Künstliche Intelligenz

Wegen Vibe Coding: Open Source nun noch gegen Geld?


Die immer stärkere Nutzung von Vibe Coding gefährdet das Open-Source-Prinzip (OSS). Viele OSS-Entwicklerinnen und -Entwickler ziehen ihre Motivation nur aus dem direkten Umgang mit der Community und dem Feedback von ihr. Was Open Source groß gemacht hat, bleibt durch Vibe Coding nun aber zunehmend aus.

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Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Vibe Coding Kills Open Source“ der Central European University (CEU), der Universität Bielefeld und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. „Unser wichtigstes Ergebnis ist, dass unter traditionellen OSS-Geschäftsmodellen, bei denen die Verantwortlichen in erster Linie das direkte Nutzerengagement monetarisieren (höhere Sichtbarkeit, die zu bezahlten Gelegenheiten oder anderen Formen der Anerkennung führt), eine stärkere Verbreitung von Vibe Coding das OSS-Angebot reduziert und das Wohlergehen senkt.“

Ihre Urheber verstehen dies als Aufruf zum Handeln und schlagen Lösungen vor. Eine besteht darin, auf ein kostenpflichtiges Open-Source-Modell umzuschwenken, das Erträge an die Maintainer und Kontributoren ausschüttet.

Die von vier Ökonomen durchgeführte Studie nennt das CSS-Framework Tailwind CSS als Beispiel für eines von vielen Projekten, dem der Vibe-Coding-Boom zu schaffen macht. Sie zitiert dessen Anbieter mit den Worten, dass Tailwind zwar populärer sei als jemals zuvor, was die Download-Zahlen angeht. Der Traffic bei den Tailwind-Docs sei gegenüber 2023 aber um 40 Prozent gesunken, der Umsatz sogar um fast 80 Prozent.



Stillschweigen: Durch den zunehmenden Einsatz von KI verzeichnen Tailwind (links) und Stack Overflow (rechts) immer weniger Interaktionen.

(Bild: arxiv.org/abs/2601.15494)

Um die Auswirkungen von Vibe Coding auf OSS zu untersuchen, erstellten die Forscher ein Modell des Open-Source-Ökosystems, das auf den zugrundeliegenden ökonomischen Prinzipien basiert. Das Ergebnis: Vibe Coding senkt zwar einerseits die Kosten für die Softwareentwicklung und steigert die Produktivität. Andererseits schwächt es aber die Nachfrage, im Sinne von User-Engagement, und damit den Gemeinwohlgedanken hinter Open Source. „Das zentrale Ergebnis des Modells ist ein Wettrennen zwischen diesen beiden Kanälen.“

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Da es nicht mehr hauptsächlich der Mensch ist, sondern die KI, die mit den OSS-Repositories interagiert, entfällt die Mitmach-Komponente weitgehend. Bei OSS-Maintainern, die sich ausschließlich darüber motivieren, verschlechtere sich dadurch die Qualität und die Verfügbarkeit des OSS-Codes.

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Angesichts des immer beliebteren Vibe-Codings ließe sich der Status quo des OSS-Ökosystems deshalb nur dann aufrechterhalten, wenn man das Wertschöpfungsmodell der OSS-Maintainer grundlegend überdenke. „Die Lösung besteht nicht darin, die Einführung von KI zu verlangsamen – die Vorteile sind zu groß und die Technologie zu nützlich. Die Lösung besteht darin, die Geschäftsmodelle und Institutionen neu zu gestalten, die den Wert an die OSS-Maintainer zurückfließen lassen“, etwa durch kostenpflichtige Angebote.

Da sich KI-gestütztes Programmieren immer mehr durchsetzt, dürfte man um solch eine Diskussion nicht herumkommen.


(who)



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