Künstliche Intelligenz
Auf Meta Quest grassiert die Piraterie
Das größte VR-Ökosystem steht derzeit an mehreren Fronten unter Druck. Die Verkaufszahlen der Meta Quest sind rückläufig und Nutzer geben deutlich weniger Geld für Spiele aus als noch vor einigen Jahren. Auch das Publikum hat sich gewandelt: Meta Quest wird heute besonders intensiv von Kindern und Jugendlichen genutzt, die kostenlose Multiplayer-Erlebnisse bevorzugen. Studios, die klassische Singleplayer-Spiele entwickeln, haben mit einbrechenden Umsätzen zu kämpfen und sind vielfach von Entlassungen oder Schließungen betroffen.
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Die aktuelle Situation ist nach Ansicht einiger Entwickler nicht allein auf Marktdynamiken zurückzuführen. Sie sehen in der schrankenlosen Piraterie einen Mitgrund für die Krise der VR-Branche und werfen Meta Passivität gegenüber einem Problem vor, das eine ohnehin angeschlagene Industrie weiter aushöhlt.
Eine florierende Piraterie-Szene
In den Medien wurde bislang kaum über Piraterie auf Meta Quest berichtet, was angesichts der Größe und Professionalität der Szene überrascht. Eine zentrale Rolle spielt die mit Abstand meistgenutzte Plattform „Rookie Sideloader“. Das PC-Programm listet tausende VR-Spiele, die sich per Mausklick auf Meta Quest herunterladen lassen. Selbst Updates von Spielen sind mit der Anwendung möglich. „Es gibt unter VR-Entwicklern den Scherz, dass die Nutzererfahrung und Zuverlässigkeit besser sind als die des Quest Stores“, sagt ein VR-Entwickler, der anonym bleiben möchte.

Die Bedienoberfläche des in Entwicklung befindlichen „Rookie Sideloader“ 3.0.
(Bild: Github)
Die Aussage ist überspitzt, verweist jedoch auf einen wahren Kern. Rookie Sideloader erfordert einen PC und eine Kabelverbindung sowie das Hinzufügen einer Ausnahme für Windows Defender. Aber ist das Programm einmal eingerichtet, ist es ausgesprochen nutzerfreundlich. Und am „Rookie Sideloader“ wird weiterhin aktiv gearbeitet: Derzeit befindet sich Version 3.0 in Entwicklung, die laut Github-Beschreibung eine „vollständige Überarbeitung der Bedienoberfläche, deutliche Leistungsverbesserungen und erweiterte Funktionen bringen soll“.
Die dahinterstehende Gruppe nennt sich „VRPirates“ und betreibt ein gut strukturiertes, detailliertes Wiki, das Einsteiger Schritt für Schritt an Installation und Nutzung des Programms heranführt. Neben einer FAQ enthält es Listen von Spielen, die im Multiplayer funktionieren, sowie von Titeln, die bislang nicht „gecrackt“ werden konnten.
Die Anhänger der Plattform tauschen sich auf dem offiziellen Discord-Server der Gruppe aus, der Tausende aktive Nutzer versammelt. Eine weitere zentrale Anlaufstelle ist das Reddit-Subforum r/QuestPiracy mit mehr als 100.000 Mitgliedern. Eine beachtliche Zahl angesichts der vergleichsweise kleinen Größe des VR-Markts.
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Das Ausmaß des Problems
In welcher Größenordnung illegal kopiert wird, lässt sich nicht exakt beziffern. Es gibt jedoch Anhaltspunkte. Bis vor etwa einem Jahr zeigte „Rookie Sideloader“ die exakten Downloadzahlen einzelner Titel an und ermöglichte Entwicklern damit einen direkten Vergleich mit den eigenen Absätzen. Inzwischen haben die Betreiber auf ein relatives Beliebtheitsranking umgestellt, das diese Daten nicht mehr offenlegt.
„Selbst auf Basis dieser relativen Werte zeichnet sich ein klarer Trend ab“, sagt ein VR-Entwickler. „Premiumspiele verschwinden oft bereits nach einer Woche aus den Verkaufscharts, halten sich jedoch monatelang in den Top 10 des Rookie Sideloader“. Ein prominentes Beispiel ist das 2025 erschienene Singleplayer-Abenteuer „Ghost Town“, das zu den besten VR-Spielen des Jahres zählt. Es fiel frühzeitig aus den Top 50 der meistverkauften Quest-Titel und war bei Raubkopierern gleichzeitig sehr populär. Weit vorn in der Beliebtheit rangiert auch das VR-Spiel „Pistol Whip“, dessen Studio Cloudhead Games in dieser Woche Entlassungen von 70 Prozent der Belegschaft ankündigte.

Das Studio hinter dem VR-Kultspiel „Pistol Whip“ musste in der aktuell schwierigen Marktsituation einen Großteil der Mitarbeiter entlassen.
(Bild: Cloudhead Games)
Eine weitere Datenquelle lieferte Meta versehentlich selbst. Im vergangenen November tauchte in Metas Analysewerkzeugen für Entwickler für kurze Zeit ein neues Dashboard auf, das Daten zu App-Sideloads enthielt und Rückschlüsse auf die Zahl illegaler Downloads zuließ. Auch wenn Meta das Dashboard rasch wieder entfernte, konnten einige Entwickler ihre eigenen Daten sichten und mit Verkaufszahlen abgleichen. Dabei ergaben sich je nach Titel Raubkopierraten zwischen 1:1 und 1:4. Die branchenweit bekannte VR-Spieleschmiede Vertical Robot bestätigte dies auf Nachfrage. Ein Vertreter sagte, dass den Zahlen zufolge auf jede verkaufte Kopie der Titel „Red Matter“ und „Red Matter 2“ etwa vier illegale Downloads entfallen würden.
„Ich kann nachvollziehen, dass es immer eine Nachfrage nach so etwas geben wird“, sagt der CEO eines anderen VR-Studios in einer Stellungnahme. „Aber als jemand, der auf Verkäufe angewiesen ist, um Mitarbeitende zu bezahlen, ist es schmerzhaft zu sehen, wie einfach Rookie Sideloader es einem sehr großen Publikum macht.“
Meta lässt Entwickler im Dunkeln
Selbst unter der Annahme, dass ein Teil verhinderter Raubkopien nie zu einem Kauf geführt hätte, bleibt Piraterie für Entwickler mit einem messbaren Schaden verbunden. Ein Schaden, der sich durch wirksamere Schutzmaßnahmen seitens Meta reduzieren ließe. Dass die bestehenden Mechanismen derzeit deutlich unter dem Standard klassischer Spielkonsolen und anderer geschlossener App-Ökosysteme liegen, darin sind sich Entwickler einig.
Meta verwies auf Nachfrage auf zwei Schutzmaßnahmen: eine Systemprüfung („Attestation API“), die die Integrität von Gerät und Software sicherstellen soll, sowie eine Kaufprüfung („Entitlement Check“), mit der festgestellt wird, ob ein Nutzer eine App tatsächlich erworben hat.

Piraterie dürfte vor allem bei jungen Nutzern verbreitet sein. Das ist nach Ansicht einiger Entwickler jedoch kein Grund, nichts dagegen zu unternehmen.
(Bild: Meta)
Während Letztere laut einem VR-Entwickler von Raubkopierern automatisch umgangen werden kann, greife die Systemprüfung nur bei Titeln, die zum Spielen zwingend eine Online-Komponente benötigen. Reine Singleplayer-Spiele würden damit nicht effektiv geschützt und seien entsprechend überproportional von Piraterie betroffen. Doch selbst bei Multiplayer-Titeln gelte dieser Mechanismus eher als Anti-Cheat-Maßnahme denn als wirksamer Schutz vor Piraterie. Im Reddit-Subforum r/QuestPiracy finden sich keinerlei Berichte über anhaltende Konsequenzen mit abschreckender Wirkung.
Mit Blick auf die Zukunft bleibt Meta vage und erklärt, man arbeite weiterhin an Schutzmaßnahmen und werde über entsprechende Lösungen informieren, sobald sie verfügbar seien. Ob und wann diese erscheinen, bleibt weiterhin offen. Klar ist, dass Entwickler seit Langem auf eine Reaktion des Unternehmens warten, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht.
Schattenseiten einer offenen Plattform
Ein häufig geäußerter Vorwurf seitens Entwickler lautet, dass Meta Nutzeraktivität und Bindungsrate derzeit über alle anderen Erfolgsfaktoren stellt und ein konsequentes Vorgehen gegen Piraterie daher als kontraproduktiv betrachtet. Zudem wird befürchtet, dass Meta der Kategorie der Singleplayer-Spiele ohnehin keine hohe Priorität mehr einräumt. Die aktuell aktivste Nutzergruppe bevorzugt Multiplayer-Titel mit Free-to-Play-Geschäftsmodell, die weniger oder kaum raubkopiert werden. Ein weiterer möglicher Grund für Metas Zögern liegt darin, dass die auf Android basierende Meta Quest als vergleichsweise offene Plattform positioniert wurde, die Sideloading zulässt. Restriktivere Schutzmaßnahmen stünden mit dieser Politik potenziell im Konflikt.
An Ideen zur Verbesserung der Situation mangelt es Entwicklern nicht. Sie reichen von konkreten Vorschlägen für wirksamere Schutzmaßnahmen über Analysewerkzeuge, mit denen sich Piraterie besser nachverfolgen und Raubkopierer konvertieren lassen, bis zu einer restriktiveren Plattformpolitik, die Sideloading stärker einschränkt. Zudem sprechen sich einzelne Entwickler für deutlich schärfere Maßnahmen aus. „Meta sollte konsequent gegen Rookie Sideloader vorgehen und es der Plattform nicht so leicht machen. Eine Abmahnung („Cease-and-Desist“) könnte die Webseite, den GitHub-Auftritt und das Reddit-Subforum unterbinden. Ich bin schockiert, dass ein solcher Schritt bislang ausgeblieben ist“, sagt ein VR-Entwickler.
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„Rookie Sideloader“ beschwichtigte betroffene VR-Entwickler zunächst damit, Spiele auf Anfrage von der Plattform zu entfernen. Von dieser Möglichkeit machten bislang knapp zwei Dutzend Entwickler und Studios Gebrauch. Inzwischen berichten jedoch mehrere Entwickler, dass dieses Angebot für neue Anfragen nicht mehr gewährt wird.
Auf der Webseite der Betreiber heißt es, dass „Rookie Sideloader“ Kosten für Server und Bandbreite verursache, weshalb die Piraten auf Spenden angewiesen seien. Um mehr über die Motivation hinter dem Projekt zu erfahren, haben wir versucht, die Betreiber zu kontaktieren, was über Discord problemlos möglich ist. Eine Stellungnahme oder ein Gespräch, selbst unter Zusicherung von Anonymität, wurde jedoch abgelehnt.
(tobe)
Künstliche Intelligenz
Nvidia übertrumpft seinen Rekord noch mal um 20 Prozent
Neuer Geschäftsbericht, neuer Rekord bei Nvidia. In nur drei Monaten steigt Nvidias Quartalsumsatz um 20 Prozent auf 68,1 Milliarden US-Dollar. Im Jahresvergleich steht ein Plus von 73 Prozent, obwohl der KI-Boom Ende 2024 längst begonnen hatte. Die Umsatzsteigerung geht fast eins zu eins in den Nettogewinn über: Er steigt um 35 Prozent auf 43 Milliarden US-Dollar.
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Die Ergebnisse zeigen: Nvidia baut seine Produktion zusammen mit dem Chipauftragsfertiger TSMC stetig weiter aus und verkauft seine Hardware fortlaufend zu hohen Preisen. Unterm Strich steht eine Bruttomarge von enormen 75 Prozent.
Über das komplette Fiskaljahr 2026 (Ende Januar 2025 bis Ende Januar 2026) hat Nvidia beinahe 216 Milliarden US-Dollar umgesetzt und 120 Milliarden US-Dollar Nettogewinn gemacht. Den Betriebsjahresgewinn beziffert die Firma auf etwa 130 Milliarden US-Dollar. Rund 21,4 Milliarden US-Dollar zahlte Nvidia an Steuern.
Die Differenz von 11 Milliarden US-Dollar zum Nettogewinn entsteht durch „anderes Einkommen“, existiert maßgeblich aber nur auf dem Papier. Dabei handelt es sich hauptsächlich um unrealisierte Gewinne durch Investitionen, unter anderem in Intel.
Rechenzentren boomen weiter
Nvidias Data-Center-Sparte hängt alle anderen Geschäftsfelder immer weiter ab: Ihr Umsatz steigt binnen eines Quartals um 22 Prozent auf 62,3 Milliarden US-Dollar. Die Netzwerk-Untergruppe, unter anderem mit Netzwerkprozessoren und Switches, wächst noch stärker als jene für KI-Beschleuniger. Erstere legt in drei Monaten um 34 Prozent auf fast elf Milliarden US-Dollar Umsatz zu. Im Jahresvergleich nennt Nvidia 263 Prozent Wachstum. KI-Beschleuniger machen 51,3 Milliarden US-Dollar aus, 19 Prozent mehr als im Vorquartal und 58 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nvidias Umsatz nach Sparten aufgeschlüsselt. Hardware für Rechenzentren ist unangefochten.
(Bild: Nvidia)
Bei GeForce-Grafikkarten zeigt sich dagegen das traditionelle Saisonverhalten. Der Umsatz sinkt gegenüber dem vorherigen weihnachtsstarken Quartal um 13 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar. Gaming-Produkte machen damit nur noch 5,5 Prozent von Nvidias Umsatz aus. Und auch die Aussichten sehen schlecht aus: „Wir gehen davon aus, dass Lieferengpässe im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 und darüber hinaus Gegenwind für Gaming sein werden“, gibt Nvidias Finanzchefin Colette Kress zu bedenken.
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Die Sparte professionelle Visualisierung wächst relativ betrachtet erheblich, macht absolut mit 1,3 Milliarden US-Dollar aber noch einen kleineren Teil aus. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Workstation-Grafikkarten. Automotive-Produkte bleiben mit 604 Millionen US-Dollar weit abgeschlagen.
Für Forschung und Entwicklung hat Nvidia im Fiskaljahr 2026 rund 18,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben, für Vertrieb und administrative Posten 4,6 Milliarden. In Aktienrückkäufe und Dividenden hat Nvidia 41,1 Milliarden US-Dollar gepumpt.
15 Prozent Wachstum ohne China
Im angelaufenen Quartal erwartet Nvidia 78 Milliarden US-Dollar Umsatz (+/-2 Prozent). Das entspräche etwa 15 Prozent Wachstum gegenüber dem letzten Quartal. Anders als im restlichen Geschäftsbericht betont Nvidia im Ausblick, dass hier kein Umsatz mit KI-Beschleunigern für chinesische Rechenzentren enthalten ist. Zudem macht Nvidia im angelaufenen Quartal noch keinen nennenswerten Umsatz mit der nächsten Beschleunigergeneration Rubin. Diese erscheint im zweiten Halbjahr 2026.
Nvidias Aktie schwankt im nachbörslichen Handel zwischen +0,2 und +3 Prozent. Im Vergleich zu den Reaktionen auf die Geschäftsberichte der Hyperscaler Amazon, Google, Meta und Microsoft ist das bereits ein Erfolg. Letztere sackten an der Börse unmittelbar nach ihren Berichten ab.
(mma)
Künstliche Intelligenz
Samsung Galaxy S26, S26+ und S26 Ultra: Software schlägt Hardware
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Keine Zeit für Experimente: Samsung hat sich bei der neuen S-Klasse für einen sanften Facelift statt einer radikalen Frischzellenkur entschieden. Das Galaxy S26, S26+ und S26 Ultra bringen bei der Hardware viel Vertrautes mit, Neuigkeiten sind stattdessen bei der Software zu finden.
Das Spitzenmodell Samsung Galaxy S26 Ultra sieht, wie auch die beiden anderen, den Vorgängermodellen aus den vergangenen drei Generationen sehr ähnlich. Das Smartphone hat weiterhin ein 6,9 Zoll großes OLED-Display mit einer Auflösung von 3120 x 1440 Pixeln. Die reflexionshemmende Oberfläche ist die gleiche wie im Vorjahresmodell, sie schluckt einen guten Teil der Lichtreflexe und macht das Display in heller Umgebung besser ablesbar. Angetrieben wird das Galaxy S26 Ultra von einem Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5 in der Version „for Galaxy“ mit leicht erhöhtem Maximaltakt. Der passive S Pen hat weiterhin seinen Platz im Gehäuse.
Die wichtigste Hardware-Neuerung neben dem Prozessor ist das Privacy Display. Aktiviert man dieses, schaltet das Smartphone Teile der Pixelmatrix im Display ab, wodurch der Bildschirm stark abdunkelt, wenn man ihn schräg von der Seite betrachtet. So verhindert man, dass Umstehende sensible Daten erkennen können. Zwar schluckt das Abschalten der Pixel auch für die Person, die frontal auf den Bildschirm schaut, etwas Displayhelligkeit. Das ist jedoch zu verschmerzen, wenn man mit sensiblen Daten hantiert. Privacy Display ist dem Ultra vorbehalten, man kann es entweder manuell ein- und ausschalten oder bei einzeln ausgewählten Apps standardmäßig aktivieren.
Altbekannte Kameras
Neues bei der Kamera muss man mit der Lupe suchen. Weiterhin haben vier Kameras auf dem Rücken des Ultra Platz: 200-Megapixel-Hauptkamera, 50-Megapixel-Ultraweitwinkel und zwei Tele-Objektive, eines mit Dreifach-Zoom und 10-Megapixel-Sensor und eines mit fünffacher Vergrößerung und einer Auflösung von 50 Megapixeln. Selfies knipst das Galaxy S26 Ultra genau wie seine Schwestermodelle nur mit 12 Megapixeln. Die Unterschiede zur Kamera des S25 Ultra sind lediglich etwas größere Blenden in Hauptkamera und Fünffach-Tele, die etwas mehr Licht auf den Sensor durchlassen.

Samsung Galaxy S26 Ultra
(Bild: Steffen Herget / heise medien)
Auch den Akku hat Samsung nicht angetastet, er hat weiterhin eine Kapazität von 5000 mAh – wie schon seit dem Galaxy S20 Ultra. Das S26 Ultra ist also bereits das siebte Modell mit dem gleichen Akku. Immerhin lädt es nun mit bis zu 60 Watt statt zuvor mit 45 Watt, drahtlos sind 25 Watt möglich.
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Verstärkt rückt Samsung neue Software-Features in den Vordergrund, die allesamt mehr oder weniger mit KI zusammenhängen. So ist mit Perplexity nun eine weitere Künstliche Intelligenz an Bord, die auf das Kennwort „Hey Plex“ hört. Bixby, Samsungs erster KI-Assistent und eigentlich schon ziemlich weg vom Fenster, wurde mit neuen Funktionen ausgestattet, um die lokale Suche und die Systemeinstellungen leichter nutzbar zu machen. Mit Now Nudge gibt es ein weiteres neues KI-Feature, das kontextsensitiv mit kleinen Schaltflächen das Leben vereinfachen soll. Fragt etwa ein Freund nach einem möglichen Treffen an einem bestimmten Tag, ploppt Now Nudge auf und hat bereits im Kalender nachgesehen, ob das klappen könnte. Software-Updates und Sicherheitspatches bekommen alle S26-Modelle für 7 Jahre.
Keine Spam-Anrufe mehr
Eingehende Anrufe von unbekannten Rufnummern können die Galaxy-S26-Geräte mit der Funktion Spam-Detection zunächst automatisch von der KI abfangen lassen. Die versucht dann zu ermitteln, ob ein „echter“ Anruf oder ein Spam-Call vorliegt, der nicht durchgelassen werden soll. Zuletzt gibt es noch den neuen Finder, der über eine Klartextsuche Inhalte in allen Samsung-Apps finden soll, etwa eine Notiz oder Liste zu einem bestimmten Thema.
Welche dieser neuen Funktionen Samsung auch auf frühere Galaxy-S-Generationen und andere Modellreihen nachzieht, hat der Hersteller noch nicht verkündet.

Samsung Galaxy S26
Steffen Herget / heise medien
)
Das Samsung Galaxy S26 Ultra kann man zu Preisen ab 1449 Euro kaufen, damit sortiert es sich unter den teuersten Smartphones auf dem Markt ein. Mit 512 GByte internem Speicher kostet es 1649 Euro, die nur in Samsungs Onlineshop erhältliche Version mit 16 GByte RAM und 1 TByte internem Speicher kostet gar 1949 Euro. Zum Start gibt Samsung Vorbestellern bei allen S26-Modellen für einige Wochen die große Speichervariante zum Preis der nächstkleineren heraus. Für die 1-TByte-Version muss man einen Aufpreis von 100 Euro zahlen.
Basismodelle mit wenigen Änderungen
Im kompakten Galaxy S26 mit seinem 6,3 Zoll großen Display, das 2340 × 1080 Pixel darstellt, steckt kein Snapdragon, sondern ein Samsung-Prozessor. Der Exynos 2600, laut Samsung der erste Chip, der im 2-Nanometer-Verfahren gefertigt wird, wird von 12 GByte RAM begleitet, für den internen Speicher stehen 256 und 512 GByte zur Wahl. Mit gut 7 Millimetern und 167 Gramm ist das Samsung Galaxy S26 schlank und leicht und fällt in der Hosentasche kaum auf. Die Triple-Kamera des S26 ist eine Stufe unter der Vierfach-Knipse des Ultra angesiedelt. Das 10-Megapixel-Tele ist zwar identisch, die Hauptkamera zieht die Grenze jedoch bei 50 Megapixel und hat mit f/1,8 die kleinere Blende. Auch das Ultraweitwinkel löst mit 12 Megapixel geringer auf, seine Blende ist mit f/2,2 ebenfalls weniger lichtstark als die des S26 Ultra. Diese Kameras hatten bereits die Vorgänger Galaxy S25, S24 und S23.

Samsung Galaxy S26+ (links) und S26 (rechts)
(Bild: Steffen Herget / heise medien)
Den Akku hat Samsung im Galaxy S26 ebenso wenig stärker gemacht wie im Ultra, er bringt weiterhin eine vergleichsweise geringe Kapazität von 4300 mAh mit. Auch das schnellere Laden unterstützt das Galaxy S26 nicht. Immerhin die Software-Features hat Samsung allen drei Modellen der S-Klasse zugänglich gemacht. Weiterhin verbaut Samsung keine magnetische Rückseite für Qi2, wie Apple (MagSafe) und Google (Pixelsnap) sie anbieten, um etwa Akkupacks oder anderes Zubehör anheften zu können. Hierfür müssen Käuferinnen und Käufer auf eine entsprechende Schutzhülle zurückgreifen.
Für diesen kleinen Schritt in Sachen Hardware bezahlt man bei Samsung die gleichen Preise wie im Vorjahr. Das Galaxy S26 kostet demnach in der kleinen Speichergröße 999 Euro, mit 512 GByte sind es 200 Euro mehr.
Technisch mit dem S26 weitestgehend identisch, nur ein wenig größer ist das Galaxy S26+. Sein OLED-Display misst 6,7 Zoll und hat die gleiche Auflösung wie das des S26 Ultra. Damit ist es hinsichtlich der Pixeldichte das S26 mit dem schärfsten Bildschirm. Der Akku liegt mit 4900 mAh näher am Ultra als am kleinen Modell, die 190 Gramm Gewicht bilden die goldene Mitte. Das Galaxy S26+ kostet ab 1249 Euro.

Samsung Now Nudge
(Bild: Steffen Herget / heise medien)
Die Schlankheitskur ist beendet
Nach einer Saison wieder eingestampft wurde das Edge-Modell, also das besonders flache Galaxy S. Das Galaxy S25 Edge hatte trotz des schlanken und leichten Designs nur wenig Anklang bei der Kundschaft gefunden. Es war rapide im Preis gefallen und wird nun zunächst nicht als Galaxy S26 Edge kommen.
Samsung hat den Autor zum Unpacked-Event nach San Francisco eingeladen und die Kosten für Reise und Unterbringung übernommen.
(sht)
Künstliche Intelligenz
KI statt Hardware: Samsungs riskantes Spiel
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Mit den drei Modellen der Smartphone-Serie Galaxy S26 betreibt Samsung bei der Hardware nur sehr sanfte Modellpflege, die Neuerungen betreffen vor allem KI-Features, also Software. Diese Strategie bringt einige Risiken mit sich, denn nur wenige Menschen wählen ihr nächstes Smartphone nach der Software aus.
Zu den neuen KI-Funktionen des Galaxy S26 zählen einige wirklich praktische Helferlein. Die Spam-Erkennung könnte dafür sorgen, dass künftig keine dubiosen Gewinnspielanbieter oder Marktforscher durchklingeln. Perplexity als weiterer, ins System eingebackener Assistent kann zusammen mit Bixby die Einstellungen leichter machen und Aufgaben übernehmen. Now Nudge überwacht den Kalender im Hintergrund und sorgt für entspannte Terminplanung. Der neue Finder sucht alle Apps nach Inhalten ab, damit man nicht selbst zwischen ihnen hin und her springen muss. Alles eine feine Sache, wenn es denn im Alltag so reibungslos funktioniert wie bei den Demos auf dem Unpacked-Event.
Dabei gibt es allerdings ein Problem: Die Hoffnung der Smartphone-Hersteller und der Chipfertiger, dass die breite Masse wegen toller neuer KI-Features am Ende neue Smartphones kauft, hat sich bisher nicht erfüllt. Sicher, immer mehr Menschen verwenden KI auf dem Smartphone, doch als Zugpferd für die Verkaufszahlen hat sie sich noch nicht erwiesen. In Deutschland gingen die Absatzzahlen zuletzt leicht zurück, selbst wenn das Premium-Segment, in dem auch die Galaxy-S26-Geräte zu Hause sind, wächst.

Steffen Herget schreibt für c’t und heise online über Smartphones, Tablets und Gadgets aller Art. Hängt er nicht vor dem Bildschirm, sitzt er auf dem Rad, geht zu Fuß oder liest ein Buch – ganz analog.
Andere sind vorbeigezogen
Bei der Hardware hat Samsung unterdessen die Führungsrolle, die der Hersteller durch die Galaxy-S-Serie und vor allem das Ultra lange Zeit innehatte, so langsam verloren. Bei den Akkus sind insbesondere chinesische Hersteller wie Honor, Oppo und Xiaomi in anderen Sphären unterwegs und liefern mit Silizium-Kohlenstoff-Zellen teils 50 Prozent mehr Kapazität als Samsung im Ultra, das jetzt in der siebten (!) Generation mit dem gleichen 5000-mAh-Akku erscheint. Auch bei den Kameras gibt es kaum Fortschritte, das Galaxy S26 Ultra hat seit Jahren die gleichen Sensoren – keine schlechten, klar, aber andere Smartphones machen vielfach mindestens gleich gute, eher bessere Fotos. Den Trend zu eingebauten Magneten für Magsafe-Zubehör hat Samsung bislang ebenfalls ignoriert. Bei der langen Updateversorgung war Samsung vorbildlich früh dabei, doch EU-Regulierungen zwangen die Konkurrenz zum Nachziehen – Vorsprung ein wenig gesunken. Immerhin, beim Prozessor ist das Galaxy S26 Ultra noch spitze, doch den Qualcomm-Chip bauen auch viele andere Hersteller ein – teils mit mehr Arbeitsspeicher.

Samsung Galaxy S26
Steffen Herget / heise medien
)
Samsungs Strategie fußt also darauf, dass die Kundschaft wegen der KI-Funktionen zu einem neuen Galaxy-Smartphone greift. Doch was sagen die Kunden? Aktuellen Zahlen des Bitkom aus dem Vorjahr zufolge nutzen zwar 71 Prozent der Menschen KI auf dem Smartphone, doch gerade mal 26 Prozent geben an, dass diese ein primärer Kaufgrund für ein bestimmtes Modell sei. Mit Abstand bleiben ein robustes Display (98 Prozent) und ein starker Akku (96 Prozent) die wichtigsten Punkte. Updates (93 Prozent) und Kamera (90 Prozent) liegen knapp dahinter. Zwar mag sich der Trend mittlerweile ein wenig zugunsten der KI verschieben, doch die wichtigsten Kriterien bleiben andere. Hinzu kommt: „Ich benutze KI auf dem Smartphone“ ist für viele Menschen gleichbedeutend mit „Ich nutze ChatGPT, Perplexity, Copilot oder Gemini“ und die sind per App auf quasi allen Smartphones nutzbar, dafür braucht es kein neues High-End-Telefon.
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Mutig, mutig
Zusammen mit der Tatsache, dass Smartphones immer länger verwendet werden – eine direkte Folge von robuster Hardware und langer Update-Versorgung – ergibt sich ein Dilemma für Samsung: Der Hersteller konzentriert sich auf einen weniger prominenten Aspekt des Smartphones, während er andere, für die Auswahl beim Kauf wesentlich wichtigere Punkte konsequent vernachlässigt. Ein, nun ja, mutiger Ansatz.
Es bleibt also abzuwarten, ob Samsung mit dieser Strategie zum Erfolg kommt. Sicher, die Zahlen des Herstellers zeigen eine gestiegene Bekanntheit und Nutzerbasis der Galaxy AI. Doch ob das reicht, um die Verkaufszahlen des Galaxy S26 nach oben zu treiben, bleibt fraglich.
(sht)
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