Digital Business & Startups

So war der schlechteste Chef meines Lebens – und wie er mich bis heute prägt


Was mir ein schlechter Chef in einem frühen Nebenjob über Führung, Motivation und den richtigen Umgang mit Mitarbeitenden beigebracht hat.

Mawave-Gründer Jason Modemann schreibt bei Gründerszene über seinen Alltag als Unternehmer.
Mawave / Logo: Gründerszene

Ein schlechter Chef hat ihm gezeigt, wie man es nicht macht. Heute führt Jason Modemann von Mawave selbst über 150 Mitarbeitende und macht bewusst alles anders. Fünf Prinzipien, die für ihn moderne Führung definieren.

Mein Co-Founder Patrick und ich haben neben dem Studium gegründet. Doch mit Freelancing allein konnten wir unser Leben damals nicht finanzieren. Also hatten wir – wie viele andere Gründer am Anfang auch – noch einen Nebenjob. Rückblickend war das eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens. Nicht, weil ich dort viel gelernt habe. Sondern weil ich gesehen habe, wie man es als Chef auf keinen Fall machen sollte.

Zwischen mir und dem Geschäftsführer kam es ständig zu Reibungen – wegen völlig banaler Dinge. Das prägendste Beispiel: Er wollte, dass ich jeden Tag ins Büro komme. Einfach nur, um zu kontrollieren, ob ich arbeite. Daraus hat er auch kein Geheimnis gemacht. Da eine Office-Präsenz für den Job allerdings absolut nicht notwendig war und ich wusste, dass ich zu Hause viel effizienter war, bin ich einfach nicht hingegangen. Eine Woche später wurde ich gekündigt.

Dreimal darfst du raten, ob es das Unternehmen heute noch gibt. Kleiner Spoiler: Nein. Und ehrlich gesagt wundert mich das überhaupt nicht. 

Genau aufgrund dieser Erfahrung versuche ich heute, es besser zu machen und diese fünf Dinge zu beherzigen, um ein guter Chef zu sein: 

1. Auf Augenhöhe kommunizieren

Ich bin der Meinung, dass man Respekt nicht durch Druck, Härte oder Hierarchie bekommt. Es ist eher ein Geben und Nehmen. Deshalb versuche ich, jedem im Team Respekt zu zollen. Egal ob Geschäftsführung oder Praktikant – wir reden miteinander auf Augenhöhe. Ich höre zu, ich frage nach, ich erkläre Entscheidungen. Nicht, weil ich muss, sondern weil ich will, dass sich jede Person im Team ernst genommen fühlt. Denn ein Team, das sich respektiert fühlt, denkt mit. Ein Team, das Angst hat, denkt nach.

2. Kompetenz zeigen 

Einer der größten Struggle, wenn man ohne Vorerfahrung gründet: Ich kann meinem Team nur die Learnings mitgeben, die ich selbst on the go gemacht habe. Aber genau das hat mich schnell etwas Entscheidendes verstehen lassen: Expertise entsteht durch Neugier, nicht durch Lebensjahre. 

Ich habe in den letzten Jahren so viele unterschiedliche Situationen erlebt, Entscheidungen getroffen, Fehler gemacht, korrigiert, skaliert und gebaut, dass ich heute auf einen Erfahrungspool zugreifen kann, der extrem praxisnah ist. Und deshalb wird meine Stimme im Team ernst genommen – auch wenn ich nicht auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann.

Lest auch

Founder Associate: Die neue rechte Hand der Gründer – und warum der Job viel mehr ist als bloße Zuarbeit

Um meine Kompetenz weiter auszubauen, hole ich bewusst auch Wissen von außen rein – durch Fortbildungen, externe Experten, Sparring. Denn gute Führung heißt für mich: nicht alles wissen, aber alles lernen wollen.

3. Souveränität ausstrahlen

Als Führungskraft wirst du ständig mit Situationen konfrontiert, die du nicht geplant hast. Intern brennt es an vielen Stellen gleichzeitig. Genau in diesen Momenten entscheidet sich, wie gut du als Chef wirklich bist. 

Souveränität ausstrahlen, bedeutet für mich: Ich darf innerlich Druck spüren, aber ich gebe ihn nicht ans Team weiter. Wenn ich angespannt wirke, verunsichert das sofort alle anderen. Wenn ich hektisch werde, wird das Team panisch. Wenn ich laut werde, verlieren alle die Orientierung. Deshalb ist es meine Aufgabe, Ruhe auszustrahlen, selbst wenn es im Hintergrund chaotisch ist.

Das heißt nicht, Probleme schönzureden oder so zu tun, als wäre alles easy. Es heißt, klar zu bleiben und strukturiert zu denken. Für mich hält Souveränität das Team zusammen – besonders dann, wenn es schwer wird. Denn die eigene Emotionalität hat einen enormen Einfluss auf die gesamte Crew. Und wer führen will, muss genau diesen Einfluss bewusst steuern können.

4. Vertrauen schaffen

Vertrauen ist für mich das Fundament einer guten Führung. Und es funktioniert nur, wenn es wechselseitig ist. Heißt, ich behandle die Menschen so, wie ich damals gern behandelt worden wäre: Ich spiele niemanden gegeneinander aus, ich rede nicht schlecht über Kollegen, ich gebe vertrauliche Infos nie weiter. Das klingt basic – ist es aber nicht.

5. Vision vorgeben

Eine Vision beantwortet die wichtigste Frage im Unternehmen: Wofür machen wir das alles eigentlich? Damit eine Vision trägt, denken wir immer zweistufig: zuerst individuell, dann kollektiv. Das heißt, wir formulieren für jede einzelne Person im Unternehmen eine persönliche Vision – also welche Rolle sie langfristig einnehmen möchte, welche Stärken sie ausbauen will, welchen Beitrag sie leisten will. Dann heben wir diese individuellen Visionen auf die Team- und Company-Ebene. So entsteht eine gemeinsame Richtung, die nicht von oben diktiert ist, sondern von allen getragen wird. 

Wahrscheinlich hätte ich auch ohne einen schlechten Chef verstanden, wie gute Führung aussehen sollte, aber es hat meine Ansichten extrem geprägt. Weil ich früh gemerkt habe, wie viel Vertrauen, Respekt und Motivation kaputtgehen können, wenn jemand Leadership falsch lebt. Heute ist mein Versprechen: Ich will der Chef sein, den ich mir damals gewünscht hätte. Dafür muss man nicht perfekt oder unfehlbar sein. Aber fair, klar, souverän und immer bereit, dazuzulernen.

Mehr von Jason Modemann:

Warum du keine Jahresziele brauchst



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen