Datenschutz & Sicherheit
Anthropic launcht Claude Code Security – Cybersecurity-Aktien verlieren
Anthropic hat mit „Claude Code Security“ eine neue Funktion vorgestellt, die direkt in die webbasierte Version von Claude Code integriert ist. Das Werkzeug durchsucht Codebasen nach Sicherheitslücken und schlägt gezielte Software-Patches zur menschlichen Überprüfung vor, wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilt. Die Funktion steht zunächst als limitierte Research Preview für Enterprise- und Team-Kunden zur Verfügung. Maintainer von Open-Source-Projekten können einen kostenlosen und beschleunigten Zugang beantragen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Laut der Ankündigung von Anthropic soll das Werkzeug ein grundlegendes Problem in der IT-Sicherheit angehen: Es gebe zu viele Software-Schwachstellen und zu wenig Fachleute, die sich darum kümmern könnten. Während sich viele Analysetools auf die Suche nach bekannten Mustern konzentrieren, nutzen Angreifer immer häufiger subtile, kontextabhängige Sicherheitslücken aus.
Kontextbasierte Analyse statt Musterabgleich
Die weitverbreitete statische Codeanalyse arbeitet laut Anthropic regelbasiert: Sie gleicht Code mit bekannten Schwachstellenmustern ab und findet so etwa offengelegte Passwörter oder veraltete Verschlüsselung. Komplexere Fehler – etwa in der Geschäftslogik oder bei Zugriffskontrollen – blieben dabei jedoch oft unerkannt.
Claude Code Security verfolge einen anderen Ansatz: Statt nach bekannten Mustern zu suchen, lese und analysiere die KI den Code so, wie es ein menschlicher Sicherheitsverantwortlicher tun würde. Das System untersucht, wie Komponenten zusammenwirken und wie Daten durch eine Anwendung fließen. Jeder Fund durchlaufe einen mehrstufigen Verifikationsprozess. Laut der Ankündigung von Anthropic überprüfe Claude zudem seine eigenen Ergebnisse, versuche sie zu bestätigen oder zu widerlegen und filtere Falschmeldungen heraus. Den verbleibenden Funden ordne das System Schweregrade und Konfidenzwerte zu.
Die validierten Ergebnisse stellt das Werkzeug in einem Dashboard bereit, in dem Security-Teams die vorgeschlagenen Patches prüfen und freigeben können. Ohne menschliche Zustimmung werde nichts angewendet – die letzte Entscheidung liege stets bei den Entwicklern, betonen die Anthropic-Verantwortlichen.
Über 500 Schwachstellen in Open-Source-Projekten gefunden
Weiterlesen nach der Anzeige
Anthropic stellt Claude Code Security als Ergebnis von mehr als einem Jahr Forschung dar. Das hauseigene Frontier Red Team habe die Cybersecurity-Fähigkeiten von Claude systematisch getestet – unter anderem in Capture-the-Flag-Wettbewerben und in einer Partnerschaft mit dem Pacific Northwest National Laboratory zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Mit dem Anfang des Monats veröffentlichten Modell Claude Opus 4.6 habe das Team nach eigenen Angaben über 500 Schwachstellen in produktiv genutzten Open-Source-Codebasen gefunden – Fehler, die trotz jahrzehntelanger Experten-Reviews unentdeckt geblieben seien. Die Offenlegung an die jeweiligen Maintainer laufe derzeit noch. Das Unternehmen nutze Claude auch zur Überprüfung des eigenen Codes und habe das Werkzeug dabei als „extrem effektiv“ eingestuft. Claude Code Security solle diese Fähigkeiten nun einem breiteren Anwenderkreis zugänglich machen.
In diesem Zuge räumt Anthropic allerdings ein, dass dieselben Fähigkeiten, die Verteidigern helfen, auch Angreifern nützen könnten. Claude Code Security solle jedoch gezielt Verteidiger dabei unterstützen, Code gegen eine „neue Kategorie KI-gestützter Angriffe“ zu schützen.
Kurse von Cybersecurity-Aktien brechen deutlich ein
Die Ankündigung hatte unmittelbare Auswirkungen an der Börse. Laut Bloomberg fielen die Aktienkurse zahlreicher Cybersecurity-Unternehmen am 20. Februar 2026 deutlich. So verloren etwa die Papiere von CrowdStrike 8 Prozent, Cloudflare 8,1 Prozent, Zscaler 5,5 Prozent, SailPoint 9,4 Prozent und Okta 9,2 Prozent. Der Global X Cybersecurity ETF gab um 4,9 Prozent nach und schloss damit auf dem niedrigsten Stand seit November 2023.
Der Ausverkauf reiht sich Bloomberg zufolge in einen breiteren Trend ein: Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF hat seit Jahresbeginn rund 23 Prozent verloren und steuert auf seinen größten prozentualen Quartalsrückgang seit der Finanzkrise 2008 zu. Viele Investoren fürchten demnach, dass die Möglichkeit des sogenannten „Vibe Codings“ – also der KI-gestützten Softwareentwicklung – die Nachfrage nach etablierten Softwareprodukten verringern und das Wachstum, die Margen sowie die Preisgestaltung der Anbieter unter Druck setzen könnte.
Analysten: Kurzfristiger Gegenwind, langfristig Chancen
„Es gibt einen stetigen Abverkauf bei Software, und heute trifft es die Security-Branche mit einem Mini-Flash-Crash auf eine Schlagzeile“, sagte Dennis Dick, Head Trader bei Triple D Trading, gegenüber Bloomberg. „Diese Art von Markt ist beängstigend für Investoren, weil die Kurse unerbittlich nach unten gehen, sobald auch nur ein Hauch von Disruption auftaucht.“
Jefferies-Analyst Joseph Gallo erwartet laut Bloomberg hingegen, dass der Cybersecurity-Sektor letztlich ein Netto-Gewinner durch KI sein werde. Allerdings dürften sich Rückschläge durch „Schlagzeilen“ zunächst noch verstärken, bevor Klarheit herrsche und sich die Absicherung von KI-Systemen selbst als Wachstumstreiber für die Branche auszahle. Die mittel- bis langfristigen Implikationen von Anthropics Ankündigung seien, dass KI-Anbieter weitere Produkte auf den Markt bringen und um zusätzliche Cybersecurity-Budgets konkurrieren würden.
Anthropic hat in den vergangenen Monaten die Fähigkeiten von Claude kontinuierlich ausgebaut – von der Veröffentlichung von Claude Sonnet 4.6 mit einem Kontextfenster von einer Million Token bis hin zur Bereitstellung von Claude Code als webbasierte Plattform. Unterdessen befeuert der Abgang eines leitenden IT-Sicherheitsforschers bei Anthropic die Bedenken gegen den zunehmenden Einsatz von KI und die Gefahren durch deren Missbrauch.
(map)