Apps & Mobile Entwicklung

Google stellt in den USA „Personal Intelligence“ für Gemini vor


Googles neue KI kann (fast) Eure Gedanken lesen. Ist das die größte Revolution seit dem Smartphone oder ein digitaler Albtraum? Wir verraten Euch, was es mit „Personal Intelligence“ auf sich hat, die in den USA ab sofort Teil von Gemini ist.

Jeder von Euch kennt das Problem: Eure persönlichen Informationen sind über unzählige Apps verstreut auf dem Handy. Die Flugdetails für den nächsten Urlaub stecken in einer E-Mail, die Erinnerungen an die letzte Reise schlummern als Fotos in der Cloud und Eure wahren Interessen offenbart der Suchverlauf der letzten Wochen. Diese Schnipsel manuell zu verknüpfen, ist mühsam. Doch stellt Euch vor, es gäbe einen Assistenten, der Euer Smartphone von einem einfachen Werkzeug in einen echten digitalen Partner verwandelt, der all diese Punkte für Euch intelligent und nahtlos verbindet.

Personal Intelligence startet in den USA

Genau das ist die Vision hinter Googles neuer Funktion „Personal Intelligence“ für die Gemini-App. Sie verknüpft Euren Assistenten mit persönlichen Daten aus Diensten wie Gmail, Google Photos, YouTube und der Google-Suche. Damit spielt Google seinen größten strategischen Vorteil aus: den über zwei Jahrzehnte aufgebauten Datenschatz.

Es ist damit auch ein direkter Angriff im Rennen um den ultimativen KI-Assistenten, denn Konkurrenten wie OpenAI oder Anthropic können auf einen solchen Fundus natürlich nicht zurückgreifen. OpenAI-Chef Sam Altman träumt zwar ebenfalls von einem persönlichen Assistenten wie aus dem Film „Her“, doch Google besitzt Eure notwendigen Daten, um diesen Traum schon heute ein Stück weit Realität werden zu lassen. Google selbst bezeichnet dies als ein „wichtiges Unterscheidungsmerkmal“ und betont, dass die sensiblen Daten ja ohnehin bereits sicher bei Google liegen. Pfiffige Masche: Durch das „Eure Daten sind hier weiterhin sicher“ sagt Google eigentlich: „Wir haben das alles doch sowieso längst!“

Wie mächtig diese Verknüpfung sein kann, zeigt ein Beispiel von Josh Woodward, einem Vizepräsidenten bei Google. Als er neue Reifen für seinen Minivan benötigte, fragte er Gemini nach der passenden Größe. Die KI lieferte nicht nur die technischen Spezifikationen, sondern schlug basierend auf Familienfotos von vergangenen Autoreisen passende Allwetterreifen vor. Als Woodward an der Theke das Nummernschild brauchte, extrahierte Gemini es aus einem Foto in seiner Mediathek und ermittelte die spezifische Ausstattungsvariante des Wagens über eine Suche in seinen E-Mails.

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Datenschutz als Opt-in: Googles Kompromiss

Der umfassende Zugriff auf private E-Mails, Fotos und Suchverläufe wirft naturgemäß erhebliche Datenschutzbedenken auf. Die adressiert Google aber direkt selbst. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und Ihr müsst sie aktiv einschalten („Opt-in“). Dabei könnt Ihr genau steuern, welche Apps mit Gemini verbunden werden sollen. Googles Versprechen zur Privatsphäre ist jedoch differenzierter, als es auf den ersten Blick scheint.

Persönliche Daten aus E-Mails oder Fotos werden zur Beantwortung von Anfragen nur referenziert. Direkt zum Training der globalen KI-Modelle werden sie nicht verwendet. Allerdings trainiert Google die Modelle mit den Prompts und Antworten aus Euren Chats, aber erst, nachdem persönliche Daten darin laut Google „gefiltert oder verschleiert“ wurden. Eure Informationen verlassen dabei niemals das Google-Ökosystem.

Dieser kleine Unterschied dürfte für viele Nutzer:innen allerdings kaum nachvollziehbar sein. Die Sorge bleibt, dass auch die „verschleierten“ Interaktionsdaten Rückschlüsse auf private Verhaltensmuster zulassen.

Die Beta macht noch Fehler

Ganz fehlerfrei ist das System allerdings bislang nicht. Google warnt in der aktuellen Beta-Version vor dem, was das Unternehmen als „Über-Personalisierung“ bezeichnet – ein neuer Marketingbegriff für Momente, in denen die KI halluziniert oder schlichtweg falsche Schlüsse zieht. Ein Beispiel: Gemini könnte annehmen, Ihr wärt ein ambitionierter Tennisspieler, dabei bringt Ihr nur Euer Kind jede Woche mehrmals zum Tennis-Training. Die Schwächen gehen aber noch tiefer. So ignoriert die KI teils Lebensveränderungen wie Scheidungen, verwechselt Familienmitglieder und vergisst Korrekturen. Es kann also passieren, dass Euch Gemini ein Steakhouse empfiehlt, obwohl Ihr eine Woche zuvor klargestellt habt, kein Fleisch zu essen.

Trotz dieser Kinderkrankheiten ist das Potenzial immens. Gemini könnte sich damit von einem Chatbot zu einem echten, persönlichen Assistenten entwickeln. Vorerst ist die Funktion als Beta nur für zahlende Abonnenten der Tarife AI Pro und Ultra in den USA verfügbar, die über 18 Jahre alt sind und ein persönliches Google-Konto nutzen. Nutzer von Workspace-Konten für Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Firmen sind ausgeschlossen. Eine Ausweitung auf weitere Länder und auch auf den kostenlosen Tarif ist jedoch bereits geplant.

Was haltet Ihr von diesem Schritt? Ist das der KI-Assistent der Zukunft, auf den Ihr gewartet habt, oder gehen Euch die tiefen Einblicke in Eure Daten zu weit? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare!



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