Künstliche Intelligenz
Reparaturen für die Paralympics: Technikservice im Athletendorf
Bei den Paralympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 geht es um Höchstleistungen, Rekorde und Medaillen – eine enorme Belastung für Menschen und ihre Ausrüstung. Während Physiotherapeuten die körperliche Fitness der Sportlerinnen und Sportler betreuen, repariert ein Team aus 86 Spezialisten Prothesen, Rollstühle und Sportgeräte kostenlos und unabhängig vom Hersteller.
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Rund 665 Athletinnen und Athleten treten noch bis zum 15. März 2026 in sechs Sportarten an – Para Ski alpin, Para Biathlon, Para Langlauf, Para Snowboard, Para Eishockey und Rollstuhl Curling. Insgesamt werden 79 Medaillenentscheidungen ausgetragen. Viele der eingesetzten Sportgeräte sind hochspezialisiert und individuell angepasst – entsprechend groß ist der technische Aufwand, um sie im Wettkampf einsatzbereit zu halten.
Dafür betreibt der Medizintechnikhersteller Ottobock während der Spiele in den paralympischen Dörfern in Mailand, Cortina d’Ampezzo und Predazzo, Werkstätten, wie das Unternehmen bei einer virtuellen Werkstattführung erklärte. Hinzu kommen sechs mobile Servicestationen direkt an den Wettkampfstätten. Insgesamt transportierte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 16 Tonnen Ausrüstung – etwa 87 Paletten mit Werkzeugen, Ersatzteilen und Maschinen – aus Deutschland nach Italien.
Der Reparaturservice hat eine lange Tradition: Seit den Paralympischen Spielen 1988 in Seoul betreibt Ottobock bei allen Sommer- und Winterspielen als offizieller Partner der Paralympics solche Werkstätten. Seitdem ist das Team von ursprünglich vier Orthopädietechnikern auf über 80 Spezialisten angewachsen. Ihm gehören Fachleute für Rollstuhltechnik, Prothetik und Orthopädietechnik ebenso wie Schweißer und Näher an. Sie kümmern sich um alles, was im Trainings- und Wettkampffalltag kaputtgehen kann: von Rollstuhlreifen über Sitzschalen bis zu komplexen Prothesen oder Monoskis und auch Kleidung kann in der Werkstatt bei Bedarf umgenäht werden, wenn etwa das Wetter zu warm ist.
Wenig Zeit für Reparaturen
Die Herausforderungen der Winterspiele sind laut Ottobock besonders groß. Kälte, Feuchtigkeit und starke Materialbelastungen setzen den Geräten zu, während gleichzeitig oft nur sehr wenig Zeit für Reparaturen bleibt – manchmal unmittelbar vor einem Wettkampf. Hinzu kommen die großen Entfernungen zwischen den paralympischen Dörfern und den Wettkampfstätten, die zusätzliche Logistik erfordern.
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Besonders häufig müssen die Techniker bei den Winterspielen derzeit Ausrüstung aus dem Para Eishockey reparieren. Der Sport ist ein Kontaktsport, bei dem die Schlitten der Spieler mit hoher Geschwindigkeit zusammenstoßen. Entsprechend oft werden gebrochene Halterungen geschweißt oder Sitzkonstruktionen stabilisiert. Dahinter folgen Reparaturen an Rollstühlen sowie an Prothesen und anderer Sportausrüstung. Falls ein Rollstuhl defekt ist, können vor Ort auch kostenfrei Ersatzgeräte geliehen werden.
Die Werkstätten sind dabei auch ein Treffpunkt für Athleten und Teams aus aller Welt. Immer wieder entstehen dort ungewöhnliche Situationen, etwa als ein mexikanischer Teamangehöriger eine Holzflöte aus Peru vorbeibrachte, deren Mundstück während der Reise gerissen war. Ein Techniker aus China reparierte das Instrument mit Harz und Schleifarbeiten. „Eine Flöte aus Peru, die einem Teammitglied aus Mexiko gehört, wird von einem chinesischen Techniker repariert – das zeigt, wie international und solidarisch die Paralympics sind“, sagte Peter Franzel, Head of Events & Exhibitions bei Ottobock.
Für viele Athletinnen und Athleten sind die Werkstätten laut dem Hersteller eine der ersten Anlaufstellen im Paralympischen Dorf. Denn wenn kurz vor dem Wettkampf eine Prothese bricht oder ein Rollstuhl beschädigt wird, kann das im Extremfall das Ende der Teilnahme bedeuten. Genau das soll der technische Service verhindern – damit die Entscheidung über Sieg oder Niederlage auf der Strecke fällt und nicht in der Werkstatt.
(mack)