Datenschutz & Sicherheit

IPFire stellt freie Domain-Blockliste DBL vor


Das IPFire-Projekt hat mit DBL eine umfassende, gemeinschaftlich kuratierte Domain-Blockliste vorgestellt. Anders als konkurrierende Projekte kategorisiert DBL Millionen von Domains nach Bedrohungstypen, statt sie in einer riesigen, monolithischen Liste zusammenzufassen. Die Entwickler wollen damit Probleme bestehender Blocklisten lösen, die ressourcenintensiv seien und Nutzern die Kontrolle nähmen.

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IPFire DBL umfasst derzeit mehrere Kategorien: Malware-Domains werden vor dem Abrufen schädlicher Payloads oder Command-and-Control-Verbindungen geblockt, Phishing-Sites zum Abfangen von Zugangsdaten gefiltert. Weitere Kategorien decken Werbung, Pornografie, Glücksspiel, Gaming-Plattformen und DNS-over-HTTPS-Server ab. Letztere Kategorie zielt darauf, die Netzwerksichtbarkeit zu erhalten und das Umgehen von DNS-Sperren zu verhindern.

Die Blockliste nutzt offene Standards wie DNS Response Policy Zones (RPZ) mit AXFR- und IXFR-Unterstützung für sofortige Updates, Squidguard für Proxy-basierte Filterung sowie das Adblock-Plus-Format. Dadurch lässt sich DBL in gängige Tools wie Pi-hole, BIND, Unbound, PowerDNS oder pfSense integrieren. Die Listen werden stündlich aktualisiert, um zeitnah auf neue Bedrohungen zu reagieren.

Über ein Online-Reporting-System können Nutzer zu Unrecht blockierte Domains (False Positives) melden und neue bösartige Domains einreichen. Die Community-Intelligence soll dafür sorgen, dass Korrekturen schnell eingepflegt werden. Die IPFire-Entwickler betonen, dass sie im Gegensatz zu vielen aggregierten Drittanbieterlisten die volle rechtliche Kontrolle über ihre Daten haben. Der Code steht unter der GPLv3+, die Listen selbst unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 (CC BY-SA 4.0). Das bedeutet: Die Listen können frei genutzt und weitergegeben werden, abgeleitete Werke müssen jedoch unter derselben Lizenz stehen.

DBL entstand auch als Reaktion auf das Auslaufen der Shalla-List, die Anfang 2022 eingestellt wurde, was viele Nutzer von pfSense, pfBlockerNG und anderen Systemen betraf.

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IPFire DBL wird auch in Core Update 200 integriert, das seit dem 30. Januar 2026 als Testversion verfügbar ist. Die neue Version bringt neben Linux Kernel 6.18 LTS eine Vorschau von DBL im URL-Filter und in Suricata. Letztere Integration ermöglicht eine Deep Packet Inspection auf DNS-, TLS-, HTTP- und QUIC-Ebene, um umfassende Blockierungen durchzusetzen. IPFire wird damit selbst zum Provider von Suricata-Regeln. Die Entwickler sprechen von einer „beispiellosen Sichtbarkeit in Netzwerkaktivitäten“. Ein finaler Veröffentlichungstermin für das Core Update 200 steht noch nicht fest, die Community ist zur Evaluation der Beta-Version aufgerufen. Das Projekt hat zudem einen Fundraiser gestartet, um die Entwicklungszeit für Features wie die RPZ-Integration zu finanzieren.

Wer DBL in anderen Netzwerkumgebungen einsetzen möchte, findet Anleitungen zur Integration in DNS-Resolver, Browser-Erweiterungen und weitere Netzwerk-Tools. Alternativen im Open-Source-Bereich wie die StevenBlack-Hosts-Liste, OISD oder Hagezi bieten zwar ähnliche Funktionen, setzen aber weniger auf Community-Reporting und Kategorisierung.

Weitere Details hat das IPFire-Team in seinem Blog veröffentlicht.


(fo)



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