Künstliche Intelligenz
Ungeplantes Geoengineering: Aufbau von Starlink & Co. mit Folgen für Atmosphäre
Die stark wachsende Zahl von Raketenstarts für den Aufbau von Starlink & Co. „gleicht einem unregulierten Geoengineering-Experiment, das viele unbeabsichtigte und schwerwiegende Folgen für die Umwelt haben könnte“. Das meint Eloise Marais, die Leiterin einer internationalen Forschungsgruppe, die untersucht hat, wie groß die Luftverschmutzung durch die Raketen ist. Herausgekommen ist dabei, dass allein der Aufbau der sogenannten Megakonstellationen schon für mehr als ein Drittel der Klimabelastung durch die Raumfahrt verantwortlich ist; 2029 sollen es mindestens 42 Prozent sein. Das liegt primär an dem bei Starts ausgestoßenen Ruß, der dabei so hoch in die Atmosphäre gelangt, dass er über 500-mal stärker das Klima belastet als Ruß aus Fahrzeugen und Kraftwerken.
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Folgen völlig unklar
Wie das University College London zusammenfasst, hat die Gruppe ermittelt, dass die Raketenstarts für den Aufbau von Starlink & Co. schon jetzt mehr als die Hälfte des gesamten genutzten Raketentreibstoffs verbrauchen. Dieser Anteil soll weiter wachsen. Beobachten konnten auch Außenstehende, dass sich die Zahl der jährlichen Raketenstarts zwischen 2020 und 2025 verdreifacht hat, getrieben fast ausschließlich durch SpaceX und seine Falcon 9. Die Folgen für die Erdatmosphäre werden nur langsam klarer. Schon 2029 könnten die aber so weitreichend sein wie vorgeschlagenes Geoengineering, also technische Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Das geschieht aber weitgehend unreguliert und ohne Abwägung der Konsequenzen.
Der Raketentreibstoff auf Kerosinbasis, den SpaceX verwendet, sorge für die Abgabe von Rußpartikeln in oberen Atmosphärenschichten, erklärt das Forschungsteam. Dort verbleibt er für Jahre, weil er anders als Ruß aus Quellen an der Oberfläche nicht durch Niederschläge entfernt wird. Während der Ruß deshalb dort 540-mal effektiver das Klima beeinflusse als bodennaher Ruß, dürfte die Raumfahrt schon 2029 rund 870 Tonnen Ruß ausstoßen – so viel wie alle Passagierfahrzeuge in Großbritannien. In der Folge dürfte dieser Ruß einen abkühlenden Effekt auf das weltweite Klima haben, aber man müsse trotzdem sehr vorsichtig sein. Welche Folgen sich genau ergeben, sei vollkommen unklar und nur jetzt habe man noch die Möglichkeit, gegebenenfalls gegenzusteuern.
Als Geoengineering bezeichnet man großräumige technische Eingriffe in Kreisläufe der Erde – besonders im Kampf gegen den Klimawandel. Während es immer wieder Warnungen vor solchen Vorhaben und den damit verbundenen immensen Risiken gibt, wird teilweise erwartet, dass Geoengineering angesichts der katastrophalen Folgen der Klimaerwärmung in den kommenden Jahrzehnten mindestens von einzelnen Nationen umgesetzt wird. Ein US-Start-up hat zudem eigenmächtig mit der Freisetzung von reflektierenden Partikeln begonnen. Die jetzt im Fachmagazin Earth’s Future veröffentlichte Studie besagt jetzt, dass es sich bei der rasch anwachsenden Zahl von Satellitenstarts um eine weitere bereits praktizierte Form von Geoengineering handelt, wobei der Effekt vollkommen unbeabsichtigt wäre.
(mho)