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Günstiger Laptop Ninkear S14 erstaunt im Test: sehr leicht, Ryzen 5 & nur 432 €
Federleicht und trotzdem kraftvoll: Der Ninkear S14 wiegt nur 1 kg und bietet für 432 Euro einen Ryzen 5 und 16 GB Arbeitsspeicher.
Der Ninkear S14 überrascht schon beim ersten Anheben: Mit nur 1068 Gramm gehört er zu den leichtesten 14-Zoll-Laptops am Markt. Diese Federleichtigkeit polarisiert allerdings – während mobile Nutzer das geringe Gewicht feiern, empfinden andere das Gerät womöglich als zu leicht und befürchten mangelnde Wertigkeit. Der chinesische Hersteller kombiniert einen AMD Ryzen 5 7535HS mit 16 GB schnellem LPDDR5-RAM und einem 2,2K-Display im produktiven 16:10-Format. Ob sich hinter dem geringen Gewicht ein solider Arbeits-Laptop verbirgt oder ob Ninkear zu viele Kompromisse eingegangen ist, zeigt unser ausführlicher Test.
Design: Wie gut ist die Verarbeitung des Ninkear S14?
Das Gehäuse des Ninkear S14 kombiniert verschiedene Materialien durchdacht: Display-Deckel und Unterseite bestehen aus Metall, was für Stabilität sorgt. Die Oberschale und der Display-Rahmen sind aus Kunststoff gefertigt. Diese Materialmischung hält das Gewicht niedrig, ohne die Stabilität zu opfern. Die Verarbeitung überzeugt durchweg: Alle Übergänge sitzen präzise, nichts knarzt oder wackelt beim normalen Gebrauch. Positiv fällt auf, dass die Tastaturumgebung bei Druck kaum nachgibt. Mit nur 15 mm Gehäusedicke und den Abmessungen von 312,9 × 222,5 mm bleibt der S14 kompakt und passt problemlos in jeden Rucksack.
Die ANSI-Tastatur mit QWERTY-Layout stellt deutsche Nutzer vor echte Herausforderungen. Die Enter-Taste fällt deutlich kleiner aus als gewohnt und Umlaute fehlen – stattdessen finden sich dort Satzzeichen. Ninkear versucht dies mit beiliegenden Aufklebern zu lösen – eine Notlösung, die ihren Zweck erfüllt, aber nicht im Ansatz so gut wie eine echte QWERTZ-Tastatur. Softwareseitig lässt sich das Layout auf QWERTZ umstellen, die physischen Tasten bleiben aber amerikanisch angeordnet. Trotz dieser Einschränkung überrascht das Tippgefühl positiv: Der Druckpunkt sitzt präzise, das Feedback der Tasten ist klar definiert. Für einen günstigen Laptop tippt es sich erstaunlich angenehm, sobald man sich an das Layout gewöhnt hat.
Ninkear S14 – Bilderstrecke
Die integrierte Webcam enttäuscht. Selbst bei optimaler Beleuchtung wirkt das Bild unscharf und verrauscht. Ein deutlicher Rotstich verfälscht Hauttöne, teilweise neigt die Kamera zur Überbelichtung mit blassen Farben. Für gelegentliche Videocalls mag die Qualität gerade noch ausreichen, professionelle Videokonferenzen sollte man damit nicht abhalten. Sie lässt sich mit einer physischen Abdeckung verschließen – ein wichtiges Datenschutz-Feature.
Außerdem gibt es einen oben links im Touchpad integrierten Fingerabdrucksensor für Windows Hello.
Die Gehäuseöffnung gestaltet sich unnötig kompliziert. Neun Schrauben müssen gelöst werden, wobei sich eine unter einem Aufkleber versteckt – ohne diese zu entfernen, lässt sich die Bodenplatte nicht abnehmen. Nach dem Lösen aller Schrauben muss die Platte vorsichtig mit einem Plektrum oder ähnlichem Werkzeug aufgehebelt werden. Die Clips halten fest, Geduld ist gefragt. Im Inneren zeigt sich dann ein aufgeräumtes Layout, allerdings mit begrenzten Upgrade-Möglichkeiten.
Lieferumfang: Welches Zubehör liegt beim Ninkear S14 bei?
Ninkear liefert den S14 mit dem Nötigsten aus: Ein 65-Watt-USB-C-Netzteil lädt den Laptop zügig auf. Das Benutzerhandbuch erklärt die Grundfunktionen, eine Garantiekarte liegt bei. Die erwähnten Tastatur-Aufkleber für die deutsche Lokalisierung runden das Paket ab. Mehr Zubehör wie eine Schutzhülle oder USB-C-Hub fehlt – hier spart der Hersteller.
Display: Wie hoch löst das Display des Ninkear S14 auf?
Das 14-Zoll-IPS-Panel löst mit 2240 × 1400 Pixeln auf – das entspricht 2,2K im produktiven 16:10-Format. Die matte Oberfläche reduziert Spiegelungen effektiv, was bei der Arbeit in hellen Umgebungen hilft. Farben wirken kräftig und natürlich, ohne übertrieben zu leuchten. Die maximale Helligkeit von 383 cd/m² reicht für Innenräume problemlos aus. Für die Arbeit im Freien oder in sehr hellen Umgebungen fehlt es an Leuchtkraft – hier wären über 500 cd/m² nötig. Die Blickwinkelstabilität des IPS-Panels überzeugt, Farben und Kontraste bleiben auch von der Seite betrachtet stabil.
Ausstattung: Welche Hardware bietet der Ninkear S14?
Der AMD Ryzen 5 7535HS klingt nach aktueller 7000er-Generation, technisch basiert er aber auf der älteren 6000er-Serie. Konkret handelt es sich um einen modifizierten Ryzen 5 6600HS mit 50 MHz höherem Boost-Takt und einer auf bis zu 54 Watt konfigurierbaren TDP. Die sechs Kerne basieren auf der Zen-3+-Architektur und takten zwischen 3,3 GHz Basis und 4,55 GHz Boost. Dank SMT (Simultaneous Multithreading) verarbeiten die sechs physischen Kerne zwölf Threads gleichzeitig. Die integrierte AMD Radeon 660M mit sechs Compute Units und 1900 MHz Takt basiert ebenfalls auf der älteren Generation – sie nutzt die RDNA-2-Architektur statt der neueren RDNA 3.
Beim Arbeitsspeicher gibt es statt austauschbarer SO-DIMM-Module 16 GB an fest verlötetem LPDDR5-RAM. Das verhindert zwar spätere Upgrades, ermöglicht aber die hohe Geschwindigkeit von 6400 MT/s – deutlich schneller als herkömmliche SO-DIMM-Module erreichen können. Die RAM-Chips stammen vom wenig bekannten Hersteller Rayson, der häufig in günstigen chinesischen Geräten zum Einsatz kommt. Marken-RAM von Samsung oder SK Hynix wäre vertrauenswürdiger gewesen, funktional gibt es aber keine Einschränkungen.
Die verbaute SSD bietet großzügige 1 TB Speicherplatz – für diese Preisklasse überdurchschnittlich. Das Modell P8 LB1 von Faspeed ist ebenfalls No-Name, erfüllt aber seinen Zweck. Die SSD im M.2-2280-Format lässt sich bei Bedarf austauschen, ein zweiter Slot fehlt allerdings. Die Geschwindigkeit liegt im PCIe-3.0-Bereich, für alltägliche Aufgaben ausreichend.
Bei den Anschlüssen zeigt sich der S14 modern: Drei USB-C-Ports stehen bereit – zwei auf der linken Seite mit vollem Funktionsumfang inklusive Displayausgabe, Laden und Datenübertragung, einer rechts ausschließlich für Daten. Der einzelne USB-A-Port wirkt 2024 etwas knapp bemessen, reicht aber für Maus oder externe Festplatte. HDMI ermöglicht den Anschluss externer Monitore. Die 3,5-mm-Klinkenbuchse nimmt Kopfhörer oder Headsets auf. Drahtlos kommuniziert der S14 per Wi-Fi 6 (802.11ax) über den Realtek-8851BE-Chipsatz und Bluetooth 5.3. Wi-Fi 6E oder gar Wi-Fi 7 wären zeitgemäßer, für die meisten Anwendungen reicht Wi-Fi 6 aber vollkommen aus. Ohnehin sind die neueren Standards in diesem Preisbereich nicht unbedingt erwartbar.
Performance: Wie schnell ist der Ninkear S14?
Im Akkubetrieb erreicht der S14 bei PCMark 10 durchschnittlich 4370 Punkte mit Spitzen zwischen 4333 und 4390 Punkten. Am Netzteil steigt die Leistung deutlich auf durchschnittlich 5807 Punkte (Spitzen bei 5756 und 5851). Der massive Unterschied zeigt, dass Ninkear im Akkubetrieb stark drosselt, um die Laufzeit zu verlängern.
Bei 3DMark Time Spy erreicht das System am Netz 1720 Punkte, zusammengesetzt aus 1536 Grafik-Punkten und 5389 CPU-Punkten. Im Akkubetrieb sind es 1703 Punkte (1523 Grafik, 5158 CPU). Der neue 3DMark Steel Nomad kommt auf 235 Punkte am Netz und 250 im Akkubetrieb. Die Grafik-Performance reicht für einfache Spiele und ältere Titel.
Geekbench 6 attestiert im Netzbetrieb 1950 Single-Core- und 7221 Multi-Core-Punkte, im Akkubetrieb 1600 und 6108 Punkte. Der OpenCL-Grafiktest erreicht 13.702 Punkte am Netz. Cinebench 2024 misst 457 Multi-Core- und 63 Single-Core-Punkte im Netzbetrieb, im Akkubetrieb 471 und 74 Punkte.
Bei Spielen zeigt sich die begrenzte Grafikleistung: Counter-Strike 2 läuft mit niedrigen Einstellungen flüssig bei 60 bis 89 FPS. Mittlere Details drücken die Framerate auf 45 bis 60 FPS – gerade noch spielbar. Anno 1800 erreicht mit aktiviertem FSR-Upsampler (AMD Fidelity FX Super Resolution) auf „Leistung“ und niedrigen Einstellungen 25 bis 30 FPS, bei mittleren Details nur noch 20 bis 22 FPS. Cities Skylines 2 bleibt mit unter 10 FPS unspielbar. Der S14 eignet sich also nur für ältere oder wenig anspruchsvolle Spiele.
Lüfter: Wie laut ist der Ninkear S14 und wie hoch ist seine Leistungsaufnahme?
Im Alltag arbeitet der S14 angenehm leise mit unter 30 dB(A) – kaum wahrnehmbar in normaler Büroumgebung. Unter Volllast im Aida64-Stresstest dreht der Lüfter auf bis zu 38 dB(A) auf – deutlich hörbar, aber nicht störend laut. Die CPU startet unter Last mit 4,04 GHz, fällt kurz auf 2,2 GHz und pendelt sich dann bei stabilen 3,4 GHz ein. Die Temperaturen bewegen sich meist zwischen 77 und 80 Grad, mit kurzen Spitzen bis 88 Grad. Danach fällt die Temperatur zuverlässig wieder auf 81 Grad. Die Leistungsaufnahme der CPU liegt laut HWInfo zwischen 24 und 30 Watt unter Last. Das Temperaturmanagement funktioniert insgesamt solide, kritische Bereiche werden nicht erreicht.
Software: Mit welchem Betriebssystem arbeitet der Ninkear S14?
Der Ninkear S14 kommt mit vorinstalliertem Windows 11 Pro in Version 24H2. Die Installation ist sauber, Bloatware gibt es nicht. Auch unser routinemäßiger Virencheck mit Windows Defender findet keine Auffälligkeiten. Linux-Distributionen lassen sich problemlos installieren, um ins BIOS oder das Bootmenü zur Auswahl eines USB-Sticks zu gelangen, gehen wir über die erweiterten Wiederherstellungsoptionen von Windows. Angekommen im auf Ubuntu basierenden Tuxedo OS können wir das System problemlos nutzen. WLAN, Audio und Bluetooth funktionieren und die Displayauflösung wird auf Anhiehb richtig erkannt. Auch aus dem Standby wacht der Laptop wieder auf.
Akkulaufzeit: Wie lange arbeitet der Ninkear S14?
Mit 8 Stunden und 48 Minuten im PCMark-10-Modern-Office-Test zeigt der 60-Wh-Akku (11,55V/5195mAh) eine ordentliche Ausdauer. Der Test simuliert typische Büroaufgaben mit LibreOffice und Browser-Nutzung inklusive Idle-Phasen bei 200 cd/m² Displayhelligkeit und aktiviertem WLAN. Die Laufzeit gilt als realistischer Anhaltspunkt für den Arbeitsalltag. Bei intensiver Nutzung oder Videowiedergabe sinkt die Laufzeit auf etwa 6 Stunden. Das 65-Watt-USB-C-Netzteil lädt den Akku in knapp zwei Stunden vollständig.
Preis: Was kostet der Ninkear S14?
Der Ninkear S14 kostet in der getesteten Konfiguration mit Ryzen 5 7535HS, 16 GB RAM und 1 TB SSD aktuell 480 Euro beim Hersteller. Am günstigsten ist er bei Banggood mit 432 Euro. Dieser Preis ist aber nur für eine begrenzte Stückzahl verfügbar, aktuell (28.11.25, 15:15 Uhr) gibt es noch 11 Geräte.
Fazit
Der Ninkear S14 polarisiert mit seinem Federgewicht von nur einem Kilogramm. Mobile Nutzer werden die extreme Portabilität lieben, andere vermissen das wertige Gefühl schwererer Laptops. Die Leistung des Ryzen 5 7535HS reicht für Office, Multimedia und leichte Bildbearbeitung vollkommen aus. Der schnelle LPDDR5-RAM mit 6400 MT/s und die großzügige 1-TB-SSD runden die solide Ausstattung ab. Das 2,2K-Display im 16:10-Format bietet viel Arbeitsfläche, könnte aber heller sein. Die knapp neun Stunden Akkulaufzeit überzeugen.
Schwächen zeigt der S14 bei der miserablen Webcam, der für deutsche Nutzer unpraktischen QWERTY-Tastatur und dem fest verlöteten RAM. Die Gehäuseöffnung gestaltet sich unnötig kompliziert. Für aktuell nur 432 Euro erhalten Käufer einen extrem leichten Laptop mit ordentlicher Leistung und guter Akkulaufzeit. Wer maximale Mobilität sucht und mit den Kompromissen leben kann, findet im Ninkear S14 einen interessanten Begleiter. Premium-Ansprüche erfüllt er nicht, als günstiger Zweit-Laptop oder für Studenten macht er eine gute Figur.
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Donnerstag: Staatstrojaner vor Verfassungsgericht, Satelliten-Internet Terawave
Beschneidet staatliche Malware die Grundrechte? Das muss Österreichs Verfassungsgericht entscheiden, denn die Opposition erzwingt eine Prüfung. Die Regierung hat österreichischen Ermittlern per Gesetz erlaubt, Malware heimlich in Geräte von Bürgern einzuschleusen, um diese zu überwachen. Das wird jetzt auf Verfassungskonformität untersucht. In den USA will Blue Origin nach Starlink und Amazon ebenfalls eine große Satellitenkonstellation für den Internetzugang errichten. Die zweite Etage soll bis zu 6 Terabit/s schaffen, aber das vom Raumfahrtunternehmen genannte Terawave richtet sich ausschließlich an große Organisationen und wird kein Produkt für Endkunden. Derweil hat der X-Rivale von Meta Platforms einen weiteren Meilenstein bei den Nutzerzahlen erreicht und will damit mehr Geld verdienen. Threads zeigt Werbung nun auf der ganzen Welt an, nachdem der Kurznachrichtendienst Anzeigen zuvor nur in sehr begrenzten Umfang ausgeliefert hat, um dies zu testen – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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Nach Ansicht der beiden Oppositionsparteien nimmt die österreichische Regierung bewusst in Kauf, dass hochsensible Daten von Bürgern an Dritte abfließen können, und will bewusst Sicherheitsschwachstellen offenhalten, anstatt diese zu schließen. Anlässlich der sogenannten Messengerüberwachung mittels Bundestrojaner haben die Parteien die Novelle des Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetzes aus dem Vorjahr vor den österreichischen Verfassungsgerichtshof gebracht. Dieser muss prüfen, ob das Gesetz verfassungskonform ist. Es erlaubt österreichischen Ermittlern, bald Malware heimlich in Geräte von Bürgern einzuschleusen, um diese zu überwachen. Den Verdacht einer Straftat verlangt das österreichische Gesetz nicht: Staatliche Malware kommt vor Verfassungsgerichtshof Österreichs.
Blue Origin hat konkrete Pläne für eine eigene Satellitenkonstellation namens Terawave. Im Unterschied zu Marktführer Starlink soll Terawave zweistufig aufgebaut sein; zu rund 5.280 Satelliten im erdnahen Orbit gesellen sich 128 in einer mittleren Umlaufbahn. Das Versprechen: Symmetrische Bandbreite von bis zu sechs Terabit pro Sekunde. Der US-Raketenbetreiber möchte im vierten Quartal 2027 die ersten Terawave-Satelliten im Orbit platzieren. Ein globales Massenprodukt kann der Dienst nicht werden: Mehr als etwa 100.000 Nutzer sind im Konzept nicht vorgesehen. Terawave ist für Konzerne, Datenzentren und die öffentliche Hand konzipiert – für Punkt-zu-Punkt Datenverbindungen und breitbandigen Internetzugang, vorwiegend außerhalb urbaner Zentren: Auch Blue Origin baut mit Terawave ein Satelliten-Netz.
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Eine ganz andere, aber kurzfristigere Ankündigung kommt von Meta Platforms. Der Datenkonzern wird nächste Woche beginnen, Anzeigen in der Timeline von Threads weltweit einzublenden. Zuvor hatte der Kurznachrichtendienst mit Werbung nur experimentiert und diese nur einem geringen Prozentsatz der Anwender angezeigt. Gleichzeitig verkündet der Facebook-Konzern, dass Threads mittlerweile mehr als 400 Millionen monatlich aktive Nutzer zählt. Dieser Meilenstein wurde zwar bereits im August 2025 erreicht, aber bislang nicht offiziell bestätigt. Die gestiegenen Nutzerzahlen sollen nun in Einnahmen umgesetzt werden, obwohl die Plattform ursprünglich werbefrei bleiben sollte, solange dort nicht eine Milliarde Menschen unterwegs sind: Threads will über 400 Millionen Nutzer mit weltweiter Werbung monetarisieren.
Nach scharfer Kritik der Berliner Datenschutzbeauftragten Meike Kamp an Plänen für eine Gesundheitsdatenbank des Berliner Krankenhauses Charité stoppt das Abgeordnetenhaus das Vorhaben vorerst. Angesichts der Bedenken der Beauftragten werde die Gesetzesänderung nicht wie bisher angedacht beschlossen, teilte die SPD-Fraktion mit. Die Wissenschaftsverwaltung werde beauftragt, den Entwurf zu überarbeiten. Laut Plänen von CDU und SPD soll die Charité gesetzlich ermächtigt werden, eine zentrale Datenbank mit nicht personenbezogenen Gesundheitsdaten aufzubauen. Doch der Gesetzentwurf von CDU und SPD ist laut der Datenschutzbeauftragten „in seiner derzeitigen Form unklar und unverständlich“. Das wird jetzt nachgebessert: Wegen Unklarheiten bei Anonymisierung Pläne für Charité-Datenbank auf Eis.
In der heutigen Ausgabe der #heiseshow sprechen wir über die bislang nicht erfüllten Erwartungen an KI in Unternehmen. Warum bleiben die erhofften Produktivitätsgewinne aus? Welche realistischen Einsatzszenarien gibt es für KI im Arbeitsalltag? Derweil kündigte OpenAI an, Werbung in ChatGPT zu integrieren. Wie verträgt sich das Geschäftsmodell mit den Abo-Angeboten? Welche Auswirkungen hat das auf das Nutzererlebnis? Und folgen andere KI-Anbieter diesem Schritt? In Europa fehlen 174 Milliarden Euro für den Netzausbau. Können private Investoren diese Lücke schließen? Welche Risiken birgt eine stärkere Privatisierung der digitalen Infrastruktur? Und wie steht es um staatliche Förderung? Das sind die Themen heute um 17 Uhr live in der #heiseshow: KI-Ernüchterung, ChatGPT-Werbung, Netzausbau.
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(fds)
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Threads will über 400 Millionen Nutzer mit weltweiter Werbung monetarisieren
Meta Platforms hat angekündigt, Anzeigen in der Timeline von Threads ab nächster Woche weltweit einzublenden. Zuvor hatte der Kurznachrichtendienst mit Werbung nur experimentiert und diese nur einem geringen Prozentsatz der Anwender angezeigt. Gleichzeitig verkündet der Datenkonzern, dass Threads mittlerweile mehr als 400 Millionen monatlich aktive Nutzer zählt. Dieser Meilenstein wurde zwar bereits im August 2025 erreicht, aber bislang nicht offiziell bestätigt.
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Schon Ende Januar 2025 kam Threads laut Meta-Chef Mark Zuckerberg auf mehr als 320 Millionen User, die mindestens einmal im Monat aktiv sind. Über 100 Millionen nutzten die App sogar täglich. Damals legten aber auch schon mehr als eine Million Menschen pro Tag einen Account an, sodass das Wachstum ungebrochen schien. Bei den Kurznachrichtendiensten kommt es damit zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Threads und Elon Musks X, dem ehemaligen Twitter. Denn Konkurrenten wie Bluesky oder Mastodon wachsen deutlich langsamer und zählten zuletzt 41 Millionen respektive 15 Millionen registrierte Nutzer, die zudem weniger aktiv sind.
Mehr Nutzer sollen mehr Einnahmen generieren
Threads will seine gestiegenen Nutzerzahlen nun mit Werbung monetarisieren, obwohl die Plattform nach ursprünglichen Plänen Zuckerbergs eigentlich werbefrei bleiben sollte, solange dort nicht eine Milliarde Menschen unterwegs sind. Doch vor ziemlich genau einem Jahr begann Meta mit Tests von Werbung in Threads in den USA und Japan, als der Dienst gerade die Marke von 300 Millionen aktiven Nutzer im Monat übersprungen hatte. Im April 2025 wurde der Test mit Werbeanzeigen in der Timeline weltweit ausgedehnt, aber der Konzern wollte damit „weiterhin testen und lernen“, sodass nur wenige Nutzer Werbung angezeigt bekamen.
Das wird sich in Kürze ändern, wie Meta Platforms jetzt verkündet. Denn ab der nächsten Woche werden Anzeigen in Threads weltweit ausgerollt, sodass alle Nutzer Werbung in der Timeline sehen werden, nicht nur in einigen Regionen. Dabei wird es sich laut Meta aber um einen graduellen Prozess handeln. Zunächst werden nur wenige Anzeigen ausgeliefert, bis die Werbung in den kommenden Monaten überall eingeblendet wird.
Threads-Werbung wie bei anderen Meta-Plattformen
Werbekunden können Anzeigen wie bei den anderen Meta-Plattformen Facebook und Instagram per manueller Kampagne oder über Metas Advantage+ schalten. Letzteres nutzt Künstliche Intelligenz für eine passende Platzierung innerhalb des Dienstes. Threads unterstützt dieselben Werbeformate wie Facebook und Instagram, einschließlich Bilder, Videos und Karussellanzeigen, neu sind allerdings Anzeigen im 4:5-Format. Die Werbekunden können die Anzeigen für Threads innerhalb der gewohnten Einstellungen von Meta Platforms verwalten, was die gleichzeitige Werbeschaltung auf den anderen Online-Diensten Metas erleichtern soll.
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Meta Platforms hat bislang nicht erklärt, wie oft den Nutzern Werbung in der Timeline von Threads angezeigt wird. Der Datenkonzern schreibt allerdings, dass „die Anzeigenauslieferung anfangs niedrig bleibt“, während Werbung weltweit ausgerollt wird.
(fds)
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Digital Networks Act: Glasfaser bis 2035 und Mobilfunkfrequenzen auf Dauer
Die EU-Kommission hat am Mittwoch in Straßburg ihren Entwurf des Digital Networks Act (DNA) vorgestellt. Der Gesetzesentwurf soll vier bestehende Regelungswerke zusammenfassen und die Weichen für den europäischen Telekommunikationsmarkt stellen. Es geht um zentrale Fragen wie die Migration von Kupfernetzen auf Glasfaser, Mobilfunknetze und die Netzneutralität.
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Der DNA fasst auf gut 260 Seiten den European Electronic Communications Code (EECC), die Verordnung über das Gremium der europäischen Regulierungsbehörden (GEREK), Regelungen zu grenzüberschreitenden Funkfrequenzen und „Offenes Internet“ zusammen. Vieles soll einfacher, schneller und europäischer werden – und an einigen Stellen hat der DNA es in sich.
Kommission will bis 2035 entkupfern
Einen großen Auftrag bringt der DNA für die deutsche Politik mit: Bis 2035 sollten so gut wie alle Anschlüsse auf Glasfaser umgestellt sein, bekräftigte die für Digitales zuständige Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen bei der Vorstellung des DNA im Europäischen Parlament in Straßburg. Bis 2029 sollen alle Mitgliedstaaten einen konkreten Plan haben, wie der Abschied vom Kupfer stattfinden solle. Ausnahmen für Fernsehkabel nannte Virkkunen nicht – und auch der Entwurf unterscheidet bei Kupfer nicht zwischen alten Teilnehmernetzen und moderneren HFC-Netzen.
Für Valentina Daiber, Präsidentin des Verbands der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM) ist das Vorgehen das richtige Signal, zehn Jahre böten „ausreichend Planungsperspektive“. Dafür will Daiber auch die Regulierung entsprechend aufgestellt sehen: „Anbieter- und Dienstevielfalt machen Glasfasernetze für die Menschen erst attraktiv. Die Auswahl, die auf den Kupfernetzen Usus ist, muss auch auf der neuen Netzinfrastruktur erhalten bleiben.“
Denn bislang gilt: Wer ausbaut, entscheidet, ob andere auf dieser Infrastruktur etwas anbieten dürfen. Anders als bei den alten, staatlichen Kupfermonopolen gibt es bislang keine eindeutige gesetzliche Verpflichtung, Wettbewerbern einen Netzzugang zu gewähren. Verbraucher haben im schlechtesten Fall also Glasfaser – aber keinen alternativen Anbieter, mit dem sie einen Vertrag abschließen könnten.
Wie das zukünftige Regulierungsregime genau ausgestaltet sein wird, soll unter anderem vom Ergebnis eines komplizierten Mechanismus abhängen: Bei relevanter Marktmacht sollen die Aufsichtsbehörden vorab einschreiten und Regeln festlegen dürfen, wie Wettbewerber Infrastrukturen mitnutzen dürfen. Dass die Marktposition über die Regulierung entscheiden soll, begrüßt etwa auch der Breitbandverband ANGA. Eine Ausweitung der Regulierung auf alle Marktteilnehmer sieht der Verband dagegen kritisch.
Lizenzen ohne Laufzeitbegrenzung
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Für viele harte Diskussionen dürfte eine zentrale Änderung bei der Vergabe von Funkfrequenzen sorgen: Geht es nach der EU-Kommission, werden Lizenzen für Frequenznutzung künftig ohne Laufzeitbegrenzung vergeben. Davon sollen vor allem Mobilfunkbetreiber profitieren. Die Nutzungsrechte sollen dann nicht mehr wie bisher nach mehreren Jahren neu vergeben werden – in Deutschland hatte sich dafür die Versteigerung eingebürgert. Stattdessen würden die Anbieter die Lizenzen de facto auf Dauer erwerben. Das solle den Unternehmen mehr Planungssicherheit verschaffen, erläuterte Virkkunen.
Und auch darüber hinaus will die EU-Kommission bei den Funkfrequenzen Änderungen: Nach jeder Tagung der Weltfunkkonferenz (alle zwei bis vier Jahre) soll eine gemeinsame EU-Frequenzstrategie verabschiedet werden. Das soll Einheitlichkeit herstellen – eine sinnvolle Europäisierung durch die Hintertür. Ursprünglich hätte die Kommission die Frequenzpolitik gerne vollständig zentralisiert, fand dafür aber keine Mehrheit bei den Mitgliedstaaten.
Peering: Regulierungsbehörden als Friedensrichter?
Eine der Fragen, die im Vorfeld immer wieder gestellt wurden: Wird die EU das eigene Regelwerk zur Netzneutralität noch einmal anfassen und ein sogenanntes „Fair Share“-Regime einführen, das die großen US-Plattformen verpflichtet, für die Durchleitung ihrer Daten zu bezahlen? Das ist seit Jahren ein Politikum geopolitischer Dimension – und steht zumindest mit dem Kommissionsvorschlag derzeit nicht zur Debatte.
Im Streit um die Frage, ob die Politik konkrete Regeln für Peering und Transit aufstellen muss, hat die Kommission nun erst einmal ein freiwilliges Streitbeilegungsverfahren vorgeschlagen. Für Virkkunen ist dies einer konkreten Regulierung vorzuziehen, da es sich um einen im Regelfall gut funktionierenden Markt handele.
Trotzdem befürchtet die Computer and Communications Industry Association (CCIA) Europe, in der die großen US-Inhalteanbieter und -Plattformen eine gewichtige Stimme haben, dass der DNA-Entwurf ein Schlupfloch für solche Entgelte lasse: „Dies ist kein Verfahren zur ‚freiwilligen Schlichtung‘, sondern eines, das neue Streitigkeiten hervorrufen wird“, sagt Maria Teresa Stecher vom CCIA Europe. Der Verband befürchtet, dass mit Artikel 192 des Vorschlags de facto eine Einigungspflicht herbeigeführt würde.
Lange Beratungen absehbar
Über den Vorschlag der EU-Kommission werden das Parlament und der Rat in den kommenden Monaten intensiv beraten. Im Europäischen Parlament wird der Ausschuss für Industrie (ITRE) die Federführung übernehmen. Die Fachpolitiker werden sich mit dem Rat und den Fachministern der Mitgliedstaaten auf eine Regelung einigen müssen. Ob und wann das passiert, ist derzeit vollkommen offen. Für besonders umstrittene Vorhaben – und zumindest Teile des DNA gehören hier zweifelsohne dazu – können sich die Beratungen der Gremien auch über viele Jahre ziehen.
(vbr)
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