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Netto BBL Pokal – neuer Name, neuer Markenauftritt, neue Trophäe – Design Tagebuch
Zur Saison 2026/27 erhält der Netto BBL Pokal einen neuen Markenauftritt. Eines der Ziele ist es, den Pokalwettbewerb visuell und tonal deutlicher vom Ligabetrieb der easyCredit BBL abzugrenzen. Die Pokaltrophäe selbst wurde grundlegend neu designt.
Der BBL-Pokal ist der nationale Pokalwettbewerb im deutschen Männer-Basketball. Er wurde 1966 vom Deutschen Basketball Bund (DBB) ins Leben gerufen. Seit 2009 wird der Wettbewerb von der Basketball-Bundesliga (BBL) organisiert und richtet sich an Vereine aus dem deutschen Profibasketball. Der Austragungsmodus wurde mehrfach verändert; heute wird der Pokalsieger über mehrere K.-o.-Runden ermittelt. Der BBL-Pokal zählt neben der deutschen Meisterschaft zu den wichtigsten nationalen Titeln.
Der Lebensmitteleinzelhändler Netto Marken-Discount ist ab der Saison 2026/27 neuer Haupt- und Namenssponsor des BBL Pokals sowie offizieller Ernährungspartner der easyCredit Basketball-Bundesliga (BBL). Vor diesem Hintergrund erfolgt die Anpassung des Markenauftritts.
Auszug der Pressemeldung
Unter dem Leitgedanken ‚Alles bleibt anders‘ behält der Wettbewerb seinen sportlichen Kern und bekommt gleichzeitig einen eigenständigeren und aufmerksamkeitsstärkeren Auftritt. „Der neue Markenauftritt ist deshalb weit mehr als ein neues Logo. Er gibt dem Wettbewerb eine eigene Identität und schafft die Grundlage, den Netto BBL Pokal langfristig als starke eigenständige Marke weiterzuentwickeln“, so Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga GmbH.

Farblich prägen Neonmint und Schwarz die Markenwelt, ergänzt durch geometrische Formen und eine durch Versalien geprägte Typografie mit variabler Breite (siehe Social Post). Kern des Logos ist eine Verbindung aus Basketball und Spielfeld, die als Absender innerhalb eines modularen Systems fungiert. Laut BBL ist dieses System so angelegt, dass es sich je nach Wettbewerbsphase und Anwendung verdichten lässt und über Arena, Court, TV, Social Media und Website hinweg unterschiedlich inszeniert werden kann. Prominent eingebunden ist im oberen Drittel das Logo des neuen Namensgebers Netto, das in den Markenfarben Rot und Gelb gehalten ist.

Die neue designte Trophäe ist ein zentraler Baustein der Neuausrichtung. Die aus Aluminium bestehende, vom Schweizer Hersteller Awardness of Switzerland gefertigte Trophäe unterscheidet sich in Aussehen und Format deutlich von der bisherigen Trophäe. Die in Handarbeit gefertigte Form verbindet eine geometrische, futuristische Gestaltung mit reduzierter Silhouette und steht laut Veranstalter für „Haltung statt Gefälligkeit“. Der Pokal zitiere keine Vergangenheit – er setze ein klares Zeichen für Fortschritt, so die BBL.
Zeitgleich mit der Vorstellung wurde eine Website gelauncht, unter der der Pokalwettbewerb eigenständig präsentiert wird (netto-bbl-pokal.de).
Kommentar
Nun, wenn die neue Form der Trophäe laut BBL NICHT die Vergangenheit zitiert, wozu dann eine Bezeichnung „Form Heritage to Sketch“ und eine dazu passend aufbereitete Analogie? Meines Erachtens lässt das Design der neuen Trophäe sehr deutlich historische Verwurzelung erkennen, wenngleich die Formsprache nicht unmittelbar an frühere Basketball-Trophäen anknüpft.
Die bisherige Trophäe ist von der Form her modernistisch, unkonventionell, die neue Form hingegen klassisch. Der Aufbau folgt der Grundform antiker griechischer Amphoren. Leicht konisch zulaufend, tief gezogene Kelchform mit flachem oberen Rand. Zwei symmetrisch angeordnete, schlanke Henkel, die rechtwinklig ansetzend im Bogen vom oberen Rand abstehen und (in diesem Fall) mittig des Kelchs wieder schließen. Es gibt Sporttrophäen mit ähnlich rechtwinklig ansetzenden Henkeln, wie die Ulster Cup Trophy (1949, Irland) und die Trofeo Pichichi (1952, Spanien) – beides Auszeichnungen im Fußball. Henkeltrophäen sind im Fußball verbreiteter als im Basketball.
Klassische Henkelpokale und Siegestrophäen basieren primär auf antiken Gefäßtypen wie der Amphora, dem Kantharos oder dem Krater. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts brechen viele Sporttrophäen bewusst mit der antiken Formensprache. Im Basketball, Handball, Motorsport und jungen Sportarten werden oftmals abstrakte, dynamische oder futuristische Formen ohne Bezug zu antiken Gefäßen genutzt, siehe bisherige Basketball-Trophäe.
Über das neue Markendesign und Logo: Nicht nur im Basketball ist Namenssponsoring von Ligen und Pokalwettbewerben international seit Jahren üblich und weit verbreitet. Nur in wenigen Top-Ligen und -Pokalwettbewerben (etwa NBA, EuroLeague) bleiben die Bezeichnungen ohne Titelsponsor, bislang. In der Regel setzt der Namens-/Geldgeber durch, dass beim Subbranding das Logo des Sponsors in der jeweiligen Primärfarbe des Sponsors dargestellt ist, in diesem Fall in Gelb und Rot.

Aus dem Namenssponsoring resultiert ein Konflikt: Der Sponsor verlangt maximale Sichtbarkeit; die Sportwettbewerbsmarke (Liga, Pokal u.a.) braucht hingegen ein eigenständiges, langfristig verwertbares Profil. Häufige Sponsorenwechsel verwässern die Wiedererkennbarkeit und schwächen die Sportwettbewerbsmarke. Die englische Premier League verzichtet genau deshalb seit 2016 bewusst auf einen Sponsor (Barclays), um so ihre Marke selbst zu kapitalisieren. Als einer der bedeutendsten Sportligen der Welt kann es sich die Premier League leisten, auf die daraus resultierenden Erlöse zu verzichten. Der deutsche Profibasketball ist auf die Einnahmen dringend angewiesen. Finanziell spielt die Premier League in einer anderen Galaxie. Die englische Liga setzte 2024/25 rund 8,1 Milliarden Euro um, die Clubs der easyCredit BBL 2024/25 zusammen 160,8 Millionen, ein erneuter Umsatzrekord.
Das Markendesign sorgt im Zusammenspiel mit der ebenfalls neu entworfenen, offenbar noch namenlosen Trophäe für eine auf allen Ebenen sicht- und spürbare Aufwertung des Pokalwettbewerbs. Diese Trophäe einmal selbst in die Höhe recken zu können, dürfte für die Sportler das große Ziel sein. Für die allermeisten Fans dürfte ohnehin nachrangig sein, ob ein Farbschema bestehend aus Neonmint und Schwarz in Verbindung mit Gelb und Rot sonderlich harmonisch wirkt, sofern als Gegenleistung für das Sponsoring stabilere Ticketpreise, bessere Übertragungen und Inhalte, aufwendigere Hallen-/Stadionerlebnisse samt Fan-Zonen und Rahmenprogramm geboten werden und für das eigene Team eine solch formvollendete Trophäe winkt.
Apropos. Wie wäre als Name „Harnisch Trophäe“? Kein anderer Spieler – auch kein ausländischer Profi – hat mehr deutsche Meister- und Pokaltitel gewonnen wie der in den Jahren 1988 bis 1998 für Leverkusen und Berlin spielende Henning Harnisch (9 x Meister, 5 x Pokalsieger).
Mediengalerie
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