Künstliche Intelligenz
KI enttäuscht bislang die CEO-Hoffnungen
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz bringt in vielen Unternehmen bislang kaum messbare Ergebnisse, stellt die Beratungsgesellschaft PwC in einer weltweiten Umfrage unter Spitzenmanagern fest. So hätten in Deutschland gerade einmal 11 Prozent der befragten CEOs von höheren Umsätzen durch KI berichtet, global seien es 29 Prozent. 16 Prozent aus Deutschland sprachen wiederum von gesunkenen Kosten dank KI, weltweit seien es 26 Prozent.
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Global gesehen sei es demnach auch nur 12 Prozent gelungen, mit KI sowohl mehr Umsatz zu generieren als auch Kosten zu sparen. In Deutschland seien das sogar nur zwei Prozent gewesen. Mehr als die Hälfte der weltweit befragten CEOs (56 Prozent), in Deutschland sogar zwei Drittel, sehen bislang also keine besseren Geschäftsergebnisse durch die in ihren Unternehmen geschaffenen KI-Grundlagen und Pilotprojekte.
Erwartungen und Realität
„Die Ergebnisse zur KI-Adoption zeigen eine Diskrepanz zwischen hohen Erwartungen und einer ernüchternden Realität. Wir sehen eine große Bereitschaft, in KI zu investieren – aber nur eine kleine Minderheit von Unternehmen erzielt damit auch messbare Ergebnisse. Besonders rar ist noch die Fähigkeit, sich mithilfe von KI vom Wettbewerb zu differenzieren, neue Erlösquellen zu erschließen und dadurch zu wachsen“, kommentierte PwC-Deutschland-Chefin Petra Justenhoven das Ergebnis des 29. Global CEO Survey, für den PwCs Angaben nach über 4400 CEOs aus 95 Ländern befragt wurden.
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Eine Studie der Berater von Boston Consulting kam im vergangenen Jahr bereits zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach hätten 60 Prozent von rund 1250 befragten Unternehmen praktisch keinen materiellen Mehrwert erzielt und trotz erheblicher Investitionen in KI nur minimale Umsatz- und Kosteneinsparungen erreicht. Weitere 35 Prozent hätten ihre Bemühungen verstärkt und auch einige Erfolge erzählt, aber eingeräumt, dass sie nicht weit genug oder schnell genug vorankommen. Und nur fünf Prozent würden einen KI-Mehrwert im großen Maßstab erzielen.
Doch keine Wunderwaffe?
Die Frage ist, woran das liegt. KI sei keine Wunderwaffe, erklärte PwC-Berater Nico Reichen. „Ohne eine verlässliche Datenbasis und ein skalierbares Fundament bleiben Initiativen unter dem Deckmantel vereinzelter Use Cases oberflächlich und wirkungslos. Wer Transformation ernst meint, muss zuerst die Hausaufgaben machen – sonst wird KI zum Verstärker bestehender Probleme statt zum strategischen Hebel.“ Neben der Technologie an sich kommt es auf Aspekte wie Datenbereitstellung, ein Entwicklungsplan, ausreichende Investitionen sowie Firmenkultur und Talentgewinnung an.
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Ob die halluzinationsanfällige generative KI an sich vielleicht gar geeignet ist, die erhoffte Produktivrevolution zu entfesseln, scheint für die Berater aber keine Frage zu sein. Vielmehr sollten sich Unternehmen weiter auf die KI-Umsetzung konzentrieren und nicht zögern, Deutschland sei ohnehin schon langsamer als andere Länder. „Die Zeit drängt. 2026 könnte das Schlüsseljahr werden, in dem die KI-Vorreiter den Rest des Feldes hinter sich lassen“, sagte PwC-Deutschlandchefin Petra Justenhoven dem Handelsblatt.
(axk)