Apps & Mobile Entwicklung
Nvidia GeForce Now App für Linux im Test
Nach einer nativen App für das Steam Deck mit Linux (SteamOS) steht ab sofort auch für Desktop-Linux eine native GeForce Now App bereit. Sie bietet mit dem richtigen Tarif alle RTX-5000-Features und macht, sofern per Cloud-Streaming verfügbar, bis dato ausgesperrte Anti-Cheat-Titel unter Linux spielbar. Ein Erfahrungsbericht.
GeForce Now als native App für Linux
Über ein Jahrzehnt steht Spielern der Game-Cloud-Streaming-Dienst GeForce Now bereits zur Verfügung. Mit dedizierten Apps für verschiedene Endgeräte macht Nvidia das Spielen (fast) unabhängig von der Hardware des Clients möglich – auch auf immer mehr Fernsehern von LG und Samsung. Was lange fehlte, war eine native App für Linux.
Zwar war es auch ohne App bislang unter Linux möglich mit einem kompatiblen Browser GeForce Now zu nutzen. Doch eine native App verspricht mehr Funktionen und vor allem einen einfacheren Umgang – gerade dann, wenn das System mit der App im Autostart zum Spielen am TV genutzt werden soll.
Der Linux-Client startet als Beta
Vor einem Jahr kam dann endlich Bewegung in Nvidias Linux-Anstrengungen: Zur CES 2025 wurde eine App für das Steam Deck angekündigt und im Sommer auch geliefert. Auf der CES 2026 folgte dann die Ankündigung für den nativen Linux-Client. Heute startet er in die Beta.
Fast alle bekannten Features mit an Bord
Dabei werden Auflösungen bis 5K mit 120 FPS oder 1080p mit 360 FPS für unterstützte Spiele möglich. Nutzer von RTX-5000-Grafikkarten erhalten dabei auch die Möglichkeit für einen noch hochwertigeren Stream mit 4:4:4-Chroma-Subsampling, AV1-Streaming gibt es hingegen unter Linux noch nicht.
Circa 2.300 Titel bietet Nvidia über GeForce Now sofort spielbar an. Nutzen können Spieler davon diejenigen, die sie in den bekannten Game-Launchern (Steam, Ubisoft, EA etc.) selbst besitzen – die Launcher werden dafür mit GeForce Now verknüpft. Circa 2.000 weitere Spiele lassen sich mit dem neuen Install-to-Play-Feature spielen, auch hier vorausgesetzt, der Nutzer besitzt den Titel. Ohne Mehrkosten stehen dafür 100 GB Speicher zur Verfügung. Alle Informationen zum aktuellen Stand bei GeForce Now (unter Windows) liefern die folgenden Artikel:
- Nvidia: GeForce Now erhält RTX 5080, höhere Bildqualität und mehr
- GeForce Now App: Native Unterstützung für Desktop-Linux und Fire TV in Kürze
Sicher sein, dass ein Titel über GeForce Now spielbar ist, dürfen sich Nutzer allerdings nie. Denn der Katalog kann wechseln und Publishern steht es frei, ihre Titel von Cloud-Streaming per se auszuschließen. Das ist und bleibt eine Einschränkung. Aber es gibt auch sehr viele Vorteile – auch ganz explizit für Linux.
Mit GeForce Now gegen Linux-Schwächen
Während Linux-Gaming mit Windows-Spielen immer besser läuft (Test), bleiben Kompatibilitätsprobleme je nach eingesetzter Hardware, aber auch Schwierigkeiten mit Anti-Cheat – Fortnite als prominentes Beispiel ist deshalb zum Beispiel raus.
Insbesondere ältere Hardware ohne Vulkan-Unterstützung und damit ohne Möglichkeit moderne Spiele von DirectX in Vulkan zu übersetzen („Proton“), wie es bei vielen Windows-10-Rechnern ohne Windows-11-Upgrade der Fall sein dürfte, ist betroffen. Doch auch Spieler, die zwar von Windows auf Linux wechseln, allerdings nicht auf bestimmte Spiele verzichten möchten, scheuen sich weiterhin. Für beide Probleme verspricht Game-Streaming aus der Cloud eine Lösung zu sein.
Die Systemanforderungen
Da die Last des Renderns bei GeForce Now auf Nvidias Serverfarmen liegt, obliegt es dem Client nur noch die vom Server gelieferten Videodaten zu dekodieren. Entsprechend ist weniger die Leistung des eigenen Systems entscheidend, sondern dessen Feature-Unterstützung:
So verlangt die GeForce Now App für Linux die Fähigkeit H.264- und H.265-Vulkan-Video-Codecs zu verarbeiten. Die Unterstützung sollte in der Regel schon seit Jahren gegeben sein. Nvidia selbst nennt die GeForce-10-Serie als Einstieg an.
In der aktuellen Version ist die GeForce Now App zudem nur für x86-Systeme verfügbar. Sie begnügt sich dabei mit zwei CPU-Kernen (ab 2,0 GHz) und 4 GB RAM. Doch auch die Software ist entscheidend. Für Intel- und AMD-Systeme gibt Nvidia Mesa ab Version 24.2.8 an. GeForce-Grafikkarten benötigen hingegen den Treiber 580.126.09 oder neuer.
Dank Flatpak nicht nur für Ubuntu
Offiziell verlangt Nvidias Linux-Client nach Ubuntu 24.04 LTS. Dennoch sollte die App auf den gängigsten Linux-Distributionen laufen – denn sie basiert auf Flatpak. Wenn also die restlichen Systemanforderungen erfüllt sind und Flatpak aktiv ist bzw. nachinstalliert wurde, lässt sich GeForce Now durch einfaches Ausführen auf dem System installieren. Auch mögliche Abhängigkeiten werden dabei während des Installationsprozesses von Flathub bezogen.
Anschließend muss lediglich der Login mit den eigenen Daten erfolgen, wofür die App allerdings den Standard-Browser aufruft.
Erfahrungsbericht unter Linux
ComputerBase hatte bereits früher über GeForce Now berichtet und sich auch die native GeForce Now App für das Valve Steam Deck angeschaut. Durch sie konnten entscheidende Schwächen des Steam Deck ausgeglichen werden, denn die Leistung des Handhelds spielte keine Rolle mehr und auch die Laufzeit vergrößerte sich deutlich. Neben der besseren Bildqualität und dem modernen Upscaling (DLSS 4.5) sowie Frame Generation konnte GeForce Now auf dem Handheld auch durch die Anti-Cheat-Kompatibilität mehr aus Valves mobiler Linux-Konsole holen.
Keine Probleme mit CachyOS und Wayland
Als Basis für die ersten Gehversuche mit der neuen Linux-App diente CachyOS mit installierter Flatpak-Unterstützung. Auch wenn es sich nicht um die aktuelle Empfehlung für die Verwendung von GeForce Now handelt, verliefen sowohl die Installation als auch die Nutzung problemlos. Auch hat die Redaktion sowohl mit einer Radeon- als auch einer GeForce-Karte die App betrieben. Dabei gab es, wie von Nvidia versprochen, auf der eigenen Karte das bessere Chroma-Subsampling zur Auswahl.
Nvidias Empfehlung für die eigenen Grafikkarten nennt einen 580er-Treiber und X11 als Fenstermanager. Dennoch gelang es im Test auch mit Wayland und einem 590er-Treiber das Spielestreaming zu nutzen. Mehr dazu in einem späteren Abschnitt.
AAA, Raytracing und Anti-Cheat läuft (meist)
Angespielt wurden mehrere Titel, darunter Claire Obscure, Oblivion Remastered, Hogwarts Legacy, Cyberpunk 2077, Final Fantasy XVI und Kingdom Come: Deliverance 2; also alles Spiele, die entweder starke Hardware oder kurze Reaktionszeiten abverlangen. Probleme gab es keine, was direkt Gedankengänge um Windows-freie „Konsolen“-Alternativen auf Mini-PCs wachsen ließ.
Doch zurück zu den getesteten Spielen: Insbesondere das leistungshungrige Raytracing, das beim Spielen von Windows-Spielen unter Linux mit einer GeForce oft 20 bis 30 Prozent Leistung im Vergleich zu Windows kostet, läuft über GeForce Now deutlich schneller. Und aus bis dato unspielbaren Anti-Cheat-Titeln wie Fortnite oder auch F1 25 wird über GeForce Now ein Spielerlebnis. Immer vorausgesetzt, das Spiel ist im Katalog verfügbar.
Anpassung an zu wenig Bandbreite
Während des Testens trat auch ein Problem mit der eigenen Internetanbindung auf, sodass unfreiwillig auch getestet wurde, wie sich GeForce Now mit reduzierten Downstream-Kapazitäten schlägt: GeForce Now versucht die verfügbare Bandbreite bestmöglich zu nutzen und überlässt es dabei dem Spieler vorzugeben, ob diese für Bildqualität oder Latenz genutzt werden soll. Wer auf Grafikqualität verzichtet, kann selbst mit schwacher Internetleitung mit kaum merklicher Latenz spielen.
Noch fehlt etwas Feinschliff
Insgesamt funktioniert GeForce Now für Linux mit der nativen App als Beta bereits gut. Dennoch gibt es einige Punkte, welche die Entwickler noch angehen sollten.
Das fängt bei der Zweiklassengesellschaft im Bereich der Fenstermanager an. Während für AMD- und Intel-Grafikkarten Wayland empfohlen wird, empfiehlt Nvidia für die eigenen GeForce-Grafikkarten noch X11.
Auch von anderen Versionen der App bekannte Features fehlen noch. So gibt es aktuell keine Unterstützung für den AV1-Codec. Auch HDR bereitet noch Probleme und Cloud-GSync fehlt ebenfalls. Insgesamt dürften die Einschränkungen allerdings nur bei den wenigsten Spielern zum Problem werden.
Drei Tarife zur Auswahl
Wer in GeForce Now einsteigen möchte, hat die Wahl zwischen drei Tarifen, der Zugang ist an keine Plattform gebunden.
Free, Performance und Ultimate stehen zur Verfügung, wobei Free – wie der Name bereits suggeriert – kostenlos mit Werbung zur Verfügung steht. Dafür ist die Spielzeit und Auflösung begrenzt und auch der Spielkatalog umfasst nur etwa die Hälfte der Titel (kein Install-to-Play). Ebenfalls begrenzt ist die Leistung der zur Verfügung stehenden Hardware.
Mehr Spiele, Leistung, RTX und Auflösung gibt es mit dem Performance-Modell für 10,99 Euro im Monat. Dabei entfällt nicht nur die Werbung, auch steigt die Auflösung von 1080p auf 1440p. Spielsitzungen können ganze 6 Stunden andauern – im Gegensatz zu einer Stunde im Free-Modell.
Für 21,99 Euro steigt die Leistung und damit die Grafikqualität des Streams deutlich an. Gerendert wird nämlich mit der Leistung einer RTX 4080. 4K-Auflösung und 240 FPS sind möglich. Auch lässt sich zwei Stunden mehr am Stück spielen als mit Performance. Als Besonderheit gibt es in ausgewählten Spielen auch RTX-5080-Performance, wobei dadurch bis zu 5K-Auflösung, 360 FPS und DLSS 4 inklusive Multi-Frame-Generation möglich sind.
Neu seit 1. Januar ist, dass fast alle Nutzer von GeForce Now und damit erstmals auch Bestandskunden ein monatliches Stundenlimit für den Streaming-Service haben.
Bis jetzt galt dies nur für Registrierungen nach dem 1. Januar 2025. 100 Stunden können maximal im Monat gespielt werden. Sowohl für das Ultimate- als auch für das Performance-Abo gilt dieser Wert, gegen einen Aufpreis kann die Stundenanzahl auch erweitert werden. Mitglieder mit dem „Founders Status“, also die ersten Nutzer der Plattform überhaupt, sind von dieser Änderung nicht betroffen, sofern sie dauerhaft aktiv waren.
Fazit
Eine GeForce Now App für Linux ist nur konsequent, nachdem Nvidia im vergangenen Jahr das Steam Deck versorgt hatte. Auf dem Linux-Handheld kann Game-Streaming auch anspruchsvolle Spiele, oder längere Sessions im WLAN ohne Ladekabel möglich machen. Auf dem Linux-Desktop dürften Nutzer eher aufgrund von Kompatibilitätsproblemen oder Anti-Cheat-Inkompatibilitäten auf den Dienst schielen.
Denn wer zwar zur Linux wechseln möchte, aber Aufgrund von Anti-Cheat- oder anderer Kompatibilitätsprobleme nicht wechseln kann, findet in GeForce Now – gegen Gebühr – eine potenzielle Lösung – sofern das Spiel im Katalog ist. Ebenfalls profitieren Windows-10-Umsteiger, deren Rechner nicht mehr für Windows 11 geeignet sind – und dabei oft auch nicht mehr genug Leistung für moderne AAA-Spiele haben.
Insgesamt ist die Umsetzung der App schon zum Start der Beta gelungen. Die Installation der App ist dank Flatpak einfach möglich und mit fast jeder Linux-Distribution kompatibel – wenn die anderen Systemvoraussetzungen erfüllt sind. Wenn jetzt noch die fehlenden Features nachgereicht werden, könnte für viele Spieler eine weitere Hürde auf dem Weg hin zu Linux genommen sein. Die Abo-Pille muss man dafür allerdings schlucken.
ComputerBase hat die GeForce Now App für Linux vorab von Nvidia unter NDA zum Testen erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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