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Was Spielplätze über Gleichstellung verraten, sagt dieser Gründer
Ein Vormittag auf dem Spielplatz bringt Gründer Jason Modemann zum Nachdenken. Der Mawave-CEO erklärt, warum die Verteilung von Care-Arbeit entscheidend für Gleichstellung im Job ist.
Jason Modemann, CEO und Gründer der Agentur Mawave und Vater einer Tochter, hat angefangen, Mitmenschen auf Spielplätzen zu zählen – und plötzlich wurde ihm klar, warum Gleichstellung im Job oft scheitert.
Letzte Woche war ich an einem Freitagvormittag mit meiner kleinen Tochter auf dem Spielplatz. Während sie gespielt hat, saß ich auf einer Bank und habe irgendwann angefangen, die Erwachsenen um mich herum zu zählen: Elf Mütter, vier Omas – und ich. Natürlich ist das keine wissenschaftlich fundierte Studie, die ich hier aufgestellt habe. Aber es war auch nicht das erste Mal, dass mir dieses einseitige Bild aufgefallen ist.
Elf Mütter, vier Omas – und ein Vater
Je länger ich dort saß, desto mehr musste ich an eine Diskussion denken, die wir in Unternehmen ständig führen (was natürlich auch wichtig ist!): Gleichstellung. Wir sprechen über Frauen in Führungspositionen, über Karrierechancen, Quoten und moderne Arbeitswelten. Gleichzeitig zeigt ein ganz normaler Freitagvormittag auf dem Spielplatz, dass Ungleichgewichte viel früher beginnen.
Die Zahlen dazu sind ziemlich eindeutig: Frauen leisten in Deutschland durchschnittlich 43,4 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Im Schnitt sind das rund 29,5 Stunden pro Woche gegenüber 20,5 Stunden bei Männern. Und selbst bei Kinderkrankentagen übernehmen Mütter noch immer etwa 73 Prozent der Ausfalltage.
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Als ich diese Statistiken gelesen habe, hat mich das ehrlich zum Grübeln gebracht. Denn die Frage bei Gleichstellung ist für mich nicht nur, wer später im Meeting sitzt, sondern auch, wer morgens den Kinderarzttermin organisiert. Wer spontan zu Hause bleibt, wenn die Kita anruft. Wer im Hintergrund dafür sorgt, dass der Alltag überhaupt funktioniert.
Ich bin der Meinung, dass wir die Debatte um Gleichstellung an der falschen Stelle beginnen. Denn wenn Betreuung, Care-Arbeit und familiäre Verantwortung noch immer überwiegend bei Müttern liegen, dann starten viele Menschen eben nicht mit denselben Voraussetzungen in ihren Berufsalltag.
Klar ist natürlich: Als Gründer und Geschäftsführer kann ich diese gesellschaftliche Realität nicht lösen. Aber ich kann anerkennen, dass sie existiert.
Welche Rahmenbedingungen ich als Arbeitgeber schaffe
Und genau da wird es für mich konkret: Gleichstellung beginnt nicht erst bei Policies oder Benefits, sondern bei der Frage, welche Rahmenbedingungen wir als Arbeitgeber schaffen, um den unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht zu werden. Flexible Arbeitszeiten, Verständnis für familiäre Verpflichtungen oder die Möglichkeit, Familie und Beruf individueller miteinander zu vereinbaren, sind für mich deshalb keine Benefits – das ist für mich die Voraussetzung dafür, dass Leistung überhaupt fair bewertet werden kann.
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Vielleicht ist der Spielplatz deshalb tatsächlich der ehrlichere Gleichstellungsindikator als jede Unternehmensquote. Denn solange sich dort wenig verändert, werden wir viele der Diskussionen im Büro wahrscheinlich immer wieder führen.
Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er über 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“