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Schriftklassiker Gotham goes Variable › PAGE online


Zu ihrem 25. Geburtstag entwickelt Monotype die ikonische Schrift zu einem dynamischen Designsystem weiter – mit stufenloser Kontrolle über Gewicht und Breite und erweiterter Sprachunterstützung.

Im Jahr 2000 entwickelte Tobias Frere-Jones, damals noch Partner bei der Foundry Hoefler&Frere-Jones, exklusiv für das Männermagazin GQ die Schrift Gotham, die 2001 erstmals auf dem GQ-Cover erschien. Ab 2002 war die Schrift für Jedermann zu lizensieren und wurde schnell allgegenwärtig. 2004 als Grundstein für das One World Trade Center ausgewählt und 2008 für Obamas Präsidentschaftskampagne eingesetzt, war Gotham praktisch überall zu sehen und prägte die visuelle Kommunikation weltweit.

Viele globale Marken setzten auf die Serifenlose, darunter Netflix und Coca-Cola, Institutionen wie der United States Postal Service oder Formate wie Saturday Night Live. Inspiration zur Gotham lieferten Tobias Frere-Jones New Yorker Gebäudebeschriftungen aus den 1930er bis 1950er Jahren. 

2014 trennten sich Jonathan Hoefler und Tobias Frere-Jones. Jonathan Hoefler führte die Foundry unter dem Namen Hoefler&Co weiter und verkaufte sie 2021 an Monotype.

Jetzt entwickelt Monotype die Gotham weiter – zu einem dynamischen Designsystem mit erweitertem gestalterischem Spielraum, präziserer Kontrolle und zusätzlicher Sprachunterstützung.

Mit Gotham Variable können Designer Gewicht und Breite stufenlos anpassen. So lassen sich Tonalität und Ausdruck in Echtzeit steuern – in fünf Breiten von Regular bis Condensed und 12 Stärken von Thin bis Ultra. Gotham Variable passt sich nahtlos an Screens, Systeme und Nutzungskontexte an – und bewahrt dabei die Klarheit und Souveränität, für die Gotham steht.

»Gotham hat sich über 25 Jahre hinweg ein außergewöhnliches Vertrauen erarbeitet – von politischen Kampagnen über großflächige Außenwerbung bis hin zu einigen der prägendsten Markenauftritte weltweit. Mit Gotham Variable haben wir uns gefragt, welches Potenzial in dieser Schrift noch steckt, ohne ihr starkes gestalterisches Erbe aus den Augen zu verlieren«, sagt Sara Soskolne, ehemals Senior Designerin bei Hoefler & Co., heute Executive Creative Director bei Monotype und Lead Designerin von Gotham Variable. »Viele der neuen Ausprägungen gab es zuvor nicht. Sie so zu gestalten, als hätten sie schon immer dazugehört, war die größte Herausforderung – und zugleich die wichtigste.«

Neben den technischen Neuerungen erweitert Gotham Variable auch die Sprachunterstützung. Neu hinzu kommt Vietnamesisch – eine der letzten großen Lücken im lateinischen Sprachraum sowie optimierte kyrillische und bulgarische Zeichensätze. Komplexe diakritische Zeichen, Tonmarkierungen und Akzente werden präzise umgesetzt. So können Marken weltweit klar und authentisch kommunizieren.

»Die Ergänzung einer bestehenden Schriftfamilie um neue Sprachsysteme ist alles andere als trivial«, erklärt Jordan Bell, Senior Type Designer bei Monotype. »Proportionen und Stil mussten exakt stimmen, um die DNA von Gotham zu bewahren. Besonders bei Elementen wie hooks und ears war es entscheidend, die Ausdrucksstärke der Schrift präzise zu treffen.«

Mit 54 neuen Zwischenschnitten schließt Gotham Variable den den Designraum der Familie und schafft zusätzliche gestalterische Spielräume. Gotham entwickelt sich von einer statischen Schriftfamilie zu einem responsiven System, das die Anforderungen moderner Gestaltung erfüllt – und zugleich seine vertraute gestalterische Stimme bewahrt.

Gotham Variable ist über Monotype Fonts™, Monotype Connect™ und MyFonts® erhältlich.

        

 

Fünf Fragen an

Sara Soskolne, Executive Creative Director, Lead Type Designer für Gotham Variable (Foto Monotype)

und Jordan Bell, Senior Type Designer, Gotham Variable Vietnamese Addition (Foto Monotype)

Warum ist Gotham bis heute relevant? 

Sara Soskolne: Es ist die Spannung zwischen Gothams konstruiertem Charakter, der ihr diese klare, direkte Qualität verleiht, und der Freundlichkeit, Wärme und Menschlichkeit ihrer Formen, die Gotham diese unverwechselbar schöne Stimme gibt, zu der die Menschen immer wieder zurückkehren.

Außerdem ist die Bandbreite der Gotham enorm. Trotz ihrer neutralen Grundstimme vereint sie eine erstaunliche Vielfalt an Formen und Ausdrucksweisen. Stellt man etwa die normale Thin neben die Condensed Ultra, wirken beide Schnitte fast wie eigenständige Persönlichkeiten – und genauso verhält es sich mit allen Abstufungen dazwischen.

Jordan Bell: Gotham stammt aus der Welt der Alltagsbeschilderung, eine handgemalte Tradition – und trägt dadurch eine intrinsische, bodenständige Geschichte in sich. Gotham ist einer dieser seltenen künstlerischen Momente, in denen es dem Designer gelungen ist, diese sehr menschlichen Qualitäten formal einzufangen – und die Menschen spüren das. Dieser Charakter, diese Hoffnung, strahlt durch.“ 

Was macht Gotham aus? 

Sara Soskolne: Dass Gotham so klar und geometrisch wirkt, wie sie es tut, ist das Ergebnis großer gestalterischer Raffinesse – und überraschend wenig tatsächlicher Geometrie.

Jordan Bell: Gotham besitzt eine organische Qualität in ihrer Geometrie. Gerade diese Dualität verleiht der Schrift ihre menschliche Ausstrahlung und lässt sie so sympathisch, warm und optimistisch wirken. Gotham ist eine der – wenn nicht sogar die – prägendsten modernen amerikanische Serifenlose.

 Wie prägen Gothams Wurzeln in New York City die Schrift bis heute?

Sara Soskolne: „Die typische New Yorker Beschilderung, die Gotham inspiriert hat, bereitet mir jedes Mal Freude und erinnert mich an den Ursprung der Schrift. Gleichzeitig begegnet man heute Gotham selbst deutlich häufiger als den Schildern, die sie einst inspiriert haben – man kann eine Straße entlanggehen und ihr innerhalb eines einzigen Blocks gleich mehrfach begegnen.“ 

Jordan Bell: Beispiele für Beschilderungen im Stil, aus dem Gotham hervorgegangen ist, sind seltener geworden, doch man findet sie weiterhin im Stadtbild. Gothams DNA begegnet einem überall – auf Vinylschildern, in Metall- oder Kunststoffbuchstaben und selbst in gravierten Inschriften. Ihre volkstümlichen Wurzeln prägen die visuelle Identität der Stadt bis heute.

Wie entstand Gotham Variable? 

Sara Soskolne: Gotham ist bereits eine große, etablierte Schriftfamilie, deren Formen sich über die verschiedenen Schnitte hinweg stark verändern. Daraus entstand der Wunsch, auch die Zwischenräume zwischen diesen Formen zu erkunden und sich fließender durch sie bewegen zu können. Uns war wichtig, dass jeder Teil von Gotham Variable nicht nur technisch zugänglich und mathematisch kompatibel ist, sondern zugleich sinnvoll, konsistent und ästhetisch überzeugend bleibt.

Schriften wie Gotham entwickeln sich bis zu einem gewissen Grad organisch weiter – als Reaktion auf neue Anwendungen und gestalterische Anforderungen, ähnlich wie sich auch eine Stadt verändert. Eine bestehende Schriftfamilie nachträglich variabel zu machen, ist deshalb etwas völlig anderes, als eine Variable Font von Grund auf neu zu entwickeln. Es ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einer geplanten Siedlung und dem Versuch, im Nachhinein Ordnung in ein organisch gewachsenes Stadtviertel zu bringen. 

Warum die Sprachunterstützung um Vietnamesisch? 

Sara Soskolne: Die letzte große Gotham-Veröffentlichung im Jahr 2015 brachte Unterstützung für Griechisch und erweitertes Kyrillisch über alle 66 Schriftschnitte hinweg. Mit Gotham Variable war die Erweiterung um Vietnamesisch der logische nächste Schritt.

Jordan Bell: Sara und ich haben intensiv über das Design bestimmter Glyphen gesprochen – etwa über Details wie hooks und ears. Meine ersten Entwürfe sahen diese Formen zunächst anders vor, aber nach vielen Diskussionen entschieden wir uns für eine expressivere Gestaltung, um die Gotham-DNA stärker zu bewahren. 

 



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