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FreeBSD 15: Große Fortschritte dank Industrie-Unterstützung


FreeBSD 15 ist da: Das vor allem für Server und Appliances geeignete BSD hat – für seine Verhältnisse – große Fortschritte gemacht. Vor allem dürfte das an der großen Unterstützung durch die Industrie liegen, die in FreeBSD offenbar einen wichtigen Teil der Diversifizierung bei Open-Source-Betriebssystemen sieht. Neben der überraschend großen Zuwendung durch die von der Bundesregierung finanzierten Sovereign Tech Agency sowie eine lange Liste von Sponsoren hat sich die Entwicklung von FreeBSD deutlich beschleunigt: Netflix, Amazon, Google, Microsoft, Samsung, Nvidia, Intel, Arm, OVHcloud, Klara und viele andere Unternehmen haben die nur durch Spenden finanzierten Entwickler kräftig unterstützt. Nach zwei Jahren Entwicklung ist dadurch ein FreeBSD 15 herausgekommen, das in wichtigen Bereichen spürbare Verbesserungen mitbringt.

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Die Liste aller Änderungen in den Release-Notes ist überwältigend lang. Jede kleine Detailverbesserung ist wichtig, aber gerade aus Sicht von Anwendern und Administratoren sind einige Neuigkeiten klar spürbar und verändern die Handhabung von FreeBSD.

Bei den Architekturen fallen langsam auch die letzten 32-Bit-Systeme aus dem Fokus. Nur armv7 wird als letzte 32bittige Plattform unterstützt. Native 32-Bit-Anwendungen für i386, armv6 und powerpc laufen nur noch im 32-Bit-Kompatibilitätsmodus der jeweiligen 64-Bit-Plattformen. Seine Wurzeln als Weiterentwicklung von 386BSD in Form des ursprünglichen FreeBSD/i386 1.0 sind damit gekappt.


KDE Desktop

KDE Desktop

Unter FreeBSD 15 sind auch umfangreiche Desktop-Umgebungen wie KDE Plasma 6 (hier auf Xorg statt Wayland) schnell installiert.

Bei der Entwicklung von FreeBSD 15 wurde – auch speziell geleitet durch Sponsoren – ein besonderes Augenmerk auf mobile Geräte wie Laptops und Notebooks gelenkt. Ältere FreeBSD-Versionen liefen selbst auf ThinkPads nur mit einigem Gefummel und einigen Einschränkungen. Mit FreeBSD 15 und den deutlichen Fortschritten beim Powermanagement (vor allem AMD-CPUs), Grafiktreibern und im Bereich WLAN-Treiber ist das am weitesten verbreitete BSD nicht nur leicht zu installieren, sondern wirkt auch flinker und geht sorgsamer mit dem Akku um. Bestes Beispiel: Der oft verwendete iwlwifi(4)-Treiber für Intel IEEE 802.11a/b/g/n/ac/ax/be-Karten unterstützt einige WiFi5- und alle WiFi6/7-Chips.

Da die Implementation neuer WLAN-Standards und die Entwicklung von Intel-, Realtek- und Mediatek-WLAN-Chips weiter voranschreitet, wurde die Kernel-API noch nicht als „stabil“ klassifiziert. Auch das „Ausleihen“ von Linux-Treibern via LinuxKPI wurde verbessert, bei suspend-and-resume fehlen noch wenige Anpassungen. Die von Linux portierten Grafikkartentreiber sind auf dem Stand von Linux 6.12. Der Direct Rendering Manager drm-kmod für Intel- und AMD-GPUs läuft mit manchen GPUs deutlich schneller. Aber es wird auch ausgemistet: Der Bustreiber für AGP-Grafikkarten agp(4) soll mit FreeBSD 16 entfernt werden. Auch fdisk(8) soll in Zukunft zugunsten von gpart(8) entfernt werden; ebenso wie syscons(4), der klassische Konsolentreiber, weil UEFI nicht mit ihm zusammenarbeiten will. Das von Linux bekannte inotify(2)-Interface zum Überwachen von Events im Dateisystem gibt es nun auch nativ unter FreeBSD 15, was das Portieren von systemnahen Werkzeugen vereinfachen dürfte.

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Die Integration von FreeBSD in Clouds wird von dessen Betreibern durch Sponsoring mächtig vorangetrieben. FreeBSD unterstützt cloudinit und ist kompatibel mit OpenStack. Wichtig sind vor allem die nun OCI-kompatiblen Container Images. Damit ist FreeBSD 15 fit für die Clouds von Amazon, Microsoft, Google, Oracle und anderen Anbietern.

FreeBSD-Entwickler Colin Percival teilte vor einiger Zeit auf X mit, dass dank eines moderneren Sortieralgorithmus der FreeBSD-Kernel deutlich schneller startet. Statt seine SysInits per Bubblesort in die richtige Reihenfolge zu bringen, soll das jetzt verwendete Mergesort bis zu 100x schneller sein. MicroVMs auf den Amazon Web Services (AWS FaaS Lambda mit Firecracker-Hypervisor) sollen mit dem alten FreeBSD 14 in 25ms starten, ein Linux-Kernel hingegen benötigt 75 bis 80ms. Die Optimierung betrifft die AMD64-, aber auch die ARM64-Architektur, die Amazon in der Cloud häufig einsetzt.


FreeBSD Installer

FreeBSD Installer

Trotz Grafik bei der Installation auf einem UEFI-System läuft bsdinstall(8) anschließend im ressourcensparenden Textmodus.

Das von vielen Administratoren bevorzugte MIT Kerberos ersetzt bei FreeBSD 15 das zuvor eingesetzte Heimdal Kerberos. Es gibt auch einige Verbesserungen für NFS, beispielsweise eine neue Unterstützung für den NFSv4.2-Klonvorgang, bei dem Blockkloning für eine Art CoW (copy-on-write) von Dateien auf einem NFS-Server verwendet wird. Dies funktioniert derzeit nur für exportierte ZFS-Dateisysteme, für die Blockkloning aktiviert ist.

Der Paketfilter pf(4) in FreeBSD 15 unterstützt nun auch die NAT-Syntax seines Pendants in OpenBSD. Seit 2004 nutzt FreeBSD neben IPFW auch den von OpenBSD portierten Paketfilter pf(4), was unter anderem den Anstoß zur Entwicklung von pfSense gab. Aufgrund unterschiedlicher Ziele – FreeBSD fokussiert auf Performance, OpenBSD auf Sicherheit und neue Funktionen – drifteten die ursprünglich identischen pf(4)-Implementierungen zunehmend auseinander, zumal FreeBSD größere Syntaxänderungen wie jene von OpenBSD 4.7 nicht übernahm. Seit etwa 2013 sind beide Varianten nicht mehr kompatibel; Unterschiede zeigen sich etwa bei Speicherallokation oder der Interpretation von IP-Werten. Beide Projekte erkennen jedoch, dass eine engere Zusammenarbeit mehr Sicherheit für FreeBSD und mehr Performance für OpenBSD bringen könnte.

Das hat offenbar auch die Industrie erkannt: Netgate und InnoGames finanzierten gemeinsam den langjährigen FreeBSD-Entwickler Kristof Provost, damit dieser die veraltete FreeBSD-Variante von pf(4) an den aktuellen Stand von OpenBSD anpasst. Natürlich will Netgate so die zentrale Funktion von pfSense, der hauseigenen Firewall-Distribution auf Basis von FreeBSD, moderner und sicherer machen.

FreeBSD 15 organisiert die Paketverwaltung neu. Das bringt – objektiv betrachtet – einige Vorteile mit sich, sorgt aber – subjektiv empfunden – für unter Umständen katastrophale Probleme. Um es kurz zu machen: Bislang gibt es freebsd-update(8), das für das Basissystem (Kernel, Kernel-Module, /usr/bin, /usr/sbin, /lib usw.) zuständig ist. Ein Update oder Upgrade auf eine neue Version läuft über ein freebsd-update fetch und freebsd-update install.


Screenshot pkgbase

Screenshot pkgbase

Das neue pkgbase, bei dem auch das Basissystem über pkg(8) verwaltet wird, kann als Tech Preview unter FreeBSD 15 installiert werden.

Alles, was nach der Installation an Paketen hinzugefügt wurde, muss mit der Paketverwaltung pkg(8) organisiert werden. Dazu zählen alle zusätzlichen Werkzeuge wie tmux(1) oder emacs(1), aber auch Compiler-Suites, Xorg(1), Grafiktreiber, ganze Desktop-Umgebungen oder Anwendungen wie Browser, Office-Pakete oder KiCAD (man kann alle Pakete auch selbst mit eigenen Anpassungen und Optimierungen aus den Quellen (ports) kompilieren). Das funktioniert im Prinzip wie bei anderen Paketverwaltungen:


pkg {search|install|delete} tmux
pkg upgrade
pkg info


Mit upgrade aktualisiert man alle Pakete, info zeigt eine Liste aller per pkg(8) installierten Pakete an.

Ein (vielleicht nur vermeintlicher) Vorteil dabei ist, dass man die Liste, die pkg info ausgibt, einfach komplett via pkg delete -fay löschen kann, ohne dabei das Basissystem zu beeinflussen. Tools, Desktop-Umgebungen, Anwendungen … – alles (!) ist dann in einem Rutsch weg. Das Basissystem ist „sicher“ und man kann wie nach einer frischen Installation ein neues System einrichten.

Aber: freebsd-update(8) ist ein mehrere tausend Zeilen langes Skript mit unzähligen sha256-Aufrufen. Es läuft recht zäh und ist von der Bedienung her nicht überaus anwenderfreundlich – pkg(8) ist wesentlich moderner.

Aus diesem Grund findet in FreeBSD 15 ein noch optionaler Umstieg auf pkgbase statt. Wie der Name andeutet, wird dabei auch das Basissystem in das pkg-Format übernommen. Bei FreeBSD 15 kann man während der Installation wählen, ob man das klassische System mit freebsd-update(8) (Distribution Sets) beibehalten oder bereits das neue pkgbase (Packages(Tech Preview)) ausprobieren will. Übrigens: Tech Preview hieß bis vor kurzem noch experimental. Mit FreeBSD 16 soll pkgbase das alte System komplett ersetzen.

Einer der großen Vorteile bei pkgbase dürfte sein, dass man nun beispielsweise die Manual Pages als Paket entfernen kann, und dass das gesamte System nun aus dem Quellcode via ports/Poudriere gebaut werden kann. Vorsicht ist dennoch angebracht, es wird vermutlich einige Probleme geben – beispielsweise sollte make installworld / installkernel durch make buildworld buildkernel update-packages ersetzt werden. Und vor allem sollte man keinesfalls pkgbase und freebsd-update(8) auf einem System parallel einsetzen, das endet garantiert in einer Katastrophe. Als alter FreeBSD-Admin muss man sich nun also etwas umgewöhnen, aber nach kurzer Zeit macht das neue pkgbase durchaus Spaß und erleichtert die Systemverwaltung. Eine ausführliche und lesenswerte Betrachtung von pkgbase samt vieler Kommentare findet sich auf dem FreeBSD-Blog von Vermaden.


Screenshot FreeBSD WLAN

Screenshot FreeBSD WLAN

Endlich macht FreeBSD auf Notebooks Spaß: Dank der riesigen Fortschritte im Bereich WLAN werden angesteckte USB-WLAN-Adapter (run0 und rtwn0) als auch der interne Intel WiFi-Adapter (iwlwifi0) erkannt.

Vor über einem Jahr kündigte Colin Percival, der Leiter des FreeBSD-Release-Engineering-Teams, zwei Änderungen im Release-Engineering-Prozess an: Erstens wird die Unterstützungsdauer des stable-Zweigs ab FreeBSD 15 von fünf auf vier Jahre nach der jeweiligen .0-Version verkürzt. Zweitens wird es einen fixen und streng gerasterten Veröffentlichungsplan geben, nach dem in jedem Quartal eine neue Minor-Version der jeweils unterstützten stable-Zweige erscheint. Mit der Verkürzung des Supports auf vier Jahre will Percival das Security-Team entlasten, weil es so nur noch zwei statt wie bisher drei FreeBSD-Hauptversionen im Auge behalten muss.

Eine bessere Kommunikation zwischen dem Release-Engineering-Team und den vielen FreeBSD-Entwicklern soll so auch zu nur noch etwa drei Beta-Versionen und einem Release Candidate führen – während in der Vergangenheit manchmal drei bis vier Betas und drei bis sechs Release Candidates nötig waren. Die häufigen und vorhersehbaren Veröffentlichungszeiten sollen den Entwicklern außerdem etwas Druck nehmen, ein Feature noch unbedingt zu implementieren, weil sie nun nur noch sechs Monate und nicht mehr als ein Jahr von dem nächsten Release entfernt sind.

Wichtig: Die Änderungen gelten ab FreeBSD 15, die Versionen 13 (aktuell 13.5) und 14 (aktuell 14.3) werden noch im 5-Jahres-Zyklus unterstützt: FreeBSD 13 also bis voraussichtlich dem 30. April 2026, FreeBSD 14 bis zum 30. November 2028.

Die FreeBSD-Entwickler dokumentieren den Weg zu einem neuen Release immer minutiös. Kleine Abweichungen vom vorgegebenen Zeitplan sind bei der Software-Entwicklung natürlich normal, und auch dieses Mal gab es hier und da kleine Verzögerungen – vor allem bei den Beta-Versionen (FreeBSD 15.0-BETA*) im Oktober. Flexibilität ist jedoch wichtig, wie der im letzten Moment eingeschobene vierte Release Candidate (FreeBSD 15.0-RC4) zeigte: Für BSDs üblich ist der Fokus auf korrekte Dokumentation, und RC4 beseitigte einige Unstimmigkeiten in den Manual Pages. Das neue pkgbase benötigte noch eine „backup“-Signatur, dazu kamen notwendige Fehlerbehebungen bei cp(1) und inotify(2). Schließlich mussten noch ein paar Pakete für das DVD-Image umsortiert werden, damit die 4.7-GByte-Grenze nicht überschritten wird.

Der Build-Prozess für das FreeBSD 15.0-RELEASE begann jedoch pünktlich, und auf den Download-Servern des Projektes konnte man bereits ein paar Tage vor dem offiziellen Erscheinen die noch inoffiziellen Installations-Images finden. Dennoch gilt wie seit Jahrzehnten bei FreeBSD üblich: Es könnten Änderungen in letzter Minute einfließen, FreeBSD 15.0-RELEASE ist erst dann offiziell, wenn das GPG-signierte RELEASE-Announcement veröffentlicht wurde – was nun am Dienstag um 01:08 Uhr unserer Zeit geschehen ist.

Wer FreeBSD schon lange einsetzt wird bei der ersten Installation mit großer Freude die Fähigkeit des Installers bsdinstall(8) bemerken, notwendige Firmware selbständig bereits während der Installation herunterzuladen. Das erleichtert die Installation auf Systemen mit diversen Host-Adaptern, speziellen Netzwerkkarten und vor allem auf Notebooks über WLAN enorm. Nötig ist dann die Auswahl des landesüblichen WLAN-Regulierungsstandards, in Europa ist das ETSI (European Telecommunications Standards Institute). ETSI2 und ETSI3 sind weiter eingeschränkte Standards für spezielle Hardware, FCC gilt für die USA. Die WLAN-Karte scannt anschließend nach erreichbaren WLAN-Netzwerken und erfragt die passende Passphrase – und schon kann FreeBSD 15 ohne Netzwerkkabel auf dem Notebook installiert werden.


Screenshot FreeBSD Firmware

Screenshot FreeBSD Firmware

Statt nach der Installation über pciconf(8) die Hardware zu suchen und passende Treiber von Hand zu installieren erledigt der neue FreeBSD 15-Installer das automatisch.

Um die Firmware-Pakete für das laufende System auch während der Installation zu erkennen und herunterzuladen, wird dazu das seit FreeBSD 14 vorhandene fwget(8) aufgerufen. Das Tool unterstützt PCI- und USB-Geräte. Unter einem als Live-System gestarteten FreeBSD 14/15 kann man mit fwget -nv eine Liste der benötigten Firmware-Pakete erhalten, ohne diese zu installieren.

Seit FreeBSD 7.0 aus dem Jahr 2008 ist das leistungsstarke ZFS-Dateisystems voll integrierter Teil des Betriebssystems. Bis FreeBSD 12 basierte es auf der stabilen und sicheren Codebasis von Illumos. Mit FreeBSD 13 kam der Wechsel zu OpenZFS, das in der Entwicklung wesentlich aggressiver vorangetrieben wird – inklusive damit einhergehender Probleme wegen manchmal mit heißer Nadel gestrickter Funktionen. FreeBSD 15 implementiert nun sogar den Release Candidate 4 vom kommenden OpenZFS 2.4.0. Es gibt wieder viele neue Funktionen wie default quotas, uncached I/O und noch bessere Verschlüsselung. OpenZFS 2.4.0 soll kompatibel sein mit Linux 4.18 bis 6.17 und FreeBSD 13.3 bis 14.x (sowie hoffentlich FreeBSD 15.0).

Leider ist Vertrauen heute ein hohler Begriff. Dass heruntergeladene OpenSource-Binaries auch tatsächlich aus dem bereitgestellten Quellcode entstanden ist, kann man glauben – muss man aber nicht. Durch die populär gewordenen Supply-Chain-Angriffe setzen daher auch die FreeBSD-Entwickler auf ein transparentes Build-Konzept in Form von Zero-Trust-Builds. Der Ansatz baut auf den etablierten Reproducible Builds auf, bei denen sich Binärdateien bitgenau aus dem veröffentlichten Quellcode nachbauen lassen.

Während reproduzierbare Builds primär die Nachprüfbarkeit sicherstellen, geht das Zero-Trust-Modell einen Schritt weiter und entzieht dem Build-Prozess selbst das Vertrauen. Was einzelne Server, Maintainer oder Compiler produzieren, kann man selbst nachprüfen. Dabei erzeugen voneinander unabhängige, deterministische Build-Umgebungen dieselben Artefakte, deren Übereinstimmung kryptografisch verifiziert wird. Manipulationen im Build-Prozess oder in der Toolchain fallen sofort auf. So entsteht ein durchgängig überprüfbarer Produktionsprozess, in dem Manipulationen in Toolchains, CI-Systemen oder Signaturprozessen erkennbar werden. Das ist ein konsequenter Schritt hin zu einer Softwarewelt, in der Sicherheit nicht auf einem von Regierungen und Geheimdiensten unterwanderten Vertrauen beruht, sondern auf Verifizierbarkeit.

Ein etwas amüsantes Detail mit durchaus ernsthaftem Praxisnutzen zum Schluss: In der Konfigurationsdatei /etc/rc.conf kann die Option precious_machine="YES" gesetzt werden, um ein versehentliches Herunterfahren des Systems zu verhindern. Dazu wird die Datei /var/run/noshutdown angelegt. Um den Rechner dennoch herunterzufahren oder neu zu starten, muss entweder diese Datei entfernt oder der Befehl shutdown(8) mit dem Parameter -f aufgerufen werden. Ähnlich funktioniert übrigens die seit langem bekannte Datei /var/run/nologin, die bei Vorhandensein das Einloggen von Benutzern verhindert.

Für FreeBSD-Verhältnisse ist FreeBSD 15 ein gewaltiger Schritt nach vorne. Viele Detailänderungen gab es auch bei Releases zuvor, aber die „experimentelle“ Umstellung der Paketverwaltung, die geradezu massiven Verbesserungen für den Einsatz auf dem Notebook und der Mut – oder Wahnsinn – von einer reichlich konservativen Weiterentwicklung hin zu „cutting-edge“-Komponenten (OpenZFS 2.4.0-rc4) lässt FreeBSD in einem neuen Licht erscheinen. Getrieben wird dies vor allem durch die kräftige Unterstützung aus der Industrie und durch Organisationen wie die Sovereign Tech Agency, was für den wachsenden Bedarf an Alternativen spricht. Bei den immer noch gigantischen Wachstumsaussichten im IT-Bereich dürfte genug Platz für mehr als einen Mitspieler und eine diversifizierte Infrastruktur sein.

Alle Neuerungen beschreiben die Entwickler in den Release Notes. Das unter der freien BSD-Lizenz stehende quelloffene FreeBSD 15.0 ist ab sofort kostenlos über die Projektseite für die Hardware-Plattformen amd64, aarch64, armv7, powerpc64/le und riscv64 erhältlich.


(fo)



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Abzug aus USA: Bund gibt 30 Millionen Euro für unabhängige Forschungsdaten


Die Zeiten, in denen sich die deutsche Wissenschaft blind auf die kostenlose Bereitstellung medizinischer Forschungsdaten aus den USA verlassen konnte, scheinen endgültig vorbei zu sein. Die Bundesregierung blickt mit wachsender Sorge auf die volatile Lage jenseits des Atlantiks und zieht nun erste finanzielle Konsequenzen: Der Bund stellt ein Sofortbudget von rund 30 Millionen Euro bereit, um gefährdete Forschungsdatenbestände zu sichern. Das geht aus einer Antwort der Exekutive auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen hervor.

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Die Finanzmittel werden laut der Auskunft über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren vergeben. Die ersten Anträge durchlaufen bereits die Begutachtungsphase.

Hintergrund ist die veränderte Schwerpunktsetzung in der US-Haushaltspolitik, die den Betrieb zentraler Infrastrukturen wie der Literaturdatenbank PubMed oder des Studienregisters ClinicalTrials.gov ins Wanken bringen könnte. Besonders die Befürchtung, dass die US-Regierung unter Donald Trump die Mittel für die National Institutes of Health (NIH) drastisch kürzt, sorgt für Unruhe. Zudem gibt es Bedenken, dass politische Einflussnahmen die wissenschaftliche Integrität und den freien Zugang zu diesen globalen Standardressourcen beeinträchtigen könnten. PubMed, betrieben von der National Library of Medicine (NLM) als Abteilung der NIH, ist mit über 30 Millionen Zitaten die weltweit wichtigste Ressource für biomedizinische Literatur.

Dass diese Sorgen nicht unbegründet sind, zeigte sich bereits Anfang März 2025, als PubMed kurzzeitig komplett ausfiel. Die Plattform war zwar einen Tag später wieder erreichbar. Das federführende Forschungsministerium betont auch, dass bisher keine dauerhaften signifikanten Einschränkungen vorlägen. Trotzdem wird die uneingeschränkte Verfügbarkeit dieser Ressourcen in Berlin nicht mehr als selbstverständlich erachtet.

Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) hat bereits angekündigt, mit dem Projekt Open Life Science Publication Database (OLSPub) eine offene, zuverlässige und nachhaltige europäische Alternative zu PubMed schaffen zu wollen. Ziel ist es, die technologische Unabhängigkeit mit Offenheit und Transparenz zu verbinden, um die Innovationskraft der Forschung zu schützen. Das Projekt wird aktuell im Rahmen der DFG-Fördermaßnahmen begutachtet.

Die Bundesregierung setzt parallel dazu auf eine langfristige europäische Datensouveränität. Um diesen Prozess zu koordinieren, hat sie eine nationale Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die den Austausch mit der Wissenschaftscommunity und den europäischen Partnern bündeln soll. Als zentraler Ankerpunkt dient dabei insbesondere die European Open Science Cloud (EOSC). Im Rahmen dieser Initiative werden laut der Exekutive Fragen zur Sicherung bedrohter Datenbestände bereits „mit sehr großem Anwendungs- und Umsetzungsbezug diskutiert und perspektivisch koordiniert“.

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Trotz dieser Ambitionen bleibt die diplomatische Informationslage dünn. Ein offizieller Austausch mit US-Behörden über künftige Finanzierungsentscheidungen finde auf Regierungsebene nicht statt, heißt es. Auch ein systematisches Monitoring für US-Haushaltsentscheidungen existiert bisher nicht. Stattdessen vertraut die Exekutive auf die bestehende Vernetzung innerhalb der Forschung und die finanzielle Beteiligung an europäischen Großprojekten wie dem EMBL-EBI, das eine wichtige Spiegelung der PubMed-Inhalte betreibt. Die mobilisierten 30 Millionen Euro sind so ein erster Schutzwall, um die hiesige Wissenschaft vor dem Verlust von Datenzugängen abzuschirmen.


(mack)



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Die vergessenen App Stores: Ein Nachruf auf große Erwartungen


Erinnert sich noch jemand an die alternativen App Stores? Richtig, da war doch was! Sie waren nach der Darstellung des iPhone-Herstellers der drohende Untergang des Apple-Landes und ein Quell unentwegter öffentlicher Streitereien zwischen dem iPhone-Hersteller und der EU-Kommission. Der Stein des Anstoßes: Die EU hat Apple per Digital Markets Act (DMA) dazu verpflichtet, in seiner virtuellen Marktstraße neben dem eigenen App-Kaufhaus auch anderen Geschäftsleuten die Eröffnung eines Ladenlokals zu ermöglichen.

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Ein Kommentar von Malte Kirchner

Ein Kommentar von Malte Kirchner

Malte Kirchner ist seit 2022 Redakteur bei heise online. Neben der Technik selbst beschäftigt ihn die Frage, wie diese die Gesellschaft verändert. Sein besonderes Augenmerk gilt Neuigkeiten aus dem Hause Apple. Daneben befasst er sich mit Entwicklung und Podcasten.

Die Meldung, dass Setapp seinen App-Marktplatz bereits schließt, dürfte das Thema bei vielen überhaupt erst wieder ins Bewusstsein gerückt haben. Und auch wenn dies nur ein Anbieter von insgesamt vier bis fünf bekannten Stores ist, so ist es doch recht bezeichnend, dass der erste Laden schon wieder schließt, bevor es überhaupt irgendeine Art von Blütephase gegeben hat.

Die Gelehrten streiten bereits darüber, woran es gelegen hat. Diejenigen, die den DMA für ein fehlgeleitetes Bürokratiemonster mit Risiken und Nebenwirkungen halten und damit auf der Seite Apples stehen, sehen sich in ihren Prophezeiungen bestätigt. Andere werfen Apple vor, die Maßgaben des DMA extra umständlich umgesetzt zu haben, sodass auf diesem toxischen Boden gar nichts gedeihen konnte. In dieses Horn stößt auch Setapp in seiner Begründung.

Die Wahrheit dürfte, wie so oft, irgendwo in der Mitte liegen. Nicht wegzudiskutieren ist allerdings, dass das in Brüssel ersonnene Konzept der alternativen Marktplätze niemals so recht Begeisterung bei Entwicklern und Nutzern hervorgerufen hat. Die meisten von ihnen dürften eher Verbesserungen im Vorhandenen herbeigesehnt haben, anstatt neue Marktplätze zu schaffen.

Woran liegt das?

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Zuvorderst dürfte eine Rolle spielen, dass Europa zwar ein großer Wirtschaftsraum ist. Im Kontext der digitalen Märkte ist aber selbst ein Gebilde mit 440 Millionen Einwohnern und einer immensen Wirtschaftskraft für sich genommen zu wenig, dass Entwickler den Aufwand auf sich nehmen, nur für Europa – oder mittlerweile Europa und Japan – einen Sonderweg zu beschreiten. Das ist auch bei anderen Vorgaben des DMA zu sehen, etwa bei den Browser-Engines. Wenn selbst Google mit seinen immensen Geld- und Personalressourcen nicht motiviert ist, seine Browser-Engine in Europa an den Start zu schicken: Wer kann es dann den vielen kleinen und mittleren Entwicklern verdenken, dass sie diesem Beispiel folgen?

War die ganze Regulierung damit also für die Katz? Gab es vielleicht gar nicht das dem staatlichen Eingreifen zugrundeliegende klassische Marktversagen? Also eine Situation, in der Nutzer und Entwickler unter einem Problem leiden, das sie selbst nicht lösen können?

So einfach ist es auch nicht. Der DMA ist der Versuch einer Lösung für ein Problem, das von Entwicklern – großen wie kleinen – seit Jahren beklagt wird. Sie monierten, dass die großen Plattformbetreiber, wie Apple und Google, mangels geeigneter Mitbewerber in ihren Ökosystemen die Verkaufsprovisionen willkürlich festlegen können. Im Wettbewerb sehen die Regulierer die Möglichkeit, dass der Markt die Preise auf ein angemessenes Maß einpegelt.

Apple versucht, dieses Problem auf die großen Player wie Epic und Spotify zu reduzieren. Schon vor dem DMA hat Apple mit dem Small Business Program für kleinere Entwickler die Möglichkeit geschaffen, der vorher starren 30-Prozent-Abgabe zu entkommen. Am eigentlichen Kritikpunkt änderte das allerdings wenig.

Der DMA ist in Sachen Apps nicht völlig erfolglos geblieben. Er hat bewirkt, dass Entwickler unabhängig von ihrer Größe von Gebührensenkungen profitieren, die durch die Druckkulisse der Regulierung ausgelöst wurden. Apple wird natürlich stets behaupten, dass das kein Verdienst des DMA ist. Andererseits räumte der iPhone-Hersteller jüngst nach einer von ihm selbst finanzierten Studie selbst ein, dass die Entwickler von gesunkenen Abgaben profitieren. 86 Prozent davon gingen zwar an Entwickler außerhalb der EU und die geben die Ersparnis nicht an die Käufer weiter, heißt es darin – das stärkt also nicht primär den Europäischen Wirtschaftsraum. Aber eine Bevorzugung europäischer Unternehmen hätte den DMA angreifbar gemacht und war auch nie dessen Absicht.

Die Nutzer hätten nach der Lesart des DMA durch einen Wettbewerb der Marktplätze von sinkenden Preisen profitiert. Dies würde aber voraussetzen, dass die App-Stores mit den gleichen Apps gegeneinander antreten. Das passiert in der Realität aktuell aber nicht, weshalb Nutzer keinen Vorteil für sich sehen.

Neben der Flaute der alternativen App-Stores sind auch viele Sorgen verpufft, die Apple der EU-Anordnung entgegensetzte. Die befürchtete Kompromittierung der Sicherheit ist bislang ausgeblieben. Vielleicht verläuft die Einführung DMA-ähnlicher Regeln in Japan auch deshalb geräuschloser, weil Apple aus der EU einige Erkenntnisse mitbrachte – und nicht nur, weil die Japaner nach Ansicht Apples behutsamer vorgegangen sind.

Die Hauptschauplätze des Konflikts zwischen Apple und der EU haben sich indessen verlagert: Inzwischen wird um mehr Interoperabilität gerungen. In iOS 26.3 werden neue Funktionen eingeführt, die von der EU angewiesen wurden. Und es ist zu erwarten, dass die EU weitere Schneisen in Apples geschlossenes Ökosystem schlägt. Apple wiederum wird damit reagieren, dass neue Features teilweise später, teilweise gar nicht in die EU kommen – aus Sicherheitsgründen, wie es heißt.

Man kann über die Glücklosigkeit der bisherigen Regulierung lachen, man kann und sollte sicher auch einiges infrage stellen, auch die Radikalität der Gangart und die Polarisierung, die von beiden Seiten betrieben wurde. Fairerweise muss den Regulierern aber auch die Chance eingeräumt werden, erst einmal zu erlernen, wie eine angemessene Ordnung für die digitalen Märkte aussehen kann. Es darf aber vom Bürger vorausgesetzt werden, dass auch wirklich die Bereitschaft da ist, etwas zu lernen und nicht einfach nur stur weiterzumachen. Auch daran haben uns die bei vielen bereits wieder in Vergessenheit geratenen alternativen Marktplätze erinnert.


(mki)



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Britisches Oberhaus stimmt für Social-Media-Mindestalter – Stopp im Unterhaus?


Im britischen Oberhaus stimmte am Mittwoch dieser Woche eine Mehrheit für ein Mindestalter von 16 Jahren für Social-Media-Angebote. Die Abstimmung ist der britischen Labour-Regierung allerdings ein Dorn im Auge. Sie hat deshalb angekündigt, das aktuelle Vorhaben stoppen zu wollen und eigene Konsultationen durchzuführen. Da es auch Befürworter eines Mindestalters innerhalb der Regierungspartei gibt, gilt das Manöver als riskant.

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Wie die BBC berichtet, votierten die Oppositionsmitglieder im Oberhaus mit 261 zu 150 Stimmen für ein Verbot im Rahmen eines Änderungsantrags zum Gesetzesvorschlag der Regierung („Children’s Wellbeing and Schools Bill“). Der Antrag wurde von konservativen, liberaldemokratischen und parteilosen Mitgliedern des Oberhauses sowie von zwei Labour-Abgeordneten unterstützt. Die Unterstützung unter Labour-Abgeordneten beschränkt sich jedoch nicht auf diese zwei Abgeordneten. Über 60 Labour-Abgeordnete schlossen sich kürzlich in der Frage nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche der Konservativen Partei an und forderten einen ähnlichen Schritt. Premierminister Keir Starmer hält den Vorschlag hingegen für schwer durchzusetzen und fürchtet, dass „einige Kinder ins Darknet gedrängt würden“. Die Regierung will den Änderungsantrag demnach nun im von ihr dominierten Unterhaus kippen.

Der ehemalige konservative Schulminister Lord Nash, der für den Änderungsantrag stimmte, übte scharfe Kritik am Vorgehen der Regierung. Die geplante Konsultation hält er für eine Verzögerungstaktik, obwohl es „überwältigende“ Beweise für die Schäden gebe, die durch die Nutzung sozialer Medien verursacht werden. Aus seiner Sicht würde ein Verbot Jugendlichen „ein paar Jahre mehr Zeit zum Reifen“ geben, bevor sie Social-Media-Plattformen nutzen. Rückendeckung erhält Starmer unter anderem von Kinderschutzorganisationen wie der National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC), welche vor unbeabsichtigten Folgen eines pauschalen Verbots warnen. Seitens dieser Organisationen wird stattdessen eine stärkere Durchsetzung bestehender Kinderschutzregeln gefordert.

Gemäß dem von Mitgliedern des Oberhauses unterstützten Änderungsantrags hätte die Regierung ein Jahr Zeit, zu entscheiden, welche Plattformen für unter 16-Jährige gesperrt werden sollen. Die Unternehmen wären dann verpflichtet, „hochwirksame“ Alterskontrollen einzuführen, um den Zugang zu überwachen.

2025 hatte schon die britische Medienaufsichtsbehörde (Office of Communications, Ofcom) neue Leitlinien für den Schutz von Kindern im Internet veröffentlicht, die beispielsweise sicherere Feeds oder effektive Altersprüfungen für sogenannte „risikoreiche Dienste“ umfassen sollten. Die Umsetzung des Social-Media-Mindestalters in Australien hat den Druck im Vereinigten Königreich indessen erhöht, ebenfalls striktere und weitreichendere Regeln zu fordern.

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(kbe)



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