Künstliche Intelligenz
Over-Ear-Kopfhörer Nothing Headphone A: Rekord-Akku & tolles ANC für 159 Euro
Nothing bringt mit dem Headphone A eine günstigere Variante seines transparenten Over-Ear-Kopfhörers. Weniger Alu, mehr Akku – und ein Preis, der die Konkurrenz nervös machen dürfte.
Nothing hat mit dem Nothing Headphone 1 (Testbericht) bewiesen, dass der Smartphone-Hersteller auch Kopfhörer kann. Jetzt folgt die budgetfreundliche Variante: Der Nothing Headphone A kostet mit 159 Euro ziemlich genau die Hälfte der UVP des Flaggschiffs und verzichtet dafür auf Aluminium-Gehäuse, KEF-Tuning und Head-Tracking. Dafür gibt es eine geradezu absurde Akkulaufzeit von bis zu 135 Stunden und 19 Gramm weniger auf dem Kopf.
Die Frage ist: Wie viel Headphone 1 steckt wirklich im kleinen Bruder – und reicht das, um gegen etablierte Mittelklasse-Konkurrenten wie den Earfun Tune Pro (Testbericht) für 80 Euro zu bestehen? Wir machen den Test.
Design
Nothing bleibt sich treu: Auch der Headphone A setzt auf das charakteristische Transparent-Design mit sichtbaren inneren Komponenten hinter rechteckigen Fensterbereichen. Optisch ähnelt er dem Headphone 1 deutlich – man erkennt die Verwandtschaft sofort. Der Unterschied liegt im Material: Statt Aluminium kommt beim A weitgehend Kunststoff zum Einsatz, auch beim Bügel. Das spart Gewicht und Kosten, nimmt dem Kopfhörer aber etwas von der Premium-Anmutung des großen Bruders. Der schicke Kontrast zwischen matten und glänzenden Kunststoff-Elementen sorgt trotzdem für eine ansprechende Optik.
Erhältlich ist der Headphone A in Schwarz, Weiß, Pink und als limitierte Edition in Gelb. Die Farben beschränken sich dabei hauptsächlich auf die runden Kappen an den Ohrmuscheln – der Rest bleibt weiß-grau. Nur beim schwarzen Modell ist auch der Rest schwarz.
Nothing Headphone A Bilder
Verarbeitung
Die Verarbeitung überzeugt für die Preisklasse. Trotz des fast vollständigen Kunststoff-Einsatzes klappert nichts, die Scharniere sind mit etwas Metall verstärkt. IP52-Schutz gegen Staub und Spritzwasser macht den Kopfhörer schweiß- und spritzwassergeschützt – ein Vorteil gegenüber dem Sony WH-1000XM6 (Testbericht), der nach wie vor ohne IP-Rating auskommen muss.
Beim Gleit-Mechanismus des Kopfbügels zeigt sich allerdings der Preisunterschied zum Flaggschiff: Er hakelt etwas und gleitet spürbar weniger geschmeidig. Die Ohrmuscheln drehen sich um 90 Grad für die Nacken-Trageposition, zusammenklappen lassen sie sich nicht.
Das mitgelieferte Etui ist ein einfacher Stoffbeutel aus recyceltem Material mit Innentrenner. Funktional, aber weit entfernt vom Hartschalen-Case des Headphone 1. Wer seinen Kopfhörer im Rucksack vor Druckstellen schützen will, sollte sich nach einer Alternative umsehen.
Komfort
Mit 310 Gramm ist der Headphone A spürbar leichter als sein großer Bruder. Erstaunlich, was knapp 20 Gramm weniger ausmachen können – bei langen Sessions fällt der Unterschied auf. Die großen, tiefen Memory-Foam-Ohrpolster mit atmungsaktivem Bezug bieten reichlich Platz, auch für größere Ohren. Der Anpressdruck ist ausgewogen: fest genug, um beim Gehen oder leichtem Laufen nicht zu verrutschen, aber nicht so stark, dass nach einer Stunde der Schädel protestiert. Offenbar hat Nothing aus der Kritik am hohen Anpressdruck des Headphone 1 gelernt. Ein Nachteil fällt allerdings auf: Der Headphone A besitzt keine Trageerkennung. Wer den Kopfhörer abnimmt, muss die Wiedergabe manuell pausieren.
Nothing Headphone A Pics
Technische Spezifikationen
Im Nothing Headphone A arbeiten 40-mm-Treiber – ohne die KEF-Abstimmung des Flaggschiffs. Bluetooth 5.4 sorgt für eine stabile und effiziente Funkverbindung mit Multipoint-Unterstützung für zwei Geräte gleichzeitig, dazu kommen Google Fast Pair und Microsoft Swift Pair für schnelles Koppeln.
Bei den Codecs stehen SBC, AAC und LDAC zur Verfügung, wobei LDAC zunächst in der App aktiviert werden muss. Damit ist der Over-Ear-Kopfhörer Hi-Res-Audio-Wireless zertifiziert. Einen 3,5-mm-Klinkenanschluss gibt es ebenfalls. Das ANC reduziert Umgebungsgeräusche um bis zu 40 dB. Drei Mikrofone kümmern sich um Telefonate. Statisches Spatial Audio erweitert die Klangbühne, allerdings ohne das Head-Tracking des Headphone 1. Ein Low-Lag-Modus für Gaming aktiviert sich bei Nothing-Phones automatisch, bei anderen Smartphones über die App.
Bedienung und App des Nothing Headphone A
Nothing übernimmt das hervorragende Bedienkonzept des Headphone 1 – und das ist eine der besten Entscheidungen, die der Hersteller treffen konnte. Der Roller regelt Lautstärke, startet und pausiert die Wiedergabe und wechselt den ANC-Modus. Das Paddle springt zwischen Tracks und spult bei längerem Halten vor oder zurück. Ein separater Button ruft den Sprachassistenten auf oder lässt sich benutzerdefiniert belegen.
Die unterschiedlichen Formen und Materialien der Bedienelemente machen die Steuerung selbsterklärend. Innerhalb weniger Minuten sitzt jeder Handgriff blind – es macht richtig Spaß, an den Bedienelementen herumzuspielen. Das ist eine der besten Kopfhörerbedienungen am Markt, deutlich präziser und frustfreier als die Touch-Flächen, mit denen sich etwa der Bose QuietComfort Ultra (Testbericht) oder der Dyson Ontrac (Testbericht) herumschlagen. Alle Bedienelemente lassen sich über die App individuell anpassen.
Nothing Headphone A Screenshot
Die Nothing X App zeigt sich im typischen Nothing-Stil: minimalistisch, optisch ansprechend und trotz umfangreicher Funktionen gut bedienbar. Der 8-Band-Equalizer ermöglicht Feinjustierung mit eigenen Presets und Community-Downloads – eine clevere Funktion, die den Zugang zu bewährten Klangprofilen anderer Nutzer eröffnet.
Weitere Features umfassen räumliches Audio mit Konzert- und Theatermodus, Bass Enhance, Low-Lag-Modus und Multipoint-Verwaltung. Was fehlt, ist eine akustische Anpassung an das eigene Hörvermögen, wie sie etwa der JBL Tour One M3 mit Personi-Fi 3.0 bietet. Gerade bei einem Kopfhörer, der vom EQ-Tuning profitiert, wäre ein automatischer Hörtest ein willkommenes Extra gewesen.
Klangqualität und ANC
Die 40-mm-Treiber des Nothing Headphone A liefern einen basslastigen, energiegeladenen Sound mit präsenten Höhen und etwas zurückhaltenden Mitten. In der Standardeinstellung drückt der Bass kräftig – wer den Bass Enhancer hochdreht, riskiert allerdings, dass die tiefen Frequenzen die Mitten überlagern. Die Höhen können bei manchen Tracks, etwa lauten Gitarren oder Chören, scharf und etwas schleifend wirken. Basslastige Genres wie Hip-Hop oder elektronische Musik profitieren am stärksten von der hauseigenen Abstimmung.
Die gute Nachricht: Mit aktiviertem LDAC und einem Custom-EQ über den 8-Band-Equalizer verwandelt sich der Klang in ein deutlich ausgewogeneres und detaillierteres Erlebnis. Die Community-EQ-Presets in der App können dabei als Startpunkt dienen. Dabei ist die Klangbühne von Haus aus nicht riesig, lässt sich über den Equalizer und die Spatial-Audio-Modi (Konzert und Theater) aber spürbar vergrößern. Auch bei hoher Lautstärke bleibt der Sound verzerrungsfrei. Für kritische Hörer ist die EQ-Anpassung allerdings Pflicht – ohne sie bleibt der Klang unspektakulär.
Im Vergleich zum Headphone 1 fehlt dem A die Klarheit und Schichtung des KEF-getunten Klangs, und der Sony WH-1000XM5 (Testbericht) klingt insgesamt luftiger. Für 159 Euro ist die Klangqualität aber überzeugend.
Das Hybrid Adaptive ANC reduziert Umgebungsgeräusche um bis zu 40 dB – zwei Dezibel weniger als beim Headphone 1. In der Praxis hören wir im direkten Vergleich kaum einen Unterschied zwischen den beiden Modellen. Konstante tiefe Frequenzen wie Motorenbrummen oder Klimaanlagen werden gut gedämpft, bei Stimmen und klirrendem Geschirr dringt allerdings einiges durch.
Im Vergleich zur ANC-Elite – dem Sony WH-1000XM6, Bose QuietComfort Ultra oder JBL Tour One M3 – fehlt dem Headphone A die letzte Konsequenz bei mittleren und hohen Frequenzen. Das ist bei einem Kopfhörer für 159 Euro aber erwartbar. Der Transparency-Modus leitet Umgebungsgeräusche ordentlich durch. Die Telefonqualität ist okay, mehr aber auch nicht. Wer regelmäßig telefonieren will, sollte zu anderen Kopfhörern greifen.
Akku
Beim Akku spielt der Nothing Headphone A in einer eigenen Liga. Der 1060-mAh-Akku liefert bis zu 135 Stunden Musikwiedergabe ohne ANC bei AAC-Codec und 50 Prozent Lautstärke. Mit aktiviertem ANC sind es noch 75 Stunden, mit dem bandbreitenhungrigen LDAC-Codec 90 Stunden ohne beziehungsweise 62 Stunden mit ANC. Diese Werte übertreffen den ohnehin schon ausdauernden Headphone 1 massiv und stellen selbst den Earfun Tune Pro mit seinen 120 Stunden in den Schatten. Für Reisende, die tagelang ohne Steckdose auskommen müssen, ist der Headphone A ein Traum.
Die Schnellladefunktion überzeugt ebenfalls: Fünf Minuten Laden reichen für 8 Stunden ohne ANC beziehungsweise 5 Stunden mit ANC, eine Vollladung dauert rund zwei Stunden via USB-C.
Preis: Was kostet der Nothing Headphone A?
Der Nothing Headphone A kostet zum Marktstart etwa 160 Euro.
Fazit
Der Nothing Headphone A ist ein cleverer Kompromiss. Nothing streicht Aluminium, KEF-Tuning und Head-Tracking – und spart damit die Hälfte des Preises ein. Dafür gibt es eine Akkulaufzeit, die ihresgleichen sucht, das markante Transparent-Design und eine der besten physischen Bedienungen am Markt.
Klanglich muss man den Equalizer bemühen, um das volle Potenzial zu entfalten, und das ANC erledigt seinen Job solide, ohne die Spitzenklasse zu erreichen. Die fehlende Trageerkennung ist in dieser Preisklasse verzeihbar. Für 159 Euro bekommen Käufer einen charakterstarken Kopfhörer mit erstaunlich viel Ausstattung – wer das Nothing-Design liebt, aber keine 299 Euro ausgeben möchte, findet im Headphone A einen würdigen Einstieg.