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Der Kameramarkt wächst, die Giganten schwächeln – die Fotonews der Woche 6/2026


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Manchmal fühlt sich die Fotobranche an wie ein Patient, dem seit Jahren von allen Seiten der baldige Exitus prophezeit wird. „Das Smartphone hat gewonnen“, „Niemand kauft mehr Kameras“, „Alles viel zu teuer“ – die Grabreden waren längst geschrieben. Und dann, mitten in der Trauerfeier, blinzelt der Patient kurz, setzt sich auf und fragt, ob noch Kuchen da ist. Genau das ist diese Woche passiert: Die neuesten Zahlen des Branchenverbands CIPA sind da und sie malen ein Bild, das viele nicht mehr für möglich gehalten hätten.

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Die wichtigste Nachricht zuerst: Die weltweiten Kamera-Auslieferungen sind im Jahr 2025 zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Das gab es zuletzt 2007, in einer Zeit, als das erste iPhone das Licht der Welt erblickte und „spiegellos“ noch nach einem Vampirproblem klang. Nach Jahren des stetigen Niedergangs ist das mehr als nur ein Hoffnungsschimmer – es ist ein handfester Trend.

Besonders faszinierend ist, wer die Treiber dieses Wachstums sind. Überraschung Nummer eins: Kompaktkameras! Ja, richtig gelesen. Die kleinen Knipsen mit fest verbautem Objektiv, die als erstes Opfer des Smartphone-Siegeszugs galten, erlebten einen Anstieg der Auslieferungen um satte 30 Prozent. Offenbar gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die bewusst zum dedizierten Fotoapparat greifen wollen, ohne gleich das ganze Arsenal an Wechselobjektiven mitzuschleppen.

Überraschung Nummer zwei: Kameras mit kleineren Sensoren (APS-C und Micro Four Thirds) haben zugelegt, während der heilige Gral des Vollformats bei den Auslieferungen sowohl bei Kameras als auch bei Objektiven leicht nachgab. Das jahrelange Mantra „Vollformat oder nichts“ bekommt Risse. Hersteller wie Fujifilm, die konsequent auf APS-C setzen, dürften sich bestätigt fühlen. Es scheint, als ob viele Fotografen erkennen, dass ein leichteres System mit exzellenten Objektiven oft mehr wert ist als die letzten fünf Prozent Bildqualität, die man sich mit kiloschwerem Glas erkauft.

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Angesichts dieser positiven Marktdaten sollte man meinen, bei den Branchenführern herrscht eitel Sonnenschein. Ein Blick in Sonys Quartalsbericht für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025 (das am 31. Dezember 2025 endete) zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Die Sparte „Entertainment, Technology & Services“, in der die Kameras beheimatet sind, musste einen Rückgang sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn hinnehmen.

Doch bevor Sony-Fans jetzt die Taschentücher zücken: Der Bericht merkt explizit an, dass die Nachfrage nach Systemkameras weltweit stark ist und sich die neue Vollformatkamera Alpha 7 V hervorragend verkauft. Das Problem liegt also woanders. Viel spannender ist jedoch ein Blick auf die Sparte „Imaging & Sensing Solutions“. Hier, wo Sony seine Bildsensoren herstellt und gefühlt an die ganze Welt – inklusive der Smartphone-Konkurrenz – verkauft, explodieren die Zahlen. Umsatz und Gewinn erreichten Rekordwerte.

Mein Kommentar dazu: Das ist das schmutzige kleine Geheimnis von Sony. Während wir über die Vorzüge der neuesten Alpha-Kamera debattieren, verdient der Konzern eine goldene Nase damit, die Sensoren für die Smartphones zu liefern, die angeblich die Kameras verdrängen. Eine genialere Geschäftsstrategie kann man sich kaum ausdenken. Sony spielt auf beiden Seiten des Feldes und gewinnt immer.

Weniger rosig sieht es im gelben Lager aus. Nikons Quartalszahlen sind, um es freundlich auszudrücken, ernüchternd. Sowohl Umsatz als auch Gewinn im Kamerageschäft sind im Jahresvergleich gesunken. Noch besorgniserregender ist, dass Nikon seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr drastisch nach unten korrigiert hat. Auch die prognostizierten Verkaufszahlen für Kameras und Objektive wurden reduziert.

Als Gründe nennt das Unternehmen den harten Wettbewerb, hohe Werbeausgaben, Zölle und – ganz entscheidend – eine Verschiebung im Produktmix hin zu günstigeren Modellen. Autsch. Das bedeutet: Nikon verkauft zwar Kameras, aber nicht die, mit denen sich richtig Geld verdienen lässt. Während der Gesamtmarkt wächst, scheint Nikon Schwierigkeiten zu haben, davon nennenswert zu profitieren. Zwar wird die neue digitale Kinokamera, die ZR, als Verkaufsschlager erwähnt, doch das reicht offenbar nicht, um die schwächelnden Margen im Fotobereich auszugleichen. Es zeigt sich, dass es in diesem umkämpften Markt nicht nur darum geht, gute Kameras zu bauen, sondern sie auch mit Gewinn zu verkaufen.

Was lernen wir also aus dieser Woche? Der Kameramarkt ist lebendiger und dynamischer als je zuvor. Die alten Gewissheiten bröckeln, neue Trends entstehen, und selbst die größten Namen müssen sich mächtig strecken, um am Ball zu bleiben. Für uns Fotografen sind das eigentlich gute Nachrichten: Mehr Wettbewerb, mehr Auswahl und die Erkenntnis, dass eine gute Kamera nicht zwingend einen Vollformatsensor und einen hohen fünfstelligen Preis haben muss.


(tho)



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