich. Auf Kommentare antworten lohnt sich.

Alexander

Wenn ihr mit Threads durchstarten wollt: Auf dem Blog haben wir Zahlen, Daten, Fakten und Anleitungen.

Nicola

Zwei Millionen Posts sind nicht wenig. Das kann man sich schon genauer anschauen. Und ich habe noch einen zweiten kleinen Win, wieder Food-Thema. Wir schauen uns ja gerne Food-Accounts an. Vielleicht wird es mir auch einfach mehr in die Timeline gespielt.

Alexander

Wir haben eine eigene Threads-Rubrik.

Nicola

Es gibt auf Instagram einen netten Herrn, der in Deutschland Essen testet. Ich glaube, er hat einfach random angefangen. Der Account heißt Emeka Travels. Er ist in allen möglichen Städten unterwegs, auf Weihnachtsmärkten, Kerben, Messen, überall. Und er isst richtig schöne Klassiker: Reibadatschi, Dampfnudel. Die Videos sind immer ähnlich, nicht besonders aufwendig, aber total authentisch.

Er ist so sympathisch. Ich glaube, er hat noch nie ein Video gemacht, in dem er sagt, dass etwas schlecht schmeckt. Er sagt immer: „Das schmeckt so lecker.“ Und es macht einfach so gute Laune. Die Kommentare darunter sind mega positiv. Leute schreiben: „Man könnte ihn permanent knuddeln“, „Selten jemanden gesehen, der so unvoreingenommen und positiv alles kostet“, „Ein Botschafter für die deutsche Küche, gebt ihm das Bundesverdienstkreuz.“

Das ist zum Thema Empathie: Unfassbar, wie erfolgreich positiver Food-Content sein kann. Die Menschen lieben es.

Er hat auch Badisch Dreierlei probiert und fand es total lecker. Ich war mir da nicht sicher. Auf dem Teller war Wurstsalat, Bratkartoffeln und noch etwas Drittes, das weiß ich nicht mehr.

Alexander

Ich finde es gut, dass du diese ganzen Accounts findest, die einfach nur positive Inhalte haben. Total empathisch und sympathisch.

Nicola

Bei uns im Nordbadischen isst man Wurstsalat mit Pommes auf einem Teller.

Alexander

Was? Wurstsalat mit Pommes?

Nicola

Ja. Da müssen wir völkerverständigend einwirken.

Alexander

Ich komme vom Bodensee, da isst man Schweizer Wurstsalat, also Wurstsalat mit Käse. Ich wohne in Mannheim, da isst man Pfälzer Dreierlei: Saumagen, Bratwurst und Leberknödel mit Sauerkraut.

Nicola

Wow, dann kannst du dich auch in der Notaufnahme einweisen. Saumagen ist ja auch so ein Pfälzer Ding. Also Emeka Travels kann ich empfehlen, wenn man positive Vibes möchte. Eine sehr positive Community. Wenn ihr einen schlechten Tag habt, macht ihn in die Favoriten, macht euch eine Feelgood-Liste mit positiven Accounts und holt euch gute Vibes.

Ja, Alex, mit sehr guten Food-Vibes würde ich die Folge beenden. Ich wünsche dir eine gute Woche, wir hören uns und bleib so empathisch, wie du bist.

Alexander

Und bleib du so sympathisch. Sympathisch, verstehst du?

Nicola

Ciao.



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