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OpenAI und Anthropic meiden Markt: Microsoft ist Chinas Hauptlieferant von OpenAI-Modellen
Microsoft hat sich zum wichtigsten Vertriebspartner von OpenAI in China entwickelt. Da dieser selbst nicht in den chinesischen Markt expandieren will, verkauft der Konzern GPT-Modelle über Azure an einige der größten Internetkonzerne. Zudem profitiert Microsoft auch in anderer Hinsicht, doch das Geschäft ist nicht unumstritten.
Microsoft einziger US-amerikanische KI-Anbieter in China
Dies geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor. Da neben Anthropic auch OpenAI den chinesischen Markt zum Schutze geistigen Eigentums und zur Vermeidung von Missbrauch nicht direkt bedienen will, hat Microsoft diese Rolle inzwischen übernommen. Grundlage dafür sind die exklusiven Vereinbarungen mit OpenAI, die dem Konzern erlauben, GPT-Modelle international zu eigenen Bedingungen zu vertreiben – und damit auch in China. Da auch Anthropic keine direkten Geschäfte im Land betreibt, ist Microsoft derzeit der einzige US-amerikanische Anbieter, der diese Modelle dort kommerziell anbietet.
Damit konnte sich Microsoft einen großen Markt erschließen, zu dem zahlungskräftige Kunden wie ByteDance, Tencent, Meituan und die Ant Group zählen. Letztere gibt allerdings an, eigene Modelle zu entwickeln und bei ihren Kernprodukten nicht auf externe Systeme angewiesen zu sein. Für Microsoft scheint sich das Risiko dennoch auszuzahlen: Allein mit ByteDance soll der Konzern inzwischen mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Jahr mit KI- und Cloud-Diensten umsetzen. Das China-Geschäft entwickelt sich somit für den Softwarekonzern bereits seit geraumer Zeit zu einem Wachstumstreiber: Der Umsatz mit Azure-KI-Modellen in China soll sich im Geschäftsjahr bis Juni 2025 verdreifacht haben, nachdem er im Vorjahr bereits um 400 Prozent gestiegen war. Im Jahr 2024 entfielen rund 1,5 Prozent des Gesamtumsatzes auf das China-Geschäft.
China hat keinen direkten Zugriff auf Rechenzentren
Das Geschäft in China bleibt für Microsoft jedoch nicht frei von Spannungen. OpenAI soll das Unternehmen intern dazu gedrängt haben, stärker gegen das sogenannte „Distilling“ vorzugehen, bei dem die Fähigkeiten eines KI-Modells genutzt werden, um ein anderes Modell mit ähnlichen oder besseren Fähigkeiten zu entwickeln. OpenAI sieht darin die Gefahr, dass chinesische Unternehmen oder staatliche Stellen Wissen gewinnen könnten, das sich für die Entwicklung eigener KI-Systeme einsetzen lässt. Bereits im Februar dieses Jahres hatte Anthropic den chinesischen KI-Startups DeepSeek, Moonshot und MiniMax vorgeworfen, unrechtmäßig den Output von Claude zu nutzen, um Vorteile beim Training und Entwickeln eigener Modelle zu erhalten. Bereits ein Jahr zuvor hatte OpenAI den gleichen Vorwurf gegenüber DeepSeek geäußert.
Microsoft verweist hingegen auf automatisierte Kontrollen und darauf, ausschließlich mit etablierten Unternehmen zusammenzuarbeiten. Eine besondere Überwachung chinesischer Kunden soll es jedoch nicht geben. Gleichzeitig scheint sich Microsoft der Risiken bewusst zu sein: OpenAI-Modelle werden nicht in China selbst gehostet, stattdessen greifen chinesische Kunden auf Rechenzentren außerhalb des Landes zu, etwa in Singapur.
Beidseitiges Interesse
Microsoft profitiert auch in anderer Hinsicht vom China-Geschäft. Während der Konzern amerikanische OpenAI-Modelle nach China verkauft, bringt er zugleich chinesische Modelle in westliche Unternehmen. So wurde 2025 unter anderem DeepSeek R1 in Azure AI Foundry integriert. Darüber hinaus soll Microsoft eine angepasste, auf Azure gehostete Version von DeepSeek-V4 als kostengünstigere Option für Copilot Cowork testen.
Ob Microsoft das China-Geschäft langfristig ohne größere Einschränkungen fortführen kann, bleibt abzuwarten. In der US-Regierung wächst die Sorge über Chinas KI-Ambitionen, wodurch auch die China-Aktivitäten des Unternehmens zunehmend umstritten sind. Gleichzeitig könnte OpenAI zusätzlichen Druck auf seinen Vertragspartner ausüben. Derzeit dürfte das China-Geschäft allerdings für Microsoft weiterhin einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz darstellen.