Entwicklung & Code
Rüstungsindustrie sucht Softwareentwickler so stark wie nie
Die europäische Rüstungsindustrie baut ihre Stellenangebote weiter aus – und sucht dabei vor allem Softwareentwickler. Unter den 25 größten europäischen Rüstungsunternehmen macht Softwareentwicklung mit 14,7 Prozent den größten Einzelanteil aller ausgeschriebenen Profile aus, knapp vor Produktion und Mechanik (14,6 Prozent) sowie klassischem Ingenieurwesen (11,5 Prozent).
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Das geht aus einer aktuellen Analyse des Indeed Hiring Lab hervor. Demnach lagen die Stellenangebote der Branche im April 2026 rund 65 Prozent über dem Niveau von 2021 – während der Gesamtarbeitsmarkt im selben Zeitraum 15 Prozent unter dem damaligen Wert liegt. Zwischen April 2025 und April 2026 legten die Ausschreibungen der Rüstungsfirmen noch einmal um 14 Prozent zu.
IT-Fachkräfte mit Hard- und Software-Know-how gesucht
Frankreich bleibt mit 33 Prozent aller Ausschreibungen der größte Standort, Deutschland und Großbritannien liegen bei jeweils rund 20 Prozent, Italien kommt auf 13 Prozent. In Deutschland stiegen die Stellenangebote zwischen April 2025 und April 2026 um 22 Prozent und liegen inzwischen 60 Prozent über dem Durchschnitt vor Beginn des Ukraine-Krieges. Zu den untersuchten deutschen Firmen gehören Diehl, Hensoldt, Rheinmetall und thyssenkrupp. Aus Frankreich sind unter anderem Dassault Aviation, Safran und Thales Teil der Stichprobe, aus Großbritannien BAE Systems, Rolls-Royce und die Serco Group, aus Italien Fincantieri und Leonardo.
Besonders relevant für Entwickler: Viele der ausgeschriebenen Rollen liegen laut dem Hiring Lab an der Schnittstelle von Software und Hardware. Systemingenieure und Systemarchitekten etwa benötigen häufig sowohl einen IT- als auch einen Ingenieurhintergrund. Die Hiring-Lab-Analyse aus dem Vorjahr nannte noch IT-Support und Infrastruktur mit 10,5 Prozent als starke Kategorie in Deutschland – darunter explizit auch Cybersecurity-Spezialistinnen und -Spezialisten. In der Praxis dürften also Embedded-Entwicklung, sicherheitsnahe Softwareprojekte und Plattformentwicklung zu den gefragtesten Profilen zählen.
Gegenläufiger Trend zum Gesamtmarkt
Die Dynamik in der Rüstungsindustrie steht in deutlichem Kontrast zu anderen Branchen. IT-Dienstleister in Deutschland planen wegen schwacher Konjunktur und KI-bedingter Effizienzgewinne mit weniger Personal, die Industrieaufträge brechen ein. Die Rüstungsindustrie kann damit zunehmend als Abwerber für knappes Tech-Personal wirken, weil der Bedarf an Software-, Cybersecurity- und Systemengineering-Kompetenzen genau in den Segmenten wächst, in denen auch IT-Dienstleister, Maschinenbau und Automobilindustrie um Talente konkurrieren.
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Das Hiring Lab ordnet allerdings ein, dass die Rüstungsindustrie gemessen an Umsatz und Beschäftigung ein vergleichsweise kleiner Industriezweig bleibt. Die Schwäche etwa der deutschen Automobilindustrie lasse sich durch den Rüstungsboom kaum ausgleichen. Dennoch könnte die wachsende Attraktivität der Branche – befeuert durch steigende Verteidigungshaushalte und den Fokus auf digitale Systeme – die Konkurrenz um Fachkräfte mit Software- und Systemkompetenz weiter verschärfen.
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