Künstliche Intelligenz
Sony-Tempo, Canon ohne Sucher, Nikon rot – die Fotonews der Woche 20/2026
Wenn man meint, die Kamerahersteller hätten alle Register gezogen, legen sie noch eine Schippe drauf. Sony präsentiert mit der Alpha 7R VI eine Kamera, die endlich das schafft, was viele für unmöglich hielten: 67 Megapixel bei 30 Bildern pro Sekunde. Das ist, als würde man einen Elefanten zum Sprinten bringen – technisch beeindruckend, aber man fragt sich: Wer braucht das eigentlich? Vermutlich Sportfotografen, die ihre Motive nicht nur einfangen, sondern in forensischer Detailtiefe sezieren wollen.
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(Bild: heise )
Sonys Sensor-Wunder mit Tempo
Die Alpha 7R VI vereint erstmals Auflösung und Geschwindigkeit. Mit einem rückseitig belichteten, vollständig gestapelten Sensor werden 66,8 Megapixel etwa 5,6-mal schneller ausgelesen als beim Vorgänger. Das Ergebnis: 30 Bilder pro Sekunde mit elektronischem Verschluss, zehn mit mechanischem – genau wie bei Sonys Flaggschiff Alpha 1 II. Der Dynamikumfang soll 16 Blendenstufen erreichen, die Bildstabilisierung 8,5 Stufen in der Bildmitte.
Auch beim Video legt Sony nach: 8K mit 30p, 4K mit 120p und ein effektives Wärmemanagement, das 120 Minuten ununterbrochene 8K-Aufnahmen ermöglicht. Neu ist zudem ein Dual-Gain-Modus, der Rauschen reduziert, ohne Details in den Schatten zu verlieren – eine Premiere in der Alpha-Serie. Der OLED-Sucher leuchtet dreimal heller als üblich und deckt den DCI-P3-Farbraum ab.
Allerdings hat die Sache einen Haken: Sony wechselt auf den neuen Akku NP-SA100, der nicht mehr zu bisherigen Alpha-7-Modellen kompatibel ist. Wer also eine Sammlung von NP-FZ100-Akkus besitzt, muss neu investieren. Die Alpha 7R VI erscheint im Juni für rund 5100 Euro – und wer sich fragt, ob das nicht langsam zu viel wird: Doch, ist es. Aber Sony weiß, dass es genug Profis gibt, die das Geld ausgeben.
Zeitgleich stellt Sony das FE 100–400 mm F4.5 GM OSS vor, ein Super-Telezoom mit konstanter Lichtstärke und einem Autofokus, der dreimal schneller sein soll als beim Vorgänger. Mit 1840 Gramm ist es ein Leichtgewicht und für ein Tele dieser Klasse durchaus handlich. Der Preis: 5000 Euro. Zusammen mit der Alpha 7R VI ergibt das ein System für über 10.000 Euro – da überlegt man sich zweimal, ob man nicht doch lieber ein gebrauchtes Auto kauft.
Canon setzt auf Lüfter statt Sucher
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Canon geht einen anderen Weg und präsentiert die EOS R6 V, eine Kamera, die sich klar an Videografen richtet. Das V steht für Video, und das merkt man: Statt eines elektronischen Suchers gibt es nur ein Display, dafür aber einen internen Lüfter, der beliebig lange Aufnahmezeiten ermöglicht. 4K mit 60p läuft zwei Stunden durch, 7K Open Gate so lange, wie der Akku hält. Das ist ein echter Vorteil gegenüber der EOS R6 Mark III, die ohne Lüfter nach 33 Minuten schlapp macht.
Die EOS R6 V nutzt den gleichen 32,5-Megapixel-Sensor wie die R6 Mark III und die Cinema-Kamera C50. Sie bietet 7K RAW mit 60p, oversampeltes 4K bis 60p und 4K 120p ohne Crop. Auch der Autofokus ist identisch zur R6 Mark III, was bedeutet: schnell, präzise und mit intelligenter Motiverkennung.
Für Fotografen ist die R6 V weniger interessant, da sie nur einen elektronischen Verschluss besitzt und damit in puncto Dynamikumfang gegenüber der R6 Mark III mit mechanischem Verschluss das Nachsehen hat. Aber für Content Creator, die hauptsächlich Videos drehen, ist sie eine kompakte, flexible Lösung. Der Preis: 2500 Euro, also 400 Euro günstiger als die R6 Mark III. Wer also auf den Sucher verzichten kann, spart Geld und bekommt längere Aufnahmezeiten.
Passend dazu stellt Canon das RF 20–50 mm F4 L IS USM PZ vor, ein Standardzoom mit konstanter Lichtstärke und Motorzoom. Es wiegt nur 420 Gramm, bietet einen Bildstabilisator mit bis zu acht Blendenstufen und kostet 1500 Euro. Im Kit mit der R6 V sind es 3700 Euro – ein faires Angebot für Videografen, die ein kompaktes System suchen.
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Nikon schreibt Rekordverluste – aber Kameras laufen gut
Während Sony und Canon neue Geräte vorstellen, kämpft Nikon mit den Zahlen [PDF]. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2025/26 einen Rekordverlust von 86 Milliarden Yen (rund 470 Millionen Euro) eingefahren. Das klingt dramatisch, ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Großteil der Verluste geht auf eine einmalige Abschreibung von 91,3 Milliarden Yen zurück, die mit der Übernahme von Nikon SLM Solutions zusammenhängt, einem Hersteller für metallischen 3D-Druck. Die Firma läuft nicht so gut wie erhofft, also wurden die Bücher angepasst – kein frisches Geld fließt ab, aber die Zahlen sehen trotzdem furchtbar aus.
Die Imaging-Sparte von Nikon hat ihre Umsatzziele erreicht und liegt nur 1,8 Prozent unter dem Vorjahr. Der operative Gewinn ist zwar um 59,5 Prozent gesunken, aber das liegt vor allem am Verkauf von MRMC, Nikons Roboterkamera-Unternehmen, und an Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Die Kameras selbst laufen solide, vor allem die Z5 II, Z50 II und ZR haben sich gut verkauft.
Für das kommende Jahr erwartet Nikon weniger Kamera-, aber stabile Objektivverkäufe. Der Gesamtmarkt soll schrumpfen, was die Sache nicht einfacher macht. In der Vergangenheit hat Nikon jedoch immer wieder gezeigt, dass man sich auch aus schwierigen Situationen herausarbeiten kann. Die Produkte stimmen, die Zahlen müssen folgen.
Shutterstock zahlt 35 Millionen Dollar wegen unfairer Abo-Praktiken
Während die Kamerahersteller mit Technik und Zahlen kämpfen, hat Shutterstock ein anderes Problem: Die US-Handelskommission FTC hat dem Stockfoto-Anbieter vorgeworfen, Kunden mit unfairen Abo-Praktiken abgezockt zu haben. Shutterstock soll wichtige Infos zu automatischen Verlängerungen und Kündigungsgebühren versteckt haben, Kunden ohne ausdrückliche Zustimmung belastet und Kündigungen absichtlich erschwert haben.
Das Unternehmen zahlt nun 35 Millionen Dollar, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Das Geld geht direkt an die betroffenen Kunden. Shutterstock muss zudem seine Abo-Praktiken ändern: klare Offenlegung der Bedingungen, ausdrückliche Zustimmung vor Abbuchungen und einfache Kündigungsmöglichkeiten. Gut so, denn versteckte Gebühren und komplizierte Kündigungen sind ein Ärgernis, das niemand braucht.
Rene Matić gewinnt den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026
In der Kunstwelt hat Rene Matić den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026 gewonnen. Die Ausstellung „AS OPPOSED TO THE TRUTH“ im CCA Berlin überzeugte die Jury mit ihrer Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und politischen Zwängen. Matić ist erst 29 Jahre alt und damit eine der jüngsten Preisträgerinnen in der Geschichte des Awards. Der Preis ist mit 30.000 Pfund dotiert, die anderen Nominierten erhalten jeweils 5.000 Pfund.
Die Ausstellung in der Photographers‘ Gallery in London läuft noch bis zum 7. Juni und zeigt, wie vielschichtig Fotografie sein kann – von dokumentarischer Arbeit über experimentelle Konzepte bis zu Installationen mit Sound. Matić selbst sagt, dass es nicht nur um Repräsentation geht, sondern darum, wie wir repräsentiert werden wollen: „Ich will als jemand dargestellt werden, um den man sich kümmert.“
Empfehlung zum Wochenende: Technologie trifft Kreativität
Unsere Empfehlung für einen Long Read zum Wochenende: Die Interviews und Hintergründe zu den nominierten Fotografen des Deutsche Börse Photography Foundation Prize. Die Arbeiten von Jane Evelyn Atwood über Frauengefängnisse, Weronika Gęsickas humorvolle Fake-Enzyklopädie und Amak Mahmoodians Reflexionen über Exil und Erinnerung zeigen, wie vielfältig und relevant Fotografie heute ist. Und wer sich für die technische Seite interessiert, findet in den Datenblättern zur Sony Alpha 7R VI und zur Canon EOS R6 V genug Stoff zum Staunen – oder Kopfschütteln über die Preise.
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(tho)