Künstliche Intelligenz
KI-Rechenleistung aus dem Vorgarten: Start-up setzt auf dezentrale Server
Ein kalifornisches Start-up-Unternehmen namens SPAN will den immensen Bedarf an KI-Rechenleistung mit einem dezentralen Konzept begegnen. Privathaushalte sollen hierfür weiße Boxen an ihre Hauswände hängen. Der Strombedarf wird damit großflächig verteilt und den Hausbesitzern winken finanzielle Vorteile. Noch in diesem Jahr soll ein Pilotprojekt mit 100 Haushalten beginnen.
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Die Geschäftsidee soll das Problem des schleppenden Ausbaus von KI-Rechenzentren lösen. Diese benötigen geeignete Flächen und vor allem einen ausreichend dimensionierten Anschluss ans Stromnetz, was aufgrund von Engpässen und der hohen Nachfrage inzwischen schon zu jahrelangen Wartezeiten beim Netzanschluss führt.
Hinzu kommt, dass sich in den USA und in anderen Ländern zunehmend Widerstand gegen neue Rechenzentren regt. Anwohner fürchten unter anderem Beeinträchtigungen ihrer Stromversorgung – zu Recht, denn Experten warnen, dass die Kosten für den Netzausbau letztlich bei den Verbrauchern landen. In den USA versuchte etwa Maine als erster Bundesstaat, den Ausbau von Rechenzentren zu beschränken – allerdings stoppte die Gouverneurin das Vorhaben per Veto.
Brachliegende Netzkapazität nutzen
Das Konzept der „Distributed Data Center Solution“ des Start-ups aus San Francisco sieht hingegen vor, tausende von dezentral verteilten kleinen Serverschränken zu einer Gesamtrechenleistung zusammenzuschalten. Die flüssiggekühlten Einheiten sollen außen an Häusern montiert und mit in den in jeweiligen Wohngebieten ungenutztem Netzpotenzial sowie Solarstrom betrieben werden. Laut Erhebungen des Anbieters würden im Schnitt nur 40 Prozent der Spitzenlastkapazität genutzt.
Hausbesitzer profitieren von einem günstigen Pauschalpreis für Strom und Internet in Höhe von 150 US-Dollar pro Monat. Bei Nodes mit besonders hohem Nutzwert können Hausbesitzer sogar kostenlos Strom und Internet erhalten. Die Installation übernimmt SPAN und verkauft die Rechenleistung an KI-Kunden.
Erster größerer Test in der zweiten Jahreshälfte
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Jeder Node enthält Dell-PowerEdge-Server mit 16 Nvidia-RTX-PRO-6000-Blackwell-GPUs, 4 AMD-EPYC-CPUs und 3 TB RAM, verbunden über einen 24-Port-Gigabit-Switch. Hyperscaler und KI-Cloud-Anbieter können auf das verteilte Netzwerk genauso wie auf ein klassisches Rechenzentrum zugreifen.
Ob das Konzept tatsächlich aufgeht, muss sich indessen noch zeigen. Bislang wurde es nur in einem Haus erprobt. In der zweiten Jahreshälfte 2026 sind zunächst Erprobungen mit 100 Haushalten geplant. Schon 2027 könnte der großflächige Ausbau erfolgen, etwa in Kooperation mit Bauunternehmen.
Günstiger als klassische Rechenzentren?
Für Abnehmer der Rechenleistung soll sich das verteilte Netzwerk rechnen: Das Unternehmen verspricht einen sechsmal schnelleren Ausbau von Rechenleistung zu einem Fünftel der Kosten eines vergleichbaren zentralen 100-Megawatt-Rechenzentrums. Konkret würde dies rund 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt kosten und dessen Bau drei bis fünf Jahre dauern. Mit 8000 Haushalten könnte die gleiche Rechenleistung auch in etwa einem halben Jahr für nur 3 Millionen US-Dollar pro Megawatt erreicht werden.
Die Verknüpfung von Wohnen und Rechenzentren ist nicht neu. Auch auf dem Meer wird nach Alternativen gesucht: Das Start-up Panthalassa etwa will schwimmende Rechenknoten mit Wellenenergie betreiben. Bislang geht es dabei aber vor allem um die Nutzung der Abwärme zum Beheizen von Häusern. In Finnland etwa sollen 250.000 Haushalte von der Abwärme eines Microsoft-Rechenzentrums profitieren. In Großbritannien hat das Start-up Heata Cloud-Server in Privathäusern installiert, deren Wärme in Warmwasserspeicher abgeleitet wird. Hausbesitzer erhalten kostenloses Warmwasser.
(mki)