Künstliche Intelligenz
Deutschsprachige Wikipedia erwägt umfassendes KI-Verbot
In der deutschsprachigen Wikipedia zeichnet sich ein umfassendes Verbot von KI-generierten Inhalten ab. In einem Meinungsbild, einer Abstimmung unter regelmäßigen Autoren der freien Enzyklopädie, gab es bis Freitag eine deutliche Mehrheit für ein Verbot. Noch bis Montagabend, den 15. Februar um 19:00 Uhr, können berechtigte Teilnehmer abstimmen. Befürworter des Verbots argumentieren, dass die Wikipedia ein Leuchtturm menschengeschriebener Inhalte sein könnte, wenn sie auf KI-generierte Inhalte verzichte. Kritiker beanstanden mangelnde Kontrollierbarkeit eines solchen Verbots und fehlende Zukunftsfähigkeit, wenn sich Wikipedia der KI verschließe.
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Kernforderungen des Meinungsbildes sind ein ausdrückliches Verbot von KI-generierten oder bearbeiteten Texten. Wer wiederholt dagegen verstößt, soll künftig unbefristet gesperrt werden. Das Verbot soll auch für Diskussionsseiten gelten.
Ausnahmen vom KI-Verbot
Es soll allerdings Ausnahmen geben: Über KI-generierte Bilder soll im Einzelfall entschieden werden. Maschinelle Übersetzungen sollen bei vollständiger Überprüfung ebenso zulässig sein wie KI-gestützte Fehlerkorrekturen bei Rechtschreibung und Grammatik. Auch bei Recherchen soll KI-Unterstützung zulässig sein, sofern nicht Formulierungsvorschläge übernommen werden.
Für die Befürworter ist ein KI-Verbot eine klare Sache: „Von Menschen, für Menschen“ könnte als Qualitätssiegel gelten und die Glaubwürdigkeit der Enzyklopädie-Einträge schützen, heißt es in der Diskussion. Es wäre auch ein Signal gegen „KI-Müll im Internet“. Zudem seien Halluzinationen beim Gebrauch von KI ein grundlegendes, fortbestehendes Problem, wie selbst Unternehmen wie OpenAI einräumen.
Ist ein Verbot durchsetzbar?
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Die Gegner des Verbots fürchten hingegen chaotische Zustände, da Erkennungskriterien mit Beweiskraft fehlten und es damit auch kein definiertes Verfahren bei Verstößen geben könne. Zudem sollte die Qualität des Ergebnisses zählen und nicht der Weg dorthin. Sie fordern zudem eine Zweidrittelmehrheit als Voraussetzung für ein Verbot. Die Entscheidung sei zu weitreichend, um sie mit einfacher Mehrheit zu beschließen. Sie halten ein Verbot zudem für zukunftsfeindlich. In Bildungssystemen steige die KI-Nutzung. Wikipedia wirke da wie „in der Zeit stehen geblieben“.
Im Falle der zunehmend wahrscheinlichen Annahme des Verbots stehen der deutschsprachigen Wikipedia viele Diskussionen ins Haus. Dazu zählt etwa, wie mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen umgegangen werden soll. Der Vorschlag würde solche Journals als Belege ausschließen, was kontrovers ist, da viele seriöse Fachzeitschriften inzwischen LLM-Nutzung bei der Manuskripterstellung erlauben und transparent machen. Auch über bereits vorhandene KI-generierte Artikel wird zu beraten sein. Und Verdachtsfälle dürften aufgrund der schwierigen Erkennbarkeit sicherlich auch für viele Diskussionen sorgen.
Internationaler Alleingang
Das Bestreben, das menschliche Alleinstellungsmerkmal der Wikipedia herauszuarbeiten, dürfte auch mit der Entwicklung der Abrufzahlen zu tun haben. Die steigende KI-Nutzung hat dazu geführt, dass eine zunehmende Zahl von Menschen ihre Fragen mithilfe von Chatbots beantwortet. Ob freilich der Verzicht auf KI-Generierung genügt oder ob die Bequemlichkeit vieler Nutzer angesichts der immer stärkeren Integration von KI in Betriebssysteme obsiegt, gilt es abzuwarten. Hinzu kommt, dass andere Wikipedia-Sprachversionen abweichende Regelungen getroffen haben. Die Wikimedia-Foundation etwa erlaubt in ihrer Strategie mit dem Schlagwort „Humans First“ (offiziell: AI Strategy Brief 2025, Zeithorizont 2025–2028) den Gebrauch von KI als Hilfsmittel.
(mki)