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Steam Machine kostet über 1.000 Euro: Was geht im Selbstbau zum selben Preis?
Der Preis der von Valve am Montag vorgestellten Steam Machine hat die Befürchtungen vieler Interessenten bestätigt. Bereits die kleinste Konfiguration kostet mit 1.039 Euro einen vierstelligen Betrag, das System ist außerdem nur nach Losverfahren zu kaufen. Grund genug, sich anzusehen, was alternativ im Selbstbau möglich ist.
Simplizität, Design und schmaler Fußabdruck bleiben unerreichbar
Vorab müssen die folgenden Betrachtungen jedoch ein wenig eingeschränkt werden. Das Offensichtlichste zu Beginn: Ein Selbstbau-PC ist natürlich nicht unmittelbar mit einem fertigen System vergleichbar, weil er selbst gebaut werden muss. Das mag für die ComputerBase-Community ein banaler Akt sein, die Simplizität, ein fertiges Gerät auszupacken, anzuschließen und loszuspielen ist aber ein großer selling point von Spielekonsolen oder eben auch der Steam Machine. Diese „out of the box“-Erfahrung ist manchen Menschen bares Geld wert.
Weiter geht es mit dem Erscheinungsbild des Systems: Den Formfaktor der Steam Machine und das schlichte, schicke Würfel-Design wird im Selbstbau nicht erreicht werden können. Hier werden Abstriche gemacht werden müssen, der Fokus dieses Artikels liegt klar auf der bestmöglichen Performance.
Mini‑ITX-Komponenten sind überwiegend Premium-Hardware, die Preisaufschläge für die kleinen Platinen immens, auch Gehäuse kosten schnell ein Vielfaches. Unter Betrachtung strenger Budgetlimitierungen geht der Blick deshalb zum nächstgrößeren Standard: Micro-ATX (µATX). Hier finden sich in der Regel die besten Budget-Mainboards, die vernünftige Ausstattung für vergleichsweise kleines Geld bieten. Auch Gehäuse sind in diesem Segment oftmals günstiger als ihre ATX-Geschwister.
Preisbewusst PC-Komponenten zu kaufen heißt im Jahr 2026 in der Regel auch, dass man RGB bekommt, ob man nun möchte oder nicht. Gerade bei den Gehäusen fällt dies stark auf. Wer einen PC sucht, der sich unauffällig ins Wohnzimmer einfügt, muss gegebenenfalls nochmal ein paar Euro mehr in die Hand nehmen.
Zwei Alternativsysteme im Fokus
Nachfolgend sollen zwei Systeme thematisiert werden. Was kostet ein Leistungsäquivalent zur Steam Machine eigentlich im Selbstbau? Da die Hardware, auf die Valve für seine „PC-Konsole“ zurückgreift, fast von der Stange ist, ist dieser Vergleich relativ einfach.
Die zweite, womöglich interessantere, Betrachtung ist: Wie viel Leistung kann der Spieler für den Preis des Basismodells der Steam Machine eigentlich bekommen? Die Intuition sagt: deutlich mehr. Aber in Zeiten einer durch KI getriebenen Speicherkrise, die den Release der Steam Machine erst verzögert und deren Preis in die Höhe getrieben hat, lohnt sich ein genauer Blick. So viel sei schon verraten: Auch hier müssen Abstriche bei RAM und SSD gemacht werden.
Was kostet ein Äquivalent zur Steam Machine?
Valve bedient sich für die Steam Machine bei vergleichsweise günstigen Chips von AMD, die eine solide Performance liefern sollen. Während die CPU als Sechskerner auf Basis von Zen 4 noch durchaus vorzeigbar ist, fällt die Grafikleistung deutlich ab. Ähnliche Hardware ist auch für den Desktop PC erhältlich.
Beim Prozessor fällt die Wahl für den Vergleich auf den AMD Ryzen 7500F. Mit seinen sechs Kernen und einem Boost-Takt von bis zu 5 GHz agiert dieser in etwa auf dem Niveau der CPU in der Steam Machine, auch wenn diese auf nur 30 Watt beschnitten ist.
Eine GPU auf Basis von RDNA 3 mit 28 Ausführungseinheiten kommt nahe an eine Radeon RX 7600 (32 Compute Units) heran, allerdings mit engerem TDP-Korsett von 110 Watt (vs. 165 Watt bei der RX 7600). Dennoch dient diese Karte als beste Vergleichsbasis.
Beim Rest der Hardware wird soweit wie möglich gespart – wobei sich auch das an der Steam Machine orientiert. Ein A620-Mainboard muss es richten, und reicht auch für den grundsätzlichen Betrieb aus. Das Gehäuse Von Antec kommt, am Zahn der Zeit, als „Aquarium“ daher. Ausschlaggebend für die Wahl war jedoch, dass beim Hersteller kein totaler Ramsch zu erwarten ist und für unter 60 Euro ein Case mit ganzen sechs (!) Lüftern ab Werk erhältlich ist.
Beim RAM und Storage wird wie bei der Steam Machine ebenfalls auf 16 GB respektive 512 GB zurückgegriffen. Allerdings kommt die SSD von Samsung in jedem Fall mit TLC-NAND daher und sollte somit auch bei hohem Füllstand noch solide performen – was angesichts der geringen Kapazität auch zwingend erforderlich ist. Beim RAM kommt abweichend von der Steam Machine auch ein Kit aus zwei Riegeln zum Einsatz. Für den „sweet spot“ für AM5, DDR5‑6000 mit niedrigen Latenzen wie beispielsweise CL30, reicht es aber nicht. Somit ergibt sich folgendes Bild:
Das System in dieser Konfiguration liegt bei rund 815 Euro und somit mehr als 200 Euro niedriger als die Steam Machine. Die Leistung ist indes leicht über dieser zu verorten, da die GPU über mehr Ausführungseinheiten verfügt und diese, genauso wie die CPU, sich mehr Leistungsaufnahme genehmigen darf.
Wie viel Leistung gibt es zum selben Preis?
Interessant wird es, wenn sich nicht an der Hardware der Steam Machine orientiert wird, sondern am Preis. Über 1.000 Euro sind schon ein saftiger Preis für die gebotene Hardware, gerade im Hinblick auf die Grafikleistung. Die vorherige Konfiguration liefert bereits eine solide Basis, an der nur noch wenige Änderungen vorgenommen werden müssen, um eine deutlich schnelleres System auf die Beine zu stellen.
Gehäuse, RAM, CPU samt Kühler, sowie die SSD bleiben unverändert bestehen. Gerade was Arbeitsspeicher und Storage angeht wäre ein Upgrade wünschenswert, ist in der Speicherkrise aber einfach nicht im Budget. Gerade eine größere SSD würde angesichts moderner Spiele einiges an Komfort mitbringen, da auf 512 GB nur wenige Games Platz finden.
Beim Mainboard gibt es hingegen ein Upgrade. Das Sapphire B650M-E bietet gemessen am Preis reichlich Anschlüsse und kommt mit allen Vorzügen des B650-Chipsatzes daher. Beim Netzteil findet modulares Kabelmanagement Einzug, darüber hinaus ist mit 750 Watt Nennleistung reichlich Potenzial für spätere Upgrades gegeben.
Das dicke Upgrade kommt aber in Form der Radeon RX 9060 XT mit 16 GB VRAM daher. Die Karte ist in Full HD im Schnitt rund 53 Prozent schneller als eine Radeon RX 7600. In WQHD steigt der Abstand auf satte 70 Prozent an. Der doppelte Videospeicher ist ein gewichtiges Pfund und essentiell für die Zukunftssicherheit des gesamten Systems. Wer heute über 1.000 Euro für eine Spielemaschine ausgibt, möchte nicht morgen schon Probleme wegen Speichermangels haben.
Diese Konfiguration kommt auf einen Gesamtpreis von aktuell rund 1.060 Euro. Das ist gut 20 Euro über dem Preis der Steam Machine, die Leistung – gerade in Auflösungen über Full HD – sowie die Zukunftssicherheit liegen jedoch auf einem komplett anderen Level.
Fazit
Wer selbst baut, bekommt mehr Leistung. Punkt. Das ist an sich wenig überraschend, allerdings bestanden durchaus Hoffnungen, dass Valve durch gute Einkaufspreise oder auch schlichte Subventionierung der Steam Machine einen kompetitiven Preis für sein System aufbieten könnte. Der Vergleich mit Eigenbausystemen zeigt: Die gleich Leistung gibt es deutlich günstiger, für’s gleiche Geld hingegen winkt mehr Performance, wenn sich selbst an den Bau gewagt wird.
Fairerweise muss aber auch gesagt werden: Das gesamte Konzept der Steam Machine war darauf ausgelegt, nicht mit dem PC, sondern mit Konsolen zu konkurrieren, indem ein System angeboten wird, das out of the box zu bespielen ist. Die Eigenbau-PCs können damit nicht dienen, ebenso wenig mit dem kompakten Formfaktor.