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Wer Kapital aufnehmen will, sollte früh beginnen


#Interview

„Wir gehen davon aus, dass Deutschland in den kommenden Jahren deutlich aktiver wird“, sagt Sara Sclarsic, Gründerin und General Partner beim Valley-Investor Voyager Ventures. „Insbesondere München entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Startup-Standort.“

Der 2021 gegründete amerikanische Frühphasen-Investor Voyager Ventures, hinter dem Sarah Sclarsic und Sierra Peterson stecken, verkündete zuletzt das Final Closing seines zweiten Fonds (275 Millionen US-Dollar).

In den vergangenen Jahren investierte der umtriebige Geldgeber aus San Francisco bereits in die deutschen Startups Annea (digitale Zwillinge von Windturbinen und Solaranlagen) und Enapi (Transaktionsbroker für die EV-Ladeindustrie). Nun sollen hierzulande zügig weitere Investments folgen.

Der Valley-Investor interessiert sich insbesondere für Themen wie „Energieerzeugung und -verteilung, fortschrittliche Fertigung in der Industrie, kritische Materialien, physische KI und Computing“. Voyager Ventures verwaltet derzeit in drei Fonds 475 Millionen US-Dollar.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Sara Sclarsic, Gründerin und General Partner bei Voyager Ventures, einmal ausführlich über ihre Sicht auf Deutschland.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Voyager Ventures erklären?
Voyager investiert in junge Unternehmen, die die grundlegenden Systeme der Weltwirtschaft neu denken und verbessern. Sie entwickeln Technologien, die Materialien, Energie und industrielle Prozesse effizienter, kostengünstiger und nachhaltiger machen. Wenn sich diese Grundlagen verbessern, werden Volkswirtschaften widerstandsfähiger, das Leben verlässlicher und Wachstum langfristig tragfähig. Voyager unterstützt genau die Unternehmen, die es der globalen Wirtschaft ermöglichen, sich weiterzuentwickeln und dauerhaft anzupassen.

Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?
Kapital bleibt selektiv, doch die Richtung ist klar und zunehmend positiv – insbesondere durch politische Impulse in strategischen Bereichen wie Energiewende und Deep Tech. Das zeigt sich unter anderem an neuen großvolumigen Fonds, mit denen privates Kapital gezielt in industrielle Modernisierung und Klimainfrastruktur gelenkt wird. Auch Zukunftstechnologien wie Fusion sind inzwischen fest in der nationalen Agenda verankert. Diese politischen Signale übersetzen sich zunehmend in konkrete Nachfrage- und Investitionsanreize. Instrumente wie Carbon Contracts for Difference reduzieren Risiken bei der industriellen Dekarbonisierung und schaffen Planungssicherheit. Das ermöglicht es Gründerinnen und Gründern wie auch Investoren, über den Prototyp hinauszudenken und früh auf Skalierung zu setzen. Auf europäischer Ebene tragen zusätzliche Initiativen dazu bei, grenzüberschreitendes Wachstum zu erleichtern – ein entscheidender Hebel insbesondere für deutsche Startups.

Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Wir gehen davon aus, dass Deutschland in den kommenden Jahren deutlich aktiver wird. Insbesondere München entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Startup-Standort, der innerhalb des Landes an Bedeutung und Geschwindigkeit gewinnt. Wir beobachten hier vor allem Dynamik in Bereichen wie Geothermie, Energiespeicherung und industrieller Technologie. Öffentliche Förderinstrumente wirken dabei als Katalysator: Sie mobilisieren privates Kapital und reduzieren Risiken bei realen, kapitalintensiven Projekten. Entscheidend ist, dass sich der Markt insgesamt öffnet. Rund drei Viertel der deutschen Startups planen, in den kommenden zwölf Monaten Kapital aufzunehmen. Wir erwarten, dass die Nachfrage nach Finanzierung bis 2026 weiter anzieht.

Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?
Investoren wollen verstehen, wer ihr seid, wofür ihr steht und wie aus dieser Vision Schritt für Schritt ein belastbares Unternehmen entsteht. Entscheidend ist Klarheit: Wie viel Kapital wird benötigt, wofür genau und wie wird es nachvollziehbar in Wachstum übersetzt? Die Aufgabe von Investoren ist es, Chancen und Risiken zu bewerten. Deshalb lohnt sich Offenheit, insbesondere auch bei den größten Risiken. Transparenz schafft Vertrauen, und gute Investoren werden ohnehin eine gründliche Due Diligence durchführen. Zeigt klar, wo ihr dem Wettbewerb überlegen seid und wo es noch Lücken gibt. Genau dort sehen Investoren häufig Ansatzpunkte, um gemeinsam besser zu werden und langfristig partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Wer Kapital aufnehmen will, sollte früh beginnen. Viele Runden dauern sechs Monate oder länger, und knappe Liquidität schwächt die eigene Verhandlungsposition. Recherchiert gezielt Investoren, die zu eurem Sektor passen: Sie sind in der Regel besser informiert, besser vernetzt und können operativ wirklich unterstützen. Bereitet euch auf konkrete Fragen vor: Wie lange dauert euer Sales Cycle? Warum entscheiden sich Kunden für euch? Ihr kennt euer Geschäft am besten. Je präziser ihr es vermittelt, desto effizienter läuft der Prozess. Denkt zum Schluss bewusst über das Investorenkonsortium nach. Welchen Beitrag leistet jeder Investor über Kapital hinaus? Oft ist eine Kombination aus einem starken Lead-Investor und Co-Investoren sinnvoll, die Mehrwert bei Hiring, Business Development, Produkt oder zukünftigen Finanzierungsrunden liefern.

Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?
Ein Beispiel aus unserem Portfolio ist Enapi, ein Berliner Startup, in das wir im vergangenen Jahr investiert haben. Enapi entwickelt die Daten- und Zahlungsinfrastruktur für ein vernetztes E-Mobilitäts-Ökosystem und betreibt bereits einen Großteil der Ladeinfrastruktur in Europa. Neun der zehn größten E-Mobility-Service-Provider zählen heute zu den Kunden. Aktuell expandiert das Unternehmen in den US-Markt. Darüber hinaus sehen wir starke kommerzielle Fortschritte bei Unternehmen, die neue Verfahren zur Gewinnung kritischer Ressourcen entwickeln – von strategisch wichtigen Metallen bis hin zu grundlastfähiger Energie. Ein Beispiel ist Alta, das eine modulare Technologie entwickelt hat, mit der Seltene Erden zu niedrigeren Kosten als in China produziert werden können. Fortschritt beschränkt sich dabei nicht auf industrielle Systeme. Er zeigt sich auch im Alltag. Unser Portfoliounternehmen Copper hat Haushaltsgeräte rund um integrierte Batteriesysteme neu gedacht. Das verbessert Leistung und Energieeffizienz und bringt Energiespeicherung sowie Versorgungssicherheit direkt in private Haushalte.

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Foto (oben): Voyager Ventures



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