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Super Streusel: Diese Schwestern haben gemeinsam gegründet


Super Streusel: Diese Schwestern haben gemeinsam gegründet

Kati Decker und Dani Sichting sind die Macherinnen von Super Streusel, einem Versandhandel für Kuchendekoration.
Bertold Fabricius

Das Bild des klassischen Familienbetriebs ist tief im deutschen Wirtschaftsverständnis verankert: der Vater als Gründer und Chef, die Mutter als Lenkerin im Hintergrund, die Kinder als Nachfolger in der zweiten und dritten Generation. Auch für Kati Decker und Dani Sichting wäre das eine Option gewesen. Der Familie gehörten früher mehrere Konditoreien im Rheinland.

Doch weder die Schwestern (noch ihr Bruder) wollten den elterlichen Betrieb übernehmen. Dass sie heute dennoch ein Familienunternehmen führen, empfinden die beiden als eine Art Fügung. Gemeinsame Kindheitserinnerungen, und ein geteilter Chefinnensessel – das passt für die beiden, wie bunte Streusel auf süßen Kuchen. Und die Schwestern sind mit ihrer Unternehmensform nicht allein. Aber Geschwister als Unternehmenslenker – kann das auf Dauer gut gehen?

Erst Kuchen, dann Streusel

Für Kati Decker und Dani Sichting bisher ja, sie sind die Macherinnen von Super Streusel, einem Versandhandel für ausgefallene Kuchendekoration. Angefangen haben die beiden allerdings mit einem anderen Start-up. Die Schwestern vertrieben über das Internet Cakepops, also kleine Kuchen am Stiel. Im Jahr 2013 gründete Dani Sichting den Shop. Wenig später stieg Schwester Kati Decker bei „Guter Kuchen“ ein. Dabei allerdings stellten sie fest, dass es auf dem deutschen Markt nur wenig Dekoration zu kaufen gab. Und so deckten sie sich für ihre Cakepops unter anderem in Australien und Nordamerika ein.

„Irgendwann haben wir uns gedacht: Wenn wir so dringend mehr Auswahl an Streuseln brauchen, dann geht es anderen sicher auch so“, erzählt Dani. Die Idee zum Kuchendeko-Vertrieb war geboren. „Bis zum Name Super Streusel war es dann nicht mehr weit“, sagt Kati. „Nach Guter Kuchen konnte nur Super Streusel kommen“, beendet Dani den Gedanken der Schwester.

2018 hatten die Schwestern die Idee für die handgemischten Streuselmixe.
Super Streusel

Das war 2018. Anfangs war es allerdings alles andere als einfach. „Wir hatten Probleme, auf die Mindestbestellmengen zu kommen“, erinnert sich Kati. Heute ist das anders: Super Streusel lässt bei vielen Herstellern mit eigenen Stanzen produzieren – exklusiv für die Marke. Gerade läuft eine bundesweite Aktion mit einem großen Schokokuss-Hersteller. Zudem hat der Europapark in Rust (Baden-Württemberg) bei Super Streusel Deko entwickeln lassen, die nun den ganzen Sommer auf das Eis im Park rieseln. Dazu haben die Schwestern das Repertoire der handgemischten Streuselmixe um Kuchenglasur erweitert, vertreiben sogar zuckerfreie Streuselvarianten und bieten auf ihrer Plattform Silikonformen, Spritztüllen, Glitzerpuder und Backmischungen an. Musik-Act DIKKA hat ebenso seine eigene Kollektion wie Sänger Ross Antony.

Was als kleiner Betrieb mit nur drei weiteren Mitarbeitenden begann, ist heute ein Unternehmen mit 55 Angestellten. In wenigen Wochen steht ein Umzug in eine größere Betriebszentrale an. Der Komplex aus Büro und Lager an der Kieler Straße ist zu klein geworden. „Früher hatten wir hier einen schönen Eingangsbereich, jetzt stehen hier die Hochregallager. Wir brauchten mehr Platz“, sagt Dani.

Als Kinder haben wir uns hin und wieder gestritten, wie Geschwister eben sind.

Natürlich war nicht immer alles harmonisch. „Als Kinder haben wir uns hin und wieder gestritten, wie Geschwister eben sind“, erinnert sich Dani. Und auch in der Anfangszeit im Start-up „gab es schon mal Streit – aus Überforderung, weil wir alles selbst gemacht haben“, sagt Kati. Dani ergänzt: „Im ersten Jahr war das.“ Heute? „Gibt es eigentlich keinen Tag mehr, an dem wir streiten.“

Dass sie als Schwestern zusammenarbeiten, empfinden beide als großen Vorteil. „Wir sind glücklich, dass wir das Unternehmen gemeinsam führen“, sagt Dani. Und Kati ergänzt: „Weil man sich alles sagen kann.“ Diese Offenheit ist für sie ein zentraler Erfolgsfaktor. „Man versucht nicht alles selbst zu lösen, wie es vielleicht wäre, wenn man einen Mit-Geschäftsführer hätte, zu dem man keine engere Beziehung hat. Man fragt einfach schnell die andere, weil sie ja die Schwester ist“, erklärt Dani.

Viele erfolgreiche Familienunternehmen

Was für die beiden Schwestern ein Erfolgsrezept ist, ist es auch für rund 420.000 andere Firmen in Deutschland. Zahlen des Verbands der Familienunternehmen zufolge sind rund 90 Prozent aller deutschen Unternehmen von Familien geführt. In Hamburg sind es zwar im Vergleich zu Ländern wie Bayern oder Baden-Württemberg, wo es viele Kleinbetriebe, Landwirtschaft und Handwerk gibt, pro Kopf wenige Familienunternehmen. Allerdings gilt Hamburg als Hauptstadt der erfolgreichen Familienbetriebe. 186 der 5000 umsatzstärksten Familienunternehmen finden sich laut Mittelstandsportal „Die Deutsche Wirtschaft“ in der Hansestadt. Darunter sind die bekannten großen Namen wie Otto, Beiersdorf oder Fielmann.

Aber die Hansestadt hat auch bei den kleineren Familienbetrieben starke Marken zu bieten. Eine dieser bekannten Labels ist das Schwesternbusiness „Hey Honey“. Den Grundstein für ihre Yogaklamottenmarke legten die Schwestern Imke von Johnston und Janka Oeljeschlager 2015, beide waren in der Textil- und Modebranche beheimatet und beide sind Yoga-Fans. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnten: Fünf Jahre später würde eine Pandemie die Welt aus den Angeln heben und die Menschheit ins Homeoffice verbannen.

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Zu sagen, „Hey Honey“ verdanke seinen Erfolg der Pandemie, wäre zu einfach. Schließlich waren die Leggings, deren Markenzeichen früh Leoprint-Muster waren, getaucht in für Leoprint ungewöhnlichen Farben – Altrosé, Kobaltblau oder Smaragdgrün – bereits zwei Jahre nach Firmengründung und damit lange vor Corona der letzte Schrei. Und nicht nur unter Yogis.

Etwa zu diesem Zeitpunkt, 2017, stieß Tomma Oeljeschlager, die heute für alles rund ums Marketing zuständig ist, hinzu. Die Gründerinnen kamen an den Punkt, an dem klar war: Das wird größer, als zu zweit zu stemmen ist.

Tomma hatte zu dem Zeitpunkt gerade fertig studiert. „Meine Schwestern haben mich angesprochen und ich habe nicht lange gezögert. Die Entscheidung fiel aus dem Bauch heraus und war absolut richtig.“ Als die Menschen nach dem Ausnahmezustand schließlich wieder in die Büros zurückkehrten, wurde klar: Sportliche Kleidung generell war bürotauglich geworden. Das verpasste dem jungen Label noch einen zusätzlichen Schub.

„Hey Honey“. Den Grundstein für ihre Yogaklamottenmarke legten die Schwestern Imke von Johnston und Janka Oeljeschlager 2015.
Hey Honey/SCHAH PHOTOGRAPHY

Die drei Schwestern ziehen an einem Strang, was nicht heiße, bei ihnen laufe stets alles rund. „Klar knirscht es auch mal. Meistens dann, wenn wir unter Zeitdruck stehen oder viele Themen parallel jonglieren müssen. Wir sind drei unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken – das ist unsere große Stärke, kann aber im Alltag auch zu Spannungen führen“, sagt Tomma Oeljeschlager. Es helfe dann, die „Reibung“ als Teil des Prozesses zu sehen – „sie zeigt, dass alle mit Herzblut dabei sind.“ Meistens hake es, wenn es um Geschmacksfragen oder kreative Entscheidungen geht, bei denen wir nicht sofort auf einen Nenner kommen.

Zuletzt ging es um eine neue Print-Idee, da waren sich zwei in einer Sache einig, die Dritte hingegen nicht. Aber es sei nie ein Gegeneinander, sondern eher ein Ringen um die beste Idee, so Tomma Oeljeschlager. „Wir haben uns dann die Zeit genommen, noch einmal auf unsere Marken-DNA zu schauen und haben uns bei unserem Team Feedback eingeholt. Am Ende haben wir den Entwurf überarbeitet und einen gemeinsamen Weg gefunden – mit einem Ergebnis, das wir alle lieben.“

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Zusammen seit dem ersten Atemzug

Der Kit, der sie zusammenhält, ist, dass sie sich blind vertrauen. „Wir kennen uns seit dem ersten Atemzug, das schafft eine ganz besondere Form der Zusammenarbeit.“ Gleichzeitig sei genau diese Nähe manchmal auch herausfordernd, weil sich Berufliches und Privates schwer trennen lässt. „Da hilft es sich bewusst zu machen, dass man nicht immer alles gleich klären muss. Oft ist es gut, eine Nacht oder mehrere darüber zu schlafen.“

Wir kennen uns in- und auswendig – mit allen Stärken und Schwächen. Aber genau deshalb sind wir auch besonders achtsam miteinander.

Es heißt ja, dass einen kaum jemand so verletzen könne wie Geschwister. Weil sie um die wunden Punkte wissen, die man von anderen gut zu verstecken weiß. Kommt das dem Schwestern-Trio bekannt vor? „Auf jeden Fall. Wir kennen uns in- und auswendig – mit allen Stärken und Schwächen. Aber genau deshalb sind wir auch besonders achtsam miteinander. Wir sprechen Konflikte direkt an und wissen, dass am Ende die Beziehung zueinander wichtiger ist als jeder Streit. Diese Offenheit und Tiefe machen unsere Zusammenarbeit so besonders – und stark.“

Was beide Gründerinnenkombos eint: Die Schwestern haben gelernt, ihre familiäre Nähe in unternehmerische Klarheit zu übersetzen – und dabei eine neue Form des Familienunternehmens geschaffen. Nicht geerbt, sondern gemeinsam gegründet. Und das bringt ihnen einen Vertrauensvorschuss, den kein Businessplan der Welt garantieren könnte.

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