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»Magie entsteht, wenn Marken etwas Neues schaffen« › PAGE online


Als Jurymitglied des GBA erklärt Carsta Maria Müller, Baby got Business, wie Social Media Marken prägt, warum Wirkung wichtiger ist als Reichweite – und weshalb es bei der Markenführung auch auf die Magie ankommt.

Zwei Porträtfotos nebeneinander: Eine kurzhaarige Person mit heller, blondierter Frisur und schwarzer Brille. Links sitzt sie entspannt auf einem Sofa, lächelt und blickt auf ein Smartphone in ihren Händen. Rechts lächelt sie direkt in die Kamera, sitzt auf einem blauen Sofa, trägt ein weißes T-Shirt und wirkt offen und freundlich.Bild: Ronja KrohzCarsta, auf der Website von Baby got Business findet sich gleich ganz oben ein eingängiger Claim: »No Risk, No Magic«. Was heißt das für dich – und sagt dieser Satz über zeitgemäßes Brand Management aus?

Carsta Maria: Wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Natürlich können wir uns auf Analysen, Zahlen und Prognosen stützen und diese bis ins Detail auswerten, aber am Ende bleibt jede Entscheidung eine Entscheidung unter Unsicherheit. Und deswegen braucht es Mut, im Kleinen wie im Großen, denn wenn wir uns nichts trauen, kann auch nichts Magisches passieren. Das gilt auch für Marken: Magie entsteht nicht dadurch, dass sie etwas reproduzieren, das andere bereits erfolgreich gemacht haben, sondern dadurch, dass sie bereit sind, Neues auszuprobieren. Dieser Mut ist aus meiner Sicht die Voraussetzung dafür, dass Marken überhaupt Emotionen auslösen können. Diese Magie muss dabei nicht weltbewegend sein, aber sie kann ein Gefühl erzeugen. Und genau dieses Gefühl ist es, das Marken langfristig prägt.

Du beschäftigst dich seit 15 Jahren beruflich intensiv mit Social Media. Was zeichnet dort starke Marken aus? Sind es virale Hits oder Followerzahlen, auf die es ankommt?

Eine starke Marke braucht auf Social Media vor allem eine klare Persönlichkeit. Sie braucht ein erkennbares Image, ein Markenversprechen und eine Inszenierung, die Nutzerinnen und Nutzern das gibt, was sie auf Social Media suchen: den Kontakt mit Freunden und Familie. Deshalb funktionieren auch Creator so gut, weil sie Nahbarkeit erzeugen und Beziehungen simulieren. Im Kern geht es also um Nähe. Marken müssen es schaffen, in dem Mindset stattzufinden, das die Menschen in dem Moment auf Social Media suchen. Sie müssen sich so positionieren, dass eine emotionale Bindung entsteht. Sobald eine Emotion hervorgerufen wird, macht es was mit der Zielgruppe – dann wird es relevant und eine Verbindung kann entstehen.

Wenn du dir die Entwicklung von Social Media-Marketing in den letzten 15 Jahren anschaust – hättest du dir damals vorstellen können, dass das Thema heute eine so große Rolle spielt?

Vor zehn Jahren habe ich mir langsam Gedanken über einen neuen Berufszweig gemacht (lacht) und jetzt sitze ich immer noch hier. Man kann Social Media nicht vorhersehen, es verändert sich so schnell! Plattformen verändern ihre Regeln, politische Entscheidungen wirken sich plötzlich massiv auf den digitalen Raum aus, und ganze Netzwerke werden neu positioniert. Aber das ist ja das Spannende und das, was ich an den Jobs so sehr liebe! Ich habe mich auch schon öfter gefragt, ob irgendwann ein Zeitpunkt kommt, an dem es mir zu schnell oder zu viel wird. Der ist jedenfalls bislang noch lange nicht erreicht.

»Ob es Laufclubs sind, Events, Markenaktivierungen im echten Leben – das sind alles Beispiele dafür, wie Marken heute Nähe schaffen.«

Welche Social Media-Trends werden 2026 für Marken besonders relevant sein?

Ich glaube, das zentrale Thema ist Community. In den letzten Jahren haben wir sehr deutlich gesehen, wie wichtig Gemeinschaften geworden sind. Ob es Laufclubs sind, Events, Markenaktivierungen im echten Leben – das sind alles Beispiele dafür, wie Marken heute Nähe schaffen. Der Proof of Concept ist also da, jetzt sind wir an dem Punkt, an dem diese Ansätze skaliert werden müssen. Ich wünsche mir, dass wir in den kommenden Jahren viele Konzepte sehen werden, bei denen digitale Communities und reale Erlebnisse sinnvoll miteinander verknüpft werden. Es geht darum, dass wir die Menschen wieder zusammenzubringen, ihnen Erlebnisse bieten, die Spaß machen, und daraus eine Brand Experience schaffen, die trotzdem immer persönlich bleibt.

Wie verändert sich in diesem Zusammenhang die Rolle von Influencern oder Creators?

Im besten Fall sind sie ein fester Bestandteil des Marketing-Mix. Und zwar nicht in Form einzelner Kampagnen, bei denen kurzfristig Codes in Stories platziert werden, sondern als langfristige Partner. Creator sollten bei Events dabei sein, bei Produktlaunches mitdenken und im Idealfall sogar an der Entwicklung von Produkten beteiligt werden. Ich würde jedem Unternehmen empfehlen, sich einen kleinen Pool an langfristigen Markenbotschafterinnen und -botschaftern aufzubauen, mit denen man über mehrere Jahre zusammenarbeitet. Es gibt Marken, die ich heute untrennbar mit bestimmten Creators verbinde – und diese Art von Markentreue ist in unserer schnellen, digitalen Welt so wertvoll und langfristig deutlich wirksamer als kurzfristige Sales-Erfolge.

Du bist in diesem Jahr Teil der Jury des German Brand Award. Was bedeutet dir diese Rolle persönlich?

Ich liebe es, dass ich hier dabei sein darf! Für mich ist das eine große Wertschätzung, gerade weil mein beruflicher Hintergrund zu 100 Prozent im Bereich Social Media liegt. Wenn man meinen Lebenslauf betrachtet, habe ich nie etwas anderes gemacht. Dass diese Perspektive nun Teil der Juryarbeit ist, empfinde ich als tolle Wertschätzung für die Branche, weil es zeigt, welchen Stellenwert Social Media heute in der Markenführung einnimmt. Deswegen freue ich mich riesig darauf, die Branche auf dieser Ebene vertreten zu dürfen.

Welche Rolle spielt Social Media im Kontext des German Brand Award?

Social Media gehört mittlerweile zu 100 Prozent zur Markenführung. Und es ist ein so wichtiger Bestandteil, dass wir nicht mehr darüber sprechen, ob eine TV-Kampagne verlängert wird und Social auch irgendwie stattfindet, sondern dass Social Media genauso mitgeplant wird wie die anderen Kommunikationskanäle. Wenn eine Marke heute nicht auf Social Media stattfindet, muss es dafür schon sehr schwerwiegende Gründe geben!

»Eine Kampagne ist für mich nicht erfolgreich, nur weil sie viel Aufmerksamkeit erzeugt, sondern weil sie strategisch durchdacht ist, Wirkung zeigt und relevant ist.«

Worauf wirst du als Jurymitglied bei den Einreichungen besonders achten?

Mir ist eine klare Zielsetzung wichtig, eine definierte Erwartungshaltung und eine saubere Auswertung. Social Media liefert sehr harte Zahlen, aber genau deshalb kommt es darauf an, diese auch richtig zu interpretieren. Mich interessieren nicht die größten Reichweiten, sondern sinnvolle Kennzahlen, die zur Zielgruppe passen und auf die Marke einzahlen. Eine Kampagne ist für mich nicht erfolgreich, nur weil sie viel Aufmerksamkeit erzeugt, sondern weil sie strategisch durchdacht ist, Wirkung zeigt und relevant ist. Natürlich spielt dabei auch Kreativität eine Rolle, aber sie muss immer im Zusammenhang mit Wirkung und Zielerreichung stehen. Kampagnen müssen sinnvoll und sinnstiftend für die Marke sein. Und ich will selbstverständlich auch Magie sehen.

Der German Brand Award würdigt Unternehmen, die mit ihrem Brandmanagement neue Maßstäbe setzen. Ist das denn aus deiner Sicht heute einfacher oder schwieriger geworden?

Ich glaube, es ist heute einfach, neue Maßstäbe zu setzen, denn Marken müssen nicht mehr die ganze Welt erreichen, um relevant zu sein. Es reicht, in einer klar definierten Zielgruppe Maßstäbe zu setzen. Wir alle bewegen uns in Nischen, und genau dort entstehen oft die stärksten Markenmomente. Entscheidend ist, ob eine Marke es schafft, in ihrer Community echte Emotionen auszulösen. Mir ist deswegen wirklich wichtig, dass es in der Juryarbeit nicht auf die große Masse ankommt, sondern darauf, ob in einer bestimmten Zielgruppe wirklich etwas Magisches entstanden ist. Um innovative und zukunftsweisende Kampagnen zu schaffen, müssen Marken auch ihre Hausaufgaben machen und nicht nur aus einem Gefühl heraus irgendeine Botschaft in die Welt setzen. Es braucht eine echte Strategie, Budget, Zeit und Muße.

Jetzt einreichen: Registration Deadline bis zum 27. Februar 2026

Welche Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz?

Für Analyse, Recherche und Vorbereitung ist KI inzwischen unverzichtbar. Ich würde heute keine Backend-Arbeit mehr ohne KI machen. Wenn es aber um Kreativität geht, stößt KI an klare Grenzen. Sie kann sich nur an dem orientieren, was es bereits gibt. Echte Innovation entsteht nur im menschlichen Kopf. Deshalb wünsche ich mir, dass Marken sich Zeit, Raum und Mut lassen, Neues auszuprobieren, auch wenn natürlich immer das Risiko besteht, zu scheitern.

Was ist dein Rat an Marken, die ihre Arbeit beim German Brand Award einreichen möchten – und warum lohnt sich das?

Ich kann Marken nur ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Allein die Aufbereitung der Einreichung ist ein wertvoller Prozess, weil man gezwungen ist, die eigene Arbeit zu reflektieren. Man lernt sehr viel über sich selbst, das Team und die eigene Strategie. Und es ist so ein tolles Gefühl, das letztendlich einzureichen und ein Teil davon zu sein und die Arbeit nochmal auszeichnen zu lassen. Wir sind ja alle nicht mehr in der Schule, wo wir am Ende des Schuljahres ein Zeugnis bekommen. Und mit so einer Einreichung kann man sich dieses Lob abholen! Außerdem ist es doch eine besondere Form der Anerkennung, von einer Fachjury Feedback zu bekommen. Dieses Feedback geht weit über Zahlen hinaus. Ein Award ist nicht nur Auszeichnung, sondern auch Teil einer Community und ein starkes Zeichen für gute Markenarbeit. Ich würde mir wünschen, dass alle eine Eins plus mit Sternchen bekommen!

Über Carsta:

Carsta Maria Müller ist Managing Director bei Baby got Business und als Branchen-Expertin und Medienwissenschaftlerin seit mehr als 15 Jahren beruflich in der Social Media-Welt zu Hause. Zuletzt war sie bei Meta als Strategic Partner Managerin für Creator, Media & Sport Companies und davor als Director Social Media bei ProSiebenSat.1. Seit zehn Jahren begleitet sie Unternehmen bei ihrem digitalen Wandel, begeistert Menschen für Content, kreatives Storytelling, KPIs & Social Media Strategien.

Logos PAGE und German Brand Award 2026, grafische Darstellung

 



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Ein Apothekenmagazin wie kein anderes! › PAGE online


Dass eine Apotheke weit mehr sein kann als ein Ort, an dem Medikamente über die Theke gehen, das hat – wild, frech und in mitreißendem Design – das Gesundheitsmagazin Hä! gezeigt. Und weil es so unglaublich war, ist eine Compilation erschienen.

Ein Apothekenmagazin wie kein anderes! › PAGE online

Wie haben bereits über die erste Ausgabe von Hä! berichtet. Als sie 2012 erschien und wir unseren Augen nicht trauten. Das sollte ein Apothekenmagazin sein? Und dann auch noch ein Schweizer dazu?

Rough und im Stil der Punk-Zines der 70er- und 80er-Jahre, mit denen jeder sich verwirklichen konnte, seine Ideen ausdrücken, persönlich und laut gleichzeitig sein konnte und erzählen, was einen bewegt.

Und das mit Collagen, mit ausgerissenen Schnipseln, fotokopiert und handgeschrieben, mit fetten, selbst gezogenen Balken, rauem Papier und ganz eigenem Editorial Design.

An dieser Ästhetik hat das Zürcher Studio Markus Kraft sich orientiert, als es Hä! 2012 nicht nur konzipierte, sondern auch gestaltete: ganz ohne Grit und meilenweit entfernt von dem berühmten Schweizer Stil.

Auf Tuchfühlung – und ohne Tabus

Als Gesundheitsmagazin für junge Leser:innen zwischen 16 und 25 Jahren hat Hä! gezeigt, wie man darüber auch sprechen kann. Dass man dafür kein medizinisch cleanes Design braucht und keinen glossy Style. Ganz im Gegenteil.

Denn Hä! erreichte seine Leder:innen mit einer Gestaltung, die zugänglich und vertrauenswürdig war, nah an ihnen dran und vertrauenswürdig. Und mit Texten des Journalisten und Texters Rainer Brenner, der die Leser:innen direkt ansprach und das mit gut recherchierten Texten und ohne Tabus.

In jeder Ausgabe wurde ein menschlicher Körperteil beleuchtet – und das im weitesten Sinne.

Apotheken, die sich was trauen

»Let’s talk about Sex!« hieß gleich die erste Ausgabe, andere fragten »Bin ich schön?«, dann um »Tattoos + Piercings«, um »Boobs« und den Penis, Rauchen, Drogen, Alkohol oder es wurde gefragt »Do you feel it?«

Auf den Weg gebracht haben Hä! die Rotpunkt Apotheken, ein Zusammenschluss unabhängiger Schweizer Apotheken, in deren Filialen es erhältlich war. 52 Ausgaben lang (2012-2024) haben sie unterstrichen, dass die Apotheke ein Ort für Gesundheit ist, niedrigschwellig, kompetent und für alle Fragen offen.

Und weil dieses Magazin so eine große Freude war, ist es als »Hä? Magazine – The Complete Collection« in Buchform erschienen. 1000 Seiten dick und in einer kleinen Auflage – und war sofort vergriffen.

Hier aber ein Einblick:

 

 

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Die 22. Pictoplasma kommt! › PAGE online


Im Mai findet die 22. Pictoplasma statt – mit spannenden Illustrator:innen, Artists, Designenden, mit Animations-Künstler:innen und vielen anderen Kreativen. Das Festival hat diesmal das Storytelling fest im Blick und wie immer auch die Community.

Die 22. Pictoplasma kommt! › PAGE online

Mehr als 20 Speaker, die ihre Arbeiten vorstellen, davon erzählen, was sie antreibt und inspiriert, dazu gibt es Panels und Diskussionen, Workshops, Jam-Sessions, Portfolio-Reviews mit Vertreter:innen wichtiger Studios und ein Podium, auf dem die Festival-Besucher:innen ihre Arbeit vorstellen können.

Dazu gibt es Partys, Come-Togethers und persönliche Round Tables – und über 100 Kurzfilme in sieben Screenings und mit Q&As der anwesenden Regisseur:innen und Animationsartists.

Das ist die 22. Pictoplasma Berlin, International Conference on Character Creativity.

Zohar Dvir: Butterfly Kiss

Coole Artists – und viel Storytelling

Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Storytelling, das Geschichten erzählen und welche Rolle Characters dabei spielen, aber auch, welche Geschichten sie selbst in sich tragen: als Ausdruck unserer Zeit und ihrer Paradigmen, Tools und Technologien.

Vom 7.-10. Mai 2026 findet das Festival erneut im Silent Green im Berliner Wedding statt, führt Illustration und Grafikdesign, Animation, Kunst, 3D-Design, Branding und Game-Design zusammen.

Auf der Konferenzbühne wechseln sich drei Tage lang spannende internationale Artists ab. Dazu gehört die mexikanische  Künstlerin Ilse Valfré und ihre unique »indie feminist«-Art, die französische Illustratorin Marylou Faure, die für Nike, Netflix, Apple, Coca-Cola und andere Brands mit ihren bolden und selbstbewussten Figuren überzeugt. Jun Ioneda, ein Brasilianer mit seinem Studio in Barcelona, lässt in seinem ganz eigenen Stil Science-Fiction, Queerness und japanische Einflüsse zusammenfließen, während die preisgekrönte Zohar Dvir in ihren Animationen immer wieder in andere Welten führt.

Auch bereits bekannte Gesichter sind dabei. Die Illustratorin und Cartoonistin Gemma Correll wird ein Update ihre Arbeit geben, in der sie mit einfachen Strichzeichnungen Situationen umwerfend komisch auf den Punkt bringt. Und auch Jack Sachs, Illustrator und 3D-Artist, der mit der Kombination aus Zeichnung und CGI eine ganz eigene Sprache entwickelt hat, die er beständig mit neuen Tools, mit Video, AR, Photogrammetrie oder Skulpturen erweitert.

Helga Stentzel: Laundrodog

Konferenz mit eigenem Market

Und darüber hinaus, wenn alle Talks gehört wurden und alle Diskussionen beendet sind, öffnet die Pictoplasma am Sonntag, den 10. Mai 2026 ihre Türen mit einem Character Market, auf dem Konferenzteilnehmer:innen und lokale Artists ihre Werke anbieten, Drucke und Keramik, Zines, Pins, Shirts, Gedrucktes und anderweitig hergestelltes.

Gleichzeitig ist die Pictoplasma-Ausstellung mit den Arbeiten ausgewählter Artists geöffnet und zudem wird das Animationsprogramm wiederholt.

Hier geht es zum Programm der Pictoplasma.

Ilse Valfré: Contecion

 



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»KI gibt uns die kreativen Freiräume zurück« › PAGE online


Als in München das Wiesn-Plakat 2026 gekürt wurde, entbrannte eine Diskussion: War hier KI im Spiel? Für Felix Miremadi ist dieser Fall symptomatisch für den gesellschaftlichen Umgang mit KI. Hier spricht er über Kreativität in Zeiten von KI – und was das für Marken heißt.

»KI gibt uns die kreativen Freiräume zurück« › PAGE onlineBild: Felix MiremadiFelix, ganz München diskutiert gerade über ein neues Oktoberfest-Plakat, das angeblich mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt worden sei. Der Vorwurf: Das sei ein »Schlag ins Gesicht für Künstler:innen, die versuchen, mit fairen Mitteln ihrer Leidenschaft nachzugehen«. Das Thema wurde zur Grundsatzdebatte. Was sagt das über unseren Umgang mit KI aus?

Felix Miremadi: Es zeigt, dass wir eine ambivalente Haltung haben. Noch bevor überhaupt klar ist, ob KI eingesetzt wurde, entsteht bei vielen im Kopf ein Wertverlust. Das ist interessant. Das Motiv hat ja zunächst gewonnen – ohne dass jemand infrage gestellt hat, wie es entstanden ist. Erst als der Verdacht im Raum stand, änderte sich die Wahrnehmung. Wenn einem Künstler nicht mehr geglaubt wird, dass er etwas ohne KI gemacht hat, wirft das viele Fragen auf. Wie viel muss man kommunizieren? Wie transparent muss man sein? Das Paradoxe ist: Laut Studien wurde in den letzten vier Jahren mit KI bereits die gleiche Datenmenge erstellt wie in 30 Jahren Internetnutzung. Das Problem ist, dass wir im Ergebnis oft gar nicht mehr unterscheiden können, was mit KI erstellt wurde und was nicht.

Heißt das, KI verändert eher den Weg zu kreativer Arbeit als das Ergebnis?

Beides. Wir haben uns in den letzten 30 Jahren in einem Hamsterrad gefunden, wo sich niemand mehr etwas komplett Neues überlegt hat. KI bezieht sich auch auf das, was schon da ist. Aber KI ist nicht in der Lage zu denken, wie ein Mensch das kann. Was unten herauskommt, kann platter, neutraler und weniger emotional werden, wenn der Mensch seltener mit seinem eigenen Input eingreift. Je klarer und konsequenter also Designer oder ein Unternehmen sein Design, seine Brand, seine Werte, Sprache und Kommunikation definiert und festhält, desto besser werden die Inhalte, die sich darauf aufbauend automatisiert erstellen lassen.

Was heißt das für Brand Building und Werbung – und wo kann KI dabei unterstützen oder etwas verbessern?

Ich komme selbst aus der Werbung und habe erlebt, wie stark kreative Prozesse heute auf Effizienz und Zeit getrimmt sind. Mit genauer Zeiterfassung und wirtschaftlichem Druck wird es immer schwieriger, Raum für Experimente zu lassen. Dabei entsteht genau in diesen kreativen Freiräumen wirklich Einzigartiges! Gerade hier sehe ich im kreativen Anfangsprozess großes Potenzial für KI. Sie ermöglicht es, effizient in viele Richtungen zu denken und schnell auszuprobieren, was funktioniert und was nicht. Damit gibt sie uns den Freiraum zurück für Experimente und die Chance, etwas Besonderes zu entwickeln.

KI verschiebt den Besitz und die Verantwortung innerhalb vieler Prozessketten in der Werbung. Besonders sichtbar wird das bei oberflächlichen und stark auf Aussehen beruhenden Berufen wie bspw. dem Modeldasein, wo es letztlich auch um eine große Offenheit geht, das umzusetzen, was sich ein Kunde wünscht. Hier müssen wir realistischerweise damit rechnen, dass sich das stark in Richtung markengesteuerter Avatare verschiebt. Marken hätten damit tatsächlich beide Enden in der Hand – sie kontrollieren Erscheinung, Einsatz, Verfügbarkeit und Produktion zugleich. Das wird Produktionsrealitäten und Machtverhältnisse in der Branche verändern.

Du zeigst Werke an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und öffentlichem Raum im AI ART Lab am Frankfurter Flughafen. Was steckt dahinter und warum ist gerade der Flughafen so spannend dafür?

Nach der überwältigenden Resonanz auf meine erste Ausstellung Binary Blur – gemeinsam mit einem Frankfurter Graffiti-Künstler – entstand der Wunsch, einen dauerhaften Ort für KI-basierte, immersive und interaktive Medien in Frankfurt zu schaffen.

Das AI ART LAB ist daher kein klassischer Ausstellungsraum, sondern ein offener Diskursraum über technologische Transformation. Am Flughafen – einem Ort des Übergangs – wird Kunst zum Resonanzraum für die Fragen unserer Zeit: Wie verändern KI, Agenten-Systeme und neue Produktionslogiken Kreativität, Arbeit und Wert?

Die Arbeiten setzen bewusst auf unmittelbare Wirkung statt auf lange Erklärungen. Interaktion steht im Zentrum – erst visuelle oder körperliche Resonanz, dann Kontext. Gerade dadurch entstehen intensive Gespräche. Besucher bleiben oft deutlich länger, weil die Werke nicht nur ästhetisch funktionieren, sondern reale berufliche und gesellschaftliche Entwicklungen berühren.

Dunkel inszenierter Ausstellungsraum mit drei hochformatigen, leuchtenden Screens auf Podesten. Die digitalen Kunstwerke zeigen surreale Motive in kräftigen Farben. Ein roter Teppich führt durch den Raum, im Hintergrund steht eine Lounge mit Sofa und roter Stehlampe.Bild: Felix Miremadi

Das AI ART LAB versteht sich als Plattform für Austausch, Experimente und Workshops – ein Raum, in dem Kunst zum Einstieg in größere Zukunftsfragen wird. Der Standort passt perfekt: Alles ist in Bewegung, Aufmerksamkeit entsteht in Sekunden – überzeugt etwas nicht sofort visuell, läuft man weiter.

Wie verändert KI den Kreativprozess?

Ich glaube, dabei kommt es auf unsere Haltung gegenüber KI an. Wenn wir sie bewusst als Werkzeug verstehen, die wir transparent und reflektiert einsetzen, bleibt sie auch genau das: ein Tool, das kreative Prozesse unterstützt. Problematisch wird es, wenn KI unsichtbar bleibt und Inhalte erzeugt werden, ohne dass klar ist, wie sie entstanden sind. Das passiert bereits. Viele Marken nutzen KI, kommunizieren es aber nicht – und wir konsumieren die Ergebnisse, als wären sie rein menschlich entstanden. Wie sich das weiterentwickelt, hängt davon ab, wie bewusst wir damit umgehen.

»Wie sich das weiterentwickelt, hängt davon ab, wie bewusst wir damit umgehen.«

Ich bin aber überzeugt, dass KI in immer mehr Bereichen zu Ergebnissen gelangen wird, die denen von Profis branchenübergreifend sehr nahekommen.

Was ist es denn für dich – ein Tool oder künstlerisches Medium?

Für mich ist das schwer eindeutig zu sagen. AI ist mehr als nur ein klassisches Tool – aber auch nicht einfach ein autonomes künstlerisches Wesen. Wenn man sich anschaut, was Malerei oder Fotografie leisten, dann schafft KI all das auch alles. Und gleichzeitig dreht sie vieles um. Plötzlich steht der Ideengeber ganz am Anfang, gibt einen Impuls hinein, und danach passieren unzählige Prozesse, die nicht mehr vollständig in seiner Hand liegen.

Das wirft auch die Frage nach der Urheberschaft auf: Wer ist eigentlich der Ersteller? Wenn eine KI auf Basis eines kurzen Inputs komplexe Prozessketten durchläuft und eigenständig Entscheidungen trifft, ist der Mensch nur der Auslöser. Je oberflächlicher der Input, desto kleiner ist der eigene gestalterische Anteil. Je ausgefeilter jedoch die Prozessführung, je bewusster man eingreift, kuratiert, steuert und weiterentwickelt, desto mehr wird KI für mich zu einer Art Spielpartner.

Wo liegt denn dann die Grenze zwischen Künstler, Designer und Technologie?

Das verschwimmt stärker als je zuvor. Oft kann man nicht mehr klar sagen, womit etwas gemacht wurde, was genau der Input war oder wo der Ursprung liegt. Text wird zu Bild, Bild zu Video, Video wieder zu etwas Neuem – die Werkzeuge greifen ineinander, und der Ausgangspunkt ist kaum noch nachvollziehbar. Wenn der Ursprung nicht mehr eindeutig erkennbar ist, verschiebt sich der Maßstab: Entscheidend ist dann nicht mehr, womit etwas gemacht wurde, sondern ob es eine eigene Haltung, eine erzählerische Kraft, eine inhaltliche Tiefe besitzt. Wenn es das nicht hat, bleibt es eine digitale Arbeit – aber keine Kunst.

Gleichzeitig entsteht durch die einfache Zugänglichkeit für alle eine Übersättigung. Viele nutzen die Tools, ohne sie wirklich zu verstehen und dadurch wird es sehr viel Mittelmaß geben.

Last Call: Registration Deadline 27. Februar 2026

Was passiert dann?

Dann gibt es wieder eine Gegenbewegung, hin zum Analogen. Das sehen wir schon jetzt: Apple hat kürzlich eine Kampagne komplett analog produziert – alles mit echten Objekten, echtem Licht, kein 3D. Das wurde explizit gezeigt und war eine bewusste Abgrenzung. Je unsichtbarer die Prozesse im Digitalen werden, desto größer kann das Bedürfnis werden, wieder etwas eindeutig Menschliches zu sehen. Vielleicht gibt es dafür irgendwann sogar ein Siegel. So wie »Bio« oder »handgemacht« heute Wert signalisieren, könnte »von einem Menschen erstellt« auch zu einem Qualitätsmerkmal werden. Die Diskussion um KI und Kunst fängt gerade erst an. Das sieht man auch an der Debatte um das Münchner Wiesn-Plakat.

Über Felix Miremadi

Felix Miremadi ist Kommunikationsdesigner, AI-Künstler und Gründer des AI ART LAB in Frankfurt. Aus der klassischen Werbung kommend, verbindet er Kunst, Technologie und Raumgestaltung zu interaktiven Formaten. Seine Arbeiten untersuchen, wie KI kreative Prozesse, Wahrnehmung und Werte verändert – und schaffen Orte, an denen Gestaltung wirkt, bevor sie erklärt wird.





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