UX/UI & Webdesign

Schön schräg › PAGE online


Darauf haben viele von uns gewartet: Ab sofort gibt es kursive Schnitte für die Neue DIN. Und zwar für alle neun Breiten und in allen neun Stärken, nach rechts und nach links geneigt.

Seit ihrer Veröffentlichung bei der Berliner Foundry Fontwerk vor etwa drei Jahren, hat die Neue DIN ordentlich Wellen geschlagen. Sechs der wichtigsten internationalen Kreativ-Awards – darunter der iF Design Award, der ADC und der German Design Award – und viel positives Feedback von Anwenderinnen und Anwendern bezeugen ihre Qualitäten, zum Beispiel ihren extremen Designspace von XXCondensed bis XXWide jeweils in den Strichstärken Thin bis Black. Dem Design-Trio Andreas Frohloff, Olli Meier und Hendrik Weber ist es mit verschiedenen smarten Designentscheidungen gelungen, die deutsche Designikone DIN von jeglichem Staub zu befreien.

Einen ausführlichen Artikel dazu findet ihr hier.

Was der Neuen DIN aber trotz ihres enormen Umfangs bisher fehlte, waren Kursive. Nun aber haben Andreas Frohloff und Olli Meier nicht nur die 81 normal schräggestellten Schnitte ergänzt, sondern zusätzlich die gleiche Menge an nach links geneigten Varianten (Retalic). Die auch als Backslanted bekannte Linkskursive bietet beispielsweise in plakativen Kontexten reizvolle Möglichkeiten. Damit erhöht sich die Anzahl der statischen Schnitte der Neuen DIN auf satte 243. Wer es überschaubarer mag: der Variable-Font erhielt eine dritte Achse zur Schrägstellung in beide Richtungen.

Alle 243 Schnitte plus der Variable Font kosten 950 Euro. Aber natürlich gibt es auf der Fontwerk Website auch viele Angebote für einzelne Fonts oder Pakete. 

Und wer sich für die Geschichte und Entwicklung der DIN Schrift interessiert, findet hier eine sehr gute Zusammenfassung.

 

Warum die Kursiven der Neuen DIN erst jetzt erschienen sind und wie sie sich von anderen serifenlosen Kursiven unterscheiden fragten wir Fontwerk-Gründer Ivo Gabrowitsch.

Warum habt ihr die Kursiven 2023 nicht gleich mitentwickelt?

Ivo Gbrowitsch: Wir waren von der Stringenz und Klarheit der aus 81 aufrechten Garnituren bestehenden Familie überzeugt. Wir fragten uns, ob es mit den Möglichkeiten, die sich durch neun Breiten und neun Strichstärken ergaben überhaupt noch kursiver Schnitte bedurfte. Zumal das geometrisch-konstruierte, dabei gleichzeitig offene Design keine echte Kursive mit eigens gezeichneten Glyphen zulässt, sondern lediglich Obliques – also schräg gestellte Versionen der geraden Schrift – und sich bei Bedarf auch mit guten Ergebnissen elektronisch schräg stellen lässt. Wenn man so will, wollten wir vom Bedarf nach Kursiven überzeugt werden.

War von Anfang an klar, dass es auch Retalics gibt oder hat sich das erst im Laufe der Gestaltung ergeben?

Als der Bedarf nach Kursiven offenkundig wurde, war uns die nach rechts geneigte Lage allein nicht genug. Über dem ganzen Projekt Neue DIN steht das Ziel, die DIN-Schrift wirklich neu zu denken. Es gibt bereits einige Interpretationen der DIN 1451, der Norm-Schrift für die Bereiche Technik und Verkehr. Für uns stellte sich daher von Anfang an die Frage nach der Daseinsberechtigung. Warum bedarf es der weiteren Variante? Weil das hundert Jahre alte Design weiter bestehen soll. Weil sich die Welt und die Anforderungen an Schrift verändern. Weil Typedesign heute dynamisch-variabel ist und das neue gestalterische Schlussfolgerungen mit sich bringt. Also gibt es mit unserem Variable-First-Ansatz eben nicht nur eine normale Kursive, sondern auch eine nach links geneigte Variante, die man im DIN-Kosmos noch nicht kannte – und das alles in einem einzigen Variable-Font.

»Wir wollten vom Bedarf nach Kursiven überzeugt werden.«

Welchen Neigungswinkel haben die Kursiven und wie unterscheiden sie sich von anderen?

Die Neue DIN Italic hat einen Neigungswinkel von 10°. Da wir im Wesentlichen keine neuen Formen zeichneten, sondern eine dezent nachjustierte Oblique gestalteten, ist dieser Winkel der beste Kompromiss aus Neigung und Verzerrung und zudem noch gut in den extremen Schnitten abbildbar. Bei dynamischen Schriften sind 12° üblich, heutzutage auch mal bis zu 15°. Geometrischen Schriften, zum Beispiel der Futura, genügen manchmal auch nur 8°. Mit unseren 10° gewährleisten wir, dass sich auch eine XXCondensed oder XXWide im selben Formenkanon bewegt wie die Normalbreite. Das mag vielleicht weniger mutig erscheinen, garantiert aber die zuvor beschriebene Langlebigkeit, die wir erzielen wollen.

Ist das Projekt Neue DIN jetzt abgeschlossen oder können wir uns auf künftige Erweiterungen freuen?

Ja, es kommt noch mehr. Mit dem Ansatz, alles neu denken zu wollen, fallen nach heutigem Stand einige Erweiterungen raus. So braucht es beispielsweise keine weiteren DIN Roundeds oder DIN Slabs – es sei denn, unsere Kundinnen und Kunden wünschen sich das explizit. Andere stilistische Optionen sind allerdings denkbar, dazu kann ich aber noch nichts verraten. Und dann gibt es Sprachen, für die bisher keine DIN-Entsprechungen existieren. So stehen wir kurz vor der Veröffentlichung von Neue DIN Thai, die wir – neben Kyrillisch und Griechisch – von internationalen Designerinnen und Designern haben gestalten lassen und die es natürlich auch in allen 243 statischen und dazwischenliegenden variablen Garnituren geben wird.



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen