Apps & Mobile Entwicklung
Smartphone-Markt: Teurer DRAM und NAND sorgen für Rückgang statt Wachstum
Der Smartphone-Markt sollte nach Prognosen aus dem Herbst letzten Jahres eigentlich jedes folgende Jahr ein kleines Stück wachsen, doch die anhaltend hohen Preise für DRAM und NAND machen dem einen Strich durch die Rechnung. Ganz im Gegenteil: Laut Counterpoint Research werde der Markt satte 6,1 Prozent seines Volumens einbüßen.
Dass der Smartphone-Markt potenziell von Volatilität geprägt sein wird, hatten letztes Jahr mehrere Marktforscher in Aussicht gestellt. Zum Beispiel erklärte Omdia Mitte Oktober, dass der Markt angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten, steigender Preise für Komponenten und anderer Sorgen volatil bleibe. Vor allem bei Halbleitern und Speicherprodukten gebe es Kapazitätsengpässe, nicht nur unter den Smartphone-Herstellern, sondern auch bedingt durch den KI-Boom in anderen Bereichen.
Bei IDC war man Ende August aber noch davon ausgegangen, dass auf 1 Prozent Wachstum in 2025 in den Folgejahren weiterhin Wachstum zu erwarten sei. Der Smartphone-Markt sollte 2026 um 1,2 Prozent zulegen, 2,1 Prozent wurden für 2027 vorhergesagt.
DRAM und NAND lassen den Markt schrumpfen
Das Pendel schwingt derzeit aber in die komplett entgegengesetzte Richtung. DRAM und NAND sind starke Kostentreiber und haben einen stetig größeren Anteil an den Gesamtkosten eines Smartphones. Druck übe diese Entwicklung vor allem auf die Einsteiger- und Mittelklasse aus, die historisch betrachtet von fallenden Speicherkosten profitiert habe. Die Marktforscher rechnen deswegen mit fallenden SoC- und Smartphone-Absatzzahlen, wobei In-house-Lösungen, wie sie Apple, Google und Samsung verbauen, im Vergleich einen Marktvorteil hätten.
Speicher (DRAM und NAND) machte laut Counterpoint Research im Jahr 2020 8 Prozent der Gesamtkosten eines Premium-Smartphones wie dem iPhone 12 Pro Max (6 GB DRAM, 128 GB NAND) aus. Beim iPhone 17 Pro Max (Test) liege der Anteil bei 10 Prozent (12 GB/256 GB). Bei Android-Flaggschiffen mit 12 GB bis 16 GB RAM und 512 GB bis 1 TB Storage mache der Speicher 20 Prozent der Bill of Materials aus. Diese Entwicklung bilde nicht nur die allgemein höheren Komponentenkosten, sondern auch die steigenden Anforderungen für AI, Gaming und Bildverarbeitung auf dem Gerät ab.
Einsteiger- und Mittelklasse mit Einschnitten
Das wiederum wirkt sich auf die SoC-Entwickler aus. In erster Linie betroffen sind die Anbieter der Einsteiger- und Mittelklasse, die oftmals noch auf ältere Standards wie DDR4 und LPDDR4 setzen, wo sich die Preissteigerungen zuerst gezeigt hatten.
Betroffen vom SoC-Rückgang ist vor allem Unisoc aus Shanghai, China. Ging man bei Counterpoint Research zuvor noch von 2,3 Prozent Wachstum für das laufende Jahr bei Unisoc aus, rechnen die Marktforscher jetzt mit einem Einbruch von 14,2 Prozent. Bei MediaTek werden statt 0,6 Prozent Rückgang jetzt 10 Prozent Rückgang genannt. Qualcomm wiederum werde statt lediglich 0,5 Prozent um 8,8 Prozent einbrechen. Nach dem „Super Cycle“ mit dem iPhone 17, der Apple ein neues Rekordquartal bescherte, soll der SoC-Absatz dieses Jahr 4,4 Prozent geringer ausfallen. Damit hatte Counterpoint Research allerdings auch schon zuvor gerechnet.
Als Gewinner werden Google und Samsung hervorgehoben. Google könne sich mit den eigenen KI-Lösungen vom restlichen Markt absetzen und den Absatz dieses Jahr außerhalb der USA und Japan steigern. Das soll zu 18,9 statt 13,3 Prozent Wachstum der Tensor-Sparte führen. Bei Samsung stärke der in 2 nm gefertigte Exynos 2600 die vertikale Integration und führe zu 7,3 Prozent Wachstum. Für HiSilicon, den Chip-Entwickler von Huawei, rechnen die Marktforscher mit 4,0 statt 11,5 Prozent Wachstum.
Keine Linderung vor Ende 2027
Unterm Strich sollen die SoC-Absatzzahlen dieses Jahr um 7,4 Prozent fallen, nachdem man zuvor noch von einer Stagnation ausgegangen war. Mit der Migration zu LPDDR5X, LPDDR6 und UFS 4.x geht Counterpoint Research von einer weiteren „Premiumisierung“ des Marktes aus, die in der Einsteiger- und Mittelklasse die Streichung von Geräten, schlechtere Spezifikationen oder spätere Markteinführungen zur Folge habe. Mit einer Normalisierung des Marktes wird nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2027 oder gar erst Anfang 2028 gerechnet.