Digital Business & Startups
Söders Raumfahrt-Größenwahn: Ups, er hatte recht
Bayerns „Bavaria One“-Programm wurde einst belächelt. Jetzt müssen wir dafür sogar dankbar sein.
Es war 2018, als alle über Bayern lachten. Also: ich auch. Aber wir in Norddeutschland haben ohnehin eine angeborene Aversion gegen die Bayern. Da kann man nichts machen.
Jedenfalls: Damals hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gerade seine Raumfahrtinitiative „Bavaria One“ angekündigt. Der allgemeine Tenor: Der kleine Freistaat will also bei den Russen, Amerikanern und Chinesen mitmischen – größenwahnsinnig. Und auch ein bisschen putzig. „Söderchens Mondfahrt“ nannte Satiriker Oliver Kalkhofe das Vorhaben damals. He he, lustig – auch, weil man sich Söder direkt in einer kleinen blau-weißen Rakete vorstellt, oder?
Na ja, Plottwist: Nicht mal zehn Jahre später gibt es wirklich eine bayerische Raumfahrt-Industrie. Ja, Sapperlot! Und in dieser Woche gab’s einiges dazu zu vermelden.
Was ist passiert?
Erfolg Nummer eins: Am Samstagabend hat es erstmals eine deutsche Rakete in den Orbit geschafft. Das gilt als Meilenstein in der Entwicklung. Sie stammt von dem bayerischen Startup Isar Aerospace. „Spectrum“ ist eine sogenannte Trägerrakete. Zukünftig soll sie Satelliten in die Umlaufbahn bringen – also Unternehmen wie SpaceX-Konkurrenz machen. Oder zumindest eine europäische Alternative darstellen.
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Erfolg Nummer zwei: Am Dienstag wurde bekannt, dass es das europäische Startup The Exploration Company geschafft hat, 450 Millionen US-Dollar von Investoren einzusammeln. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im Raum München und weitere Standorte unter anderem in Frankreich, Spanien und Italien. The Exploration Company entwickelt wiederverwendbare Raumfahrzeuge, die irgendwann mal eine Infrastruktur ins All ermöglichen sollen – zum Beispiel, um die Raumstation ISS mit neuem Personal oder Fracht versorgen zu können.
Warum ist das wichtig?
Spätestens seit dem Erfolg von Elon Musks Space X ist klar, dass das Weltall zukünftig eine entscheidende Größe in der Weltwirtschaft – ja, sogar bei der Verteidigung – spielen wird. Schon jetzt umkreisen etwa 13.000 aktive Satelliten die Erde. Das sind ungefähr zehnmal so viele wie noch vor zehn Jahren. Und ein großer Teil davon gehört zum Starlink-Netzwerk von SpaceX. Europa ist dementsprechend abhängig. Und Startups wie Isar Aerospace und The Exploration Company aus Bayern versuchen das zu ändern. Und sind damit zumindest auf einem guten Weg.
Was hat das mit Bavaria One zu tun?
Dass mindestens zwei der bis dato erfolgreichsten europäischen Space Tech Startups aus dem Raum München kommen, ist zumindest kein Zufall. Das Programm finanziert zwar selbst keine Startups, aber baut ein Ökosystem, das die richtigen Bedingungen bietet, unter denen diese Startups wachsen können. Der vielleicht greifbarste Erfolg von Bavaria One ist die neue Luft- und Raumfahrtfakultät der Technischen Universität München in Ottobrunn. Aus einer zuvor sehr kleinen universitären Raumfahrtlandschaft wurde eine eigenständige Fakultät mit zahlreichen neuen Professuren aufgebaut. Für Unternehmen kann das entscheiden sein, weil dadurch mehr Ingenieure und Forscher in der Region ausgebildet werden. Und schon entsteht ein eigenes Ökosystem.
Mia san Mia
Helmut Schmidt sagte mal, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen. Der SPD-Mann stand für eine unaufgeregte, pragmatische Politik. Das war allerdings 1980 – und die Welt hat sich seitdem massiv verändert. Oder wie ein anderer, ähnlich bekannter Deutscher später rappte: „Die Zeiten ändern sich, die Zeiten ändern dich.“ (Ihr merkt, wir sind hier bei den Zitaten breit aufgestellt.)
Vielleicht geht’s ja auch einfach gar nicht mehr ohne Visionen – und ein bisschen Größenwahn. Denn das Tempo, in dem sich alles verändert, wird nicht in Deutschland bestimmt. Trotzdem müssen auch wir hier alle mit den Konsequenzen leben.
Der Startup-Szene kommt dabei eine besondere Rolle zu. Hier hat man seit Jahren Visionen (und eh keine Zeit für Arztbesuche). Es ist gut, wenn das auch von der Politik nicht nur verstanden, sondern auch unterstützt wird. Bayern, unter der Leitung von Söder, setzt sich seit Jahren für Startups und Innovationen ein. Nicht nur die Raumfahrt konnte dort zuletzt florieren, sondern insgesamt die Deeptech-Branche. So hat sich in Bayern rund um die TUM ein ganzes Ökosystem entwickelt, das im kommenden Jahrzehnt Milliarden erwirtschaften könnte. Und das wird schon lange nicht mehr belächelt.
Auf die Gefahr, dass meine Heimat, Bremen, mich ausweisen wird, sag ich’s jetzt einfach: Mia san Mia, gebt dem Söderchen seine Mondfahrt!
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DHDL: 4 Löwen kämpfen um Startup – so ging es nach der TV-Aufzeichnung weiter
Mit 20 und 24 Jahren treten Charlotte Lieben und Mike Leon Lichtenberg mit Cropsta bei „Die Höhle der Löwen“ an und lösen ein Bieterduell um ihr Startup aus. So ging es nach dem Deal mit Dümmel weiter.
Mit 20 und 24 Jahren vor mehreren „Löwen“ zu stehen und zu pitchen, braucht Mut. Mike Leon Lichtenberg und Charlotte Lieben aus Kleinmachnow wagen genau das in der „Höhle der Löwen“ – und wollen mit ihrem Startup Cropsta gleich den Fashion-Markt erobern. Ihr Pitch überzeugt gleich mehrere Investoren – am Ende entscheidet sich das Paar für Ralf Dümmel.
Ihr Produkt, der Cropsta, ist ein verstellbares Band, mit dem sich Kleidungsstücke auf die gewünschte Länge bringen lassen. Pullover, T-Shirts, Kleider oder Blusen können damit ohne Knoten oder Abschneiden gekürzt werden.
Laut dem Gründerpaar komme das Produkt nicht nur bei jungen Leuten gut an. Auch Charlotte Liebens Oma gehöre zu den Kundinnen: Mit 82 Jahren könnte sie dabei sogar die älteste Cropsta-Nutzerin sein, erzählt sie in der „Höhle“.
Vom TikTok-Shop in die Höhle der Löwen
Seit Anfang 2025 ist Cropsta auf dem Markt. Rund 6000 Produkte haben die beiden nach eigenen Angaben bereits verkauft und damit etwa 61.000 Euro Umsatz erzielt. Der Verkaufspreis liegt bei 12,99 Euro, die Nettomarge liegt nach Angaben der Gründer bei rund 92 Prozent. Ein Teil des Umsatzes komme dabei über den TikTok Shop: Rund 25.000 Euro sollen darüber erwirtschaftet worden sein. Außerdem betreiben die Gründer einen eigenen Onlineshop.
Lichtenberg spielte in „Maxton Hall“ mit – jetzt will er Unternehmer sein
Für Aufmerksamkeit sorgen die beiden Gründer auch selbst, denn sie sind keine Unbekannten auf TikTok und Instagram: Zusammen kommt das Paar auf rund 600.000 Follower. Charlotte Lieben erreicht rund 100.000 Menschen, Mike Leon Lichtenberg etwa 500.000.
Lichtenberg bringt zudem Erfahrung vor der Kamera mit. Er war unter anderem in der Jugendserie „Spotlight“ zu sehen und arbeitete als Double für den Schauspieler Damian Hardung in der Netflix-Serie „Maxton Hall“. Sein langfristiges Ziel sieht allerdings nicht die Schauspielerei vor. In zehn Jahren wolle er Unternehmer sein.
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„Wir haben komplett alles alleine gemacht“
Während des Pitches kommen der jungen Gründerin die Tränen. „Ich wusste, dass es heute sehr emotional wird“, sagt sie. „Wir beide sind extrem jung. Wir haben komplett alles alleine gemacht. Das sind nur wir beide.“ Für das Paar sei der Auftritt deshalb ein besonderer Moment. Mike Leon Lichtenberg spricht von einem „Full Circle Moment“, denn er trägt ein Löwen-Tattoo auf dem Arm.
Maschmeyer verspricht einen Deal
Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer macht den beiden schon früh Hoffnung. Er sei zwar nicht der ideale „Löwe“ für das Produkt, doch „wenn euch hier keiner einen Deal geben sollte, dann gebe ich euch einen Deal“, sagt er.
Frank Thelen steigt zunächst aus. „Ich bin nicht der passende Investor. Aus dem Grund bin ich raus.“
Doch lange müssen die beiden nicht auf weitere Angebote warten, denn es beginnt ein regelrechtes Bieterduell.
Vier Löwen wollen Cropsta
Johannes Kliesch ist begeistert von den Gründern und ihrem Produkt. „Ich finde euch so sympathisch. Ich will euch helfen“, sagt er. Gemeinsam mit Judith Williams macht er den beiden ein Angebot: 70.000 Euro für 40 Prozent der Firmenanteile. Zusätzlich soll eine Umsatzbeteiligung fließen. Für jedes verkaufte Cropsta würden Williams und Kliesch zusammen einen Euro erhalten.
Doch Dümmel will nicht seinen Konkurrenten das Geschäft überlassen. „Das müsst ihr mit mir machen“, sagt er zum Gründerpaar. „Ich gebe euch die 70.000 Euro und gebe euch 30 Prozent. Ich muss das Ding machen.“
Williams und Kliesch verzichten auf Anteile
Das Gründerpärchen zieht sich also zur Beratung zurück. Doch während die beiden überlegen, legen Williams und Kliesch noch einmal nach. Ihr neues Angebot verändert die Ausgangslage deutlich: Die beiden Löwen wollen gar keine Unternehmensanteile mehr. Die beiden Gründer könnten ihre 100 Prozent behalten. Stattdessen soll lediglich die Royalty gezahlt werden, allerdings gedeckelt auf insgesamt 140.000 Euro.
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Cropsta entscheidet sich für Dümmel
Für Dümmel ist das kein Grund, sein Angebot zurückzuziehen: „Naja, ob das jetzt so ein großer Vorteil ist. Scheiß auf Royalty“, sagt er sinngemäß. Am Ende müsse das Herz entscheiden, mit wem die Gründer am Tisch sitzen und arbeiten wollen.
Lichtenberg und Lieben ziehen sich ein weiteres Mal zurück und entscheiden sich am Ende für Dümmel. Damit bekommt er für 70.000 Euro 30 Prozent an Cropsta.
So ging es nach der TV-Aufzeichnung weiter
Gründerszene hat nachgefragt, wie es nach dem Deal in der Show weitergegangen ist.
Mike Leon Lichtenberg sagt im Gepsräch mit Gründerszene: „Wir hatten den Deal mit Ralf Dümmel gemacht. Danach ging es relativ schnell in die Gespräche, und dann auch in die Arbeit mit dem Team von Ralf Dümmel und der DS Group.“
Die Gespräche dauern an, so Lichtenberg. „Wir sind jetzt noch in den Verhandlungen, weil wir mit dem Einzelhandel besprechen, ob und wie Cropsta Ende des Jahres in den Handel kommen kann.“
Parallel sei ihr Produkt weiterhin online erhältlich. Im eigenen Shop können Kunden die Produkte derzeit in verschiedenen Farben für 11,99 Euro bestellen. Bundles werden für 33,13 Euro angeboten.
Auch Ralf Dümmel ist nach wie vor von der Marke und dem Gründerduo überzeugt, heißt es auf Anfrage. „Charlotte und Mike haben ein echtes Fashion-Problem erkannt und daraus eine Lösung entwickelt, die verständlich ist, funktioniert und perfekt in den Alltag passt“, sagt er. Er sei beeindruckt davon, was die beiden bereits aus eigener Kraft aufgebaut hätten. „Ich bin mir sicher, Cropsta wird noch für richtig viel Aufmerksamkeit sorgen und hat für mich das Zeug zum nächsten großen Fashion-Item.“
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Startup erreicht mit KI-Firma 100 Millionen Dollar ARR – so soll es weiter wachsen
Ein Formel-1-Ingenieur verlässt die Welt des Rennsports, um sich einer technisch viel größeren Herausforderung zu stellen: Robotern beizubringen, in Fabriken zu arbeiten. Das war im Herbst 2025.
Jetzt hat Bercan Kilics Startup Microagi einen Meilenstein geknackt: die 100-Millionen-ARR-Marke. Sprich, einen wiederkehrenden Jahresumsatz von 100 Millionen US-Dollar. Und das nur ein halbes Jahr, nachdem das Münchner Startup sein Produkt Shift gelauncht hat – eine KI-Plattform für reale Trainingsdaten, um Robotern Arbeitsprozesse beizubringen.
Erst im Sommer dieses Jahres hat Microagi einen Rekord aufgestellt und 55 Millionen US-Dollar in einer Seed-Runde eingesammelt – die bislang größte Seed-Finanzierungsrunde in Deutschland. Angeführt wurde die Runde von Hummingbird unter Beteiligung von Northzone, LocalGlobe, Village Global und Redalpine. Eine Unternehmensbewertung will Microagi nicht offenlegen.
Wer ist der Gründer?
2023 bekam Bercan Kilic seinen Traumjob als Aerodynamik-Ingenieur bei Red Bull Racing. Er stieß zum Formel-1-Team zu einer Zeit, als Red Bull die Rennserie noch beherrschte. Doch der Reiz ließ schnell nach.
Die Technik sei großartig gewesen, sagt er, aber er wollte seine Fähigkeiten für etwas Größeres einsetzen: Roboter in Fabriken bringen und so dazu beitragen, Waren und Dienstleistungen günstig und in großer Menge verfügbar zu machen.
Die Plattformen von Microagi
Wie genau? Microagi unterstützt Hersteller dabei, Roboter für bestimmte Aufgaben zu trainieren. Dafür werden Beschäftigte bei ihrer Tätigkeit mit Kameras und sensorbestückten Handschuhen aufgezeichnet. Diese Daten werden auf der Crowdsourcing- und Datensammelplattform Shift gesammelt. Anhand der Videoclips wird bestehenden Robotermodellen beigebracht, wie sie bestimmte Aufgaben in der Fabrik eines Kunden ausführen sollen. Das läuft über die zweite Plattform von Microagi namens Atlas.
Aber das Startup macht aus Videoclips nicht nur Trainingsdaten, sondern sucht auch passende Roboter für Fabriken aus und installiert sie in die Produktionslinie.
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Microagi sorgte diesen Sommer mit einer viralen Aktion bereits für Aufmerksamkeit. In New York bot das Unternehmen kostenlose Wohnungsreinigungen an. Im Gegenzug wurden die Reinigungskräfte aus ihrer eigenen Perspektive dabei gefilmt, wie sie Geschirr spülten, Böden wischten oder Wäsche falteten.
Die Finanzierungsrunde von Microagi fand zu einer Zeit statt, in der Investoren massiv in Robotik und physische KI investieren – angetrieben durch den Wandel der KI von Chatbots hin zu Maschinen, sinkende Hardwarekosten, Arbeitskräftemangel und den Druck, Lieferketten zurück ins Inland zu verlagern.
Nehmen Roboter Arbeitsplätze weg?
Dass Microagi Arbeitsplätze der Menschen gefährden könnte, die heute beim Training der Roboter helfen, sieht Kilic nicht. Vielmehr seien Industrieroboter nötig, um den Arbeitskräftemangel in Europa und den USA abzufedern und bei der Automatisierung mit China mitzuhalten.
Laut einem Bericht der International Federation of Robotics wurden in China im Jahr 2024 rund 295.000 Fabrikroboter installiert, was 54 Prozent der weltweiten Gesamtzahl entspricht – im Vergleich zu 34.200 in den USA.
„Wer eine Fabrik betreibt, kennt die Rechnung längst“, sagt Kilic. „Die erfahrensten Mitarbeiter gehen noch in diesem Jahrzehnt in Rente, und es gibt schlicht nicht genug Nachwuchs, um sie zu ersetzen. Produktion zurück ins eigene Land zu holen, funktioniert nur mit Robotern.“
Warum es einen Wandel braucht
Microagi wurde im vergangenen Jahr in einem Münchner Hackerhaus mit dem Ziel gegründet, Roboter aus den Forschungslabors an die Arbeitsplätze zu bringen. Der Name des Startups spiegelt Kilics Überzeugung wider, dass KI-Modelle kleiner werden müssen, bevor Milliarden von Robotern eingesetzt werden können [Anm.d.Red.: micro bedeutet klein; AGI steht allgemein für Artificial General Intelligence]. Der Betrieb riesiger Modelle auf so vielen Maschinen würde zu viel Rechenleistung erfordern, sagt er.
Ursprünglich wollte sich Microagi ausschließlich darauf konzentrieren, bestehende Roboter und KI-Modelle bei Kunden zum Einsatz zu bringen. Dafür sollten die Modelle mit den Daten des jeweiligen Unternehmens trainiert und anschließend in dessen Betrieb eingesetzt werden. Doch das Team stellte bald fest, dass viele der verfügbaren Robotikmodelle noch nicht leistungsfähig genug waren, um dafür eine brauchbare Grundlage zu bieten.
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Kilic vergleicht das Problem mit der Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters. Ein Erwachsener könne eine Tätigkeit in der Fabrik vielleicht in einer Woche erlernen, während ein Kind sie möglicherweise nie beherrschen würde, egal wie gut die Anleitung sei. Bestehende Robotikmodelle seien, so sagt er, noch immer eher mit Kindern vergleichbar. Diese Erkenntnis veranlasste Microagi dazu, Shift aufzubauen.
Laut eigenen Angaben von Microagi gebe es Shift mittlerweile in mehr als 15 Ländern und mehr als 25.000 Menschen würden dafür bezahlt, ihre Arbeitsabläufe aufzunehmen. Die Aufnahmen verkauft Microagi anschließend an KI-Labore und Robotikfirmen, die KI-Modelle für Roboter entwickeln.
Kilic wollte die Modellpartner von Microagi nicht namentlich nennen, doch zu den Unternehmen, die diese Art von Technologie entwickeln, gehören Physical Intelligence, Skild AI und Generalist AI. Microagi passt die Modelle seiner Partner anhand der Fabrikdaten jedes Kunden an und hilft anschließend bei deren Einsatz auf Robotern. Zu seinen Kunden zählen Unternehmen aus der Automobil-, Logistik- und Lebensmittelindustrie, sagt er.
„Wir stellen den Laboren Daten zur Verfügung, sie liefern uns Modelle, und dann ergänzen wir diese mit firmeneigenen Daten, um unsere Kunden zufriedenzustellen“, sagt Kilic.
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Shift ist Microagis Antwort auf einen der größten Engpässe in der Robotik. Große Sprachmodelle wurden anhand riesiger Mengen an Texten und Bildern aus dem Internet trainiert, doch für Roboter gibt es keinen vergleichbaren Datenschatz. Der Robotikforscher Ken Goldberg von der UC Berkeley hat dies als „100.000-Jahre-Datenlücke“ bezeichnet und damit auf die Diskrepanz zwischen den für Roboter und Chatbots verfügbaren Trainingsdaten hingewiesen.
Shift konkurriert mit Unternehmen wie Scale AI, Turing und Micro1, die ebenfalls Menschen dafür bezahlen, sich bei der Ausführung von Aufgaben zu filmen, die Roboter eines Tages übernehmen könnten.
Auf der Jagd nach einem „ChatGPT-Moment“
Kilic erklärt, Microagi werde die Millionen aus der Seed-Runde nutzen, um die für das Training von Robotikmodellen erforderliche Rechenleistung zu finanzieren, das Datenerfassungsnetzwerk von Shift auszubauen und seine Präsenz in den USA von New York aus zu stärken.
Er glaubt, dass die Robotik sich ihrem „GPT-2-Moment“ nähert. Bei Sprachmodellen war dies der Zeitpunkt, an dem Forscher feststellten, dass das Hinzufügen von mehr Daten und Rechenleistung zu vorhersehbaren Verbesserungen führen konnte. Robotikunternehmen seien noch dabei, diese Formel zu erarbeiten, so Kilic, doch er glaubt, dass die Branche nicht mehr weit von ihrem „GPT-3.5-Moment“ entfernt sei – dem Zeitpunkt, an dem die Technologie nützlich genug für einen breiten Einsatz wird.
Firat Ileri, geschäftsführender Gesellschafter von Hummingbird, der die Investition der Seed-Runde leitete, sagt, er sei bei einem Besuch in der Münchner Zentrale von Microagi von der Intensität des Unternehmens beeindruckt gewesen – dort schienen die Mitarbeiter das Büro kaum zu verlassen. Hummingbird war ein früher Investor beim KI-Coding-Startup Lovable, der Krypto-Börse Kraken und dem KI-Chip-Startup Etched.
Ileri erklärt, Microagi habe sich durch den Ehrgeiz von Kilic und seinen Mitbegründern sowie durch den Fokus des Startups auf die Automatisierung europäischer Fabriken angesichts der alternden und schrumpfenden Erwerbsbevölkerung auf dem Kontinent hervorgetan. Laut Eurostat lag das Durchschnittsalter in der EU im Jahr 2025 bei 44,9 Jahren, gegenüber 39,6 Jahren zwei Jahrzehnte zuvor. Die Europäische Kommission schätzt, dass die Erwerbsbevölkerung der Union bis 2050 um bis zu 18,8 Millionen Menschen schrumpfen könnte.
Kilics vier Mitbegründer sind der ehemalige Mercedes-F1-Ingenieur Yoan Iliev, der ehemalige Forscher am Alan-Turing-Institut Anton Poletaev, der Ingenieur der RWTH Aachen Nico Nussbaum und der Serienunternehmer Artjem Weissbeck.
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Die fünf Mitbegründer haben sich ein kühnes Ziel gesetzt: Microagi soll innerhalb von fünf Jahren zum weltweit größten Unternehmen werden und mit seiner Technologie den Einsatz von mehreren zehn Millionen Robotern ermöglichen, erklärt Kilic. „Wenn wir in fünf Jahren nicht mehr als 20 oder 30 Millionen Roboter im Einsatz haben, ist das ein großer Misserfolg“, sagt er.
Der Artikel erschien zuerst im Juli 2026 und wurde im Oktober 2026 aktualisiert.
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DHDL: Frank Thelen nennt Pitch „Frechheit“ – dann folgt eine Überraschung
Kein Deal für Ajambow – dafür stellt Gründer Simon Werner seiner Partnerin Susan Schmidt vor den Löwen die Frage aller Fragen.
Bei „Die Höhle der Löwen“ geht es normalerweise um Bewertungen, Umsätze und Beteiligungen. Im Fall von dem Startup Ajambow wird es am Ende allerdings deutlich persönlicher, denn Gründer Simon Werner macht seiner Partnerin Susan Schmidt vor den Löwen einen Heiratsantrag.
Dabei beginnt der Pitch des Gründerpaars aus Borsdorf bei Leipzig zunächst ganz geschäftlich. Schmidt und Werner, beide 55 Jahre alt, seit mehr als 30 Jahren ein Paar, suchen 300.000 Euro und bieten dafür zehn Prozent ihres Unternehmens in der Show an. Das entspricht einer Bewertung von drei Millionen Euro.
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Mit Ajambow haben die beiden einen Sport- und Therapiebogen entwickelt, der Bewegung mit einem ungewöhnlichen Widerstand verbindet. Ein Bogen wird teilweise mit Wasser gefüllt. Bei den Übungen gerät das Wasser im Inneren dann in Bewegung und erzeugt unvorhersehbare Impulse. Der Körper muss darauf reagieren und ständig ausgleichen.
Die Gründer versprechen sich davon unter anderem eine Aktivierung von Muskelketten im Schulter-, Nacken- und Rückenbereich sowie der Tiefenmuskulatur. Eine EMG-Untersuchung der Universität Leipzig habe eine bis zu rund 30 Prozent höhere Muskelaktivierung gezeigt. Rund 200 Videos mit Übungen und Choreografien haben Schmidt und Werner nach eigenen Angaben inzwischen entwickelt.
Die Löwen müssen selbst zum Bogen greifen
Der Pitch fällt dabei sportlich aus:Die Löwen dürfen den Ajambow selbst ausprobieren und müssen sich durch die Übungen bewegen. Schmidt und Werner haben neben dem Gerät auch Musik und Choreografien entwickelt. Entsprechend wird aus dem Pitch eine kleine Sportstunde.
Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung der Sendung kostet der Ajambow 149,95 Euro. Die Herstellungskosten liegen laut den Gründern bei rund 21 Euro. Neben dem Verkauf an Privatkunden setzen sie vor allem auf den Gesundheits- und Fitnessbereich. Das Geschäftsmodell soll dabei insbesondere über Fitnessstudios und Physiotherapiepraxen wachsen. Diese zahlen nach Angaben der Gründer 95 Euro netto im Monat. Der Bogen sei für Präventionskurse zugelassen, die von Krankenkassen übernommen werden können.
Das B2C-Geschäft haben Schmidt und Werner bereits ausprobiert, aber mit überschaubarem Erfolg. Bis zum Zeitpunkt der Aufzeichnung kamen lediglich rund 20 Abonnements zustande. Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen seit seiner Gründung 2024 rund 78.000 Euro Umsatz. Für die Löwen reicht das offenbar nicht aus, um die aufgerufene Bewertung von drei Millionen Euro zu rechtfertigen.
„Ihr liegt so unfassbar weit entfernt“
Janna Ensthaler steigt aus: „Ihr liegt so unfassbar weit entfernt von dem, wie ihr euch bewerten solltet. Ich bin raus.“ Auch Carsten Maschmeyer kann sich ein Investment nicht vorstellen. Er zweifelt hauptsächlich daran, dass sich das Konzept tatsächlich in Krankenhäusern skalieren lässt. „Drei Millionen Bewertung passt hinten und vorne nicht. Es ist kein Investorencase“, sagt er.
Noch deutlicher wird Frank Thelen. „Ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht. Was ihr hier aufruft, ist eine totale Frechheit“, sagt er. Wirtschaftlich sei der Pitch „katastrophal“. Somit verabschiedet auch Thelen sich ohne Angebot. Judith Williams bemängelt ebenfalls, dass zu viele Fragen unbeantwortet geblieben seien. Sie ist damit die vierte Löwin, die aussteigt.
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Bleibt noch Ralf Dümmel. Doch auch er will nicht investieren. Gleichzeitig findet er Gefallen an der persönlichen Dynamik zwischen den beiden Gründern: „Man spürt, wie ihr füreinander brennt.“ Er findet es „süß“, wie sich die beiden an die Hand nehmen. „Das zeigt Gefühle, und die gehören auch dazu.“ Für ein Investment reicht es trotzdem nicht.
Plötzlicher Heiratsantrag
Eigentlich könnte der Pitch damit vorbei sein. Doch Simon Werner hat noch eine Sache zu sagen. „Ein Projekt habe ich noch nicht fertig“, beginnt der Gründer. Dann wendet er sich an seine Partnerin Susan Schmidt und fragt: „Susan, willst du meine Frau werden?“
Ihre Antwort: „Jetzt bin ich aber völlig überrascht. Ja, ich will.“
Damit gibt es bei Ajambow zwar keinen Deal mit einem Löwen, aber dafür einen Ehedeal.
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