Social Media
Metas neuer Creative Setup Workflow: Was sich wirklich ändert – und warum das nicht nur eine UI-Frage ist!
Gastbeitrag von Julian Schweizer
Änderungen im Meta Ads Manager sind nichts Neues. Wer regelmäßig mit Facebook- und Instagram-Werbung arbeitet, hat sich längst daran gewöhnt, dass Buttons verschwinden, Menüs umziehen und Prozesse plötzlich anders aussehen als gestern noch. Meistens sind das kleine Anpassungen – manchmal nervend, selten wirklich bedeutsam.
Diesmal ist es anders.
Seit April 2026 rollt Meta einen grundlegend neuen Creative Setup Workflow im Ads Manager aus. Was zunächst wie ein Interface-Update aussieht, verändert in Wirklichkeit, wie du als Werbetreibender Kontrolle über deine Anzeigen ausübst. Und je nachdem, wer du bist, ist das entweder eine Erleichterung – oder ein ernstes operatives Problem.
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Kurzer Exkurs: Wie ist eine Meta-Anzeige eigentlich aufgebaut?
Um zu verstehen, was sich ändert, hilft ein kurzer Blick unter die Haube.
Eine Meta-Anzeige besteht aus zwei zentralen Komponenten: dem Creative und dem Ad.
Das Creative enthält alle gestalterischen Elemente deiner Anzeige – Text, Bild, Video. Je nach Anzeigentyp wird das Creative technisch über unterschiedliche API-Felder definiert.
Das Ad hüllt das Creative ein. Bisher standen im Ads Manager drei Typen zur Verfügung:
Standard Anzeigenformat – ein Bild oder Video, eine Platzierungskonfiguration. Du hast exakt definiert, was wo erscheint. Technisch gesteuert über object_story_spec.
Dynamic Creative – du lieferst mehrere Bilder, Videos, Texte und CTAs, Meta testet automatisch alle Kombinationen und optimiert, welche Elementkombination für welchen Nutzer am besten funktioniert. Wird schrittweise aus dem UI entfernt – technisch unterstützt die API noch alle Kampagnenziele. Gesteuert über asset_feed_spec.
Flexible Ads – du lädst bis zu 10 Bilder oder Videos hoch, Meta entscheidet automatisch ob die Anzeige als Single Image, Video oder Carousel ausgespielt wird. Bisher hauptsächlich für Sales- und App-Promotion-Kampagnen verfügbar. Technisch gesteuert über creative_asset_groups_spec.
Diese drei Typen bleiben technisch im Hintergrund bestehen. Was sich ändert, ist das UI.
Was der neue Workflow konkret bedeutet
Meta führt im Ads Manager einen einheitlichen Creative Setup Workflow ein, der alle Kampagnenziele abdeckt. Die bisherige Unterscheidung zwischen den drei Anzeigentypen verschwindet aus dem Interface – stattdessen gibt es einen nahezu vereinheitlichten Erstellungsprozess.

In der Praxis funktioniert das so: Du lädst bis zu 10 Bilder oder Videos für eine einzige Anzeige hoch. Für jedes Creative lässt sich individuell festlegen:
- Drei Crops pro Creative für die gängigen Seitenverhältnisse (quadratisch, vertikal, horizontal)
- Eigener Primarytext, Headline und Beschreibung pro Creative
- Individuelle Ziel-URL pro Creative
- Placements ein- oder ausschalten pro Creative


Das klingt nach mehr Kontrolle – und auf Creative-Ebene ist es das auch. Wer bisher separate Anzeigen für verschiedene Creatives oder Produkte angelegt hat, kann das künftig in einer einzigen Anzeige zusammenfassen – mit individuellem Text und individueller URL pro Bild.
Dazu kommt ein lang ersehntes Feature: Performance-Reporting pro Creative Asset. Wer mit Flexible Ads gearbeitet hat, kennt den Schmerz – die Reporting-Granularität war kaum vorhanden. Das ändert sich jetzt.
Was du verlierst
Soweit die guten Nachrichten. Nun zur anderen Seite.
Was der neue Workflow nicht mehr bietet, ist die präzise Steuerung darüber, welches Creative in welchem Format auf welcher Platzierung ausgeliefert wird. Meta übernimmt diese Entscheidung automatisch – und ergänzt deine Assets dabei eigenständig mit KI-generierten Elementen wie Musik, Text-Overlays oder automatisch generierten Bildvarianten.
Du kannst zwar noch bestimmen, auf welchen Placements bestimmte Creative-Varianten nicht laufen sollen. Aber die Grundlogik hat sich verschoben: Nicht mehr du entscheidest vollständig, was wo und wie erscheint. Meta entscheidet – mit dem Algorithmus als Regisseur.

Hinzu kommen konkrete technische Einschränkungen beim Cropping: Für das quadratische Format steht nur 1:1 zur Verfügung, obwohl Meta offiziell auch 5:4 unterstützt. Für vertikal gibt es nur 9:16, obwohl 4:5, 3:4 und 2:3 laut Dokumentation ebenfalls gültig wären. Wer für den Feed auf 4:5 setzt – was viele Profis tun – kommt im neuen Workflow aktuell nicht zum Zug.
Für wen das funktioniert – und für wen nicht
Für den einfachen Werbetreibenden ist dieser Wandel eine echte Vereinfachung. Du lädst deine besten Assets hoch, und Meta erledigt den Rest. Kein manuelles Anpassen von Formaten, kein Nachdenken über Platzierungsstrategien. Der Einstieg wird niedrigschwelliger, und in vielen Fällen wird der ROAS – so zumindest das Versprechen von Meta – besser sein als bisher.
Für professionelle Werbetreibende und Marken mit klaren Brand Guidelines ist die Situation eine andere.
Wer exakt steuern muss, welche Botschaft in welchem Format auf welchem Placement erscheint, verliert genau das im UI. Meta könnte ein Bild anders zuschneiden, einen Text-Overlay setzen oder Musik hinzufügen – ohne Vorschau, ohne Freigabe.
Ein konkretes Beispiel: Ein Autohersteller bewirbt ein Leasing-Angebot und ist gesetzlich verpflichtet, die Finanzierungs-AGBs sichtbar und vollständig in der Anzeige darzustellen. Wird das Bild automatisch zugeschnitten oder von einem KI-generierten Element überlagert, können genau diese Pflichtangaben wegfallen. Autohersteller sind bei weitem nicht die einzige Branche, in der das ein ernstes Problem ist – überall dort, wo regulatorische oder markenrechtliche Anforderungen an Werbemittel bestehen, wird der neue UI-Workflow zur Herausforderung.
Die entscheidende Unterscheidung: UI vs. API
Hier kommt der wichtigste Punkt für alle, die professionell mit Meta Ads arbeiten.
Der neue Creative Setup Workflow ist eine Änderung im User Interface des Meta Ads Managers. Im Hintergrund läuft bei Meta alles nach wie vor wie bisher – Dynamic Creative, Flexible Ads und das Standard Anzeigenformat bleiben als technische Grundlage vollständig erhalten.
Das bedeutet: Über die Meta Ads API können professionelle Werbetreibende weiterhin exakt definieren, welches Video oder Bild in welchem Format auf welcher Platzierung ausgespielt werden soll. Die technische Kontrolle ist nicht verloren – sie wurde lediglich aus dem UI entfernt.
Wer also bisher alles über die Benutzeroberfläche gesteuert hat, steht vor einer echten Herausforderung. Wer über die API oder entsprechende Tools arbeitet – wie zum Beispiel die Plattform des Autors, über die er an dieser Stelle aus rein journalistischen Gründen schweigt – kann seine bisherigen Workflows weitgehend beibehalten.
Ein Tausch, kein reiner Verlust – aber du musst dich entscheiden
Der neue Meta Creative Setup Workflow ist kein einfacher Kontrollverlust. Er ist ein Tausch: mehr Flexibilität und besseres Reporting auf Creative-Ebene, weniger Kontrolle über Format und Platzierung im UI.
Für viele wird das funktionieren. Für manche sogar besser als bisher.
Aber wer Kontrolle über seine Markenkommunikation aus gutem Grund braucht, sollte sich jetzt mit der API-seitigen Steuerung vertraut machen. Denn im UI wirst du diese Kontrolle bald nicht mehr finden – und „bald“ ist in diesem Fall bereits angekommen.
Hast du den neuen Creative Setup Workflow bereits in deinem Account? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag. Es besteht keine bezahlte Kooperation.
Social Media
Die Geschichte jedes Social Networks. Immer.
Von der exklusiven Beta über den Goldrausch bis zur Pay-to-Play-Plattform: Seit 20 Jahren wiederholen soziale Netzwerke dieselben Muster. Wer sie kennt, kann ihre Zukunft erstaunlich gut vorhersagen.
Wenn ein neues soziales Netzwerk startet, ist die Aufregung immer groß. Die ersten Nutzer*innen sind überzeugt, dass diesmal alles anders wird. Die Plattform fühlt sich frischer an, die Reichweiten sind hoch und die Community wirkt angenehmer als bei den etablierten Netzwerken. In den Timelines tauchen die ersten Prognosen auf, dass dies nun die Zukunft von Social Media sei.
Ich kann diese immer wiederkehrende Begeisterung gut verstehen. Gleichzeitig habe ich sie inzwischen schon oft genug erlebt.
Egal ob Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, Clubhouse, BeReal oder Threads: Jedes dieser Netzwerke hatte seine eigene Geschichte, seine eigenen Funktionen und seine eigene Kultur. Und trotzdem sind sie fast alle einem sehr ähnlichen Muster gefolgt. Wenn man lange genug im Social-Media-Marketing arbeitet, erkennt man diese Phasen inzwischen erstaunlich früh.
Phase 1: Die exklusive Einladung
Am Anfang steht fast immer die Verknappung. Das Netzwerk ist nur für ausgewählte Personen zugänglich, funktioniert nur mit Einladung oder wird schrittweise in einzelnen Ländern ausgerollt.
Das erzeugt Aufmerksamkeit. Menschen möchten Teil von etwas sein, das noch nicht alle haben. Gleichzeitig entsteht das Gefühl, bei etwas Besonderem dabei zu sein. Die ersten Nutzer*innen identifizieren sich stark mit der Plattform und werden zu ihren größten Fürsprechern.
Phase 2: Der große Hype
Irgendwann öffnet sich das Netzwerk für die breite Masse. Medien berichten darüber, Expert*innen erklären, warum man jetzt unbedingt ein Profil anlegen sollte, und die Nutzerzahlen steigen rasant.
In dieser Phase fühlt sich alles einfach an. Wer Inhalte veröffentlicht, bekommt Aufmerksamkeit. Wer regelmäßig postet, baut schnell eine Community auf. Das liegt vor allem daran, dass es noch deutlich mehr Menschen gibt, die Inhalte konsumieren, als Menschen, die selbst welche produzieren.
Für Unternehmen ist das die schwierigste Phase. Niemand weiß, ob das Netzwerk in zwei Jahren noch relevant ist. Gleichzeitig ist das Risiko gering, weil die Konkurrenz noch überschaubar ist. Wer experimentieren möchte, sollte jetzt lernen und Erfahrungen sammeln, nicht aber sofort große Budgets investieren.
Phase 3: Der Goldrausch
Das ist die Phase, die viele Social-Media-Verantwortliche im Nachhinein verklären. Die organischen Reichweiten sind hoch, die Konkurrenz im Feed ist gering und fast jeder Beitrag erzielt Ergebnisse.
Plötzlich entstehen die ersten Erfolgsgeschichten. Accounts wachsen innerhalb weniger Monate auf sechsstellige Followerzahlen. Unternehmen, die früh dabei sind, erzielen Reichweiten, für die sie später hohe Werbebudgets benötigen würden.
Das ist häufig die beste Phase, um organisch Reichweite aufzubauen. Wer erst einsteigt, wenn alle Erfolgsgeschichten bereits erzählt werden, ist meistens schon etwas zu spät dran.
Phase 4: Die Unternehmen kommen
Sobald die ersten Erfolgsgeschichten die Runde machen, wird das Interesse der Unternehmen größer. Die ersten Marken starten ihre Aktivitäten, Agenturen bieten Workshops an und plötzlich gibt es Best Practices, Strategien und Whitepaper.
Das Netzwerk wird professioneller. Gleichzeitig verändert sich aber auch die Atmosphäre. Der Feed besteht nicht mehr nur aus Menschen, die experimentieren und Spaß haben. Er wird zunehmend von Unternehmen, Creator*innen und professionellen Publishern geprägt.
Jetzt stellt sich die strategische Frage: Möchten wir dort wirklich präsent sein oder haben wir nur Angst, etwas zu verpassen? Nicht jedes neue Netzwerk muss Teil der eigenen Kanalstrategie werden.
Phase 5: Die Plattform möchte Geld verdienen.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich die Plattform monetarisieren muss. Investoren möchten Rendite sehen und die laufenden Kosten müssen refinanziert werden.
Dann erscheinen die ersten Anzeigen.
Interessanterweise reagieren die Nutzer*innen darauf fast immer gleich. Sie beschweren sich darüber, dass das Netzwerk „kommerziell“ geworden sei. Dabei war dieser Schritt von Anfang an absehbar. Die wenigsten Plattformen können langfristig ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell überleben.
Spätestens jetzt sollte niemand mehr davon ausgehen, dauerhaft kostenlose Reichweite zu erhalten. Wer sein gesamtes Marketing auf organische Reichweite aufgebaut hat, wird früher oder später enttäuscht.
Phase 6: Der Feed wird voller
Mit der Zeit produzieren immer mehr Menschen Inhalte. Unternehmen veröffentlichen häufiger, Creator*innen professionalisieren ihre Arbeit und immer mehr Accounts kämpfen um dieselbe Aufmerksamkeit.
Das führt zwangsläufig zu einem Problem: Es gibt deutlich mehr Inhalte als verfügbare Aufmerksamkeit.
Spätestens an diesem Punkt beginnen die organischen Reichweiten zu sinken. Nicht, weil die Plattform plötzlich „böse“ geworden ist, sondern weil das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nicht mehr stimmt.
In dieser Phase gewinnen Positionierung und Wiedererkennbarkeit an Bedeutung. Es reicht nicht mehr, einfach nur präsent zu sein. Unternehmen müssen sich überlegen, warum Menschen ihren Inhalten überhaupt Aufmerksamkeit schenken sollten.
Phase 7: Der Algorithmus übernimmt
Die Plattform muss nun entscheiden, welche Inhalte Nutzer*innen überhaupt noch sehen sollen. Der chronologische Feed verschwindet und Algorithmen übernehmen die Auswahl.
Von diesem Moment an ändern sich die Diskussionen. Plötzlich heißt es, die Plattform habe die Reichweiten zerstört oder bestimmte Inhalte würden bewusst benachteiligt.
In Wahrheit versucht das Netzwerk vor allem, ein Problem zu lösen, das es selbst geschaffen hat: Es gibt zu viele Inhalte für zu wenig Aufmerksamkeit.
Viele Social-Media-Teams reagieren in dieser Phase mit Aktionismus und versuchen, jedem neuen Algorithmus-Update hinterherzulaufen. Häufig wäre es sinnvoller, in bessere Inhalte und eine stärkere Community zu investieren.
Phase 8: Pay to Play
Irgendwann reicht organische Reichweite allein nicht mehr aus. Unternehmen investieren zunehmend in Anzeigen und die Plattform entwickelt immer bessere Werbeprodukte.
Auch das sorgt regelmäßig für Frust. Viele Unternehmen erinnern sich an die Anfangszeit und fragen sich, warum ihre Inhalte nicht mehr dieselben Ergebnisse erzielen wie früher. Und vergessen dabei, dass „einfach irgendwas posten“ in diesem neuen Umfeld nicht mehr funktioniert. Das Netzwerk wandelt sich und so muss auch der Content sich wandeln.
Phase 9: Die Identitätskrise
Irgendwann merkt die Plattform, dass sie nicht mehr mit derselben Geschwindigkeit wächst wie früher. Die Nutzerzahlen steigen langsamer, stagnieren vielleicht sogar. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich auf neue Netzwerke und plötzlich stellt sich die Frage, wie die nächste Wachstumsphase aussehen soll.
Dann beginnt die Zeit der neuen Funktionen. Das Netzwerk kopiert Wettbewerber, startet neue Formate und versucht, neue Zielgruppen anzusprechen. Stories, Kurzvideos, Audio-Räume, Newsletter, Shopping-Funktionen oder KI-Features sind oft weniger das Ergebnis einer langfristigen Vision als der Versuch, neue Relevanz zu schaffen.
Von außen wirkt das manchmal hektisch. Die Plattform sucht nach einem Weg, wieder so spannend zu werden wie in ihrer Anfangszeit.
Phase 10: Die Nostalgie und die treuen Fans
Spätestens jetzt beginnen die Diskussionen darüber, dass das Netzwerk früher besser gewesen sei. Die Nutzer*innen vermissen die Zeit, in der alles einfacher, übersichtlicher und persönlicher wirkte.
Gleichzeitig gibt es aber immer Menschen, die der Plattform treu bleiben. Sie haben dort ihre Community aufgebaut, ihre Gewohnheiten entwickelt und oft einen ganz praktischen Grund, nicht zu wechseln. Wer seit Jahren in Facebook-Gruppen aktiv ist, verlässt das Netzwerk nicht einfach. Und wer sich über Jahre ein Publikum auf Twitter aufgebaut hat, bleibt häufig ebenfalls.
Die größte Ironie dieser Phase ist, dass die Plattform für manche Menschen längst zum digitalen Zuhause geworden ist, während andere bereits vom nächsten großen Netzwerk schwärmen.
Und dann beginnt alles wieder von vorne.
Während die etablierten Netzwerke um ihre Relevanz kämpfen, taucht irgendwo bereits die nächste Plattform auf. Sie ist zunächst exklusiv, wirkt angenehm leer und bietet fantastische organische Reichweiten.
Die ersten Nutzer*innen sind überzeugt, dass diesmal alles anders wird.
Und diejenigen, die schon etwas länger dabei sind, lächeln kurz und denken sich: Wir kennen das Drehbuch bereits.
Denn die Geschichte der sozialen Netzwerke ist selten eine Geschichte von Überraschungen. Viel häufiger ist sie eine Geschichte von Mustern, die sich immer wiederholen. Wer diese Muster erkennt, versteht nicht nur besser, warum sich bestehende Plattformen verändern. Er kann oft auch erstaunlich gut vorhersagen, was als Nächstes passiert.
Und vielleicht hilft dieses Wissen auch dabei, etwas gelassener auf die nächste große Social-Media-Revolution zu schauen. Denn die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir diese Geschichte schon einmal erlebt haben.
Social Media
KI und Community Management im Social Media Marketing: Zwei Trends – ein Ziel?
Als Social Media Manager*in erliegt man gerne der Versuchung, in Trends zu denken. Nicht ohne Grund haben wir hier auf unserem Blog den Trend Report, oder denk mal an die beliebten Postings auf LinkedIn, die jedes Mal aufs Neue zu Jahresbeginn den Blick in die Glaskugel werfen und die Trends fürs kommende Jahr vorhersehen wollen.
Manche dieser Trends treten ein, manche verschwinden wieder so schnell in der Versenkung, wie sie aufgetaucht sind (Grüße an die Dubai-Schokolade) und andere erscheinen regelmäßig wieder wie in einem ewigen Kreislauf. Doch ein Trend dürfte sicher bleiben: Künstliche Intelligenz im Social Media Marketing.
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Community Management: Gegentrend zu KI und Automatisierung
Aber bei allen Vorteilen der KI hat sich auch eine Art Gegentrend auf der Social Media Bildfläche bemerkbar gemacht: Community Management! Interessanterweise sind die Trends miteinander verflochten und es hat seinen Grund, warum sie derzeit parallel ablaufen. Andererseits könnten sie nicht gegensätzlicher sein: Hier KI- und maschinengestützte Automatisierung, da persönlicher Kontakt mit der eigenen Community.
KI im Social Media Marketing macht alles schneller denn je, und das ist ein Problem!
Warum KI derzeit der alles bestimmende Faktor ist, muss eigentlich nicht mehr erklärt werden. KI dürfte wohl so umwälzend für die Branche sein, dass Begriffe wie Trend/Faktor etc. gar nicht mehr ausreichen, um diese Veränderungen im Social Media Marketing und Management auch nur annähernd beschreiben zu dürfen.
Bedeutender war wohl nur die Erfindung von Social Media Plattformen überhaupt, sonst würde es unsere Branche gar nicht geben. Kurz gesagt: KI verändert einfach alles für uns Social Media Manager*innen und Unternehmen und Marken, die es nicht hinbekommen, KI in ihre Prozesse zu integrieren, werden vom Markt schlichtweg verschwinden.
KI gibt uns bessere Einblicke in Daten, lässt uns Muster etwa in der Auswertung von Interaktion besser verstehen und lässt uns Content schneller produzieren als je zuvor. KI hat viele Vorteile, doch eben jene Geschwindigkeit überfordert allmählich alle. Und so wenden sich auf Social Media die Follower*innen wieder mehr Marken und Accounts zu, die ernsthaft mit ihrer Community kommunizieren.
Werden Social Media Plattformen durch Community Management wieder persönlicher?
Schau mal genauer in Social Media Kommentarspalten, dann fällt ein Kommentar-Typus häufiger auf. Der Vorwurf, etwas sei KI-generiert. KI-Inhalte spalten die Gemüter und hinterlassen ihre Spuren. Am auffälligsten ist dabei die gewachsene Bedeutung von Communitys für die Monetarisierung digitaler Inhalte.
Was öffentlich zugänglich ist, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Trainingsdaten der KI. Die Möglichkeiten zur Monetarisierung beschränken sich zusehends auf Angebote, die ausschließlich geschlossenen Communitys zur Verfügung stehen. Mehr dazu liest du hier im Blog, wie KI digitale Geschäftsmodelle bedroht.
Bereits ein Grund, warum die Bedeutung von Community Management zunimmt. Die Kommentarspalten verraten einen weiteren. User*innen kommunizieren lieber mit echten Menschen als mit Maschinen auf Social Media. Also noch! Was hoffentlich so bleiben wird?
Zwar geben wir inzwischen während des Großteils unserer (Arbeits-)Zeit Befehle und Prompts ins Eingabefenster irgendwelcher KI-Tools und Chatbots ein. Aber Antworten und Reaktionen auf Social Media sollten besser von der KI sein, wenn man als Gesprächspartner ernst genommen werden will. Also noch ein Grund für echtes und persönliches Community Management.
Community Management und KI: Gegensatz oder Traumpaar?
Doch so unterschiedlich beide Entwicklungen sind, hat es seine Bewandtnis, warum sie nahezu zeitgleich die Social Media Trends prägen. KI macht alles schneller und Geschwindigkeit ist in den algorithmusgetriebenen Feeds häufig entscheidend, ob Inhalte wahrgenommen werden. Andererseits lässt sich mit KI in Sekundenschnelle so viel Content produzieren wie noch nie, doch Zeit und Aufmerksamkeit sind dennoch begrenzt. Wie also aus der Masse an Inhalten herausstechen? Mit ansprechendem Community Building und Community Management.
Der KI-Trend sorgt auch für einen Wunsch nach Entschleunigung. Gute Communitys bieten daher gemeinsame Erfahrung, persönliche Kontakte und Austausch. Eine Plattform, die es vormacht, ist Reddit. Hier haben KI-Inhalte wenig Chancen und Reddit Marketing, das auf Community Management verzichtet, hat kaum Aussichten auf Erfolg.
KI sorgt also für mehr Inhalte und kann damit zu mehr Reichweite verhelfen. Wobei natürlich auch noch die Qualität der Inhalte stimmen muss. Nur weil ein Content-Piece mit KI produziert wurde, ist das noch kein Garant für wertvolle Inhalte. Aber diese Reichweite wiederum hilft auch beim Aufbau einer Community. KI und Community Management erscheinen vielleicht als gegensätzliche Trends, aber sinnvoll kombiniert können sie einiges erreichen.
KI übernimmt die Routine, der Mensch das Gespräch
Wie? In dem der KI-Einsatz im Social Media Management dazu beiträgt, dass mehr Zeit für das Wesentliche bleibt. Nämlich für den Austausch und das Gespräch mit der eigenen Community. KI sollte nicht dafür eingesetzt werden, um Zwischenmenschliches einzusparen und überflüssig zu machen.
Zurück zum Stichwort “Geschwindigkeit”. Der Einsatz von KI lohnt sich im Social Media Marketing bei Aufgaben, welche die Maschine um einiges schneller erledigen kann, als der Mensch, etwa die Datenanalyse oder die Auswertungen von Kampagenergebnissen oder sich wiederholenden Routineaufgaben.
Mit der neu gewonnenen Zeit bleibt eben mehr Zeit für das Community Management übrig. Und solange auf Social Media noch Menschen und nicht nur Bots unterwegs sind, sollten Community Management und der Dialog mit den Follower*innen eine rein menschliche Aufgabe bleiben. Und falls dafür mal ein paar Daten nötig sind, haben wir ja die KI.
Social Media
Feed und Fudder Podcast 84 – Gen Z Marketing
Zielgruppen ansprechen und mit den richtigen Botschaften erreichen: eine der Kernaufgaben im Social Media Marketing. Doch mit einer Botschaft für alle, ist es nicht getan. Einzelne Zielgruppen müssen mit unterschiedlichen Inhalten und entsprechenden Formaten angesprochen werden.
Besonders wenn es die erste Zielgruppe ist, die mit digitalen Inhalten aufgewachsen ist: die Generation Z. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast mit Social Media Manager*in und GenZ-Marketing Expertin Nicole Klemm über die Bedeutung der GenZ in der Social Media Welt.
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Community Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
Feed und Fudder Podcast 57 – 50+ Zielgruppe der Zukunft
Transkript Feed und Fudder Podcast 84 – Gen Z Marketing
Du bist grad irgendwo, wo es still sein muss, schmöckerst lieber in Texten oder möchtest unsere Folge barrierefrei mit deinem Screenreader lesen? Kein Problem!
Hier gibt es das Transkript zu Folge 84 – Gen Z Marketing
Alexander
Hallo und herzlich Willkommen beim Feed und Fudder Podcast. Ich bin heute nicht allein, ich habe wieder einen Gast dabei. Und wir reden heute über ein Thema, das wir noch gar nicht im Podcast hatten. Deswegen bin ich super erfreut, dass wir heute einen Gast dazu haben. Wir reden heute über Gen Z Marketing. Und da darf ich euch die Nicole begrüßen. Und ja, vielen Dank, dass du hier bist. Stell dich doch einfach mal kurz unseren Zuhörerinnen und Zuhörern vor.
Nicole
Vielen, vielen Dank für die Einladung. Also ich freue mich wahnsinnig, mal so einen Podcast machen zu dürfen.Es ist auch tatsächlich mein erster. Deswegen schauen wir mal, wie es wird. Ich bin die Nicole. Ich bin Social Media Managerin in einem mittelständischen Unternehmen seit etwas mehr als zwei Jahren und mache da tatsächlich diesen klassischen Content, den man auf Instagram oder jetzt auch TikTok sieht.
Alexander
Und wir haben uns ein bisschen auf LinkedIn hin‑ und hergeschrieben und da kam irgendwann das Gespräch auf Generation Z Marketing. Vielleicht ganz kurz. Was ist eigentlich Gen Z Marketing?
Nicole
Tatsächlich geht es darum, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Die jungen Menschen sind aktuell Generation Z oder auch Gen Alpha, die Generation darunter. Über Gen Z reden wir im Bereich 1995 bis 2009, das weicht immer etwas ab, aber ungefähr diese Altersspanne. Im Gen Z‑Marketing geht es, gerade auf Social Media, darum, diese jungen Menschen zu erreichen, zum Beispiel mit Reels, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das könnte Azubi‑Rekrutierung oder Ähnliches sein.
Alexander
Und du hast Reels gesagt. Fällt dir in deiner täglichen Arbeit auf, dass es bei den Generationen Unterschiede in den bevorzugten Formaten gibt?
Nicole
Auf jeden Fall. Gerade Reels, die keinen fachlichen Mehrwert haben, sondern eher auf Aufmerksamkeit setzen, performen bei uns am besten. Ich hatte erst letztens ein Reel, das hatte gar keinen Mehrwert und hatte plötzlich 63.000 Aufrufe auf Instagram. Das ist der Unterschied zu älteren Generationen. Auch wenn ich diese Cluster nicht so mag. Generation Z schaut stärker darauf, dass man ihre Aufmerksamkeit bekommt.
Alexander
An der Stelle eine kleine Zuhörempfehlung: Wir haben auch mal eine Folge über die Generation 50+ gemacht. Wir wollen alle Social‑Media‑Generationen abdecken. Und tatsächlich: Wenn wir in unsere Analytics schauen, werden wir von 20 bis 60 gehört. Darum ist es schön, dass wir heute mal über eine ganz bestimmte Generation sprechen. Wir hatten diese Frage schon im Vorgespräch: Was macht eine Kampagne für diese Generation erfolgreich?
Nicole
Tatsächlich das Authentische. Weg von perfekten Imagevideos oder Stockfotos mit perfekt lächelnden Menschen. Das wollen junge Menschen nicht mehr sehen. Das wirkt für sie fake. Sie wollen Handyvideos, echte Menschen, keine riesigen Logos. Authentizität schlägt heute Perfektion, was vor ein paar Jahren noch Standard war.
Alexander
Du sagst fake und authentisch. Wie hat es diese Generation aus deiner Sicht mit KI? Nehmen sie das noch wahr oder zählt nur guter Content?
Nicole
Ich glaube, KI erkennen wir immer weniger. Das ist Fakt. Aber ich bin sicher, dass echte Menschen immer wichtiger werden. Gerade bei Azubi‑Rekrutierung möchte ich kein KI‑Gesicht sehen, sondern echte Einblicke ins Unternehmen. Wer arbeitet dort? Wen könnte ich treffen? Deshalb sollte man in diesem Bereich unbedingt auf echte Menschen setzen.
Alexander
Wir beide sind ja vorgeprägt durch unsere Arbeit. Und gerade im Recruiting finde ich es klasse, dass man Unternehmen so zeigen kann, wie sie sind. Warum tun sich deiner Meinung nach manche Marken trotzdem so schwer mit Marketing für diese Generation?
Nicole
Wahrscheinlich, weil es etwas Neues ist. Man muss offen dafür sein. Andere Generationen mögen es vielleicht mehr, Kontrolle zu behalten. Unternehmen fällt es schwer, Kontrolle abzugeben, weil Social Media schnelllebig ist. Wenn ein Trend passiert, kann man nicht vier Wochen auf eine Freigabe warten. Man braucht ein Team, dem man vertraut und das schnell umsetzen darf. Und man muss verstehen, warum man das für jüngere Menschen macht, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind und vor einer Bewerbung auf Instagram schauen: Was ist das für ein Unternehmen? Sind die modern, offen, cool? Da scheitert es oft noch.
Alexander
War das für dich eine große Umstellung? Du bist mit digitalen Medien aufgewachsen, aber jetzt bist du auf der anderen Seite des Bildschirms: Strategie, Content, Verantwortung. War das eine große Umstellung oder eher organisch?
Nicole
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Personen wie mich, die damit groß geworden sind, einfacher ist. Ich habe mein erstes Smartphone mit 14 bekommen, Instagram war direkt installiert. Das ist für mich ganz normal, ich besitze seit über zwölf Jahren ein Smartphone. ch bin damit groß geworden. Für mich ist es Teil meines Alltags, wie für viele andere in meiner Generation. Wenn ich meine Oma anschaue, sie ist damit nicht groß geworden. Sie kennt sich damit 0,0 aus. Man kann sich da natürlich reinfuchsen, aber wenn man damit groß wird, fällt es einem leichter.
Alexander
Und dieses Prinzip „Wir machen Content für euch“, also wie es bisher war, funktioniert ja eigentlich nicht mehr. Diese Generation ist damit aufgewachsen. Das klassische Sender‑Empfänger‑Modell funktioniert nicht mehr. Man muss Content aus der Zielgruppe heraus machen, nicht von oben herab für die Zielgruppe.
Nicole
Ja, so sehe ich das auf jeden Fall. Gerade wenn Unternehmen Social Media machen wollen und junge Menschen erreichen möchten, kann ich nur empfehlen: Holt junge Menschen ins Boot. Fragt sie: Wie tickt ihr? Was braucht ihr? Was findet ihr cool? Was findet ihr nicht cool? Geht in offene Kommunikation und arbeitet zusammen. Nicht von oben herab sagen: „Warum sollten wir das machen?“ Sondern in den Dialog gehen.
Alexander
Und bei jungen Menschen nimmt ja auch die klassische Markenbindung ab. Früher hat mein Opa 60 Jahre VW gefahren. Das haben wir heute nicht mehr. Muss man für diese Generation auch die Erfolgsmessung anpassen?
Nicole
Ich glaube, die Schwierigkeit liegt eher in der Aufmerksamkeit. Junge Menschen – und ich weiß das, weil ich dazugehöre – haben eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Es ist für Unternehmen deutlich schwieriger geworden, Aufmerksamkeit zu bekommen, weil es so viel Content gibt. Man hat teilweise drei Sekunden Zeit, um zu überzeugen, bevor jemand weiter scrollt. Die Kunst liegt darin, diese Aufmerksamkeit zu gewinnen. Aber junge Menschen binden sich schon gerne an Marken. Nur an sie ranzukommen ist schwieriger.
Alexander
Das finde ich interessant, weil man oft hört, dass Markenbindung abnimmt. Aber dann ist es eher eine Reichweiten‑ und Aufmerksamkeitsfrage. Jetzt möchte ich einen Schritt zurückgehen. Wir sagen das in fast jeder Folge: Leute, lasst diese Freigabeschlaufen endlich fallen!
Nicole
Oh ja, das stimmt.
Alexander
Wenn es auf LinkedIn Trends gibt, zum Beispiel diese Actionfiguren, dann sind die drei Tage aktuell. Und zwei Wochen später kommt ein Unternehmen mit seinem Actionfiguren‑Posting. Da weiß man genau: Das ging durch fünf Abteilungen, Verwandte wurden gefragt, ein Logo musste drauf. Das ist für jede Generation schwierig. Wie siehst du die Gefahr, dass schlechter Content die Marke beschädigt? Gerade bei einer Generation, die authentischen Content will?
Nicole
Auf jeden Fall. Es gibt ja den Begriff Cringe. Es gibt nichts Schlimmeres als Cringe‑Content, bei dem junge Menschen denken: Was ist das denn? Was machen die da? Das ist komisch. Wenn man diese Zielgruppe erreichen möchte – und das muss man immer dazu sagen, denn nicht jeder hat diese Zielgruppe – dann sollte man junge Menschen ins Boot holen. Sonst kommen Kommentare wie „WhatsApp‑Status‑Vibes“. Gerade auf TikTok ist das schlimm. Wenn junge Menschen das Gefühl haben, dass etwas komisch ist, sind die Kommentare gnadenlos.
Alexander
Du hast TikTok erwähnt. Welche Plattformen sind für die Gen Z am wichtigsten?
Nicole
Aus meiner Erfahrung auf jeden Fall Instagram und TikTok. Wenn man nur Instagram bespielt, sollte man TikTok trotzdem beobachten. Trends kommen dort zuerst und zwei Wochen später auf Instagram. Dann kann man sie übernehmen und sie funktionieren dort gut.
Alexander
Also ist Instagram schneller?
Nicole
Nein, andersrum. TikTok ist schneller. Dort explodiert ein Trend und zwei Wochen später kommt er auf Instagram.
Alexander
Super Tipp, den merke ich mir. Wie siehst du LinkedIn für diese Generation?
Nicole
LinkedIn ist eine ganz andere Zielgruppe. Wir sind dort im B2B‑Bereich. Aus meinen Erfahrungen fangen die Leute dort eher ab 25 plus an. Das ist zwar ein Teil der Gen Z, aber nicht alle – und nicht unbedingt die, die gesucht werden. Auch die Content‑Art ist anders.Fachliche Beiträge liest auf Instagram kaum jemand. Junge Menschen scrollen lieber Reels. Deswegen sehe ich da eine klare Differenzierung.
Nicole
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Personen wie mich, die damit groß geworden sind, einfacher ist. Ich habe mein erstes Smartphone mit 14 bekommen, Instagram war direkt installiert. Das ist für mich ganz normal, ich besitze seit über zwölf Jahren ein Smartphone. Ich bin damit groß geworden. Für mich ist es Teil meines Alltags, wie für viele andere in meiner Generation. Wenn ich meine Oma anschaue, sie ist damit nicht groß geworden. Sie kennt sich damit 0,0 aus. Man kann sich da natürlich reinfuchsen, aber wenn man damit groß wird, fällt es einem leichter.
Alexander
Und dieses Prinzip „Wir machen Content für euch“, also wie es bisher war, funktioniert ja eigentlich nicht mehr. Diese Generation ist damit aufgewachsen. Das klassische Sender‑Empfänger‑Modell funktioniert nicht mehr. Man muss Content aus der Zielgruppe heraus machen, nicht von oben herab für die Zielgruppe.
Nicole
Ja, so sehe ich das auf jeden Fall. Gerade wenn Unternehmen Social Media machen wollen und junge Menschen erreichen möchten, kann ich nur empfehlen: Holt junge Menschen ins Boot. Fragt sie: Wie tickt ihr? Was braucht ihr? Was findet ihr cool? Was findet ihr nicht cool? Geht in offene Kommunikation und arbeitet zusammen. Nicht von oben herab sagen: „Warum sollten wir das machen?“ Sondern in den Dialog gehen.
Alexander
Und jetzt nochmal: Wir haben schon ein paar Mal von Marken und Unternehmen gesprochen. Was würdest du als erste Schritte empfehlen, wenn ein Unternehmen diese Generation ansprechen möchte?
Nicole
Auf jeden Fall zuerst das Ziel definieren. Was wollen wir überhaupt erreichen? Bei uns war es zum Beispiel potenzielle Azubis und dual Studierende. Dann sollte man schauen, wie viele Ressourcen man hat, denn personelle Kapazitäten sind ein großes Thema. Und dann Stück für Stück eine Plattform aufbauen. Nicht direkt Instagram, TikTok, YouTube und alles gleichzeitig starten, sodass es am Ende abnimmt. Lieber mit Instagram anfangen, schauen, ob es läuft, ob genug Personal da ist und ob Leute mitmachen wollen.
Wenn das funktioniert, kann man einen weiteren Kanal dazunehmen. Lieber keinen TikTok‑Kanal als einen schlechten. So würde ich mich Stück für Stück rantasten, besonders wenn das Thema im Unternehmen noch fremd ist.
Alexander
Und auf Strategieebene kommt immer die Frage nach Creators und Influencern. Wie siehst du das? Lohnt sich Influencer‑Marketing bei der Gen Z noch oder wollen sie mehr originären Content aus dem Unternehmen selbst?
Nicole
Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Bei der Gen Z gewinnt meistens der Karriere‑Kanal. Viele Unternehmen haben einen Hauptaccount und einen Karriereaccount. Bei uns ist der Karriereaccount der Hauptaccount. Influencer funktionieren immer noch, aber nicht mehr dieses Auffällige wie früher. Es muss passen: zur Branche, zum Inhalt, zur Zielgruppe. Wenn man jemanden bucht, der nichts mit der Branche zu tun hat, ist das unnötig. Aber wenn es passt, kann es super funktionieren.
Alexander
Du hast gerade etwas Interessantes gesagt: Hauptkanal und Recruiting‑Kanal. Macht ihr das, weil es unterschiedliche Zielgruppen sind? Oder ist es eine Generationsfrage, dass man nicht alle Generationen auf einem Kanal bedienen sollte?
Nicole
Auf jeden Fall. Wenn man unterschiedliche Zielgruppen ansprechen möchte, wird es schwierig, alles auf einem Kanal zu vereinen. Wenn man Azubis ansprechen möchte, der Kanal aber eine Zielgruppe von 45 bis 60 hat, passt das nicht. Wenn man dann ein typisches Gen‑Z‑Video postet, denkt sich die Zielgruppe: „Hä, was ist das?“ Das passiert ja schon im Alltag, wenn man Trends nicht mitbekommt. Deshalb würde ich das separat halten, wenn der Unternehmensaccount bisher eine ganz andere Zielgruppe hatte. Es kommt auf die Strategie an.
Alexander
Zum Abschluss hätte ich gerne noch eine Hoffnung. Egal wie lange man Social Media macht, wir kennen alle das Problem: Social Media ist in Unternehmen oft zu wenig auf Strategieebene angesiedelt. Jetzt haben wir die erste Generation, die mit diesen Medien aufgewachsen ist. Es ist ihr Hauptkommunikationskanal. Vielleicht sorgt Gen Z Marketing endlich dafür, dass Social Media den Platz bekommt, den es verdient.
Nicole
Auf jeden Fall. Ich finde es sehr schade, wenn Unternehmen kein Verständnis dafür haben, dass Social Media kein Aufgabenfeld ist, das jemand nebenbei macht. Es ist eine Ressource, eine verdammt gute Ressource. Und sie wird oft nicht anerkannt. Wir sind mittlerweile an einem Punkt, an dem diese Jobs von Profis ausgeübt werden sollten. Das kann nicht jemand nebenbei machen. Deswegen bin ich da absolut bei dir. Darüber müssten wir noch viel öfter sprechen, denn Social Media ist eigentlich eine ganze Abteilung.
Alexander
Das wäre auf jeden Fall ein Thema für eine weitere Folge. Vielen Dank, dass du dir bei diesem Wetter die Zeit genommen hast, hier bei uns im Podcast zu sein. Und vielen Dank für deine Einblicke in Gen‑Z‑Marketing.
Nicole
Vielen, vielen Dank. Es hat mir unfassbar Spaß gemacht und gerne nochmal.
Alexander
Also ihr da draußen, macht’s gut. Bis zum nächsten Mal.
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