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Paperwhite 4 und Kindle 10. Gen.: Derzeit kein Jailbreak bei Amazons Kindle möglich

Amazon schottet seine Kindle-Reader weiter ab. Nachdem der Online-Händler Ende September auf verschiedenen weiterhin unterstützten Modellen per Firmware-Update ein neues DRM-System eingeführt haben soll, schließt Amazon mit der neuen Firmware-Version 5.18.1.1.1 bisherige Möglichkeiten für einen Jailbreak.
Der Käfig wird immer goldener
Amazon soll mit dem Update laut einem Bericht von Good E-Reader, der sich wiederum auf Berichten aus der Jailbreak- und Modding-Community stützt, bislang bekannte Jailbreak-Möglichkeiten auf dem Paperwhite 4 und dem Kindle der zehnten Generation erfolgreich unterbinden. Weitere „Schwachstellen“, die einen vollständigen Zugriff auf das System der Reader ermöglichen könnten, sind derzeit nicht bekannt. Davon betroffen ist auch die Sicherung von bei Amazon gekauften E-Books, die der Konzern bereits seit Februar des vergangenen Jahres offiziell weitgehend unterbunden hat.
Besonders relevant ist die bereits 2026 eingeführte Umstellung der E-Book-Verschlüsselung. Inzwischen kommt auch auf älteren Kindle-Geräten ohne offizielle Firmware-Updates das neue KFX-ZIP-Format zum Einsatz, das über eine stärkere Verschlüsselung verfügt. Mit dieser Ausweitung soll auch das Support-Ende zahlreicher Kindle-Reader in Zusammenhang stehen, das Amazon Anfang April dieses Jahres angekündigt hatte. Seit dem 20. Mai 2026 können entsprechende Geräte nur noch bedingt auf das Amazon-Konto zugreifen – und das auch nur noch solange, wie das Gerät bei Amazon angemeldet bleibt und weder abgemeldet noch zurückgesetzt wird. Neue Bücher sollen sich hingegen nicht mehr aufspielen lassen, bereits auf den Readern gespeicherte Bücher lassen sich allerdings weiterhin lesen.
Zudem gilt das neue DRM-Format als inkompatibel mit den bislang genutzten Verfahren vieler Drittanbieter-Tools, darunter Calibre-Erweiterungen wie DeDRM. Die lokale Sicherung und Archivierung gekaufter E-Books wird dadurch erheblich erschwert.
Mehr Kontrolle, weniger (neue) Funktionen
Aus der Nutzerschaft kommt darüber hinaus deutliche Kritik, weil die Nutzungsmöglichkeiten der Geräte in den vergangenen Monaten kontinuierlich eingeschränkt wurden, während Sicherheits- und Kontrollmechanismen ausgebaut wurden und die Kindle-Reader gleichzeitig kaum neue Funktionen erhalten haben.
Für die Jailbreak-Community könnte das Update das Ende einer Ära markieren. Ältere Kindle-Generationen galten lange als vergleichsweise offen und ließen sich um zusätzliche Funktionen erweitern. Inzwischen entwickelt sich die Plattform jedoch zunehmend zu einem geschlossenen System, in dem Amazon Hardware, Inhalte und deren Nutzung vollständig selbst kontrolliert.
Meinung von Michael Schäfer
Amazon sägt an dem eigenen Ast, auf dem das Unternehmen sitzt. Zwar liegen Eingriffe in die Firmware naturgemäß nicht im Interesse eines Herstellers, inzwischen zieht der Online-Händler die Daumenschrauben jedoch immer stärker an und dürfte damit nicht wenige bisherige Käufer verprellen. Können bei Amazon gekaufte Kindle-Bücher nicht mehr heruntergeladen werden, fehlt Nutzern jede Möglichkeit, ihre erworbenen Inhalte eigenständig zu sichern. Damit entsteht zugleich die Gefahr, dass Amazon Bücher jederzeit aus der Kindle-Cloud eines Nutzers entfernt und diese anschließend nicht mehr gelesen werden können. Bereits 2009 hatte Amazon Bücher aus der Ferne von Kindle-Geräten gelöscht – ausgerechnet bei Werken von George Orwell. Als Begründung nannte das Unternehmen damals urheberrechtliche Gründe. Auch darüber hinaus wurden bestehende Funktionen im Laufe der Jahre immer weiter eingeschränkt oder vollständig gestrichen.
Amazon scheint dabei allerdings zu übersehen, dass das Unternehmen in diesem Markt nicht der einzige Akteur ist und einige andere Hersteller den Kindle-Geräten mindestens ebenbürtige Alternativen gegenüberstellen. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass viele Anbieter digitaler Bücher ihre Inhalte seit Jahren überwiegend ohne Kopierschutz und lediglich mit weichem DRM vertreiben, spricht immer weniger für einen Kindle-Reader. Entsprechend bleibt abzuwarten, wann Amazon auch die bislang bestehende Möglichkeit unterbindet, Inhalte außerhalb des eigenen Ökosystems auf die Geräte zu übertragen. Zuzutrauen wäre es den Verantwortlichen.