Künstliche Intelligenz
Wildberger: „Wir geben diese digitale Republik nicht auf“
Für Politiker ist der Gang zur Digitalkonferenz re:publica seit Jahren ein gemischtes Vergnügen. Die Konferenz, die in Abgrenzung zu anderen Veranstaltungen die gesellschaftliche Dimension in den Mittelpunkt rückt, gilt unter verantwortlichen Politikern als oft schwieriges Terrain. Und auch für Karsten Wildberger war der Auftritt am Dienstagabend auf der größten verfügbaren Bühne nicht immer einfach. So wie die Zwischenbilanz des Ministers auch sonst gemischt ausfällt, so traf auch das, was der Minister im alten Postbahnhof am Gleisdreieck vorstellen konnte, auf gemischtes Echo.
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Bundesdigitalminister Wildberger versucht, die Zuhörer zumindest für manche seiner Pläne und bisherigen Ansätze als Unterstützer zu gewinnen. Bei einigen Themen ist ihm der Applaus dabei sicher. „In zweieinhalb Jahren müssen wir Produkte haben, die absolut mithalten können“, sagt der Minister über eine Abkehr von dominanten Anbietern bei Office-Software und vergleichbaren Produkten. Beim Zentrum für digitale Souveränität würde laufend überlegt, wie dieses wirksamer ausgestattet werde. Es brauche Produkte, die gegen Konkurrenzprodukte „anstinken können“, so der Minister wörtlich. Das Zendis werde bei veränderten Strukturen das Geld bekommen, das es benötige. „Wir geben diese digitale Republik nicht auf“, ruft der Minister dem Saal zu.
Souveränität darf Komfort kosten
Es gehe aber nicht nur darum, Software für die Verwaltung zu bauen. Sondern bessere Produkte, die auch im Markt bestehen könnten. Dabei würde gelten: „Public Money, public code“. Das ist bei den Zuschauern der re:publica-Konferenz in Berlin applausfähig. Und auch, dass manche Produkte vor allem aus Komfortgründen genutzt würden, bei hohen Lizenzkosten könne dieser Komfort teuer zu stehen kommen.
Wildbergers Perspektive auf die Abhängigkeit von den USA und anderen ist dabei eine der gezielten Aufholjagd. Er hoffe, dass man weiterhin in einer Welt der Zusammenarbeit und des Handels leben würde, aber sich der Risiken bewusst sei und nicht naiv. „Wir sehen, dass technologische Fähigkeiten eine geopolitische Bedeutung haben“, sagt Wildberger mit Blick auf die Weltlage. Weshalb an den Fähigkeiten gearbeitet würde und der Staat sich selbst zu europäischen Anbietern bekennen müsse.
Wildberger appelliert an Community
Er wolle den Dialog mit der Zivilgesellschaft verstärken, hier habe er im vergangenen Jahr zu wenig gemacht, gesteht der Minister ein. Doch wie freiwillig dieses Eingeständnis kommt, ist unklar. Denn zuletzt und auch bei der re:publica wurde durchaus Kritik an einigen der BMDS-Vorhaben laut – etwa am Open-Source-KI-Modul-Projekt SPARK oder auch an der für den Jahreswechsel angekündigten deutschen Umsetzung der EUDI-Wallet.
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Sicherheit habe bei der Umsetzung höchste Priorität, so Wildberger. Für den Erfolg des Projektes gebe es mehrere Kriterien: „Erstmal muss die Wallet funktionieren, dann muss sie überzeugen, indem sie sicher ist“, erklärt der Minister. Am Mittwoch ist das Digitale Identitätengesetz (DIdG)-Identitäten-Gesetz im Bundeskabinett, das die rechtlichen Grundlagen für die Wallet schaffen soll. Dann sollen sich Bürger viel einfacher gegenüber Dritten mit Daten ausweisen können, die staatlich beglaubigt sind – Wildberger denkt dabei etwa an eine „Packstation-App“ und sieht „viele, viele Anwendungsfälle, die das Leben besser machen.“ Aber das würde nur kommen, wenn ihr auch vertraut würde.
Doch das ließe sich nicht verordnen, sagt Wildberger. Die Wallet müsse sich das Vertrauen verdienen. „Wir prüfen das Ding natürlich auch auf Herz und Nieren“, sagt der Digitalminister. Und bittet doch um Mithilfe der Community, dass sie wirklich sicher würde. Es ist eines der Vorzeigeprojekte des Ministers, eines, an dem er sich selbst messen lassen will. Die Angst: dass die staatlich garantierten Daten abfließen könnten. Wildberger verspricht deshalb „volle Transparenz darüber, wer wann was genutzt hat.“ Applaus bekommt er dafür nicht.
Wo Wildberger keinen Applaus bekommt
Und auch das hat seinen Grund. Denn Wildbergers Einstellung zu Deregulierung und Änderungen beim Datenschutz wird auf der re:publica nicht vertraut. „Wir müssen vom reinen Datenschutz zu verantwortungsvoller Datennutzung kommen“, argumentiert der Minister – und der Saal ist totenstill. Eine tiefe Skepsis, dass weniger Datenschutzrecht nicht auch einen Abbau an Grundrechtsschutz bedinge, ist den Teilnehmern anzumerken.
Dass Wildberger ein klares Bekenntnis zu Digital Markets Act und Digital Services Act abgibt, den beiden aus den USA hauptsächlich angegriffenen EU-Regulierungen, ist hingegen beim Publikum konsensfähig. Und auch ein letzter Punkt: „Ich wünsche mir auch von Unternehmen manchmal auch ein bisschen mehr Verantwortung für die Gesellschaft“, so Wildberger. Wenn nicht mehr klar wäre, was wahr und falsch ist, wäre das auf Dauer zersetzend für die Gesellschaft, sagt der Politiker, der im vergangenen Jahr in die CDU eintrat.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Firmensprecher: Varta verliert Apple als Kunden
Apple wird in Kürze keine Knopfzellen für AirPods mehr beim deutschen Batteriehersteller Varta kaufen. Das bestätigte ein Firmensprecher gegenüber der FAZ. Die bestehende Lieferantenbeziehung für sogenannte Coin-Power-Zellen (Knopfzellen) wird demnach nur noch bis Oktober 2026 fortgeführt, anschließend sucht sich Apple einen neuen Akkulieferanten. Wer das sein wird, wurde zunächst nicht bekannt.
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Varta: Es ging nur um den Preis
Apple ist Vartas aktuell wichtigster Geschäftspartner, ein sogenannter Ankerkunde. Laut FAZ ist der Liefervertrag bereits gekündigt. Die Varta-Fabrik in Nördlingen verliere damit „ihre Geschäftsgrundlage“, könnte also schlimmstenfalls geschlossen werden. Bis zu 350 Arbeitsplätze in dem „hoch spezialisierten“ Werk sind bedroht, hinzu kommen weitere Jobs in der 40 Kilometer entfernten Zentrale in Ellwangen. Klar ist bereits, dass die Batterien für Apple nun aus Asien kommen sollen. Dem iPhone-Hersteller sei es bei der Entscheidung nicht um die Qualität gegangen, die „auf Augenhöhe oder besser“ gewesen sei, sondern nur um den Preis.
Varta-Chef Michael Ostermann sagte, die Mitarbeitenden vor Ort hätten „diese Entscheidung nicht zu vertreten“. Man wolle nun „verantwortungsvoll und im engen Dialog mit dem Betriebsrat“ nächste Schritte vorbereiten. Ellwangen bliebe von der Entwicklung hingegen weitgehend unberührt. Ostermann will die nächsten Schritte laut eigenen Angaben „gemeinsam, fair und verantwortungsvoll“ gestalten.
Auf Apple spezialisierte Produktion
Apple AirPods, die jährlich millionenfach verkauft werden dürften, verfügen über sehr kompakte, wiederaufladbare Batterien, die jedoch offiziell nicht austauschbar sind – es ist nur mit großem Aufwand möglich. Das heißt: Geht den Stöpseln der Saft aus, werden sie zu Wegwerfprodukten. Varta war für die Coin-Power-Zellen auf Lithium-Ionen-Basis über Jahre exklusiver Lieferant von Apple für die AirPods. Als die Nachfrage stieg, baute das Unternehmen dann den Standort Nördlingen aus. Schließlich entschied sich Apple aber dafür, neben Varta noch weitere Lieferanten ins Boot zu nehmen, was Varta schon einmal in eine Krise stürzte. So sank die Auslastung bereits seit Ende 2022 um die Hälfte. Darauf stellte sich die Firma dann auch mithilfe des staatlichen Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmens für Unternehmen (StaRUG) ein. Doch nun endet die gesamte Lieferbeziehung.
Seit Mai 2025 hatte Varta seine Produktion auf Akkus für neuere AirPods – vermutlich die Modellreihe AirPods Pro 3 – umgestellt. Firmenchef Ostermann gab sich noch vor einem Jahr optimistisch und sagte der FAZ, sein Unternehmen sei „mit Abstand“ größter Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen im Land. Der Chef ist seit Mai 2024 im Unternehmen – und arbeitete seither daran, die Abhängigkeit von Apple zu verringern.
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(bsc)
Künstliche Intelligenz
Plex verdreifacht Preis für Lebenszeit-Pass
Plex verdreifacht den Preis des Plex-Pass-Abos auf Lebenszeit: Statt wie bisher 250 US-Dollar soll er ab dem 1. Juli ganze 750 US-Dollar kosten, teilten die Betreiber des Medienservers mit. Der Pass auf Lebenszeit habe bislang das Abomodell untergraben, begründet Plex den drastischen Schritt. Man habe daher überlegt, den Lifetime-Pass komplett zu streichen. Stattdessen habe man sich aber entschieden, einen Preis zu wählen, der den „echten, fortlaufenden Wert der Software“ abbilde.
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„Im Laufe der Jahre haben sich unsere Software und unser Produkt weiterentwickelt, und damit hat sich auch der Umfang der Funktionen und Vorteile erweitert, die in deinem Plex Pass enthalten sind“, schreibt das Unternehmen. „Diese Anpassung stellt sicher, dass wir weiterhin Ressourcen in die Entwicklung und Wartung der persönlichen Mediensoftware von Plex investieren und gleichzeitig weiterhin eine Lifetime-Option anbieten können.“
Auch Euro-Preis soll steigen
In der Ankündigung nennt Plex ausschließlich die Änderungen bei US-Preisen, weist aber darauf hin, dass auch in anderen Märkten Preiserhöhungen anstehen. In Deutschland kostet der Plex Pass auf Lebenszeit aktuell 230 Euro. Steigen die Kosten in Relation zum US-Preis, käme man bei knapp 700 Euro raus.
Um remote, also aus einem anderen Netz als dem Heimnetz des Medienservers, auf die eigene Mediendatenbank zuzugreifen, ist seit dem vergangenen Jahr ein Plex-Abo notwendig. Es gibt dieses Abo in zwei Varianten. Der Remote Watch Pass für 2 Euro im Monat oder 20 Euro im Jahr ermöglicht es dem Abonnenten, uneingeschränkt auch außerhalb des Heimnetzes auf Inhalte zuzugreifen.
Der Plex Pass für 6 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr erlaubt es allen Nutzern einer vom Abonnenten zur Verfügung gestellten Datenbank, uneingeschränkt auch außerhalb des Heimnetzes auf Inhalte zuzugreifen. Er kommt zudem mit einigen Komfort-Features wie der Möglichkeit, Intros zu überspringen.
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Bis zum 1. Juli noch zum alten Preis
Nur beim Plex Pass gibt es zudem die Möglichkeit eines Lifetime-Abos, das nach einmaliger Zahlung uneingeschränkt nutzbar ist. Mit seinem Preis von 230 Euro entsprach es bislang etwa dem Wert von vier Jahresabos. Verdreifacht sich der Preis, müssten sich Käufer schon sehr sicher sein – selbst elf Jahresabos wären dann günstiger.
Wer bereits einen Plex Pass auf Lebenszeit gekauft hat, behält ihn ohne Einschränkungen. Zudem haben Plex-Nutzer noch bis zum 1. Juli Zeit, den Plex Lifetime-Pass zu den bisherigen Konditionen zu kaufen. Die Monats- und Jahrespreise der Plex-Abos wollen die Betreiber aktuell nicht anpassen.
Alternative Tools wie Jellyfin erlauben Remote-Streaming aktuell ohne Kosten. Zudem kann man versuchen, VPNs einzusetzen, um Remote-Streaming-Restriktionen zu umgehen.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Verhandlungsrunde gescheitert: Streik bei Samsung soll am Donnerstag beginnen
In Südkorea ist auch eine letzte Verhandlungsrunde zwischen Samsung und mehreren Gewerkschaften gescheitert, jetzt kann wohl nur noch die Regierung einen Streik mit potenziell weitreichenden Folgen verhindern. Das berichtet die Korea Times und ergänzt, dass es am Ende vor allem noch darum gegangen sei, ob Bonuszahlungen gleichmäßig verteilt oder verlustschreibende Abteilungen ausgespart werden sollen. Insgesamt hätten mehr als 47.000 Gewerkschaftsmitglieder angekündigt, sich an der Arbeitsniederlegung beteiligen zu wollen, etwas mehr als 7000 Angestellte müssen aber zur Verhinderung von Qualitätsmängeln und für sicherheitsrelevante Tätigkeiten zur Arbeit erscheinen. Der Streik soll am Donnerstag beginnen und 18 Tage dauern.
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Boni für alle, oder an Erfolg geknüpft?
Bei der Auseinandersetzung geht es im Kern darum, wie Samsung die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an den Rekordgewinnen beteiligt, die der Konzern aktuell einfährt. Die Gewerkschaften fordern, dass 15 Prozent der Gewinne für Boni verwendet werden. 70 Prozent davon sollen gleichmäßig auf alle Abteilungen verteilt werden, der Rest abhängig vom jeweiligen Erfolg der Abteilungen, erklärt die Zeitung. Samsung habe das jetzt noch einmal zurückgewiesen, der Konzern behauptet demnach, die meisten Forderungen akzeptiert zu haben, nur nicht komplett von der Leistung unabhängige Boni: Man sei überzeugt, „dass eine Abkehr von solchen Grundsätzen nicht nur unser Unternehmen, sondern auch andere Unternehmen und Branchen negativ beeinflussen könnte“.
Insgesamt geht es bei dem Streit um eine Menge Geld, laut Bloomberg könnte jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin mehr als 340.000 Euro bekommen, wenn sich die Gewerkschaften durchsetzen. Angeheizt wird der Konflikt dabei auch von der Konkurrenz, SK Hynix etwa hat im Herbst eine gewerkschaftliche Forderung nach einer Vergütungsreform akzeptiert, die unter anderem höhere Boni vorsieht. Schon 2027 könnten die durchschnittlichen jährlichen Boni pro Angestellten dort 500.000 Euro überschreiten. Auch deshalb hat Samsung schon zahlreiche Angestellte an Konkurrenten verloren, die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder war sprunghaft angestiegen.
Angedroht ist jetzt ein Streik, der 18 Tage dauern soll. Dabei würde die Speicherproduktion komplett lahmgelegt. Die Folgen für die Industrie und die Lieferketten wären massiv. Allein dem Konzern drohen laut Medienberichten Verluste in Höhe von umgerechnet bis zu 570 Millionen Euro pro Tag. Auch deshalb hat sich zuletzt Südkoreas Regierung an den Verhandlungen beteiligt, der Arbeitsminister kann einen Ausstand für 30 Tage aussetzen, wenn ein Streik die nationale Wirtschaft oder Menschenleben gefährdet. Schlimmstenfalls könnte der Streik das südkoreanische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,5 Prozentpunkte senken, laut Reuters kommen fast ein Viertel der Exporte des Landes von Samsung.
(mho)
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