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Möglichkeiten übertrieben dargestellt: Anthropic wegen zu geringer Limits bei Claude Max verklagt
Anthropic sieht sich wegen seiner teuersten KI-Abonnements mit einer Klage konfrontiert. Ein Nutzer in den USA wirft dem Unternehmen in seiner Klage vor, die tatsächlichen Nutzungsmöglichkeiten der hochpreisigen Claude-Max-Tarife deutlich zu überschätzen und Kunden über die realen Limits in die Irre zu führen.
Nutzerlimits zu gering
In der Klage, über die das Wall Street Journal (Paywall) berichtet und die Karl Kahn vor dem Bundesgericht im Northern District of California gegen Anthropic eingereicht hat, beantragt der Kläger die Zulassung als Sammelklage (Class Action). Betroffen sind Kunden der Tarife „Claude Max 5x“ und „Claude Max 20x“, die seit April 2025 angeboten werden und monatlich 100 beziehungsweise 200 US-Dollar kosten. Laut Klageschrift erwecke Anthropic den Eindruck, dass die beiden Max-Tarife eine fünf- beziehungsweise zwanzigfach höhere Nutzung gegenüber dem Pro-Abo ermöglichen. Tatsächlich seien die realen Nutzungsmöglichkeiten jedoch nur schwer nachvollziehbar und lägen nach Kahns Darstellung deutlich unter den beworbenen Werten.
Als Beleg führt die Klageschrift unter anderem E-Mails an, die Anthropic im Juli 2025 an seine Abonnenten verschickt und darin konkrete Schätzungen zum wöchentlichen Nutzungsvolumen verschiedener Claude-Modelle genannt haben soll. Nach Angaben von Kahn weichen die tatsächlich verfügbaren Limits jedoch erheblich von diesen Schätzungen ab.
Kahn erklärt, Claude zunächst ausschließlich privat genutzt zu haben, bevor er das KI-Modell intensiv für Programmierarbeiten einsetzte. Deshalb wechselte er im April 2026 in den Tarif „Claude Max 20x“, stellte nach eigenen Angaben jedoch schnell fest, dass er regelmäßig an die von Anthropic festgelegten Wochenlimits stieß. Bereits eine fünfstündige Arbeitssitzung habe demnach 15 Prozent seines gesamten Wochenkontingents verbraucht.
Nutzer sollen zusätzliche Kapazitäten erwerben
Die Klage wirft Anthropic vor, Nutzer faktisch dazu zu zwingen, ihre Arbeit zu unterbrechen, ihren Verbrauch zu rationieren oder zusätzliche Kapazitäten zu erwerben. Darüber hinaus fordert Kahn die Rückerstattung zu viel gezahlter Entgelte sowie die gerichtliche Feststellung, dass Anthropic seine Tarife in betrügerischer beziehungsweise irreführender Weise gestaltet habe.
Anthropic hat eine Stellungnahme bisher abgelehnt.
Ganze KI-Branche hat mit knappen Ressourcen zu kämpfen
Der Fall könnte über Anthropic hinaus Bedeutung für die gesamte Branche erlangen. Die Klage verdeutlicht eine Entwicklung, die sich seit längerem abzeichnet: Viele KI-Anbieter investieren massiv in Infrastruktur und Rechenleistung, nur wenige erreichen jedoch die Gewinnzone und können die hohen Kosten refinanzieren. Das sorgt inzwischen auch bei Investoren für wachsende Nervosität, da diese perspektivisch Renditen erwarten. Entsprechend stehen die Anbieter unter Druck, zur Kosteneinsparung die vorhandenen Ressourcen auf eine stetig wachsende Nutzerbasis zu verteilen und gleichzeitig höhere Einnahmen zu erzielen, insbesondere durch Premium-Abonnements.
Hinzu kommt, dass Anthropic zuletzt wiederholt mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen hatte. Im April dieses Jahres blockierte der Anbieter daher vorübergehend Drittanbieter-Agenten wie OpenClaw. Damit steht das Unternehmen jedoch nicht alleine da: Nach der Einführung eines neuen Abrechnungssystems und neuer Nutzungslimits sah sich auch Google bei seiner KI-gestützten Entwicklungsplattform Antigravity mit Beschwerden von Kunden konfrontiert, die ihre Nutzungslimits deutlich früher als erwartet erreichten. In der Folge musste der Konzern die Obergrenze innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal verdreifachen. Erst nach einer Woche konnte Google die Ursache identifizieren und den Fehler beheben.