Künstliche Intelligenz
Leben und spielen lassen: Die fünf besten „James Bond“-Games
James Bond, der Mann, der im Geheimdienst ihrer Majestät Dr. No jagt, in tödlicher Mission nur zweimal lebt und im Angesicht des Todes ein Quantum Trost findet, macht all dies und noch sehr viel mehr in Buch-, Comic-, Film- und Videospielform bereits seit über 0070 Jahren. Schon in wenigen Tagen wird mit „007 First Light“ ein neues Spiel in der legendären Serie veröffentlicht – ein guter Grund, mal in der Historie ebendieser Serie zu wühlen und fünf der besten Spiele ins Scheinwerferlicht zu stellen. Pardon, in den Feuerball.
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Eigentlich geht Mr. Geschüttelt-nicht-gerührt bereits seit dem 1982er-Textadventure „Shaken But Not Stirred“ auf interaktive Bösewichterjagd. Aber das war eher ein Fanprojekt des Solo-Entwicklers Richard Shepherd. Das erste hochoffizielle Bond-Spiel erschien erst knapp zwei Jahre später auf damals aktuellen 8-Bit-Systemen wie Atari 2600 oder C-64, hieß schlicht „James Bond 007“ und war eine simple Mischung aus Shooter und Plattformer. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte wurden die Spiele um den Meisterspion aber natürlich immer ausgefeilter und abwechslungsreicher.
Platz 5: James Bond 007: The Duel (1993)
Timothy Daltons Karriere als 007 war vergleichsweise kurz, beschränkte sich nur auf zwei Filme („Der Hauch des Todes“, 1987, und „Lizenz zum Töten“, 1989) und war 1993 schon lange vorbei. Zu diesem Zeitpunkt herrschte noch ein Bond-Vakuum, Pierce Brosnan sollte die berühmte Rolle erst zwei Jahre später übernehmen. Insofern war es also nicht verwunderlich, dass Mr. Dalton sein markantes Gesicht für „James Bond 007: The Duel“ noch einmal hergeben musste. Und zwar genau das, das man schon vom „Lizenz zum Töten“-Filmposter kannte.
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Paul Kautz
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Ebendieses Spiel, entwickelt von der Mini-Firma „The Kremlin“ (die im Wesentlichen aus dem Programmierer/Designer Paul Margrave sowie vier Grafikern bestand), vertrieben von Domark und erschienen auf Segas Mega Drive, Master System und Game Gear, ist keine typische Bond-Ballerei, sondern eine fesselnde Mischung aus Action und Erkundung: Als Bond rennt und springt man durch vier Levels, befreit entführte Blondinen und gebietet den Plänen des durchgeknallten Dr. Gravemar Einhalt, während man sich mit der guten alten Walther PPK vertraute Bösewichter wie Beisser oder Oddjob vom Hals hält.
Platz 4: James Bond 007: Nightfire (2002)
Im November 2002 erschien „Stirb an einem anderen Tag“, der letzte Film, in dem Pierce Brosnan die Rolle des James Bond übernahm. Gleichzeitig stand auch ein offizielles Bond-Spiel in den Läden, das sein bekanntes Agentengesicht zeigte – aber das war, anders als „GoldenEye“ (1997), „Tomorrow Never Dies“ (1999) und „The World Is Not Enough“ (2000), kein offizielles Spiel zum Film, sondern ein eigenständiges Abenteuer namens „James Bond 007: Nightfire“. Das folgerichtig auch nichts mit der Handlung des Films zu tun hat, sondern seine eigene Geschichte erzählt. Die aber natürlich nicht sonderlich vom üblichen Bond-Schema abweicht und sich um den durchgeknallten Industriellen Raphael Drake dreht, der die Menschheit von seiner Raumstation aus mit Nuklearwaffen bedroht.
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Paul Kautz
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„Nightfire“ bietet zehn zum Teil sehr lange Levels lang eine reizvolle Mischung: Jede Menge Ego-Shooter-Action mit einem knappen Dutzend durchschlagskräftiger Waffen. Interessante Gadgets aus dem Q-Lab wie den Elektroschocker-Autoschlüssel, das Fotoapparat-Feuerzeug oder die Röntgenblick-Sonnenbrille mit selektivem Bond-Bonus. Und noch coolere Vehikel-Levels, zumindest in den (ohnehin deutlich empfehlenswerteren) Konsolenversionen.
Platz 3: From Russia With Love (2005)
Mit dem 2004 veröffentlichten „James Bond 007: Everything or Nothing“ setzte Electronic Arts einen fulminanten Schlussstrich auf die Brosnan-Ära: Der vom internen Team „EA Redwood Shores“ (später umbenannt in „Visceral Games“) entwickelte Shooter verabschiedete sich von der die vorherigen Spiele beherrschenden Ego-Perspektive und präsentierte Herrn Bond stattdessen aus einer Außenperspektive, die die atemlose Action sehr ansehnlich in Szene setzte.
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Paul Kautz
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Nur ein Jahr später wurde das gleiche System noch einmal genutzt, um eine spielbare Reise in die Vergangenheit zu machen – genauer gesagt zurück ins Jahr 1963, zum zweiten Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“ (Original: „From Russia With Love“). Das Spiel nutzt ihn als Basis für Szenario und Figuren, erweitert beides im Laufe der 14 Levels (plus Bonusabschnitte) aber erheblich. So gibt es jetzt zum Beispiel eine neue Feindes-Organisation (OCTOPUS statt SPECTRE), den Aston Martin DB5 aus dem Film „Goldfinger“ (1964) oder das Jetpack aus „Feuerball“ (1965).
„From Russia With Love“ (erschienen auf Xbox, PlayStation 2, GameCube und PlayStation Portable) ist einmal mehr ein furioses Actionfest, das darüber hinaus mit der neu aufgenommenen Originalstimme von Sean Connery auch noch einen seltenen Authentizitätsbonus bietet.
Platz 2: James Bond 007: Blood Stone (2010)
Obwohl gerade die ersten beiden Daniel-Craigs-Bonds „Casino Royale“ (2006) und „Ein Quantum Trost“ (2008) sehr viel Action boten, erhielten sie keine eigenen Spiele. Stattdessen gab es mit dem 2008er „Quantum of Solace“ eine Art Mischmasch, das zwischen beiden Filmen spielte und einzelne Szenen aus beiden zum Teil deutlich erweiterte. Kein schlechtes Spiel, aber auch echt kein gutes.
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Paul Kautz
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Das folgte dann 2010 mit „James Bond 007: Blood Stone“, das aber schon wieder nicht auf einem Film basierte, sondern sein eigenes Süppchen kochte. Bemerkenswert an diesem Spiel war, dass es aus dem Hause Bizarre Creations stammte – einem britischen Entwicklungsstudio, das vor allem für seine zum Teil exzellenten Rennspiele der „Project Gotham Racing“-Serie berühmt war.
Kein Wunder also, dass „Blood Stone“ über einige ganz hervorragende Fahrszenen in diversen Aston-Martin-Modellen verfügt. Dazu gibt es noch zum Teil wunderbar brachial inszenierte Fern- und Nahkampf-Action, abermals präsentiert aus der Schulterperspektive und akustisch begleitet von einigen der damaligen Bond-Originaldarsteller, allen voran Daniel Craig und Judi Dench.
Platz 1: GoldenEye 007 (1997)
„GoldenEye 007“ war schon zu seinem ursprünglichen Erscheinen ungewöhnlich: Denn es war das offizielle Spiel zum Film „GoldenEye“, dem Einstand von Pierce Brosnan als James Bond. Dieser Film erschien allerdings 1995, während das Spiel erst zwei Jahre später in den Regalen stand. Und dann auch noch exklusiv ausgerechnet für das N64, der Familienkonsole von Nintendo mit dem bizarren Trident-Controller. Die Logik des Marktes diktierte eigentlich, dass dieses Spiel hätte untergehen müssen wie die Kauleiste von Beisser.
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Paul Kautz
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Da war ein Defekt in der Logik. Denn dieses von Rare in etwa zweieinhalb Jahren entwickelte Spiel sollte zum Megahit und einem der Must-Have-Titel fürs N64 werden, sich mehr als acht Millionen Mal verkaufen, dem bis dahin im Großen und Ganzen den Heimcomputern vorbehaltenen Ego-Shooter den Weg auf die Konsolen ebnen – und den lokalen Mehrspielerspaß in den Kinderzimmern dieser Welt auf alle Zeiten neu definieren. In den meisten zumindest. Denn in Deutschland wurde das Spiel am 18. März 1998 durch die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften als „ein äußerst brutales Spiel, dessen wesentlicher Inhalt in dem detailfreudig gezeigten Töten von Menschen besteht“ eingestuft, das „auf Kinder und Jugendliche verrohend“ wirke, und vom Markt wegindiziert werden müsse. Was dann direkt geschah und bis zum 29. Oktober 2021 auch so blieb.
Klar, die Zeiten, als das hier Gezeigte als „wie in echt!“ klassifiziert wurde, sind lange vorbei. Und Mehrspielerregeln wie „Keiner guckt dem anderen auf den Bildschirm! Und niemand nimmt Oddjob!“ müssen im Zeitalter von Online-Gefechten auch nicht mehr aufgestellt werden. Und dennoch kann man beim Spielen selbst heute noch, fast 30 Jahre nach seiner Ursprungsveröffentlichung, spüren, wieso „GoldenEye 007“ bei den meisten Fans nach wie vor als das beste Bond-Spiel aller Zeiten gilt. Es hat einfach den Goldfinger.
(dahe)