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Full Self-Driving (Supervised): Tesla habe Behörden mit aufgebauschten Zahlen umworben


Tesla strebt weitere europäische Zulassungen für das Full Self-Driving (Supervised) an. In Schweden und den Niederlanden habe der Autohersteller zu diesem Zweck auch mit aufgeblasenen Zahlen aus einer eigenen Statistik argumentiert, wie Reuters berichtet.

FSD Supervised kommt schrittweise nach Europa

Full Self-Driving (Supervised) lässt sich seit April dieses Jahres offiziell in den Niederlanden und damit erstmals auch innerhalb Europas nutzen. FSD unter Beaufsichtigung des Fahrers ist ein Level-2-Assistenzsystem, das Fahraufgaben wie Gas, Bremse und Lenkung vollständig übernehmen kann. Dabei wird die ständige Aufmerksamkeit des Fahrers verlangt und Nebentätigkeiten bleiben verboten. Diese sind erst ab Level 3 und höher erlaubt.

Erstzulassung in den Niederlanden

Auf die Freigabe in den Niederlanden folgten im Mai Zulassungen in Litauen und Estland, seit Juni darf auch in Dänemark und Belgien mit FSD Supervised gefahren werden. In Deutschland sind weiterhin Probefahrten vom Beifahrersitz aus möglich, eine Zulassung für den deutschen Markt liegt Tesla aber noch nicht vor.

Hätte FSD Supervised wirklich 32.000 Leben retten können?

Wie Reuters berichtet, habe Tesla für die Zulassungsbestrebungen in Europa auch aufgebauschte Zahlen aus einer selbst erstellten Statistik verwendet. Das geht aus der Korrespondenz zwischen Tesla und europäischen Regulierungsbehörden hervor, die die Nachrichtenagentur über Informationsfreiheitsanfragen einsehen konnte.

Nach der niederländischen Zulassung habe ein Strategie­verant­wortlicher von Tesla die schwedischen Behörden um eine ähnliche Zulassung gebeten und dabei mit fragwürdigen Zahlen geworben.

Laut Reuters soll Tesla damit geworben haben, dass FSD Supervised 32.000 Leben und 1,9 Millionen Verletzungen hätte retten respektive verhindern können. Von Reuters befragte Wissenschaftler halten diese Zahlen für hochgradig irreführend, da Teslas Statistik annehme, dass alle Fahrzeuge in den USA, auch Lastkraftwagen und Motorräder, durch Autos mit FSD Supervised ersetzt würden und dass jedes Tesla-Fahrzeug sieben Mal sicherer als andere Autos sei. Tesla argumentiere nämlich, dass ein FSD-Fahrzeug eine sieben Mal längere Strecke zurücklegen könne als ein durchschnittlicher menschlicher Fahrer in den Vereinigten Staaten, bevor es zu einem Unfall komme.

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FSD fährt durch einen Kreisel

Darüber hinaus vergleiche sich Tesla mit anderen Autoherstellern unter abweichenden Voraussetzungen, so der Vorwurf. Bei Tesla fließe ein Unfall nämlich nur dann als Unfall in die Statistik ein, wenn dabei Airbags ausgelöst wurden. Bei den menschlichen Unfällen seien aber auch viel geringere Schäden in die Statistik aufgenommen worden. Tesla vergleiche die eigene Flotte zudem mit durchschnittlich alten US-Autos, die aber deutlich älter und mit weniger aktuellen Sicherheitsfeatures ausgestattet seien. Es habe kein Vergleich unter ähnlich modernen Autos stattgefunden, so Reuters.

Anders Eriksson, ein Ermittler der schwedischen Verkehrsbehörde, wollte die von Tesla präsentierten Daten nicht gegenüber Reuters kommentieren, erklärte aber, dass eine Zulassung nicht nur anhand der vom Hersteller präsentierten Zahlen erfolge. Ein Sprecher der unabhängigen European Transport Safety Council zeigte sich hingegen besorgt und fordert externe Prüfverfahren.

Allgemeine EU-Zulassung angestrebt

Griechenland strebt ebenfalls eine Zulassung von FSD Supervised an und zeigt sich bislang überzeugt von den Zahlen, die aus den USA stammen. In Norwegen wiederum zeigen sich die Behörden vorsichtiger und erklärten, dass es schwierig sei, einen Zusammenhang zwischen Teslas selbst produzierten Zahlen und denen der Verkehrsbehörde zu finden.

Für eine allgemeine EU-Zulassung von FSD Supervised müssen Vertreter von 55 Prozent der Mitgliedsstaaten, die 65 Prozent der Bevölkerung abdecken, mit „Ja“ stimmen. Dies werde von Tesla aktuell angestrebt, bis dahin sind Einzelzulassungen möglich.



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