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Künstliche Intelligenz

QEMU 10.2 ist schneller unter I/O-Last und dank neuer Richtlinie „sicherer“


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Quasi als Weihnachtsgeschenk hat das Entwickler-Team den für viele Plattformen erhältlichen Quick-EMUlator (QEMU) in Version 10.2 veröffentlicht. 188 Entwickler haben dazu über 2300 Neuerungen und Verbesserungen in das OpenSource-Projekt einfließen lassen.

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Gleich der erste Hinweis im Changelog zu QEMU 10.2, der als „Klarstellung der Sicherheitsrichtlinie von QEMU“ bezeichnet wird, wirft Fragen auf. Zunächst einmal: In Version 10.2 des QEMU-Projekts wurde die Security Policy explizit klarer definiert, insbesondere was der Begriff „Security Bugs“ im Kontext von QEMU bedeutet. Von nun an gelten Fehler nur noch dann als echte Security-Bugs, wenn sie in klar definierten „Virtualization Use Cases“ auftreten. Dazu zählen Szenarien mit Hardware-Beschleunigern unter WHPX (Windows), KVM (Linux), HVF (macOS) oder NVMM (NetBSD) und vor allem nur bestimmte Maschinen-Typen, die in den „Security Requirements“ explizit aufgelistet werden: aarch64 (virt), i386 und x86_64 (microvm, xenfv, xenpv, xenpvh, pc, q35), s390x (s390-ccw-virtio), loongarch64 (virt), ppc64 (pseries) sowie riscv32 und riscv64 (virt). Das bedeutet, dass sicherheitskritische Fehler in allen anderen Emulations-Szenarien im QEMU-Kontext nicht mehr grundsätzlich als sicherheitstechnische Fehler angesehen werden (müssen).

Damit fallen viele Anwendungsbereiche aus der Sicherheitsrichtlinie heraus, beispielsweise die rein software-basierte „Full System Emulation“ mit dem Tiny Code Generator (TCG), bei dem Gast-CPU-Instruktionen dynamisch in Host-Code übersetzt werden. Das betrifft alle Anwendungsfälle, in denen eine beliebige Gast-Architektur auf einem beliebigem Host ausgeführt wird. Zum Beispiel wenn ein ARM-Gast auf einem x86-Host für Cross-Architektur-Entwicklung, Firmware-Tests, Embedded-Simulation oder Debugging ausgeführt wird. Und auch die „User-Mode Emulation“ (qemu-user), die nur CPU- und Systemaufrufe, aber kein komplettes System emuliert, dürfte damit aus der neuen Sicherheitsrichtlinie herausfallen. Das betrifft unter anderem Cross-Builds und CI sowie vermutlich auch Container-Builds mit „multi-arch-Docker“.

Schwierig wird die Zuordnung, wenn es um hybride QEMU-Modi geht. Das ist der Fall, wenn grundsätzlich Hardware-Beschleunigung eingesetzt wird, dazu aber bestimmte Geräte oder Funktionen per TCG emuliert werden (legacy-devices). Der Sicherheitsstatus ist dabei vom konkreten Setup abhängig. Als QEMU-Anwender muss man dann herausfinden, ob das Szenario als unterstützter Virtualization Use Case gilt – oder nicht. Das dürfte spannend werden.

QEMU erweitert die ARM-Emulation um zahlreiche neue CPU-Features, entfernt die veraltete pxa-CPU-Familie und verbessert Debugging sowie Geräteunterstützung (u. a. SME/SME2 in gdbstub, mehrere SMMUv3-Geräte, neue/erweiterte SoC-Komponenten bei aspeed und xlnx). Zusätzlich gibt es ein neues Board-Modell (amd-versal2-virt) und genauere Modellierung von Interrupt- und PCIe-Hardware in bestehenden ARM-Plattformen.

Die RISC-V-Unterstützung in QEMU wurde durch Korrekturen an ISA-Details und Erweiterungen verbessert, darunter an CFI, VLEN-Regeln, PMP-Granularität sowie mehreren Instruktions-, Timer- und IOMMU-Details. Zusätzlich gibt es Aktualisierungen und Bugfixes bei Maschinen- und Firmware-Integration (u. a. OpenSBI v1.7, Device-Tree-Korrekturen, bessere Netzwerk- und UART-Stabilität) sowie Performance- und Speicherverbesserungen.

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Die PowerPC-Unterstützung in QEMU wurde durch neue CPU- und Maschinenunterstützung (PowerNV11, PPE42), Firmware-Updates und FADUMP der pSeries ergänzt, während veraltete Plattformen und „unbrauchbare e200-CPUs“ entfernt sowie zahlreiche Bugfixes, Aufräumarbeiten und Verbesserungen an Fehlerbehandlung und Emulation vorgenommen wurden.

Bei der LoongArch-Emulation unterstützt QEMU 10.2 nun auch MSGINT (IRQ-Chip) und den „HW Page Table Walk“. Verbesserungen beim IRQ-Handling der s390x-Architektur sollen die virtio-pci-Performance erhöhen. Bei x86 benutzt der HPET-Emulator (High Precision Event Timer) nicht mehr den „Big QEMU Lock“ (BQL), sondern ist jetzt feiner und nebenläufiger implementiert.

Mit QEMU 10.2 lässt sich ein weiterer Klassiker der Computergeschichte virtuell reanimieren: Die HP 9000 715/64 (32 Bit PA-RISC, 64 MHz CPU-Takt, 1 KB on-chip- und 64 KB off-chip-Cache) wurde als Workstation Mitte der 90er Jahre von Hewlett-Packard gegen SGI Indy/Indigo2, Sun SPARCstation, DEC AlphaStation und IBM RS/6000 auf den Markt gebracht. Die unter HP-UX oder NeXTSTEP laufende UNIX-Workstation war für damalige Verhältnisse recht schnell – und mit rund 10.000 US-Dollar entsprechend teuer. Zur Einordnung: Die SPEC92/int-Leistung einer 715/64 entsprach in etwa der des zeitgleich erschienenen Pentium/90 MHz. Ebenfalls neu ist die Emulation des NCR 53c710 SCSI-Controllers (verwendet in der 715/64) sowie ein dazu passendes aktualisiertes SeaBIOS-hppa-BIOS.

Das Krypto-Subsystem von QEMU wurde mit Version 10.2 modernisiert, indem die Mindestversionen wichtiger Kryptobibliotheken angehoben und neue Funktionen wie das Laden mehrerer X.509-Zertifikats-Identitäten zur Unterstützung post-quantenkryptografischer Übergänge implementiert wurden. Zudem wurden die TLS-Sicherheit und die Zertifikatsprüfung verbessert, veraltete Mechanismen wie externe Diffie-Hellman-Parameter als „deprecated“ gekennzeichnet und mehrere Stabilitäts- und Sicherheitsprobleme behoben. Das Plan-9-Dateisystem 9pfs ermöglicht es QEMU, Host-Verzeichnisse wie Shared Folders direkt im Gast einzubinden. Diese bislang weitgehend auf Linux-Hosts beschränkte Funktion steht nun auch auf FreeBSD-Hosts zur Verfügung.

Die Entwickler haben bei QEMU 10.2 den Main-Loop auf io_uring(7) umgestellt, eine moderne Schnittstelle für asynchrone I/O-Operationen unter Linux. Dadurch sollen I/O-Vorgänge effizienter verarbeitet werden und so vor allem unter hoher I/O-Last zu spürbaren Performance-Verbesserungen führen. Wer seinen Workflow auf QEMU 10.2 aktualisiert sollte unbedingt auch einen Blick auf die Liste der Funktionen werfen, die in absehbarer Zeit entfernt werden (depreciated).

Während der größte Teil des QEMU-Projekts GPL2-lizenziert ist, stehen Teile wie der Tiny Code Generator (TCG) unter der BSD- oder MIT-Lizenz. Als freies OpenSource-Projekt ist QEMU 10.2 kostenlos verfügbar und kann ab sofort von der Projektseite heruntergeladen werden. Sämtliche Änderungen und mögliche Inkompatibilitäten des QEMU 10.2-Release sind im Changelog dokumentiert.


(swi)



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Expertenforderung: OpenDesk sollte für Unis gratis sein


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Der deutsche Hochschulsektor steuert im Bereich Office-Software auf eine strategische Sackgasse zu. Davor warnen zumindest führende IT-Experten in einem heise online vorliegenden Brief an Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU): Während der US-Gigant Microsoft seine Office-Suite für Studierende kostenlos anbietet, kostet die staatseigene deutsche Alternative OpenDesk 45 Euro netto pro Nutzer und Jahr.

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Dass eine Open-Source-Lösung teurer ist als das proprietäre Konkurrenzprodukt, liegt vor allem an den Kosten für den sicheren Betrieb und die Wartung in zertifizierten deutschen Rechenzentren. Während Microsoft den Gratis-Zugang als Marketinginstrument zur langfristigen Bindung nutzt, muss die souveräne Lösung ihre Infrastruktur real finanzieren.

Für eine mittelgroße Universität mit 30.000 Studierenden bedeutet dies jährliche Mehrkosten von über 1,6 Millionen Euro, geben die Autoren zu bedenken. Diese finanzielle Hürde mache den politisch gewünschten Wechsel zur digitalen Eigenständigkeit praktisch unmöglich. Die Unterzeichner, zu denen Torsten Prill vom Verband der Hochschulrechenzentren (ZKI) und Vertreter der Gesellschaft für Informatik (GI) gehören, kritisieren diesen Zustand als absurden Wettbewerbsnachteil für eine bundeseigene Entwicklung.

Dabei steht weit mehr auf dem Spiel als nur das Budget. Die Verfasser befürchten, dass Deutschland die Kontrolle über seine Bildungs- und Forschungsinfrastruktur an nicht souveräne Ökosysteme verliert. Während das vom Zentrum für digitale Souveränität (Zendis) bereitgestellte OpenDesk auf volle Datenhoheit und offene Standards setze, führe der Weg über Microsoft in einen „Cloud-Lock-in“. Selbst bei Speicherung in der EU unterlägen die Daten etwa durch den Cloud Act dem Zugriff von US-Behörden.

Der Appell erhält Brisanz durch den Verweis auf die nationale Sicherheitsstrategie der USA. Die zielt den Experten zufolge darauf ab, monopolistische Positionen für US-Technologien global auszubauen. Gleichzeitig explodierten die Ausgaben des Bundes für Microsoft-Produkte: Sie sind von 274 Millionen Euro im Jahr 2023 auf rund 481,4 Millionen Euro im vorigen Jahr gestiegen.

Die Forderung an das Ministerium lautet daher: Bis Mitte 2026 soll eine Lösung her, die OpenDesk für alle Studierenden kostenfrei verfügbar macht. Nur so könne sich digitale Unabhängigkeit im Bildungsbereich gegen die Marktmacht der US-Konzerne durchsetzen. Es sei an der Zeit, in die Souveränität künftiger Fachkräfte zu investieren, statt lediglich wachsende Abhängigkeiten zu finanzieren.

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(cku)



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Mit 3D-Drucker mehrfarbig drucken: Bambu Lab, Snapmaker & Co. im Vergleich


Seit dem AMS-Materialwechsler von Bambu Lab ist farbiges 3D-Drucken massentauglich. Die nächste Revolution startet jetzt – und spart Zeit, Filament und Geld.

Die meisten 3D-Drucker im Hobbykeller arbeiten nach dem FDM-Verfahren. Der zu verarbeitende Kunststoff liegt als Filament auf Rollen vor, wird geschmolzen und mit einer feinen Düse Schicht für Schicht zum zu druckenden Objekt zusammengesetzt. Moderne Drucker sind sehr einsteigerfreundlich und ab etwa 180 Euro zu bekommen. Die besten 3D-Drucker zeigen wir in unserer Bestenliste.

Bei dieser Drucktechnik ist das Filament – und damit das Druckergebnis – in der Regel einfarbig. Wer seinen R2D2 grau drucken will, legt entsprechendes Filament ein. Ein Farbwechsel oder gar das Mischen von Farben erfolgt im Drucker normalerweise nicht. Stattdessen kann man mit Pinsel oder Airbrush-Set nacharbeiten.

Es gibt aber verschiedene Ansätze, die mehrfarbiges 3D-Drucken ermöglichen. Wir werfen einen kurzen Blick in die Vergangenheit des Multi-Color-Printings und zeigen die aktuellen Möglichkeiten und neuen Entwicklungen im Hobbyumfeld.

Standardmäßig arbeiten 3D-Drucker nur einfarbig: Das Verbauchsmaterial (Rolle im Bild rechts) gibt die Farbe der Objekte vor.

Tintenstrahldruck

Der taiwanesische Hersteller XYZ Printing hatte mit seinem Da Vinci Color bereits vor über fünf Jahren ein fertiges Gerät im Programm, das Farbdrucken Out-of-the-Box verspricht. Das Prinzip ist einfach: Der Drucker verarbeitet weißes Filament und färbt die äußeren Schichten der Objekte mit einer Art integriertem Tintenstrahldrucker ein. Das erlaubt echten Vollfarbdruck, allerdings ist nur die Oberfläche eingefärbt.

Die Technik hat sich nicht durchgesetzt und ist aktuell vollständig vom Markt verschwunden. Der Grund dafür dürfte der hohe Preis sein. Für den Drucker selbst verlangte der Hersteller mindestens 2700 Euro. Das größere Problem war aber das Verbrauchsmaterial. Zum einen musste man das weiße Kunststoff-Filament teuer vom Hersteller kaufen: XYZ Printing setzte auf einen Chip in der Filamentrolle, um die Nutzung von günstigerem Fremdfilament auszuschließen. Zum anderen war die Tinte zum Einfärben ein Kostentreiber, den man nirgendwo anders bekommen konnte. Der Hersteller hat sich 2023 vom Markt zurückgezogen, seitdem gab es auch keinen anderen Drucker mit dieser Technik mehr.

Palette

Ein früher externer Ansatz der heutigen Materialwechsler dürfte ein Gerät namens „Palette“ sein. Vier verschiedenfarbige Filamente werden in einen Kasten eingespannt, auf der anderen Seite kommt nur noch ein Filament heraus, das zum Drucker führt. Im Inneren trennen Messer die farbigen Filamente an den richtigen Stellen ab, mit Hitze werden sie wieder zusammengeschmolzen – und am Drucker kommt jeweils die Farbe an, die gerade nötig ist.

Bei Palette laufen unten vier Filamente rein, die passen geschnitten und zusammengefügt werden. Nach oben wird das fertige Ergebnis zum Drucker ausgegeben.

Prinzipbedingt ist die Farbauflösung dabei nicht hoch. Echtes Mischen von Farben ist nicht möglich, wohl aber das Drucken unterschiedlicher Segmente in unterschiedlichen Farben. Mit dem anfangs erwähnten R2D2 klappt es gut, wenn man weißes, blaues, graues und schwarzes Filament einspannt. Echter Vollfarbdruck ist das aber nicht; auch das Mischen von Farben ist nicht möglich.

Die Nachteile waren erhöhter Filamentverbrauch, weil der Drucker die Mischfarbe beim Wechsel der Filamente an der Seite ausspült, sprich: wegwirft. Dazu kommen die Kosten des Geräts, das mit 599 Dollar damals teurer war als heute ein guter, anfängertauglicher 3D-Drucker samt Filamentwechselsystem.

Dual-Extruder

Ein bewährter Weg zum Mehrfarbdruck sind Drucker mit zwei Extrudern. Sie können zwei unterschiedliche Filamente mehr oder weniger gleichzeitig verarbeiten; in der Praxis laufen beide Extruder auf der gleichen Achse und geben abwechselnd Filament aus. Damit lässt sich schon einiges realisieren, das Drucken von Logos in Vereinsfarben beispielsweise – aber ein Mischen der beiden Farben ist nicht möglich. Dafür entfällt der Spülvorgang beim Farbwechsel, da es eine eigene Düse für jede Farbe gibt.

Beim Drucken mit zwei getrennten Extrudern sind saubere Kanten zwischen den Farben möglich.

Das hat andere Haken: So muss der Druckerhersteller beispielsweise dafür sorgen, dass aus der gerade nicht genutzten Düse kein geschmolzenes Filament austritt und das Druckobjekt versaut. Aktuell gibt es diese Technik beispielsweise bei Bambus Top-Modell H2D (das D steht für Dual). Hier sitzen auf dem beweglichen Druckkopf zwei Extruder und zwei Düsen, wobei die eine hoch- oder heruntergefahren und die jeweils nicht genutzte Düse von einem Kunststoff-Schieber abgedeckt wird. Das ist optimal, wenn es beispielsweise um Beschriftungen geht, da der Wechsel zwischen den beiden Düsen in Sekundenschnelle stattfindet und es keine Materialverschwendung durch Spülen gibt.

Der Dual-Extruder des Bambu Lab H2D fährt die linke Düse bei Bedarf nach oben oder unten. Der Wechsel zwischen zwei Farben ist ohne Spülvorgang in sekundenschnelle möglich.

Außerdem auf der Habenseite: Das gleichzeitige Drucken unterschiedlicher Materialien ist mit dieser Technik möglich, da die beiden Hot-Ends unterschiedliche Temperaturen haben können. Anwendungsbeispiele sind das Drucken von Scharnieren aus dem gummiartigen TPU bei einer Kiste aus hartem Kunststoff wie PLA oder ABS, aber auch der Einsatz von speziellen Support-Filamenten, die sich leichter ablösen oder in Wasser auflösen lassen.

Farben mischen: two in, one out

Eine Variante des Dual-Extruders nennt sich Two in, one out. Technisch gibt es wie beim Dual-Extruder zwei getrennte Filamente mit jeweils eigenem Antrieb, die aber in diesem Fall nicht in jeweils einem Druckkopf enden, sondern in einem Hot-End zusammengeführt werden. Unten gibt es nur einen Auslass. Auf diese Weise ist ein beliebiges Mischen der Filamente möglich, etwa 10 Prozent Anteil des einen und 90 Prozent des anderen. Im Gegensatz zum Dual-Extruder gibt es hier aber auch nur eine Temperatureinstellung. Damit ist das Verarbeiten von zwei unterschiedlichen Materialien nicht möglich.

Hat der Drucker zwei Farben und ein Hot-End, ist sind Mischen und Farbverläufe möglich.

Auch in der Praxis ist dieses Verfahren fummelig, weil die meisten Slicer-Programme nur mit zwei Farben (respektive Extrudern) zurechtkommen. Der „klassische“ Zweifarbdruck ist hier ohne weiteres möglich, allerdings nicht mit sauberer Trennung: Schaltet der Drucker von der einen auf die andere Farbe um, wird zunächst noch etwas Mischfarbe ausgegeben. Wer bereit ist, sich tiefer in das Thema einzuarbeiten, kann damit tolle Effekte erzielen. Aktuell gibt es keine kommerziellen Drucker mit dieser Technik, Bastler können die entsprechende Technik aber an Geräten mit Open-Source-Firmware nachrüsten.

Eine Sonderform sind die Diamond Extruder (three in, one out), die das gleiche Prinzip mit drei Filamenten anwenden. Entsprechende Extruder kann man noch kaufen, sie sind aber eine totale Randerscheinung.

Materialwechsler wie MMU oder AMS

In der Praxis haben sich die sogenannten Materialwechsler durchgesetzt. Je nach Hersteller haben sie andere Namen. Bei Prusa nennt sich das System beispielsweise MMU (Multi Material Upgrade), bei Bambu Lab AMS (Automatic Material System), bei Anycubic ACE Pro (Anycubic Color Engine).

Bei jedem Farbwechsel muss der Drucker mit Materialwechsler die Düse spülen. Besonders gemein ist das Benchy mit seinen schiefen Ebenen: Hirt geht deutlich mehr Filament fürs Spülen als für das zu druckende Objekt drauf.

Das Prinzip ist ähnlich: Mehrere Filamentrollen – meist vier – sitzen in einem geschlossenen Kasten oder offenen System. Von dort führen PTFE-Schläuche zum Druckkopf, wo jeweils nur ein Filament aktiv ist. Eine Schneide-Mechanik im Feeder oder Materialwechsler – vornehmlich ein Messer – trennt das zuletzt verwendete Filament vor dem Hot-End ab. Der Wechsler zieht es zurück und schiebt das nächste vor. Übergangsreste der Mischfarbe werden als „Poop“ ausgetragen. Der günstigste (und gute) Einstieg in den mehrfarbigen Druck ist der Bambu Lab A1 Mini (Testbericht), den es mit Materialwechselsystem A1 Lite aktuell ab 300 Euro gibt.

Vor allem bei Prusa und Bambu Lab ist die Technik sehr ausgereift. Bei anderen Herstellern empfehlen wir vor dem Kauf das Lesen von Testberichten. Aktuell haben wir in der Redaktion insbesondere den Elegoo Centauri Carbon 2 mit Canvas-Farbwechselsystem und den Qidi Q2 mit Qidi Box. Testberichte zu beiden Geräten haben wir noch nicht veröffentlicht, da wir derzeit aufgrund diverser Probleme beim Mehrfarbdruck mit den Herstellern im Austausch stehen.

Die Technik ist günstig und funktioniert zuverlässig, ist je nach Einsatzzweck aber langwierig und verschwenderisch, da im Extremfall auf jedem Layer mehrere Farbwechsel samt Spülvorgang stattfinden. Zum Test haben wir mehrfach vierfarbige Benchys gedruckt. Das eigentliche Modell kommt auf ein Gewicht von 12 Gramm, aber das Zehnfache dieses Filaments wurde „gespült“ und somit als Abfall entsorgt – und die Druckzeit verlängert sich extrem. Für Modelle mit wenigen Farbwechseln eignet sich das Prinzip hervorragend. Zudem ist es komfortabel, mehrere Filamente im Drucker einsatzbereit zu haben und je nach Bedarf mit PLA, ABS oder TPU zu drucken.

Werkzeugwechsler

Der neueste Schrei im Hinblick auf Mehrfarbdruck sind 3D-Drucker mit mehreren Köpfen, die bei Bedarf durchgewechselt werden. Beispiel dafür ist der kürzlich von uns getestete Snapmaker U1 (Testbericht). Er hat einen beweglichen Kopf, aber vier Einheiten aus Hot-End und Extruder, die er bei Bedarf mit dem Kopf verbindet. So entfällt der Spülvorgang, da die verschiedenen Farben jeweils direkt einsatzbereit sind. Für echten Mehrfarbdruck im großen Stil ist das die optimale Drucktechnik, weil sie schneller arbeitet und fast kein Material verschwendet.

Der Snapmaker U1 hat vier Druckköpfe mit eigenem Hot-End und Extruder-Antrieb. Jeweils ein Druckkopf ist im Einsatz, die anderen werden hinten im Drucker geparkt.

Auch von Bambu Lab gibt es mit dem H2C (Testbericht) einen Drucker, der auf dieses Prinzip setzt. Für andere Drucker, etwa von Prusa, kommt demnächst mit dem Bondtech Index eine Nachrüstlösung auf den Markt.

Fazit

Die entscheidende Frage ist: Wie viel Mehrfarbdruck wird man in der Praxis wirklich machen? Ein guter Drucker mit Materialwechsler ist eine tolle Option für die meisten Fälle. Je häufiger man diese Technik einsetzt, umso eher fallen aber die Haken ins Gewicht – die lange Druckzeit und die Materialverschwendung.

Ein guter Kompromiss sind Dual-Nozzle-Drucker wie der Bambu H2D, der übrigens zusätzlich zu seiner zweiten Düse auch noch mit einem Materialwechselsystem verbunden werden kann. Und wer wirklich viel farbig druckt, sollte sich aktuell den Snapmaker U1 ansehen, den wir im Test als den derzeit besten Mehrfarbdrucker bezeichnet haben.



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Meta plant angeblich Gesichtserkennung für Smart Glasses


Meta will laut einem Bericht der New York Times noch in diesem Jahr Gesichtserkennung für seine Smart Glasses einführen. Die Zeitung beruft sich dabei auf mehrere mit den Plänen vertraute Quellen.

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Die Funktion werde intern „Name Tag“ (Deutsch: Namensschild) genannt und solle es Trägern ermöglichen, Personen in ihrer Umgebung zu identifizieren. Konzernchef Mark Zuckerberg wolle sich damit von konkurrierenden Produkten abheben und den KI-Assistenten der Brillen aufwerten, heißt es.

Metas Wearables entwickeln sich derzeit zum Verkaufserfolg: Brillenpartner EssilorLuxottica meldete am Donnerstag sieben Millionen verkaufte Geräte im vergangenen Jahr. Insgesamt dürfte sich die Stückzahl der Marke von zehn Millionen nähern. Für dieses Jahr ist eine massive Produktionssteigerung geplant.

Meta prüfe derzeit, wer durch die Gesichtserkennung überhaupt erkennbar sein soll, heißt es im Bericht der New York Times. Erwogen werde, dass nur Personen identifiziert werden, mit denen der Brillenträger auf einer Meta-Plattform vernetzt ist, oder Menschen mit einem öffentlichen Konto auf Meta-Diensten wie Instagram, die der Nutzer nicht persönlich kennt. Eine universelle Gesichtserkennung sei nicht geplant.

In einem internen Dokument, das der Zeitung vorliegt, heißt es, Meta habe die Funktion im letzten Jahr zunächst Teilnehmern einer Konferenz für Blinde bereitstellen wollen, bevor sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dieser Schritt sei jedoch nicht umgesetzt worden. Auch die aktuellen Pläne könnten sich noch ändern.

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Im vergangenen Jahr berichtete The Information, dass Meta schon 2021 geplant hatte, Gesichtserkennung einzuführen, sich jedoch dagegen entschieden hätte. In jenem Jahr erschien die erste Generation von Metas Smart Glasses, die bei Konsumenten jedoch nur wenig Anklang fand. Inzwischen haben sich sowohl die Marktlage als auch die politische Situation in den USA verändert.

Letztere hat Meta angeblich einkalkuliert: „Wir werden die Einführung in einem dynamischen politischen Umfeld vornehmen, in dem viele zivilgesellschaftliche Gruppen, von denen wir erwarten würden, dass sie uns angreifen, ihre Ressourcen auf andere Anliegen konzentrieren“, heißt es in dem internen Dokument, das der New York Times vorliegt.

In einer Stellungnahme dementierte Meta die Gerüchte nicht. „Wir hören zwar häufig von einem Interesse an einer solchen Funktion – und einige solcher Produkte gibt es bereits auf dem Markt –, prüfen derzeit jedoch noch verschiedene Optionen und werden behutsam vorgehen, falls und bevor wir etwas einführen“, ließ das Unternehmen mitteilen.


(tobe)



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