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Datenschutz & Sicherheit

Jetzt patchen! Angreifer attackieren JFrog Artifactory und machen sich zu Admins


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Derzeit nutzen Angreifer eine „kritische“ Sicherheitslücke in JFrog Artifactory aus und erlangen im Anschluss Adminrechte. Danach gelten Instanzen als vollständig kompromittiert. Sicherheitspatches stehen zum Download bereit.

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JFrog Artifactory ist ein zentraler Speicherort für Software-Bausteine („Artefakte“) wie Programmpakete, Bibliotheken und Docker-Images. Teams können diese Dateien dort speichern, versionieren, teilen und in ihre Build- und Deployment-Prozesse einbinden – statt sie verstreut auf verschiedenen Servern zu verwalten.

Angriffe in diesem Kontext sind als kritisch zu bewerten, weil Angreifer bestehende Softwareprojekte mit Schadcode manipulieren können. Gelangen diese manipulierten Komponenten anschließend unbemerkt über Entwickler oder Build-Prozesse in Umlauf, spricht man von einer Supply-Chain-Attacke.

In einer Warnmeldung listen die JFrog-Entwickler insgesamt 63 Sicherheitslücken auf. Sie versichern, die Schwachstellen in den folgenden Ausgaben geschlossen zu haben:

  • 7.111.21
  • 7.117.28
  • 7.125.20
  • 7.133.29
  • 7.146.38
  • 7.161.20

Sie geben an, dass die Sicherheitsupdates in Cloud-Instanzen bereits installiert sind. Admins von On-premises-Umgebungen müssen selbst tätig werden.

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Die attackierte Schwachstelle (CVE-2026-82329 „kritisch“) betrifft die Standardkonfiguration und äußert sich in einer Schwäche bei der Authentifizierung. So können sich Angreifer mit Netzwerkzugriff unter anderem Admin-Zugriffstokens verschaffen und so die volle Kontrolle über Instanzen erlangen.

Über die Attacken berichten unter anderem Sicherheitsforscher von watchTowr auf X. In welchem Umfang die Attacken ablaufen, ist bislang unklar.

Über die verbleibenden Sicherheitslücken können Angreifer unter anderem Schadcode ausführen (etwa CVE-2026-65617 „hoch“) oder sich höhere Nutzerrechte aneignen (etwa CVE-2026-68752 „hoch“).


(des)



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Phishing-Angriff auf Merz und viele andere: CDU-Mailkonto in Heilbronn gehackt


Cyberkriminelle sind in ein E-Mail-Konto der Heilbronner CDU eingebrochen und haben von dort Tausende Phishing-Nachrichten an Ministerien, andere politische Kontakte und auch Bundeskanzler Friedrich Merz verschickt. Die Polizei geht derzeit von einem Phishing-Versuch aus. „Nach ersten Erkenntnissen ging die Mail an circa 6500 Kontakte, von denen zahlreiche im sicherheitsrelevanten Bereich sind“, sagte ein Sprecher der Heilbronner Polizei der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir wissen zum Beispiel, dass auch Nachrichten an den Bundeskanzler gingen.“

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Die zuständige Polizeidienststelle antwortete nicht unmittelbar auf eine Anfrage von heise online bezüglich weiterer Details zu der Phishing-Attacke – etwa welche Daten auf welchem Wege erbeutet werden sollten. Dieser Artikel wird ggf. noch entsprechend aktualisiert.

Bekannt ist, dass die Phishing-Mail – welche auch an die Redaktion der dpa gesendet wurde – einen Einladungslink zu einer Veranstaltung mit prominenten Gästen enthielt. Phishing ist eine der häufigsten Betrugsmaschen im Internet. Dabei versuchen Cyberkriminelle, durch Antworten auf gefälschte Nachrichten an sensible Daten wie Passwörter oder Bankinformationen zu gelangen.

Im Frühjahr gab es einen großangelegten Phishing-Angriff, welcher über die Messenger-App Signal erfolgte. Die Angreifer hatten Politiker, Militärs und Diplomaten sowie Investigativjournalisten im Visier. Das BSI und der Verfassungsschutz warnten, der Angriff würde wahrscheinlich durch staatliche gesteuerte Akteure durchgeführt.


(nen)



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Interview mit Simon Strick: „Faschisierung ist ein medialer Prozess“


Faschisierung ist von Beginn an eine Grundtendenz digitaler Medien. Der heutige Rechtspopulismus und das Internet entstanden nicht nur zeitgleich, sondern arbeiten auch mit verwandten Formeln und haben die Öffentlichkeit zum Reaktionären hin transformiert.

Das schreibt der Kulturwissenschaftler Simon Strick in seinem Buch „Faschisierung. Fluchtlinie des Digitalen“, das vor wenigen Tagen im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

Strick zeigt darin eine kulturelle und politische Entwicklung, die mehr als zwanzig Jahre zurückreicht. Dieser Entwicklung stehen wir bis heute nicht nur unvorbereitet und hilflos gegenüber, sondern wir treiben selbst auch einen Prozess an, in dem wir jeden Tag und in aller Öffentlichkeit rechtsradikale Formeln einüben.

Wir haben mit Simon Strick über die digital-getriebene Faschisierung gesprochen.

Portrait Simon Strick
Simon Strick

Fortwährende Faschisierung

netzpolitik.org: Warum wählen Sie den Begriff „Faschisierung“ statt Faschismus?

Simon Strick: Die Rede vom Faschismus impliziert meistens Umschlagpunkte – der Faschismus droht irgendwann, man warnt also davor. Darum dreht sich unser Diskurs nun schon seit einigen Jahren.

Wenn man immer darauf wartet, dass der Faschismus irgendwann kommt, verpasst man die vielen faschistischen Entwicklungen, die die ganze Zeit stattfinden.

Mir geht es daher konkret um einen gesamtgesellschaftlichen Prozess der Faschisierung, der sich fortwährend vollzieht.

netzpolitik.org: Wie sieht dieser Prozess aus?

Simon Strick: Er hat viele Formen. Ich untersuche vor allem eine Umformung des politischen Diskurses und der Öffentlichkeit, die sich im Netz beziehungsweise durch die digitalen Medien ereignet hat.

Es gibt Mechanismen, Prozesse und Dynamiken, die genuin mit digitalen Medien zusammenhängen und die ich als Faschisierung einordne.

Die kollektive Praxis des Einübens

netzpolitik.org: Sie sprechen hier auch von einer kollektiven Praxis des Einübens.

Simon Strick: Dem Philosophen Pierre Zaoui zufolge gibt es so etwas wie eine faschistische Alltagssprache, die vor der offiziellen Sprache des Faschismus liegt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass man sich von der kleinsten Irritation bis zur Vernichtung einer Menschengruppe quasi durchargumentieren kann.

Diese Alltagssprache findet sich oft in der Kommunikation im Netz. Je nach Plattform oder Kommunikationszirkel haben sich Nutzer daran gewöhnt, sich mittels Memes und Sprache sehr schnell von kleinsten Irritationen hin zur Abwertung oder gar Auslöschungswunsch einer anderen Gruppe zu bewegen.

Das ist das Entscheidende am Begriff der Faschisierung: Es geht nicht um Einzelfälle, die irgendetwas kippen lassen, sondern um einen breiten gesellschaftlichen und vor allem medial bedingten Prozess des gemeinsamen Einübens oder eben der Normalisierung.

netzpolitik.org: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Simon Strick: 2019 wurde im Internetforum 4chan die Zeichnung eines Clowns veröffentlicht. Sie zeigt eine Variation des Alt-Right-Symbols Pepe the Frog mit Regenbogenperücke und roter Nase. Ein Nutzer schlug vor, das Bild als neues rechtsradikales Symbol zu übernehmen, queerfeindliche Gewaltfantasien inklusive. Der Verfassungsschutz nahm es in seinen Bericht über rechtsextreme Symbolik auf.

Aus dem Bild entstand das Meme „Clownwelt“, wurde mit der Zeit zu einem Symbol im rechten Kulturkampf, schließlich zum allgemeinverständlichen reaktionären Symbol. Im deutschsprachigen Raum steht es unter anderem dafür, dass Regenbogenfahnen verschwinden sollen, damit Schwarz-Rot-Gold wieder zu seinem Recht kommt.

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Dieser Antagonismus von Nationalfarben und LGBTQ+ ist völlig alltäglich geworden, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nutzte ihn im Sommer 2025 in der sogenannten Fahndendebatte. Sie ordnete an, Regenbogenfahnen aus Abgeordnetenbüros zu entfernen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz kommentierte die Debatte: Der Bundestag sei kein Zirkuszelt, auf das man beliebig Fahnen hissen könnte – das Bild queerer Menschen als Clowns schien durch.

Das Beispiel ist etwas verkürzt, zeigt aber zwei Dinge: Als rechtsextrem kategorisierte Memes wie „Clownwelt“ finden Eingang in offizielles Sprechen und prägen Shitstorms wie den um Merz’ „Zirkuszelt“ mit. Und zweitens: Wenn der Kanzler rechtsextreme Memes variiert, dann ist der Begriff „Extremismus“ nicht mehr aussagekräftig. Eher geht es darum zu fragen, warum 4chan und Kanzleramt gleichklingend und queerfeindlich sprechen. Diese eingeübten „Gleichklänge“ der Radikalisierung beschreibe ich als Faschisierung, und Beispiele dafür sind jeden Tag sichtbar.

Buchcover "Faschisierung"
Simon Strick: Faschisierung. Fluchtlinie des Digitalen, Suhrkamp Verlag.

„Faschisierung und Digitalisierung sind verschwistert“

netzpolitik.org: Faschisierung und Digitalisierung hängen eng zusammen, schreiben Sie, sie seien „verschwistert“. Wie meinen Sie das?

Simon Strick: Wir hatten in den 1990er-Jahren eine historisch interessante Konstellation: Es bildete sich der Rechtspopulismus als Bewegungsprojekt quer zu staatlichen Systemen und Parteienstrukturen heraus, ich skizziere das im Buch für die USA. Gleichzeitig entsteht mit einem ganz ähnlichen Anspruch – quer zur Öffentlichkeit und zu den Leitmedien – die Netzkultur.

Aus meiner Sicht gibt es hier eine mythologische Übereinstimmung, die zu einer inneren Wesensverwandtschaft einiger digitaler Medien und reaktionärer Bewegungen führte: Beide verstanden sich als radikale Alternativen zum Status quo, als neue Ideen politischer Öffentlichkeit. Faschisierung bietet eine Möglichkeit, um diese Wesensverwandtschaft zu verstehen und zu beschreiben.

netzpolitik.org: Für viele war das Netz gerade in seinen Anfängen ein Raum für Gleichheit, Partizipation und Utopie. Scheren Sie mit Digitalität und Rechtspopulismus nicht zwei sehr verschiedene Dinge über einen Kamm?

Simon Strick: Das Netz ist natürlich ein pluralistischer Raum. Und im politischen Raum der 90er-Jahre gab es unterschiedliche Bewegungen, die eine grundlegende Veränderung etwa an Regierungssystemen oder am Neoliberalismus verlangten. Der Rechtspopulismus, wie Murray Rothbard ihn entwirft, war eine dieser Bewegungen.

Analog dazu findet sich in der „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“ von John Perry Barlow eine populistische Vorstellung des Internets: Gegen Großunternehmen, Telekommunikationskonzerne und Regierungsorgane soll ein utopisches Land errichtet werden. Die Anhänger dieser Idee verstanden den Cyberspace explizit als Gegenentwurf zu den Regierungen der analogen Welt, den „müden Riesen aus Fleisch und Stahl“.

Dieser Cyberlibertarismus war eine spezifische Ausprägung im Pluralismus des frühen Netzes. Er brachte aber eine Art reaktionäres Nutzungsszenario für digitale Medien mit: Im Internet sagt man das, was draußen in den Leitmedien angeblich verboten oder nicht präsent ist. Man postet sozusagen immer quer zu einer Hegemonie, was zum Beispiel neofaschistischen Gruppen sehr entgegenkam, die auch zu den Netzpionieren gehörten.

Aus dieser Grundmythologie entwickelte sich – begünstigt durch die sozialen Medien – das Netz als Gegenöffentlichkeit und begünstigte damit vor allem reaktionäre Projekte. Die Alternativmedien wie Nius und Tichys Einblick oder zahllose Angebote auf X senden alle auf dieser Mythologie digitaler Dissidenz. Die Leitmedien folgen nach.

„Wir befinden uns dauerhaft im Reaktionsmodus“

netzpolitik.org: Wie haben die sozialen Medien diese Entwicklung beeinflusst?

Simon Strick: Soziale Medien sind darauf ausgerichtet, Ereignisse herzustellen, auf die man reagieren kann. Nutzer liken, kommentieren und befinden sich dauerhaft im Reaktionsmodus auf ihre Timeline. Das heißt erstens, dass Politik als Ereignis stattfinden muss. Und zweitens müssen politische Ereignisse möglichst kontrovers oder provokativ sein, um mehr Reaktionen hervorzurufen.

Das Problem ist also nicht nur Rechtspopulismus, sondern eine Öffentlichkeit, die um das Prinzip Reaktionsmaximierung herum gebaut ist. Parteien, die am krassesten agieren – was oftmals rechte Parteien sind –, politische Figuren, die am lautesten reagieren. Das erhält die größte Aufmerksamkeit.

Parteien und Journalismus passen sich diesen digitalen Reaktionsformen an. Ich fand den Protest der SPD-Bundestagsfraktion auf dem Bebelplatz in Berlin dazu aufschlussreich.

netzpolitik.org: …dem Ort der Bücherverbrennung durch die Nazis im Jahr 1933.

Simon Strick: Ja, hier wurde das politische Ereignis „Antifaschismus“ von einer Regierungspartei hergestellt, für „Reaction Content“. Reaktionen kamen sofort, sowohl skandalisierend als auch nach dem Motto „Endlich tut sich was!“. Passiert war im Grunde genommen nichts, außer einem Flashmob mit Kamerabegleitung.

„Memes transportieren Vernichtungsfantasien“

netzpolitik.org: Welche Rolle spielen Memes bei dieser Neuformierung der Öffentlichkeit?

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Simon Strick: Ich halte sie für unheimlich wichtig. Memes sind nicht nur lustige Bildchen, sondern spezifische Verschaltungen von Informationen, die vor allem irritieren und affektiv wirken sollen.

Es werden Dinge zusammengebracht, die eigentlich nicht zusammengehören, um einen Witz oder eine Irritation zu erzeugen. Das ist eine grundlegende Kulturtechnik im Social-Media-Zeitalter: Informationskombination, um affektiv den Informationsfluss zu unterbrechen. Als Grundprinzip digitaler Kommunikation wird das aus meiner Sicht unterbewertet.

Politische Akteure wie Donald Trump oder auch das Weiße Haus kommunizieren in Memes. Auch die SPD-Aktion am Bebelplatz kann man als memetische Operation verstehen, die Unzusammenhängendes verbindet, um eine Irritation oder Affekt zu erreichen: Regierungspartei kämpft als Antifa gegen die NSDAP. Modernes Branding, vorbei an politischen Realitäten.

netzpolitik.org: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Memes auch das Aussprechen von Vernichtungsfantasien erleichtern.

Simon Strick: Dafür gibt es viele Beispiele. Ein Beispiel, das ich im Buch beschreibe: Queere Menschen setzen sich unter anderem für palästinensische Unabhängigkeit ein. Das Motto „Queers for Palestine“ wurde im Netz mit „Chicken for KFC“ gleichgesetzt, nach dem Motto: Weil Gaza angeblich in Gänze Hamas und queerfeindlich sei, sind „Queers for Palestine“ wie Hühner, die für ihre Schlachtung durch Kentucky Fried Chicken demonstrieren.

Diese Formel verbreitete sich rasant, weil sie sowohl Palästinenser als brutale Barbaren als auch Queers als irrational und naiv darstellt. Beide Minderheiten hätten sich quasi „verdient“. Im Buch zeichne ich nach, wie dieses Meme vor und nach dem 7. Oktober 2023 in den Legitimationsdiskursen zur israelischen Kriegseskalation immer wieder auftaucht.

Völlig verschiedene Akteure kommen dabei zum Gleichklang: anonyme Onlinetrolle, die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch, die Schriftstellerin Herta Müller, der ehemalige Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein und auch Benjamin Netanjahu, der „Chicken for KFC“ vor dem US-Senat als Witz anbringt.

Solche Memes transportieren Entmenschlichungs- und Vernichtungsfantasien fast von selbst weiter, selbst wenn die einzelnen Sprecher:innen das nicht beabsichtigen. Sind Queers so naiv, sollten sie abgeschlachtet werden. Sind Palästinenser solche Barbaren, muss die Vernichtung Gazas eskaliert werden. Es bilden sich memetische Kollektive, die sich gegenseitig darin bestärken, solche Sprach- oder Memefantasien als Legitimation zu nehmen, als Argument, schließlich als Vorlage für Handlungen.

Die Dynamik der Eskalation

netzpolitik.org: Besonders Donald Trump hat die Wirkweise der Memes offenbar verstanden.

Simon Strick: Trumps Kommunikation und Stil sind sehr interessant. Sie zeigen sehr klar, wie sich politische Öffentlichkeit in digitale Räume verlagert, wo andere Gesetze gelten als zuvor. Der Trumpismus kann als Politikstil gelesen werden, der sich mehr und mehr nach Netzlogiken richtet: Trolling, Irritation, Memes und ganz generell „Content“.

Trump ist die ideale Figur für diesen Transfer, weil er selbst hochgradig Meme-tauglich ist. Seit den 80er-Jahren ist er eine Ikone der amerikanischen Popkultur, jeder kennt ihn.

Bei ihm zeigt sich eine neue Form des Regierens, die vor allem memetisch und digital kommuniziert und die Regierungsgeschäfte auf Plattformen abwickelt. Etwa wenn Trump geopolitische Entscheidungen direkt über soziale Medien verkündet. Der Wahrheitsgehalt ist immer unklar – wie bei jeder Online-Information.

netzpolitik.org: Memes selbst bewirken aber keine materiellen Veränderungen. Sie stoppen beispielsweise keine Inflation. Läuft die memetische Kommunikation nicht irgendwann ins Leere?

Simon Strick: Jetzt könnte man lange über Börsen reden, die ja aufgrund von Gerüchten extrem materielle Wertschöpfungs- oder Wertvernichtungsprozesse ins Werk setzen können. Aber das nur am Rande.

Memetische Politik bietet in materieller Hinsicht natürlich schon etwas. Zum einen geht Faschisierung oft einher mit persönlicher Bereicherung, Oligarchie und Macht, die sich durch eine Kapitalisierung der Aufmerksamkeit ergeben kann. Das zeigt Trump eindrücklich, und Elon Musk hat neofaschistische Memes zum Markenkern von X.com gemacht.

Andererseits ist das „Leere“ im Netz kein Problem, es lebt von Hype Cycles, Aufregungspunkten oder Ereignissen, die nicht unbedingt „real“ sein müssen. Bei dem, was ich Faschisierung nenne, speist sich der Prozess aus einer Dynamik der Reaktion und Eskalation. Sie produziert ständig neues Reaktionsmaterial, das die Dynamik weiter antreibt. Autoren wie Lucie Varga, Leo Löwenthal oder Walter Benjamin haben übrigens Ähnliches für faschistische Propaganda der 1920er- bis 1940er-Jahre konstatiert: Die Inhalte oder die Ideologie sind fast beliebig, die Dynamik des Reaktionären und das gemeinsame Phantasma sind wichtiger.

netzpolitik.org: Wir müssen uns die Faschisierung also wie ein Perpetuum mobile vorstellen?

Simon Strick: Zumindest als etwas, das eine starke Eigendynamik hat, die sich immer weiter selbst antreibt. Das ist mein Vorschlag, um zu erklären, warum große Teile der politischen Öffentlichkeit sich mitreißen lassen, die nicht ohne weiteres als rechtsextrem klassifizierbar sind. Im Buch nenne ich das: Es gibt mehr Faschisierung als es Faschisten gibt. Aus meiner Sicht ist das ein massives Problem unserer Gegenwart.



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KW 42: Die Woche, in der Europa Palantir auf die Finger schaut


Liebe Leser:innen,

diese Woche bin ich sehr zuversichtlich. Das liegt an einer großen Recherche-Kooperation mit Kolleg:innen aus vielen europäischen Ländern. Gemeinsam haben wir diese Woche veröffentlicht, wo überall in Europa das US-Unternehmen Palantir Verträge mit Regierungen hat – und wo sich Staaten wegen unterschiedlicher Bedenken von dem Anbieter abwenden.

Es geht mir bei meiner Freude gar nicht so sehr darum, was im Text steht. Mich erfreut besonders, was möglich ist, wenn Journalist:innen aus 18 verschiedenen Staaten zusammenarbeiten. In den vielen Wochen, die vor der Veröffentlichung lagen, fragten die Kolleg:innen immer wieder bei ihren Regierungen und Ministerien nach, verschickten zahllose Presse- und Informationsfreiheitsanfragen. Sie ließen nicht locker, auch wenn es zäh wurde. Und so trugen sie jede Menge Informationen zusammen, schon in der Recherchephase erschienen allerortens immer wieder Ausschnitte aus dem, was sie herausfanden. Manche Neuigkeit kam auch erst kurz vor der Deadline. So erfuhren wir alle kurz vor Redaktionsschluss, dass in Spanien der einzige Vertrag mit Palantir wohl nicht verlängert werden soll.

So ergab sich Stück für Stück ein Bild. Wir trugen zusammen, was die verschiedenen Regierungen für Palantir-Software ausgaben und ‑geben. Das sind dann mal 25 Millionen Euro in Baden-Württemberg und 6,2 Millionen Euro in Italien. Einzeln wirkt das nicht wie ein Riesenbetrag. Aber wenn man alles zusammenwirft, kommen rund 1,4 Milliarden Euro dabei heraus – mindestens, denn einige Regierungen wollen keine Kosten offenlegen.

Diese Informationen kann keine Person alleine zusammensuchen. Dafür braucht es ein großes Team aus findigen Rechercheur:innen, die genau wissen, wie sie die Informationen im eigenen Land am besten herausfinden. Aber die harten Zahlen sind nicht das einzige, was ich an der Kooperation sehr zu schätzen gelernt habe.

Alles netzpolitisch Relevante

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Es erleichtert die eigene Arbeit ungemein, wenn man genau weiß, dass es für jede Region eine kundige Ansprechpartnerin gibt. Wenn man ganz mitbekommt, wie die Diskussionen um Palantir in den verschiedenen Ländern laufen – nicht nur aus leidlich automatisiert übersetzten Nachrichtenmeldungen, sondern von den Experten für genau dieses Thema. Und wenn Konkurrenz keine Rolle spielt, sondern alle gemeinsam daran arbeiten, möglichst viele Informationen ans Licht zu bringen und die Puzzleteile zusammenzusetzen. Davon braucht es mehr. Denn die meisten der Themen, zu denen wir recherchieren, der Unternehmen, die wir beleuchten, sie reichen weit über ein einzelnes Land hinaus. Daher geht ein großer Dank an die Kolleg:innen der Investigativ-Plattform Follow The Money, die unsere Recherche geleitet und koordiniert haben.

Ganz am Ende einer Kurzübersicht im Text, der bei Follow The Money erschien, findet sich übrigens ein unscheinbarer Hinweis: „Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Reihe“. Und ich glaube auch: Das war sicher nicht der letzte Teil.

Viele Grüße

anna



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