Digital Business & Startups
Ich habe mit 40 meinen Job gekündigt und ein Unternehmen gegründet
Vier Jahre ohne Gehalt: Jana Krotsch erzählt, warum sie sich als Gründerin und Mutter von drei Kindern rund 5.200 Euro monatlich zahlte.
Jana Krotsch, Collage: Gründerszene
In unserer Reihe zeigen Gründerinnen und Gründer, wann sie sich ihr erstes Gehalt ausgezahlt haben, wie hoch es war – und warum sie genau diesen Zeitpunkt ausgewählt haben. Hier erzählt: Jana Krotsch, Gründerin von ubiMaster.
Vier Jahre lang baute Jana Krotsch ihr Startup auf, ohne sich ein Gehalt auszuzahlen: 2018 gründete sie in München das Edtech-Unternehmen UbiMaster, inspiriert von ihrem Alltag als berufstätige Mutter von drei Schulkindern.
Vor der Gründung arbeitete Krotsch unter anderem als Senior Project Manager bei Munich Re. Mit Anfang 40 kündigte sie, investierte ihre Abfindung vollständig in das Unternehmen und startete als Solo-Gründerin. Finanziell trug in dieser Zeit vor allem ihr Mann die Familie, zusätzlich lebte sie von Rücklagen. Erst 2022 begann sie, sich erstmals Geld aus dem Unternehmen auszuzahlen.
So funktioniert UbiMaster
UbiMaster ist eine digitale Nachhilfeplattform, über die sich Schüler spontan Unterstützung holen können. Sie loggen sich ein und werden innerhalb weniger Minuten mit einem Tutor verbunden – egal ob Mathe, Deutsch oder Englisch. Bezahlt wird das Ganze nicht von den Familien, sondern von Partnern wie Banken oder Unternehmen, die das Angebot integrieren. Für die Nutzer ist es dadurch kostenlos und jederzeit verfügbar.
Hier erzählt sie von ihrem ersten Gründer-Gehalt, wann und wie viel sie sich ausgezahlt hat, und, wie sie die Höhe des Gehaltes festgelegt hat.
Gründerszene: Du hast als Mutter in deinen 40ern gegründet. Was hat dich dazu bewegt?
Jana Krotsch: Ich habe mich damals gefragt, ob ich das, was ich gerade mache, wirklich bis zum Ende meines Berufslebens machen möchte, oder ob ich nochmal etwas verändern will. Durch meine Kinder habe ich gemerkt, wie groß der Bedarf an Nachhilfe ist und wie stark Bildung immer noch vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Es ging bei meinen Kindern nicht immer nur darum, ein Klassenziel zu erreichen, sondern auch darum, sich zu verbessern. Gleichzeitig war ich selbst im Job oft eingespannt und konnte nicht immer helfen. Da kam die Idee: Können wir das nicht einfacher lösen? Ich habe mich dann bewusst entschieden zu kündigen und etwas Eigenes zu machen. Viele in meinem Umfeld waren in klassischen Karrieren und somit eher skeptisch. Auch weil es ja schon viele Nachhilfeanbieter am Markt gab – aber eben mit einem anderen Ansatz. Da fühlt man sich manchmal allein. Mein Mann hat mich in solchen Phasen sehr unterstützt und mir auch geraten, immer mal Abstand vom Business zu nehmen. Das hat geholfen, wieder klarer zu denken.
Was war der größte Unterschied zur Corporate-Welt?
Es war komplett anders. In einem Unternehmen hat man immer Ansprechpartner, mit denen man sich austauschen kann. Als Gründerin war ich am Anfang allein, hatte kein Netzwerk und musste viele Entscheidungen selbst treffen. Gleichzeitig war es unglaublich spannend, weil jeden Tag etwas Neues passiert. Ich habe in dieser Zeit extrem viel gelernt, wahrscheinlich so viel wie sonst in vielen Jahren.
Wie sah dein Alltag mit drei Kindern und Gründung aus?
Man darf sich nichts vormachen. Ein Unternehmen zu gründen und gleichzeitig Kinder zu betreuen, funktioniert nicht parallel. Man arbeitet mindestens so viel wie in einem normalen Job, oft auch am Wochenende. Wir hatten Unterstützung durch Kinderbetreuung und ein Aupair. Trotzdem war es eine intensive Zeit. Ich habe viel abends und nachts gearbeitet, weil tagsüber die Kinder da waren.
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Wann hast du dir das erste Gehalt ausgezahlt – und wie hoch war es?
Ich habe 2018 gegründet und mir bis 2022 kein Gehalt ausgezahlt. Erst als wir stabile Umsätze hatten, Mitarbeitende und eine Finanzierungsrunde in Sicht war, habe ich damit angefangen. Mein erstes Gehalt lag bei etwa 5.200 Euro im Monat. Das ist für eine Gründerin wahrscheinlich eher hoch, aber man muss den Kontext sehen: Ich habe viele Jahre Berufserfahrung, komme aus der Corporate-Welt und habe eine Familie.
Wie hast du in der Zeit ohne Gehalt gelebt?
Am Anfang habe ich einen Gründerzuschuss bekommen, der etwa ein Jahr lief. Danach haben wir von Ersparnissen gelebt, und mein Mann hat mit seinem Gehalt den Großteil der laufenden Kosten übernommen. Ich habe auch eigenes Geld in das Unternehmen investiert. Zusätzlich gewannen wir , aber diese Mittel waren für den Aufbau des Unternehmens gedacht, nicht für ein Gründergehalt.
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Warum hast du genau zu diesem Zeitpunkt angefangen, dir ein Gehalt auszuzahlen?
Der entscheidende Punkt war, dass die Umsätze planbarer wurden. Die Geschäftsentwicklung war nicht mehr so volatil, sondern stabiler. Außerdem kam eine Finanzierungsrunde näher. Sobald Investoren einsteigen, ist es ohnehin üblich, ein Geschäftsführergehalt zu haben. Deshalb war das der richtige Moment.
Wie hat sich das erste Gehalt angefühlt?
Es macht schon etwas mit einem, wieder regelmäßig Geld auf dem eigenen Konto zu haben. Es ist auch ein Stück Stolz. Aber ich messe meinen Erfolg nicht nur daran. Für mich sind die wichtigen Momente, wenn wir sehen, dass wir viele Schüler erreichen und wirklich etwas bewirken.
Hattest du ein schlechtes Gewissen, dir Geld auszuzahlen?
Nein, weil ich das erst gemacht habe, als das Unternehmen es tragen konnte. Vorher ging es schlicht nicht.
Wie hast du die Höhe deines Gehalts festgelegt?
Ich habe geschaut, was in der Gründerszene üblich ist, und das mit meiner eigenen Situation abgeglichen. Ich komme aus einer gut bezahlten Corporate-Karriere und habe eine Familie – das muss man dabei beachten. Später spielt auch die Abstimmung mit Investoren eine Rolle. Außerdem ist finanzielle Vorsorge extrem wichtig. In den Jahren ohne Einkommen habe ich zum Beispiel nichts in die Rentenversicherung eingezahlt. Ein gutes Gründergehalt sollte so gewählt sein, dass man stabil leben kann. Wenn man ständig finanziellen Druck hat, kann man nicht kreativ arbeiten.
Würdest du rückblickend etwas anders machen?
Nein, der Zeitpunkt war richtig. Früher ging es nicht, weil nicht genug Kapital da war. Später hätte es auch keinen Sinn gemacht.
Wie seid ihr als Familie mit dem finanziellen Risiko umgegangen?
Wir haben sehr offen darüber gesprochen. Ich habe mir ein klares Budget gesetzt und gesagt: Ich investiere das und schaue, ob es funktioniert. Wir sind eine Familie mit drei Kindern und laufenden Kosten, da muss man transparent sein. Man sollte die finanzielle Situation unbedingt vorher klären und offen darüber sprechen. Ein Partner, der das mitträgt, ist sehr wichtig. Für mich war das Ganze eine bewusste Investition, in das Unternehmen, aber auch in mein Leben.
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Wie gut lassen sich Gründung und Familie vereinbaren?
Es bringt eine gewisse Flexibilität, aber man arbeitet auch viel abends und nachts. Für mich war es ein guter Zeitpunkt, weil meine Kinder schon etwas älter waren. Mit ganz kleinen Kindern hätte ich mir das deutlich schwieriger vorgestellt.
Was hat dir die Gründung persönlich gebracht?
Sehr viel. Ich habe extrem viel gelernt. Und ich sehe auch, dass ich meinen Kindern etwas vorlebe. Meine Tochter hat einmal gesagt, dass sie sich ohne mich vielleicht nie getraut hätte, selbst einen unternehmerischen Weg zu gehen. Das ist für mich ein sehr schönes Feedback.