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Im Test vor 15 Jahren: Intels starke Grafik mit schwachem Treiber

Mit der Sandy-Bridge-Mikroarchitektur brachte Intel nicht nur die CPU-Leistung der Prozessoren auf ein neues Level, sondern integrierte auch deutlich potentere Grafikeinheiten wie die Graphics HD 2000 und HD 3000 (Test). Im Test glänzten sie mit hoher Rohleistung und einem schwachem Treiber.
Sandy Bridge war die zweite CPU-Generation von Intel mit integrierter Grafikeinheit. In der ersten Generation wurden noch zwei Die aus unterschiedlichen Fertigungsverfahren vereint. Bei Sandy Bridge vereinte Intel sowohl die CPU selbst als auch die iGPU auf einem Die, die nun im gleichen Fertigungsverfahren hergestellt wurden. Die schnellste iGPU in Form der Graphics HD 3000 gab es nur in den K-Modellen mit offenem Multiplikator. Aber auch hier galt, dass HD 3000 nicht gleich HD 3000 war. Im Core i7-2600K taktete die iGPU mit bis zu 1.350 MHz, während sie im i5-2500K nur bis 1.100 MHz betrieben wurde. Der Unterschied zwischen der Graphics HD 2000 und HD 3000 belief sich darauf, dass die HD 2000 gegenüber dem größeren Modell nur halb so viele Execution Units besaß.
In puncto APIs unterstützten die iGPUs neben DirectX 10.1 noch OpenGL 3.0 und OpenCL 1.0. Das moderne DirectX 11.0, welches von AMD und Nvidia weitgehend unterstützt wurde, fehlte. Daneben gab es einige Verbesserungen gegenüber den Intel iGPUs der ersten Generation. So waren die Chips in der Lage, H.264 und MPEG-2 auf der iGPU zu enkodieren. Notwendig für die Nutzung der iGPU war ein Mainboard mit kompatiblem Chipsatz. Zum Erscheinungszeitpunkt entsprach das jeglichem Chipsatz mit der Ausnahme des Intel P67.
Gleichauf mit Low-End-Grafikkarten
Insgesamt bot vor allem die Intel Graphics HD 3000 eine vergleichsweise gute Leistung, die im Test mit der einer dedizierten AMD Radeon HD 5450 mithalten konnte. Die Variante im Intel Core i7-2600K war dabei rund 13 Prozent schneller als die im Core i5-2500K mit der geringeren Taktrate. Die Graphics HD 2000 fiel wie erwartet stark zurück und erreichte nur knapp über 60 Prozent der Leistung der schnellsten Graphics HD 3000. In der Praxis waren trotz der nominellen Leistungsunterschiede sämtliche Graphics-HD-iGPUs wie auch die Radeon HD 5450 zu langsam für Spieler. Fern von der Realität war auch der Einsatzzweck eines Core i7-2600K – der schnellsten CPU für Spieler – ohne dedizierte Grafikkarte.
Vorteile ergaben sich bei der hardwarebeschleunigten Videowiedergabe und -Enkodierung. Beispielsweise ließ sich der Avatar Trailer in 1.080p knapp doppelt so schnell auf der iGPU transkodieren.
Abzüge gab es für Intels miserablen Treiber. Beispielsweise gab es Titel wie Metro 2033, die gar nicht starteten, oder Spiele wie Mafia II, die nur unendlich langsam inklusive Grafikfehler laufen. Zudem neigte die damals aktuelle Treiberversion noch zum Abstürzen, was von kleineren Dramen wie dem plötzlichen Schließen des Control Panels bis zum Komplettabsturz mit einem notwendigen Neustart reichte. Selbst die hardwarebeschleunigte Videowiedergabe war kompliziert. Anders als bei AMD und Nvidia reichte es bei Intel nicht, nur den Grafiktreiber zu installieren. Denn anschließend hatte die GPU auf Sandy Bridge noch keine Video-Funktion. Zuerst musste noch eine von Intel zur Verfügung gestellte „Management Engine Software“ installiert werden.
Fazit
Ein Kaufargument waren die iGPUs der Sandy-Bridge-Architektur nicht. Zwar schaffte es Intel, eine gute Leistung abzuliefern und prinzipiell mit Einsteigermodellen wie der Radeon HD 5450 gleich zu ziehen, aber der Treiber war – glimpflich gesagt – unausgereift. Vor allem aber reichte weder die Leistung einer Radeon HD 5450 noch die der Graphics HD 3000 für die meisten Nutzer einer 300-Euro-CPU. Prinzipiell war Intel auf dem richtigen Weg, aber es scheiterte an der Software.
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